Archiv für die Abteilung 'Aphone Aphorismen'

Rück Ein Aus Blick

Samstag, 24. März 2018 1:18

Falls Sie, werte Leserin, lieber Leser, sich fragen, warum ich dieser Tage so wenig sage, obwohl weißgott sehr viel zu melden wäre …  Nun …

Vorhin stand ich in der Küche, schaute neben die Spüle und sah eine Reflexion der Welt, der Zeit, des Lebens, eine Metapher, die alles erklärt, bloß ohne Worte. Könnte ich malen, dies wär mein Motiv:

Ja!, so sieht es derzeit in meinem Hirnkastl aus. Sortiertes Chaos, forcierte Entropie. (Die Hoffnung, wenn eine ist, versteckt sich in den Details.)

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Abteilung: Aphone Aphorismen, Ich Ich Ich, Selbstbespiegelung | Kommentare (4) | Autor:

Aphone Aphorismen (10): Lüttje Lage

Dienstag, 23. Januar 2018 21:08


Dieser Satz ist kein Bonmot, keine Satire. Sondern eine empirisch überprüfbare These.

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Abteilung: Aphone Aphorismen, Die Spezies hat‘s verkackt, Kaputtalismus | Kommentare (2) | Autor:

Aphone Aphorismen (9): Pippilotta Cosplay

Samstag, 20. Mai 2017 1:58

Linie 21, 18.10 Uhr. Nah bei meinem alten Gymnasium besteigt ein Pärchen den Bus, das aus meinem Jahrgang sein könnte. Sie: die kupfernen Haare an den Schläfen zu Kleinemädchenantennen gezwirbelt, Klamotten am schlanken Leib wie für Hippies mit Bausparvertrag, vermutlich von Gudrun Sjödén in Taka-Tuka-Land fabriziert … Also, sie: die Augen geschminkt à la aufgerissen vor Lebenslust/Schalk/Neugier. Diese Frau ist Pippi Langstrumpf mit Mitte 50. trotz steigender Steifheit der Knochen immer noch raumgreifend beim Dauerquatschen und -kichern. Sie hat sogar – das stärkste Mädchen der Welt! – ihr treues Pferd auf dem Arm und trägt es rum, als wär es nicht mehr denn ein halber Dackel.

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Abteilung: Aphone Aphorismen, Stadtstreicherei | Kommentare (1) | Autor:

Aphone Aphorismen (8): NS Agents

Dienstag, 6. Dezember 2016 21:23


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Neulich der Gefährtin gedankenfrei auf die Voice-box gesprochen: „Ruf mich bitte zurück, wenn du dies abgehört hast.“

Sie antwortete vorher. Verdächtig.

Photo unter Verwendung von.: „phone signal“
by Mwtoews (Own work) [CC BY-SA 3.0],

via Wikimedia Commons

Abteilung: Aphone Aphorismen, Die beste aller Welten, Schwammintelligenz | Kommentare (0) | Autor:

Aphone Aphorismen (7): Mein ganzes Herz

Montag, 3. Juni 2013 21:29

Das größte Mysterium des Frischverliebtseins ist die Begeisterung für Kitsch gleich welcher Art. Wiewohl die Liebenden, sofern sie halbwegs gebildet sind, die Plumpheit und Effekthascherei der Kitschobjekte durchaus durchschauen, erliegen sie dem Geplärr des Schlagers, den Saccharinfarben des Nippes, den Schmachtblicken der Schmierenschauspieler voll Seligkeit und Wonne. Zieht freilich der Rausch vorbei, bezahlt das Liebespaar fürs blendende Glück mit Schamgefühlen aller Art und gerät in die erste große Krise. Denn nun fragt sich auch, ob das Gefühl füreinander gleichfalls ein Riesenkitsch ist. Das läßt sich nicht ausschließen. Wer aber nie ein Rummelplatz-Souvenir für das Schönste hielt, was ihm je zu Gesicht kam, der hat niemals geliebt.

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Abteilung: Aphone Aphorismen, Selbstbespiegelung | Kommentare (0) | Autor:

Aphone Aphorismen (6): Jedes Los gewinnt

Sonntag, 2. Juni 2013 22:37

Gelegentlich hat es den Anschein, als gäbe es nur mehr zwei Sorten von Kindern: Solche, die in Not verwahrlosen, und jene, die in Liebe überwacht werden. Während die einen keine Regeln mehr lernen außer der obersten der Warenwelt – wer nichts hat, bekommt auch nichts –, ist im Leben der anderen alles geregelt. Keinen Schritt können sie tun, der nicht vorgeplant, kommentiert, photographiert würde. Beim Besuch eines Jahrmarkts im reichsten Bezirk der reichsten Stadt Europas wird das zuckerwattierte Elend der rundum behüteten Kinder offenbar. Am Autoscooter drängeln sich ihre Eltern und Großeltern, um nur ja keinen Juchz- oder Wehblök der goldenen Kälber zu verpassen. Daß der Rummelplatz für Kinder über zehn Jahre ein Reservat sein müßte, wo niemand ihnen reinquatscht, ignorieren die Alten komplett.

