Aufgelesen (5): Kretschmann & Friends

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Seit ich 2008 für Feindbild Moslem zu recherchieren begann, weiß ich Online-Foren und Instant-Leserbriefe – nein, nicht zu schätzen, aber: ernstzunehmen. Kurz nach Erscheinen meines zu früh erschienenen Buchs donnerte der Erfolg von Sarrazin, Pegida und AfD herein. Mich überraschte dieser völkische Aufruhr nicht, wiewohl er mich bestürzte.

Dank dem Gequatsch und Gehechel der Web-Bierzelte fand und finde ich weit vor jeder soziologischen Erhebung heraus, wieisich die Republik stahlhart Steuerbord bewegt. Daher lese ich bei bestimmten Themen die anonymen Wortmeldungen aufmerksamer als die dpa-Durchsagen, denen sie ankleben. Und werde mit mathematischer Verläßlichkeit daran erinnert, warum mit Deutschen kein vernünftiger Staat zu machen ist.

Es gibt freilich und zum Glück auch Solisten, Stimmen der Vernunft. Eventuell treibe ich mich im Mahlstrom der mediokren Maulfurzer nur deshalb herum, um diese raren KameradInnen des Geistes auszufiltern. Die digitalen Medien mögen asozial sein, aber die Asis, mit denen ich sympathisiere, haben noch immer nicht kapituliert, reden gegen die Dummbeutel an, und ein Satz von ihnen desintegriert tausend Satzkotzbrocken von denen.

Heute nachmittag zum Beispiel erzählte Spiegel online von dem Video, das den Daimler-Vertrauten und Minipräsidenten Winfried Kretschmann in aller Häßlichkeit seiner Stimme, seines Dialekts und seiner Ideologie darüber fluchen zeigt, daß die Grünen sich entfernt daran erinnern, wofür sie mal gegründet wurden. Da will Herr K. nicht mitkämpfen und findet sich weltweise.

Im Kommentarbereich zum Spon-Text wird W. Kretschmann, der ein stinkautoritärer, opportunistischer Knochen schon war, als er vor vier Jahrzehnten bei den Maoisten anheuerte, meistenteils gelobt und bewundert. Doch zwischen all der SPON-affinen Hirnjauche meldet sich ein „fx33“ zu Wort und zeichnet das mit Abstand schlaueste und bündigste Ideogramm der Kretschmänner, das eins sich nur wünschen mag. Für so was les ich Online-Foren gern und übersehe dankbar die paar Flüchtigkeitsfehler:

All nuts in a shell.

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Freitag, 23. Juni 2017 23:45
Abteilung: Aufgelesen, Kaputtalismus

4 Kommentare

  1. 1

    Ihre einführenden Worte sind bei weitem unterhaltsamer als dieser etwas holperige Kommentar von fx33. Ich verstehe sein Problem, aber leider kann ich nicht überall wohnen. So bleibt ihm nur, meine Nachbarn zu beneiden.

    Nun, den Schlußsatz im fx33-Kommentar finde ich immer noch witzig. Aber natürlich habe ich nichts dagegen, wenn Sie mein Zeug unterhaltsamer finden als so was. KS

  2. 2

    Mövenpick-Gelb ist jetzt auch Mogel-Magenta. Und Grün-Grün? Das changiert inzwischen: zum Beispiel ins Kretschmann-Kotzfarbene. Oder doch mehr ins Palmer-Pastellbraune?
    Diese Herrschaften und ihre öko-identitäre Klientel möcht ich jedenfalls auch nicht in meiner Nachbarschaft haben. Wenn ich ehrlich bin: noch nicht mal in unserer Galaxis. Sie mitsamt ihren Erst- und Zweithybridautos bloß auf den Mond zu schießen würde nicht reichen. Es wär auch schade: für den Mond, denn dieser wunderschöne Himmelskörper ist derzeit noch weitgehend unverschmutzt.
    Zudem wäre eine solche lunare Endlagerung nicht ungefährlich für den Rest der menschlichen Spezies: Denn falls dereinst Aliens auf dem Weg zu uns auf dem Mond einen Zwischenhalt einlegen und dort auf das gefrorene Gefrieß vom Kretschmann stoßen sollten, dann würden sie den Planeten, der derart Entsetzliches hervorbrachte, mit Sicherheit eiligst tiefenreinigen wollen. Oder sicherheitshalber gleich komplett vaporisieren. „Mars Attacks!“ wär ein Kindergeburtstag dagegen.

    Und wenn nun die Kretschmänner in Wahrheit maskierte Aliens sind? Ich mein – so wie der Daimler-Miniprä redet doch kein echter Mensch, solche Laute produziert doch kein natürlich gewachsener Stimmapparat! KS

  3. 3

    Feindbild Moslem: großartiges Buch! (Hab‘ ich schon fast durch, bis auf den Interviewteil hinten.)
    Ich wünsche mir baldigst eine aktualisierte Neuauflage!
    Jetzt aber mal g’schwind die ganzen SciFi-Bücher und Comic-Heftchen aus der Hand gelegt und husch, husch, an den Schreibtisch!
    Ein Dankeschön von
    Daniel Lüdke

    Ohne meine Schundheftchen könnte ich keinen einzigen Satz schreiben. – Danke für das große Lob, freut mich sehr! KS

  4. 4

    Da könnte was dran sein. Wenn der Kretschmann tatsächlich ein Alien ist, dann könnten seine nasenlosen grauen Artgenossen ihn als so eine Art von Agent provocateur vorgeschickt haben: nämlich um herauszufinden, wie es um die moralische Reife unserer Spezies bestellt ist. Und wenn der Typ weiterhin so viel Zustimmung kriegt, dann werden wir sehr schlechte Zensuren kriegen. Ich seh sie schon vor mir, die unheildrohenden Schatten gigantischer extragalaktischer Kriegsraumschiffe über Stuttgart und Untertürkheim!
    Und nun frag ich mich: Wird unsere Kanzlerin es schaffen, die Massen von schwäbischen Flüchtlingen in unsere Leitkultur zu integrieren? Ihnen unsere schöne deutsche Sprache beizubringen? Bzw. könnte es nicht sogar sein, daß sie gar kein Interesse an einer solchen Eingliederung hat? Deutet die oft so eigenartig unmenschlich anmutende Art von Merkels Rede denn nicht darauf hin, daß auch dies Gesicht bloß eine Maske ist, hinter der sich namenlos Entsetzliches, Graues, Nasenloses verbirgt?
    Ich glaube, du hast recht: Sie sind schon längst unter uns. Und wenn wir da nicht bald was unternehmen, dann sind wir komplett am Arsch, fürchte ich.

    Das sind wir auch ohne Aliens. KS

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