Aus Berechnung homophob

Was an der Entscheidung der Iren für eine Ehe, die jeder mit jedem eingehen darf, neben der fortschrittlichen Tendenz besonders charmiert, ist die Erklärungsnot, in der nun die Fundamentalisten und Schwulenhasser hierzulande sich befinden. Offensichtlich hat „das Volk“, auf das besonders die Reaktionäre so gern sich berufen, keine Probleme damit, wenn ein Mann einen Mann oder eine Frau eine Frau heiratet und solche Paare dieselben Privilegien beanspruchen können wie die Heten. Völlig zu Recht verlangen die aufgeklärten Politiker in Deutschland deshalb einen Zensus wie in Irland oder – damit der üble Status quo (an dem „eingetragene Lebenspartnerschaften“ im Kern nichts ändern) zügigst ein Ende finde – einen Kabinettsbeschluß. So wäre die Große Koalition wenigstens ein Mal für was gut.

Weil aber Schwulen- und Lesbenhaß besonders in der CDU/CSU eine politische Heimat haben, wird weiterhin bloß Kosmetik betrieben, beteiligt sich die elende SPD weiterhin an der legalen Diskriminierung Homosexueller, sind Menschen, die das eigene Geschlecht dem anderen vorziehen, weiterhin von Artikel eins des Grundgesetzes ausgeschlossen. Das könnte ein Skandal sein, wenn die hiesige Öffentlichkeit es wollte, aber in Deutschland war die Öffentlichkeit selbst stets der größte Skandal.

Und darum gibt es mal wieder gar keinen Aufschrei und keine Initiative, antidemokratisches Denken in Partei und Parlament zu ächten, wenn Thomas Strobl – MdB aus Heilbronn, Rechtsanwalt in jedem Sinne, Landesvorsitzender der CDU Baden-Württemberg, stellvertretender Vorsitzender der CDU Deutschland, Mitglied im Vorstand von „ProStuttgart21 e. V.“ sowie im politischen Beirat des Bundesverbandes mittelständischer Wirtschaft –. wenn also dieser Strobl in die Mikrophone erbricht, es dürfe nicht passieren, daß im Bundestag ohne Fraktionszwang über die allseits offene Ehe abgestimmt wird. Denn „das Parlament muß berechenbar bleiben“.

So berechenbar wie z. B. zwischen 33 und 45 –? Die Frage sollte der Kerl schleunigst beantworten. Aber unsere Qualitätsmedien kommen nicht mal auf die Idee zu fragen. – Ich weiß jedenfalls, weshalb ich beleidigt bin, wenn mich einer für einen Journalisten hält.


Mittwoch, 27. Mai 2015 23:59
Abteilung: Man schreit deutsh, Qualitätsjournalismus

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