Archiv für die Abteilung 'Qualitätsjournalismus'

Schlz und der Wettkönig

Dienstag, 3. Dezember 2019 22:48


Die Aggressivität der Hauptstadtkorrespondenten wird immer irrationaler.
Sie haben ein anderes Ergebnis vorhergesagt. Und sie haben ein anderes gefordert.
Doch die Mehrheit der SPD-Mitglieder wollte nicht folgen. Dafür werden sie jetzt
mit „Analysen“ bestraft.

Timo Grunden via Twitter, 1.12.2019


Ich hab also recht behalten, mal wieder. Anders als meistens bin ich diesmal zufrieden mit meiner Rechthaberei. Der von allen Qual.medien ausgemachte Favorit und Retter Schlz samt seiner Alibifrau Geywitz haben es trotz einer konzertierten Kampagne der Seeheimer Kreisritter mit den staatstragenden Medien nicht gepackt, den SPD-Vorsitz an sich zu raffen.

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Abteilung: Kaputtalismus, Qualitätsjournalismus, Selbstbespiegelung | Kommentare (2) | Autor:

Schlz der Retter (3/1 von 3)

Montag, 25. November 2019 21:23


Gegen George habe ich also, daß er schlechte Verse macht;
gegen den Krieg habe ich den Krieg, gegen die Presse die Presse,
gegen die Sozialdemokratie: eben sie.

Karl Kraus (1932)

Was bisher geschah: Zwei Wochen vor Schließung bzw. sieben Wochen nach Öffnung der Wahlliste fällt dem Bundesfinanzminister Olaf Schlz auf bzw. ein, daß er doch Zeit für einen Nebenjob hat, und er verkündet, sich um den SPD-Vorsitz bewerben zu wollen, unter anderem weil er, Schlz, so angesehen sei. Seine Selbsteinschätzung als „truly Sozialdemokrat“ wird allerdings nur von Leuten geteilt, die den Kopf brauchen, damit die Ohren nicht abfallen. Schlzens politische Bilanz weist weder soziale noch demokratische Erfolge aus, dafür enorme Defizite in Humanität, Solidarität und Integrität. Krumm wie sein Weg zur Kandidatur verläuft auch die Auswahl der Schlz-Komplizin resp. -Komparsin Klara Geywitz und die Nominierung des seltsamen Paars durch einen SPD-Kreisbezirksparteitag. Wer en détail betrachtet, wie Schlz sich innerparteiliche Erneuerung und Demokratie vorstellt, erhält hier eine Lektion, nach der man sich allerdings zu waschen hat.

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Abteilung: Man schreit deutsh, Qualitätsjournalismus | Kommentare (8) | Autor:

Schlz der Retter (2 1/2 von 3)

Sonntag, 29. September 2019 0:23


Bei der Sozialdemokratie frommt‘s nur der herrschenden Klasse
(der Bourgeoisie innerhalb und außerhalb der Partei);
und den Geführten wird, im Leerlauf der Organisation,
vor der ewigen Taktikerfrage: „Also was tan mr jetzt?“ –
bald die Antwort einfallen: „Jetzt tan uns die Füß‘ weh“.

Karl Kraus (1932)

In meinem Plan für diese Serie war das, was folgt, nicht vorgesehen. Aber wie‘s beim Recherchieren öfters geht, tauchen Details auf, die sogar den Rechercheur überraschen, und er muß neu disponieren.

Dabei ging es anfangs wirklich bloß um Details, die „überraschende“ Kandidatur O. Schlz‘ für den Chefposten der SPD betreffend. Ich wollte wissen, wer dem gar nicht beliebten Genossen geholfen hatte, überhaupt kandidieren zu können. Denn das Verfahren, welches der Parteivorstand Ende Juni beschloß, verlangt, daß Bewerber um den Parteivorsitz „die Unterstützung von mindestens 5 Unterbezirken oder einem Bezirk bzw. einem Landesverband“ brauchen, um antreten zu dürfen. Schlz, der seine Kandidatur am 18. August auf den vorletzten Drücker verkündete, war bis dahin von keinem Bezirk oder Verband nominiert worden. Also mußte er Unterstützer finden, und schnell.

