Archiv für die Abteilung 'Per sempre addio'

Im Bernstein-Kabinett

Sonntag, 30. Dezember 2018 1:46

Mehr als eine Woche ist vergangen, seit Fritz Weigle, der sich auch F. W. Bernstein nannte, diese Welt verließ, und ich bin immer noch fassungslos und fühle mich weiterhin außerstande, einen ordentlichen Nachruf zu verfassen; doch immerhin habe ich ein paar Worte notieren können.

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Zeuge der Geschichte (17)

Freitag, 21. Dezember 2018 18:38


Als ich vom Tod F. W. Bernsteins hörte,

Photo (Ausschnitt): „FW Bernstein“, by Fb 78
[CC BY-SA 2.0 de, CC BY-SA 3.0 or GFDL],
via Wikimedia Commons

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Schnipsel: 9. November 2018

Freitag, 9. November 2018 23:30


Schwermut als Chance

Also schon wieder Herbst, schon wieder kurze Tage, schon wieder schwarze Nächte, schon wieder kahle Bäume, schon wieder kalte Füße, schon wieder Tod, wohin du trittst.

Also wieder ein Jahr fast umgebracht, wieder viele schöne Momente verpaßt (von den häßlichen leider keinen).

Also schon wieder älter geworden, ohne es zu wünschen, also: dies Altsein.

Aber nie noch habe ich mehr gestaunt über die Farben, die Maler Herbst über die Welt kippt. Der Ahorn so rot! Der Boden unter den Bäumen so gelb! Die Wolken am Horizont so blau! Und zum ersten Mal in meinen 55 Herbsten denke ich: Hoffentlich darf ich das wiedersehen. (Wo ich sonst dachte: Warum muß ich das denn schon wieder sehen?)

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Abteilung: Aufgelesen, Die Spezies hat‘s verkackt, Kaputtalismus, Lieder ohne Werte, Man schreit deutsh, Per sempre addio, Qualitätsjournalismus, Schnipsel, Selbstbespiegelung | Kommentare (5) | Autor:

Solstitium decembris 2017

Mittwoch, 20. Dezember 2017 1:42


Was mich so am Winter stört,
habt ihr sicher oft gehört.
Ich verkünde‘s trotzdem mal,
ist auch das Interesse schmal.

Abgeneigt bin ich dem Frost
außer bei der Tiefkühlkost.
Liegt am Morgen etwas Schnee,
denke ich: ojemine!

Schlimm ist auch die Dunkelheit
in der dunklen Jahreszeit.
Schlimmer nur der Schnupfentropf
in der Nase an meim Kopf.

Dezember ist der Abschiedsmond.
Licht verglimmt am Horizont.
Laß die Zeit zu Ende gehn.
Sag: Tschüs! Sag nicht: Auf Wiedersehn.

Winter ist nur gut fürs Ski,
doch aufs Ski stell ich mich nie.
Schlittschuh soll ganz nett sein, echt!
Bis man sich die Knochen brecht.

Gibt‘s denn nichts, was mir gefällt
an der kaltgestellten Welt?
Eines ja, ich geb es zu.
Winters is a weng mehr Ruh.

Aber die kalten Hände … die roten Augen … diese Armesünderpose, zu der ein Winterwind die ehrbarsten Passanten zwingt … dieses Geduckte und von der Natur gedeckte Krümmen und Kleinmachen … die grotesken Verhüllungen, zu denen jeder Mensch im Winter gezwungen ist … Irgendwann reicht‘s. (In die Tropen kriegen mich trotzdem keine zehn Pferde!)

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Meine Party mit Anita

Freitag, 24. Juli 2015 0:00

Anita_O'Day_Tokio_1963_Vidcap_01Dies alte Sehnen, dieses alte Gefühl,
so jung in mir, wie ich längst nicht mehr bin.
So viele Runden um den Heimatstern
zu überstehen, Stücker zweiundfünfzig,
das heißt, das ordinäre Lebensjahr
per Zahlenzauber in das größere,
das Jahr des Lebens zu verwandeln.
Und jedes Annum schrumpft zur Woche –
die Zeit vergeht im Alter schaurig schnell.
(Und was folgt nun? Verlängerung?
—————————-aaaDie zweite Halbzeit? Eher nicht.)

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Abteilung: Discovery Channel, Lieder ohne Werte, Musicalische Ergetzungen, Per sempre addio, Selbstbespiegelung | Kommentare (3) | Autor:

Du bist der Boß!

Dienstag, 16. Juni 2015 22:56

Rowohlt_Trauerkraehen_01_(c)_Kay_Sokolowsky

Spontane Trauerkundgebung für Harry Rowohlt in der Osdorfer Feldmark (Hamburg)

—-
Kein Bär von geringem, sondern einer von eminentem Verstand hat sich leider, leider für immer in den Hundertmorgenwald zurückgezogen. Er verstand ungewöhnlich viel, zum Beispiel vom Geschichtenerzählen. Doch am meisten von der Sprache, aus der die Poesie zieht, was Sprache werden soll. Harry Rowohlt konnte gegen gewaltige Kleinigkeiten wie ein Satzzeichen polemisieren wie hierzulande sonst nur Gremliza und Henscheid. Und wahrte dabei stets einen warmen Ton, so, wie man es sich von einem großen Bären wünscht.

Ich habe einige Male mit dem bedeutenden Mann geplaudert, nie sehr lange. Kollegial, weiter nichts. Und ich möchte mich jetzt backpfeifen dafür, Rowohlt nie gesagt zu haben, wieviel Spaß und Bewunderung mir seine Übertragungen der Robert-Crumb- und Gilbert-Shelton-Comics seit dreieinhalb Jahrzehnten bereiten, wie oft ich Wendungen daraus benutze, etwa diese: „Puha, der Kammerjäger muß auf die Pirsch!“ Versemmelt, Sokolowsky, setzen, sechs.

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Abteilung: Litterarische Lustbarkeiten, Per sempre addio, Qualitätsjournalismus | Kommentare (2) | Autor:

Vereins-Amt. (Für Michael Q.)

Donnerstag, 11. Dezember 2014 23:14

Kohlmeisenschwarm_(c)_Kay_Sokolowsky_01

Kohlmeisen schrein

Und taumeln kurzen Flugs zum Ast:

Bald wird es schnein –

Auch wenn’s euch gar nicht paßt!

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Gute Fahrt, Hotte!

Sonntag, 15. Dezember 2013 18:06

Der alte Scheißkerl Tod und sein Lumpenkumpel Krebs haben Horst Tomayer umgebracht. Wenn ich nicht wüßte, daß Hotte ein ziemlich pathosfreies Verhältnis zu den letzten Dingen hatte, würde ich jetzt eine Liste von Namen hinschreiben, die schon seit vielen Jahren auf einen Grabstein gehören, während Horst Tomayer dort noch lange nicht stehen sollte. Sondern Hof hielte in einer Gaststätte seines Vertrauens, ein Freund den Freunden, ein Gerechter unter den Menschen, ein Großer.

Als Schlußreimer, Kolumnist, Komiker, Gelegenheitsphilosoph und Rampensau ebenso begnadet wie als Überlandradler, Mopedcrack, Nacktbader, Halbegläserbierbesteller und Steinpilzexperte, ist mir an Hotte dies besonders bewundernswert erschienen: Er hat nie falsche Rücksicht genommen, sich niemals den Mund verbieten lassen. Und stets die Richtigen beleidigt. Meine Güte, wird er fehlen!

Mir und sehr vielen anderen. Die Redaktion von Konkret gedenkt Horst Tomayers auf ihrer Website sowie im kommenden Heft. Kollege René Martens hat für die Taz einen gleichermaßen warmherzigen wie kenntnisreichen Nachruf verfaßt. Und ich denke, daß ich jetzt weinen sollte, auch wenn das Hotte nicht so gut gefallen hätte. Fare thee well, Horst, gute Fahrt, addio!

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