Chanson sur le bourdon

Mittwoch, 14. November 2018 23:36

Für U. T.

Du bist nicht schlank und eher träg
Du fliegst nicht grade sondern schräg
Du trägst sogar im Sommer Pelz
Du bist fürs Eis im Herz der Schmelz.

Wer Hummeln nicht mag, ist ein dummer Geselle
Ein Fall für den Arzt oder gleich für die Zelle
Solch ein Kerl kippt bestimmt auch Gift in die Quelle
Wer Hummeln nicht mag, hat im Hirn eine Delle.

Weiterbrummeln

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Zeuge der Geschichte (16)

Dienstag, 13. November 2018 22:55


Als mir zugetragen wurde, daß Stan Lee verstorben ist, klingelte mein Spinnensinn wie verrückt, fühlte mein Fleisch sich an wie Stein, verfärbte meine Haut sich grau grün silbern, fiel der Schatten des Weltenverschlingers über alles und schien die kosmische Kraft zu versiegen.

Aber wie wir wissen: Superhelden sterben nicht, sie sind nur kurz weg.

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Schnipsel: 9. November 2018

Freitag, 9. November 2018 23:30


Schwermut als Chance

Also schon wieder Herbst, schon wieder kurze Tage, schon wieder schwarze Nächte, schon wieder kahle Bäume, schon wieder kalte Füße, schon wieder Tod, wohin du trittst.

Also wieder ein Jahr fast umgebracht, wieder viele schöne Momente verpaßt (von den häßlichen leider keinen).

Also schon wieder älter geworden, ohne es zu wünschen, also: dies Altsein.

Aber nie noch habe ich mehr gestaunt über die Farben, die Maler Herbst über die Welt kippt. Der Ahorn so rot! Der Boden unter den Bäumen so gelb! Die Wolken am Horizont so blau! Und zum ersten Mal in meinen 55 Herbsten denke ich: Hoffentlich darf ich das wiedersehen. (Wo ich sonst dachte: Warum muß ich das denn schon wieder sehen?)

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Abteilung: Aufgelesen, Die Spezies hat‘s verkackt, Kaputtalismus, Lieder ohne Werte, Man schreit deutsh, Per sempre addio, Qualitätsjournalismus, Schnipsel, Selbstbespiegelung | Kommentare (4)

Comment ça va ?

Montag, 29. Oktober 2018 21:56

Nach einem deftigen, übrigens berechtigten Arschtritt meines Meisters ist es mir gelungen, die Kommentarfunktion wieder funktionieren zu lassen.

In diesem peinlichen Zusammenhang sprechen sowohl mein Herr als auch sein säumiger Diener allen Lesern dieses Blogs, die auf die Störung hinwiesen, herzlichen Dank aus. Gleichzeitig möchten mein Gebieter und dieser Nichtsnutz hier das geschätzte Publikum um Entschuldigung für die Unannehmlichkeit bitten.

Wir hoffen, daß der Ärger über stümperhaft gewartete Technik sich an dem inkompetenten Administrator entlädt und nicht an einem genugsam geplagten Autor, der sich (seine Worte:) „nicht um jeden Scheiß kümmern“ mag.

Wie Sie zweifellos ahnen, muß ich seit einigen Tagen ohne Nachtisch ins Bett. Heute, seufz, dito.

Gez. Der Admin

Abb.: „Speech Bubble (89036)“,
by Nice and Serious [CC0],
via Wikimedia Commons

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Quizás

Mittwoch, 17. Oktober 2018 22:00

Vielleicht sollte ich nur noch über die schönen Phänomene schreiben. Über das Klagen der Bussarde da oben oder das Plappern der Spatzen hier unten. Über den Halbmond, wie er nachts die Wolken versilbert, oder über die Sonne, wie sie sich abends in Purpurtücher hüllt. Über das Tuscheln der Bäume oder das Taumeln der Hummeln. Über die Marienkäfer, die sich vorm Winterschlaf zu einem letzten Tanz versammeln, oder die Eichkater, die das Vorrätehorten aussehen lassen wie den größten Spaß der Welt. Über das neptunische Blau der Korn- oder das saturnische Orange der Ringelblumen, satt und warm sogar jetzt noch, Mitte Oktober.