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Abteilung: Man schreit deutsh, Qualitätsjournalismus | Kommentare (8) | Autor:

Schlz der Retter (1 von 3)

Donnerstag, 5. September 2019 22:01


Sozialdemokratie
Sie wissen jeweils die Richtung zu nehmen,
sie sind halb von dem, halb vom anderen Schlage,
und erleiden ihn von beiden Extremen,
indem sie trotzdem je nachdem sich bequemen:
halbschlächtig mit ganzer Niederlage.
Karl Kraus (1930)

Vielleicht sollte ich mein Geld fortan mit Wetten verdienen. Selbstverständlich nicht mit Sportwetten – ich würde sogar beim Toto keinen Cent gewinnen, und meine Vorhersagen etwa bei WM-Tippspielen sind notorisch absurd. Wetteinsätze auf Politiker bzw. politische Entscheidungen könnten sich jedoch – eine ordentliche Quote vorausgesetzt – mehr als günstig auf mein Konto auswirken. Ich behielt in den vergangenen Jahren so oft recht mit meinen Prognosen wie sämtliche Leitartikler des Landes zusammen nicht; und wenn ich mich mal vertat (etwa bei der Stichwahl zwischen Hillary Clinton und Bernie Sanders), lag es daran, daß die siegreiche Truppe massiv (und straffrei) betrogen hatte.

Ich war mir – um nur Beispiele aus diesem Jahr und hiesiger Provenienz zu nennen – schon im Januar sicher, daß Ursula v. d. Leyen für ihre herausragende Inkompetenz und vorsätzliche Verschwendung von öffentlichen Geldern mit einem Spitzenposten belohnt werden würde, auf dem sie wie in allen Ämtern zuvor gar nichts zu suchen, weil nichts verloren hat. Hätte der clevere, mit H. Kohl zu reden: „Friseurkopf“ Macron die Allwetter-Taft-Niete aus Niedersachsen nicht als EU-Kommissionschefin erkiest, sie wäre vermutlich zur Nato-Generalsekretärin befördert worden.

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Abteilung: Kaputtalismus, Man schreit deutsh, Qualitätsjournalismus | Kommentare (6) | Autor:

Claus Klebers Nachtgebet*

Mittwoch, 10. April 2019 23:45


Morgen fällt der Russe ein!
Bricht Gesetze und Gebein,
schießt die Katzen mausetot,
frißt dazu ein Russischbrot.
Herr, bewahr uns vor dem Russ‘
und vor Putins Genius!

Morgen fällt der Russe ein!
Führt sich auf als wie ein Schwein,
schielt den Jungfern untern Rock,
tanzt dazu den Kasatschok.
Gott, behüt uns vor dem Russ‘
und vor seinem Bruderkuß!

Morgen fällt der Russe ein!
Hackt Computer kurz und klein,
führt die Hypercyberschlacht,
liket sich selbst voll Niedertracht.
Herr, nimm bitte weg vom Russ‘
Al- und go- und rith- und -mus!

Morgen fällt der Russe ein!
Dann wird alles russisch sein,
schon zum Frühstück gibt es Borschtsch,
unsre Freiheit ist im Orschtsch.
Laß mich, Gott, niemals erlahmen
im Stuß vom Russ‘ – spasibo, amen!

_____________

* Am 4. April 2019 moderierte Claus Kleber das „heute journal“ mit diesen Sätzen an: „Guten Abend. Zu Wasser und zu Luft sind heute nacht amerikanische, deutsche und andere europäische Verbündete unterwegs nach Estland, um die russischen Verbände zurückzuschlagen, die sich dort wie vor einigen Jahren auf der Krim festgesetzt haben. – Keine Sorge. Das ist nicht so. Das ist nur eine Vision. Aber eine realistische.“

Photo (Ausschnitt): „St.Oswald – Hochaltar.
St.Oswald im Gebet vor der Schlacht 2“,
by Wolfgang Sauber [CC BY-SA 3.0],
via Wikimedia commons


Abteilung: Der schreckliche Iwan, Lieder ohne Werte, Qualitätsjournalismus | Kommentare (10) | Autor:

Schnipsel: Politur und Kultik

Montag, 8. April 2019 23:22

Anti-Trumputin-Demo, Los Angeles, 21.1.2017

Das Rußlandtor ist geschlossen
Die populärste Verschwörungstheorie des laufenden Jahrzehnts hat sich erledigt. Eine Narretei globalen Ausmaßes, ein auf nichts als Spekulation, Gerücht, Chauvinismus, Idiotie und Fake News beruhendes Komplottmärchen namens „Russiagate“ ist als der Quatsch erwiesen, der es von Beginn an war. Die Riesenhysterie um einen vermeintlichen Deal des Kreml mit Donald Trump zwecks Präsidentenwahl war blanker Wahn. Was nun bleibt, sind die Trümmer der „vierten Gewalt“, die Leichenteile einer Demokratie und zahllose belämmerte Gesichter. Es bleibt aber auch (und das sollte uns alle sorgen) trotz der Blamage der „Russiagater“ eine „Doomsday Clock“, die auf zwei Minuten vor der ewigen Mitternacht steht.

