Archiv für die Abteilung 'Per sempre addio'

He’s here, there, everywhere: Ror Wolf

Freitag, 21. Februar 2020 23:32


Was ich vom bourgeoisen Preßwesen halte, habe ich oft genug gesagt, ich will es heute nicht wiederholen. Es war jedenfalls keine Überraschung für mich, daß viele Artikel zum Tod Ror Wolfs lieb- und kenntnislose Pflichtübungen waren, aus Textbausteinen zusammengehauener Wortmüll, luschig redigiert und fehlerhaft wie das Gewerbe an sich.

Zum Glück hatte die Regel auch Ausnahmen – etwa Helmut Böttigers berührenden Abgesang im Deutschlandfunk. So etwas hilft, das gedankenarme Geräusch anderswo sogleich wieder zu vergessen, diesen Schwallqualm, der einem die dunklen Stunden sonst noch mehr verfinsterte.

Weiterlesen

Abteilung: Per sempre addio, Sokolowsky anderswo | Kommentare (1) | Autor:

He‘s gone: Ror Wolf

Montag, 17. Februar 2020 23:55


Soeben erreicht mich die Nachricht, daß der größte
und begabteste Sohn, den unsere Mutter Sprache seit Arno Schmidt hatte, verstorben ist.

Mein Idol, mein Meister, mein Freund: Ror Wolf.

„Hier schweige ich, es fehlen mir die Worte.“ – „Ich trinke alles, was da ist.“

(Überhaupt kann nur Musik, eine bestimmte Musik, ausdrücken, was nicht zu sagen ist. Hören Sie deshalb, bitte, mit mir, was Ror Wolf das Liebste und Schönste war im Kosmos der Töne: Bix Beiderbeckes Solo in „I‘m Coming Virginia“.)


Photo: Privatbesitz Ror Wolf

Abteilung: Per sempre addio, Zeuge der Geschichte | Kommentare (6) | Autor:

Sail away, HLG

Dienstag, 24. Dezember 2019 15:46

Hermann L. Gremliza ist tot. Diesen Verlust fühlen nur jene nicht, die es sich gerichtet haben mit unserem Staat, seinen Einwohnern und Medien und anderen Anmaßungen, Belästigungen, Gemeinheiten.

Hermann L. Gremliza ist tot. Mit ihm geht der Welt ein begnadeter Stilist abhanden, ein Mann von echtem, gänzlich undeutschem Esprit. Ein dichtender Denker, der bei aller Verachtung für die Deutschen und ihr Tum seiner schönen Mutter Sprache viel Freude bereitete. Und der die mißratenen Blagen, die Edelfedern, die Stilblütenpresser, die Korrumpels für ihre Vergehen an der deutschen Sprache unermüdlich abwatschte, der Mutter zu Ehren.

Weiterlesen

Abteilung: Per sempre addio | Kommentare (15) | Autor:

Im Bernstein-Kabinett

Sonntag, 30. Dezember 2018 1:46

Mehr als eine Woche ist vergangen, seit Fritz Weigle, der sich auch F. W. Bernstein nannte, diese Welt verließ, und ich bin immer noch fassungslos und fühle mich weiterhin außerstande, einen ordentlichen Nachruf zu verfassen; doch immerhin habe ich ein paar Worte notieren können.

Weiterlesen

Abteilung: Litterarische Lustbarkeiten, Per sempre addio, Selbstbespiegelung, Zeuge der Geschichte | Kommentare (3) | Autor:

Zeuge der Geschichte (17)

Freitag, 21. Dezember 2018 18:38


Als ich vom Tod F. W. Bernsteins hörte,

Photo (Ausschnitt): „FW Bernstein“, by Fb 78
[CC BY-SA 2.0 de, CC BY-SA 3.0 or GFDL],
via Wikimedia Commons

Abteilung: Per sempre addio, Zeuge der Geschichte | Kommentare (1) | Autor:

Schnipsel: 9. November 2018

Freitag, 9. November 2018 23:30


Schwermut als Chance

Also schon wieder Herbst, schon wieder kurze Tage, schon wieder schwarze Nächte, schon wieder kahle Bäume, schon wieder kalte Füße, schon wieder Tod, wohin du trittst.

Also wieder ein Jahr fast umgebracht, wieder viele schöne Momente verpaßt (von den häßlichen leider keinen).

Also schon wieder älter geworden, ohne es zu wünschen, also: dies Altsein.

Aber nie noch habe ich mehr gestaunt über die Farben, die Maler Herbst über die Welt kippt. Der Ahorn so rot! Der Boden unter den Bäumen so gelb! Die Wolken am Horizont so blau! Und zum ersten Mal in meinen 55 Herbsten denke ich: Hoffentlich darf ich das wiedersehen. (Wo ich sonst dachte: Warum muß ich das denn schon wieder sehen?)

Weiterlesen

Abteilung: Aufgelesen, Die Spezies hat‘s verkackt, Kaputtalismus, Lieder ohne Werte, Man schreit deutsh, Per sempre addio, Qualitätsjournalismus, Schnipsel, Selbstbespiegelung | Kommentare (5) | Autor:

Solstitium decembris 2017

Mittwoch, 20. Dezember 2017 1:42


Was mich so am Winter stört,
habt ihr sicher oft gehört.
Ich verkünde‘s trotzdem mal,
ist auch das Interesse schmal.

Abgeneigt bin ich dem Frost
außer bei der Tiefkühlkost.
Liegt am Morgen etwas Schnee,
denke ich: ojemine!

Schlimm ist auch die Dunkelheit
in der dunklen Jahreszeit.
Schlimmer nur der Schnupfentropf
in der Nase an meim Kopf.

Dezember ist der Abschiedsmond.
Licht verglimmt am Horizont.
Laß die Zeit zu Ende gehn.
Sag: Tschüs! Sag nicht: Auf Wiedersehn.

Winter ist nur gut fürs Ski,
doch aufs Ski stell ich mich nie.
Schlittschuh soll ganz nett sein, echt!
Bis man sich die Knochen brecht.

Gibt‘s denn nichts, was mir gefällt
an der kaltgestellten Welt?
Eines ja, ich geb es zu.
Winters is a weng mehr Ruh.

Aber die kalten Hände … die roten Augen … diese Armesünderpose, zu der ein Winterwind die ehrbarsten Passanten zwingt … dieses Geduckte und von der Natur gedeckte Krümmen und Kleinmachen … die grotesken Verhüllungen, zu denen jeder Mensch im Winter gezwungen ist … Irgendwann reicht‘s. (In die Tropen kriegen mich trotzdem keine zehn Pferde!)

Abteilung: Adventskalender, Lieder ohne Werte, Per sempre addio | Kommentare (3) | Autor:

Meine Party mit Anita

Freitag, 24. Juli 2015 0:00

Anita_O'Day_Tokio_1963_Vidcap_01Dies alte Sehnen, dieses alte Gefühl,
so jung in mir, wie ich längst nicht mehr bin.
So viele Runden um den Heimatstern
zu überstehen, Stücker zweiundfünfzig,
das heißt, das ordinäre Lebensjahr
per Zahlenzauber in das größere,
das Jahr des Lebens zu verwandeln.
Und jedes Annum schrumpft zur Woche –
die Zeit vergeht im Alter schaurig schnell.
(Und was folgt nun? Verlängerung?
—————————-aaaDie zweite Halbzeit? Eher nicht.)

Weiterlesen

Abteilung: Discovery Channel, Lieder ohne Werte, Musicalische Ergetzungen, Per sempre addio, Selbstbespiegelung | Kommentare (3) | Autor: