He’s here, there, everywhere: Ror Wolf

Freitag, 21. Februar 2020 23:32


Was ich vom bourgeoisen Preßwesen halte, habe ich oft genug gesagt, ich will es heute nicht wiederholen. Es war jedenfalls keine Überraschung für mich, daß viele Artikel zum Tod Ror Wolfs lieb- und kenntnislose Pflichtübungen waren, aus Textbausteinen zusammengehauener Wortmüll, luschig redigiert und fehlerhaft wie das Gewerbe an sich.

Zum Glück hatte die Regel auch Ausnahmen – etwa Helmut Böttigers berührenden Abgesang im Deutschlandfunk. So etwas hilft, das gedankenarme Geräusch anderswo sogleich wieder zu vergessen, diesen Schwallqualm, der einem die dunklen Stunden sonst noch mehr verfinsterte.

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He‘s gone: Ror Wolf

Montag, 17. Februar 2020 23:55


Soeben erreicht mich die Nachricht, daß der größte
und begabteste Sohn, den unsere Mutter Sprache seit Arno Schmidt hatte, verstorben ist.

Mein Idol, mein Meister, mein Freund: Ror Wolf.

„Hier schweige ich, es fehlen mir die Worte.“ – „Ich trinke alles, was da ist.“

(Überhaupt kann nur Musik, eine bestimmte Musik, ausdrücken, was nicht zu sagen ist. Hören Sie deshalb, bitte, mit mir, was Ror Wolf das Liebste und Schönste war im Kosmos der Töne: Bix Beiderbeckes Solo in „I‘m Coming Virginia“.)


Photo: Privatbesitz Ror Wolf

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Zeuge der Geschichte (18)

Donnerstag, 6. Februar 2020 19:54


Als ich vom Tod des großen Künstlers Kirk Douglas las, verlor ich meinen Glauben ans ewige Leben, doch den an die Unsterblichkeit nicht.

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Schnipsel: Silvester 2019

Dienstag, 31. Dezember 2019 17:31


Gestern begriff ich, daß morgen ein neues Jahr beginnt.

Deshalb habe ich heute eine abgegrabbelte Kladde nach Texten durchgeflöht, die irgendwie zum Finis/Initium anni passen. Und, hallo!, ich fand einige Stückchen, die den Druck nicht verdient haben, aber hier, in dieser Art Notizbuch, eine passable Figur machen.

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Schlz der Retter (3/2 von 3)

Freitag, 27. Dezember 2019 23:59


[
Die Sozialdemokratie] wirkt fort als die staatlich konzessionierte
Anstalt für Verbrauch revolutionärer Energien.

Karl Kraus (1932)


Ich weiß nicht, ob die SPD noch zu retten ist. Aber ich weiß, daß ihr beim Parteitag am zweiten Adventswochenende nicht zu helfen war. Als die wackere Hilde Mattheis einen Initiativantrag zur sofortigen Auflösung der Großen Kotzalition vorstellte, geschah dies:

Buh-Rufe der Delegierten gehören nicht zu den gängigen Ausdrucksmitteln auf SPD-Parteitagen. Am Freitagnachmittag allerdings mußte Hilde Mattheis, seit vielen Jahren Vertreterin des linken Flügels in der Partei, Buh-Rufe ihrer Parteifreunde erdulden.
Handelsblatt, 6.12.2019

Wer immer da gebuht hat – hier blökt eine Stimme, die verstummen muß, will die Sozialdemokratie eine, irgendeine Zukunft haben.

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Sail away, HLG

Dienstag, 24. Dezember 2019 15:46

Hermann L. Gremliza ist tot. Diesen Verlust fühlen nur jene nicht, die es sich gerichtet haben mit unserem Staat, seinen Einwohnern und Medien und anderen Anmaßungen, Belästigungen, Gemeinheiten.

Hermann L. Gremliza ist tot. Mit ihm geht der Welt ein begnadeter Stilist abhanden, ein Mann von echtem, gänzlich undeutschem Esprit. Ein dichtender Denker, der bei aller Verachtung für die Deutschen und ihr Tum seiner schönen Mutter Sprache viel Freude bereitete. Und der die mißratenen Blagen, die Edelfedern, die Stilblütenpresser, die Korrumpels für ihre Vergehen an der deutschen Sprache unermüdlich abwatschte, der Mutter zu Ehren.

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Abteilung: Per sempre addio | Kommentare (15)

Schlz und der Wettkönig

Dienstag, 3. Dezember 2019 22:48


Die Aggressivität der Hauptstadtkorrespondenten wird immer irrationaler.
Sie haben ein anderes Ergebnis vorhergesagt. Und sie haben ein anderes gefordert.
Doch die Mehrheit der SPD-Mitglieder wollte nicht folgen. Dafür werden sie jetzt
mit „Analysen“ bestraft.

Timo Grunden via Twitter, 1.12.2019


Ich hab also recht behalten, mal wieder. Anders als meistens bin ich diesmal zufrieden mit meiner Rechthaberei. Der von allen Qual.medien ausgemachte Favorit und Retter Schlz samt seiner Alibifrau Geywitz haben es trotz einer konzertierten Kampagne der Seeheimer Kreisritter mit den staatstragenden Medien nicht gepackt, den SPD-Vorsitz an sich zu raffen.

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Abteilung: Kaputtalismus, Qualitätsjournalismus, Selbstbespiegelung | Kommentare (10)

Schlz der Retter (3/1 von 3)

Montag, 25. November 2019 21:23


Gegen George habe ich also, daß er schlechte Verse macht;
gegen den Krieg habe ich den Krieg, gegen die Presse die Presse,
gegen die Sozialdemokratie: eben sie.

Karl Kraus (1932)

Was bisher geschah: Zwei Wochen vor Schließung bzw. sieben Wochen nach Öffnung der Wahlliste fällt dem Bundesfinanzminister Olaf Schlz auf bzw. ein, daß er doch Zeit für einen Nebenjob hat, und er verkündet, sich um den SPD-Vorsitz bewerben zu wollen, unter anderem weil er, Schlz, so angesehen sei. Seine Selbsteinschätzung als „truly Sozialdemokrat“ wird allerdings nur von Leuten geteilt, die den Kopf brauchen, damit die Ohren nicht abfallen. Schlzens politische Bilanz weist weder soziale noch demokratische Erfolge aus, dafür enorme Defizite in Humanität, Solidarität und Integrität. Krumm wie sein Weg zur Kandidatur verläuft auch die Auswahl der Schlz-Komplizin resp. -Komparsin Klara Geywitz und die Nominierung des seltsamen Paars durch einen SPD-Kreisbezirksparteitag. Wer en détail betrachtet, wie Schlz sich innerparteiliche Erneuerung und Demokratie vorstellt, erhält hier eine Lektion, nach der man sich allerdings zu waschen hat.

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Abteilung: Man schreit deutsh, Qualitätsjournalismus | Kommentare (8)