Vor drei Wochen übergab Sonderermittler Robert Mueller dem US-Generalstaatsanwalt William Barr, was er, Mueller, an Erkenntnissen und Dokumenten betreffs einer „Collusion“ des Trump-Teams mit Putin zusammengetragen hatte. Es war so gut wie nichts. Barr teilte am 24. März dem US-Senat und -Kongreß sowie dem Rest der Welt mit:

The Special Counsel’s investigation did not find that the Trump campaign or anyone associated with it conspired or coordinated with Russia in its efforts to influence the 2016 U.S. presidential election.

Das kann nur für jene eine Überraschung sein, die sich die Hose mit der Kneifzange anziehen bzw. glauben, ihre Art Journalismus habe Qualität, bloß weil sie es penetrant behaupten. Die anderen, die leider viel zu wenigen Journalisten, die von Beginn an rochen, daß an „Russiagate“ was faul ist, wurden entweder von der Qual.presse totgeschwiegen oder, wenn sie nicht so leicht zum Schweigen gebracht werden konnten – wie zumal Glenn Greenwald – unter den Verdacht gestellt, ebensolche Kremlsklaven zu sein wie das Mons-Trump (Pardon für den Kalauer).

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Abteilung: Inside "Abfall", Kaputtalismus, Musicalische Ergetzungen, Qualitätsjournalismus, Schnipsel, Sokolowsky anderswo | Kommentare (9) | Autor:

Empfehlung des Hauses

Samstag, 23. Februar 2019 23:32


Sie, liebe Leserin, werter Leser, haben lange nichts von mir gehört (außer ein paar kryptischen Reimen),
und das hat seine Gründe. Aber die will ich nicht ausbreiten, grund- und bodenlos, wie sie sind. Ich bin ja kein norwegischer Schriftstellerdarsteller.

Einige unter Ihnen haben es vielleicht vermißt, mein Geräusch zu vernehmen, und (wenn ich das schreiben darf, ohne peinlich zu erscheinen) ich auch. Ich habe viel zu lange nichts Ordentliches gebloggt. Das wird sich bald ändern. So viel kann ich versprechen, ohne falsch Zeugnis abzulegen. In meiner digitalen Kladde lauern drei dreiviertelfertige Essays über „Russiagate“, Relotius und richtiges Kino, die ich nirgendwo als hier, im „Abfall“, ablegen kann. Bzw. will.

Bis dahin bleibt mein Weblog eine trostlose Ödnis, sorry. Wer mich aber vorher wiederhören will, der findet am 25. Februar eine reelle Gelegenheit. Mein Kollege Fritz Tietz wird nämlich an diesem Tag um 20 Uhr anläßlich des „5. Hörkiosk“ in der Jupi-Bar (Caffamacherreihe 37-39) sein famoses Audio-Feature „Es darf ein bißchen mehr sein!vorstellen. Das sollten Sie sich nicht entgehen lassen, wenn Sie Einwohner meiner Hanselstadt sind.

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Abteilung: Qualitätsjournalismus, Sokolowsky anderswo | Kommentare (0) | Autor:

Schnipsel: 9. November 2018

Freitag, 9. November 2018 23:30


Schwermut als Chance

Also schon wieder Herbst, schon wieder kurze Tage, schon wieder schwarze Nächte, schon wieder kahle Bäume, schon wieder kalte Füße, schon wieder Tod, wohin du trittst.

Also wieder ein Jahr fast umgebracht, wieder viele schöne Momente verpaßt (von den häßlichen leider keinen).

Also schon wieder älter geworden, ohne es zu wünschen, also: dies Altsein.

Aber nie noch habe ich mehr gestaunt über die Farben, die Maler Herbst über die Welt kippt. Der Ahorn so rot! Der Boden unter den Bäumen so gelb! Die Wolken am Horizont so blau! Und zum ersten Mal in meinen 55 Herbsten denke ich: Hoffentlich darf ich das wiedersehen. (Wo ich sonst dachte: Warum muß ich das denn schon wieder sehen?)

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Abteilung: Aufgelesen, Die Spezies hat‘s verkackt, Kaputtalismus, Lieder ohne Werte, Man schreit deutsh, Per sempre addio, Qualitätsjournalismus, Schnipsel, Selbstbespiegelung | Kommentare (5) | Autor: