Archiv für die Abteilung 'Qualitätsjournalismus'

Blütenpresse

Mittwoch, 15. November 2017 1:22



Die Novemberausgabe meiner Lieblingszeitschrift Konkret bringt eine Polemik von mir (die auch online zu lesen ist). Das Pamphlet richtet sich wider all die bigotten Aufklärer, die behaupten, das Schimpfwort „Lügenpresse“ sei weiter nichts als Schimpf, und jeder, der die Lügen der Presse anprangert, eine Schande für die Demokratie und ein Zersetzer des Staats. Gleich zu Beginn behaupte ich:

Die biegsame Behandlung von Tatsachen ist [der Presse] eingeschrieben wie die Verachtung der Sprache, die sie zu beherrschen meint.

Da die Zeichenzahl auf Holz limitiert ist, konnte ich meine Behauptung nicht belegen. Das hole ich nach. Aber erst mal hol ich aus.

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Abteilung: Qualitätsjournalismus | Kommentare (4) | Autor:

Willkommen im Neo-Pliozän

Montag, 30. Oktober 2017 17:25


Der CO2-Gehalt in der Erdatmosphäre ist so hoch wie seit drei Millionen Jahren nicht mehr. 2016 lag der globale Durchschnittswert der Kohlendioxid-Konzentration bei 403,3 ppm (parts per million), eine Steigerung um 3,3 ppm verglichen mit dem Vorjahr. Diese neueste Schreckensnachricht der World Meteorical Organization (WMO) 
ist keiner einzigen Website der deutschen Qual.medien einen Aufmacher, vielen von ihnen nicht mal eine Meldung wert. Wo die Hiobsbotschaft doch erwähnt wird, garniert der Qual.journalist sie sogleich mit Flüchtigkeitsfehlern, etwa hier bei Tagesschau.de:

Das Kohlendioxid-Niveau ist im Jahr 2016 auf den höchsten Stand seit 800.000 Jahren gestiegen.

Tatsächlich ist der Pressemitteilung der WMO zu entnehmen:

Over the last 800.000 years, pre-industrial atmospheric CO2 content remained below 280 ppm […].

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Abteilung: Die Spezies hat‘s verkackt, Kaputtalismus, Qualitätsjournalismus | Kommentare (3) | Autor:

Media Lyrics

Sonntag, 29. Oktober 2017 16:03



Die nachstehenden Vierzeiler dürfen als Fußnoten zu Kay Sokolowskys soeben erschienener Konkret-Kolumne über das peinliche Selbstlob der Qual.journalisten angehörs der „Lü-gen-pres-se!“-Brüller verstanden werden.
Gez. „Abfall“-Admin

———————♦♦♦

Gestern sah ich fern und sah
gar nix, was mir wichtig war.
Heute seh ich fern und seh
alles, was ich gern verschmäh.

———————♦♦♦

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Abteilung: Lieder ohne Werte, Qualitätsjournalismus | Kommentare (1) | Autor:

Menopausenzeichen

Donnerstag, 21. September 2017 23:18

Einen Monat ist es her, daß ich hier was hinterließ. Ältere Wühler im „Abfall“ kennen solche langen Auszeiten von mir. Sie erinnern sich vielleicht auch an ein Gedicht, das ich mal darüber schrieb, eins meiner besseren. Trotzdem fragte jemand aus der guten alten Garde neulich (und besorgt) nach, wo ich denn nur geblieben sei, ob es dieses Blog noch gäbe. Nun – ich war da. Aber nicht hier. Das Bloggen reizte mich schlicht nicht. Das lag keineswegs an fehlender Resonzanz. So klein mein Publikum auch sein mag, an Zuspruch und Gentilezza hat es mir hier nie gemangelt. Ich freue mich über jeden Leser, der mich lobt (klar), und jeden, der mich kritisiert (echt). Solche Signale des Interesses sind wie Leuchtfeuer in der Dunkelheit des nächtlichen Meers, ein Wegweiser zur Zivilisation und manchmal ein Trost.

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Abteilung: Inside "Abfall", Qualitätsjournalismus, Selbstbespiegelung | Kommentare (6) | Autor:

Zeuge der Geschichte (14)

Montag, 21. August 2017 21:05

Als mir der Abgang Jerry Lewis‘ mitgeteilt wurde, schnitt ich eine Grimasse.