Das Taschengeld zweckfrei auf den Kopf hauen für Süßigkeiten, Schießstand, Losbude, Kettenkarussell und natürlich den chaotischen Autoscooter, bis es dem Kind selbst zuviel wird, bis es den Betrug erkennt, der hinter den Sensationen der Kirmes steckt, bis ihm buchstäblich schlecht wird … Es war für den Präpubertierenden einst das größte Glück und die bitterste Desillusionierung. Anfänglich das mühsam zusammengeklaubte Klimpergeld verwaltend wie ein Pfeffersack, zum Schluß wie ein Nabob verjubelnd, von fern den Lärm der Lautsprechermusik und der kreischenden Altersgenossen wie eine Verheißung erlauschend, mittendrin vor Krach komplett den Verstand verlierend und wieder von fern die Geräusche des Jahrmarkts wie Hohnlaute hörend: Das ist nicht die schlechteste Lehre gewesen über die Hohlheit des Konsums und die Kürze erkauften Glücks. Die spätestkapitalistische Bourgeoisie allerdings möchte den Erfolg der Nachkunft mit solcher Vehemenz erzwingen, daß sie der Brut alles, was den Zieleinlauf gefährden könnte, vom Leib hält, besonders das Risiko, am Sinn jenes Erfolgs zu zweifeln.

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Abteilung: Aphone Aphorismen, Bored beyond belief, Kaputtalismus, Selbstbespiegelung, Unerhört nichtig | Kommentare (1) | Autor:

Aphone Aphorismen (5): Nichts wie weg

Samstag, 1. Juni 2013 19:48

Menschenleere Wege sind in der Großstadt am Tag so rar, daß der Flaneur sich nicht recht entscheiden mag, ob er sie benutzen möchte. Einerseits lockt die Aussicht, abseits des üblichen Gewimmels zu wandern und sich dabei ein bißchen wie Marco Polo zu fühlen. Die Propaganda des Boulevards hat andererseits eingeschärft, überall Gewalt zu fürchten. Nicht daß man sich von dergleichen bange machen ließe. Eher schreckt die Vorstellung, drauflos zu laufen und auf halber Strecke Artgenossen zu begegnen, die die Illusion eines Abenteuers zerstören. So bleibt dem Einwohner der Metropole, der was erleben will, bloß die Wahl zwischen zwei Arten der Enttäuschung: Der, die ihm seine Skepsis vorab verschafft, und jener, die ihm die Mitbürger etwas später antun werden. Vielleicht wirken Spaziergänger am Sonntag in ihren Jack-Wolfskin-Jacken deshalb noch verdrossener als unter der Woche auf dem Weg zur Arbeit. Eine Zivilisation ohne Zivilisation: die Utopie schlechthin.

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Abteilung: Aphone Aphorismen, Bored beyond belief, Selbstbespiegelung, Unerhört nichtig | Kommentare (0) | Autor:

Aphone Aphorismen (4): Worte verlieren

Freitag, 31. Mai 2013 23:21

An den Fluß gehen und eine Flaschenpost hineinwerfen, die man an sich selbst adressiert hat: Das dürfte das Merkmal großer Dichtung sein in einer Zeit, die erstickt unter der Last des Gedruckten und Gebloggten, die vor lauter Ansprache taub ist, die ihre entsetzliche Flüchtigkeit durch die Verschriftlichung noch des dümmsten Mumpitz zu bannen versucht. Versänke die Flaschenpost auf ihrem Weg vom Absender zum Absender, käme die Menschheit vielleicht um ein millenares Meisterstück. Aber welch ein heroischer Untergang das wäre! Zu dichten, ohne je einen Leser zu finden, ist selbstverständlich keine Heldentat, sondern der Normalfall. Aber das Risiko, nie gelesen zu werden, mit großer Geste herausfordern, es der Gefahr vorziehen, vom falschen Publikum belästigt zu werden: Das hat Stil. Und den muß einer schon besitzen, wenn er das Schreiben ernsthaft betreibt.

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