Vielleicht sollte ich den Rest meines Lebens, will ich das Schreiben nicht ganz lassen, nur mehr über das Gute schreiben, das ja doch in diesem einen oder jenem anderen Menschen steckt, und nicht mehr über das Schlechte, das die meisten Artgenossen, leider, kultivieren. Vielleicht sollte ich über den Krankenpfleger schreiben, der von seinem lächerlichen Lohn DVDs mit berückenden Naturaufnahmen anschaffte, damit die Patienten, die Stunden über Stunden vor der OP-Schleuse darauf warten müssen, in der Hospitalfleischfabrik verwurstet zu werden, etwas anschauen können, das sie von ihrer Angst und Ohnmacht ablenkt. (Der Betrieb, von lauter BWL-Zombies organisiert, sieht nämlich nicht mal Tröstungen dieser geringsten Art vor; es kümmert ihn nicht, was seine Objekte bekümmert.)

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Abteilung: Selbstbespiegelung | Kommentare (8)

Fake News Blues

Mittwoch, 26. September 2018 23:49

Aaron „Pinetop“ Sparks gewidmet


Tag für Tag, Nacht für Nacht bin ich konfus.

Tag für Tag, Nacht für Nacht denk ich nur Mus.
Sobald ich Twitter klicke,
fühl ich den Fake-News-Blues.

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Abteilung: Bored beyond belief, Lieder ohne Werte, Qualitätsjournalismus | Kommentare (3)

Die 55. Seite

Dienstag, 24. Juli 2018 0:05

… oder: Das literarische Geburtstagsorakel

Wenn ein Mann ein Jubiläum begeht, das eine Schnapszahl enthält, dann darf er, glaube ich, etwas weniger Nüchternes tun und den Status quo sowie evtl. die nahe Zukunft aus jenen Büchern lesen, die er liebt wie sich selbst.

Und zwar immer aus einem Absatz auf der gedruckten Seite 55. Zum Deuten der Zufallsbotschaften hat unser Mann dann 52 Wochen Zeit, möglicherweise 55, schließlich ist er nicht mehr der Schnellste.

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Arno Schmidt

„Und überdem hätten die Herrschaftn sich doch wohl waschn dürfn; auch die Zeehne putzn. – Und den Korkn=hintn etwas fester schteckn !“ fügte ich ärgerlich hinzu; denn meinem Herrn Nachbarn flog er ebm, mit gut hörbarem POPP, heraus. (Und er lachte noch, froh der eig‘nen Kraft, rauh & cis=Taunensisch : ‚Wir sind die Nieder=Saxn !‘
KAFF auch Mare Crisium (1960)

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Olaf Stapledon

Man kam ferner überein, all jene Rundfunkangestellten zu entlassen, die verdächtig waren, mit derart schädlichen Idealen wie dem Pazifismus oder der Freiheit der Meinungsäußerung zu sympathisieren. Darüberhinaus wurden die Soldaten mit der Bewilligung eines staatlichen Mutterschaftszuschusses, der Einführung einer Junggesellensteuer und der regelmäßigen Ausstrahlung militärischer Propaganda beruhigt.
Der Sternenschöpfer (1937)

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Abteilung: Litterarische Lustbarkeiten, Selbstbespiegelung, Unerhört nichtig | Kommentare (7)

Wie es sich im Writersblock wohnt

Donnerstag, 19. Juli 2018 22:38

Schreibblockaden sind keineswegs einem Mangel an Themen oder einem Unterschuß an Ideen geschuldet. Im Gegenteil: Die Blockierer bauen, was mich betrifft, ihre Mauern erst dann, wenn zu viele Motive, viel zu viele Gedanken sich aufdrängen und der Autor daran verzweifelt, der Invasion Herr zu werden. Wenn ihn die Angst quält, der Sache in der, in seiner Sprache nicht gewachsen zu sein. Wenn das wenige, was er auf seiner Seite hat, die Wörter, die Lettern, ihm zu leise erscheint, zu blaß, verglichen mit den Bildern und Begebenheiten, den Gerüchten und Geräuschen, welche ihn von allen anderen Seiten bedrängen.

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Abteilung: Inside "Abfall", Selbstbespiegelung | Kommentare (7)