Einige Stunden später hörte ich im Deutschlandfunk das Kulturmagazin „Fazit“ und schnitt abermals eine Grimasse. Denn die Sendung eröffnete mit „Great Balls of Fire“ von Jerry Lee Lewis, und Moderator Eckhard Roelcke sagte anschließend, ein Komiker, der mit diesem „Rock‘n‘Roll-Hit von 1957 weltberühmt“ geworden sei, habe soeben das Zeitliche gesegnet.

Von solchen Verwechslungen lebt jede Komödie und für einen Lacher hatte der Verblichene, der leider gar nicht singen konnte, einst noch Peinlicheres riskiert. Insofern paßte die Eselei der „Fazit“-Qualijournalisten schon. Um so bedauerlicher, daß im Podcast der Sendung Roelckes lächerliche Ansage fehlt, das heißt, mit dem Notbeil tranchiert worden ist. Offenbar hat zwischenzeitlich die Putzfrau bemerkt, was der Schmock verbockte. Ich aber weiß jetzt, welches Kulturmagazin ich allen empfehlen kann, die vom bürgerlichen Feuilleton weder Kenntnis noch Ahnung erwarten und sich in diesem Vorurteil gern bestätigen lassen.

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Abteilung: Qualitätsjournalismus, Zeuge der Geschichte | Kommentare (5) | Autor:

A Spark

Freitag, 9. Juni 2017 1:50

So nervös war ich seit der Umtopfung unserer Westminister-Cathedral-Rose nicht mehr. Es vibrrriert. Von allen Seiten fliegt in der und durch die Tiefe der Nacht die Eilmeldung: Corbyns the man! Das Ergebnis ist knapp, fast gleichauf, sitzt auf der Schneide!

Das kann ja wohl nicht wahr sein. Kann das denn wahr sein?! Nach den ersten Prognosen steht fest: Keine Parlamentsmehrheit für die Tories, no, no, never. Wie schön ist allein das schon, wie tröstlich! Und es geht immer noch mehr.

Und das neoliberale Schleimgesocks zumal der Qualitätsmedien kann die ersten Hochrechnungen nicht fassen, es stammelt auf den diversen Frequenzen, wie erwischte Heuchler stottern. Herrliche Studioszenen, riesige Sträuße aus Blüten der Lüge!

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Abteilung: Kaputtalismus, Qualitätsjournalismus, The real pulse of Europe | Kommentare (15) | Autor:

Eine Heldin unserer Zeit

Freitag, 19. Mai 2017 0:30

Wenn in kommenden, hoffentlich aufgeklärten Geschichtsbüchern über die wahrhaft großen Menschen, die echten Helden und moralischen Autoritäten, die kompromißlosen Humanisten unserer Zeit geschrieben werden wird, dürften ihr Name und ihre Geschichte prominent erwähnt, ihre unfaßbare Courage und vorbildliche Tapferkeit endlich angemessen gewürdigt werden: Chelsea Manning.

Nach sieben Jahren einer politischen Haft, wie sie außerhalb von Diktaturen und Einparteiennationen eher unüblich ist, nach sieben Jahren Isolation, Demütigung, physischem und psychischem Terror wurde Obamas nobelste und vorletzte Amtshandlung, die „Begnadigung“ Mannings, am 17. Mai endlich exekutiert.

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Abteilung: Kaputtalismus, Qualitätsjournalismus, Zeuge der Geschichte | Kommentare (0) | Autor:

#FreeDeniz (2): Lumpazilitanei

Donnerstag, 16. März 2017 1:51

Der deutsche Journalist Deniz Yücel sitzt seit dem 14. Februar in türkischer Haft. Diese Freiheitsberaubung wird mit nichts als Lügen begründet. Doch erst nach Wochen und wachsendem außerparlamentarischen Druck hat unsere Regierung sich bequemt, das offenbare Justizverbrechen an einem eidlich Schutzbefohlenen wahrzunehmen.

Spiegel online meldete Dienstagnachmittag:

Deutsche Diplomaten dürfen weiter nicht mit Yücel sprechen – obwohl der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim dies Kanzlerin Angela Merkel persönlich zugesichert hatte.

Und was tut das Auswärtige Amt nun? Schmollen?

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Abteilung: Die Spezies hat‘s verkackt, Kaputtalismus, Man schreit deutsh, Qualitätsjournalismus, Schwammintelligenz | Kommentare (0) | Autor: