Apocalypso Haffau

Halbzeit in Karlsruhe, Spielstand null zu null – es sieht verdient schlecht aus für den Hamburger Sport-Verein. Aber man soll den Abend nicht vor dem Abpfiff loben. Feststeht jedenfalls, daß das Ende der Partie für Menschen mit der Raute im Herzen ein Desaster sein wird. Entweder weil sie, wie ich, ein weiteres Geeier des einst so glorreichen Vereins in der Bundesliga nicht ertragen würden. Oder weil sie, wie Uwe Seeler und andere von keiner Blamage Erschütterbare, es für ein Naturgesetz halten, daß der Haffau den 17ianderen Teams der Liga als Punktelieferant dient.

Wie immer die Sache ausgehen wird, einen passenden Film dazu kann manibereits jetzt besichtigen, und zwar auf dem löblichen Weblog „Prinzessinnenreporter“. (Wo die einzigen Hochadligen zu Hause sind, deren Einsatz in der Fischfabrik bzw. als Laternendekoration ich nicht befürworte.) Dero Hoheit Marit Hofmann und ihr Leibphotograph Fritz Tietz haben nämlich einen gleichermaßen formschönen wie würdigen „HSV-Totentanz“ inszeniert; übrigens zu großem Teil vor der Kulisse jener Grabstätte, über die ich am vergangenen Donnerstag gar nicht so unfeine Reime veröffentlichte:

Etwas eigenwillig erscheint mir allerdings die Wahl der Musik: Der „Tanz der Zuckerfee“ aus Tschaikowskis „Nußknacker“-Ballett paßt titelmäßig gewiß jederzeit zu Hoheit Hofmanns Auftritten, den „Tanz der Rohrflöten“ jedoch hätte ich vorgezogen. Und zwar wegen der Analogie zu „Pfeifen“, dem Schimpfwort, mit dem ich die Haffau-Akteure nicht erst seit zwei Jahren belege. – Je nun, Petitessen!

Und es gibt immer noch schlimmere Musik. Ein besonders scheußliches Stück stammt aus der größten Zeit des HaEsVau, und in die Welt gesetzt hat es Jimmy Hartwig, der den Vorfall immerhin mittlerweile bereut. Wer „Mama Calypso“ 30 Jahre nach der Premiere wiederhört, dem scheint‘s, als sei hier alles vorweggenommen, was heute den Abstieg des Klubs in die, werweiß, 5.iLiga so nötig macht: die Lächerlichkeit, die Talentferne, die Peinlichkeit. Und alle, die sich nachher über eine abermalige, abermals unverdiente „Rettung“ freuen sollten, müssen den Scheißdreck mindestens zwanzigmal nonstop hintereinander hören. In Disco-Lautstärke! Sonst kapieren sie‘s nie.

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Montag, 1. Juni 2015 20:00
Abteilung: Selbstbespiegelung, Unerhört nichtig

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