Archiv für die Abteilung 'Qualitätsjournalismus'

Claus Klebers Nachtgebet*

Mittwoch, 10. April 2019 23:45


Morgen fällt der Russe ein!
Bricht Gesetze und Gebein,
schießt die Katzen mausetot,
frißt dazu ein Russischbrot.
Herr, bewahr uns vor dem Russ‘
und vor Putins Genius!

Morgen fällt der Russe ein!
Führt sich auf als wie ein Schwein,
schielt den Jungfern untern Rock,
tanzt dazu den Kasatschok.
Gott, behüt uns vor dem Russ‘
und vor seinem Bruderkuß!

Morgen fällt der Russe ein!
Hackt Computer kurz und klein,
führt die Hypercyberschlacht,
liket sich selbst voll Niedertracht.
Herr, nimm bitte weg vom Russ‘
Al- und go- und rith- und -mus!

Morgen fällt der Russe ein!
Dann wird alles russisch sein,
schon zum Frühstück gibt es Borschtsch,
unsre Freiheit ist im Orschtsch.
Laß mich, Gott, niemals erlahmen
im Stuß vom Russ‘ – spasibo, amen!

_____________

* Am 4. April 2019 moderierte Claus Kleber das „heute journal“ mit diesen Sätzen an: „Guten Abend. Zu Wasser und zu Luft sind heute nacht amerikanische, deutsche und andere europäische Verbündete unterwegs nach Estland, um die russischen Verbände zurückzuschlagen, die sich dort wie vor einigen Jahren auf der Krim festgesetzt haben. – Keine Sorge. Das ist nicht so. Das ist nur eine Vision. Aber eine realistische.“

Photo (Ausschnitt): „St.Oswald – Hochaltar.
St.Oswald im Gebet vor der Schlacht 2“,
by Wolfgang Sauber [CC BY-SA 3.0],
via Wikimedia commons


Abteilung: Der schreckliche Iwan, Lieder ohne Werte, Qualitätsjournalismus | Kommentare (8) | Autor:

Schnipsel: Politur und Kultik

Montag, 8. April 2019 23:22

Anti-Trumputin-Demo, Los Angeles, 21.1.2017

Das Rußlandtor ist geschlossen
Die populärste Verschwörungstheorie des laufenden Jahrzehnts hat sich erledigt. Eine Narretei globalen Ausmaßes, ein auf nichts als Spekulation, Gerücht, Chauvinismus, Idiotie und Fake News beruhendes Komplottmärchen namens „Russiagate“ ist als der Quatsch erwiesen, der es von Beginn an war. Die Riesenhysterie um einen vermeintlichen Deal des Kreml mit Donald Trump zwecks Präsidentenwahl war blanker Wahn. Was nun bleibt, sind die Trümmer der „vierten Gewalt“, die Leichenteile einer Demokratie und zahllose belämmerte Gesichter. Es bleibt aber auch (und das sollte uns alle sorgen) trotz der Blamage der „Russiagater“ eine „Doomsday Clock“, die auf zwei Minuten vor der ewigen Mitternacht steht.

Vor drei Wochen übergab Sonderermittler Robert Mueller dem US-Generalstaatsanwalt William Barr, was er, Mueller, an Erkenntnissen und Dokumenten betreffs einer „Collusion“ des Trump-Teams mit Putin zusammengetragen hatte. Es war so gut wie nichts. Barr teilte am 24. März dem US-Senat und -Kongreß sowie dem Rest der Welt mit:

The Special Counsel’s investigation did not find that the Trump campaign or anyone associated with it conspired or coordinated with Russia in its efforts to influence the 2016 U.S. presidential election.

Das kann nur für jene eine Überraschung sein, die sich die Hose mit der Kneifzange anziehen bzw. glauben, ihre Art Journalismus habe Qualität, bloß weil sie es penetrant behaupten. Die anderen, die leider viel zu wenigen Journalisten, die von Beginn an rochen, daß an „Russiagate“ was faul ist, wurden entweder von der Qual.presse totgeschwiegen oder, wenn sie nicht so leicht zum Schweigen gebracht werden konnten – wie zumal Glenn Greenwald – unter den Verdacht gestellt, ebensolche Kremlsklaven zu sein wie das Mons-Trump (Pardon für den Kalauer).

Weiterlesen

Abteilung: Inside "Abfall", Kaputtalismus, Musicalische Ergetzungen, Qualitätsjournalismus, Schnipsel, Sokolowsky anderswo | Kommentare (5) | Autor:

Empfehlung des Hauses

Samstag, 23. Februar 2019 23:32


Sie, liebe Leserin, werter Leser, haben lange nichts von mir gehört (außer ein paar kryptischen Reimen),
und das hat seine Gründe. Aber die will ich nicht ausbreiten, grund- und bodenlos, wie sie sind. Ich bin ja kein norwegischer Schriftstellerdarsteller.

Einige unter Ihnen haben es vielleicht vermißt, mein Geräusch zu vernehmen, und (wenn ich das schreiben darf, ohne peinlich zu erscheinen) ich auch. Ich habe viel zu lange nichts Ordentliches gebloggt. Das wird sich bald ändern. So viel kann ich versprechen, ohne falsch Zeugnis abzulegen. In meiner digitalen Kladde lauern drei dreiviertelfertige Essays über „Russiagate“, Relotius und richtiges Kino, die ich nirgendwo als hier, im „Abfall“, ablegen kann. Bzw. will.

Bis dahin bleibt mein Weblog eine trostlose Ödnis, sorry. Wer mich aber vorher wiederhören will, der findet am 25. Februar eine reelle Gelegenheit. Mein Kollege Fritz Tietz wird nämlich an diesem Tag um 20 Uhr anläßlich des „5. Hörkiosk“ in der Jupi-Bar (Caffamacherreihe 37-39) sein famoses Audio-Feature „Es darf ein bißchen mehr sein!vorstellen. Das sollten Sie sich nicht entgehen lassen, wenn Sie Einwohner meiner Hanselstadt sind.

Weiterlesen

Abteilung: Qualitätsjournalismus, Sokolowsky anderswo | Kommentare (0) | Autor:

Schnipsel: 9. November 2018

Freitag, 9. November 2018 23:30


Schwermut als Chance

Also schon wieder Herbst, schon wieder kurze Tage, schon wieder schwarze Nächte, schon wieder kahle Bäume, schon wieder kalte Füße, schon wieder Tod, wohin du trittst.

Also wieder ein Jahr fast umgebracht, wieder viele schöne Momente verpaßt (von den häßlichen leider keinen).

Also schon wieder älter geworden, ohne es zu wünschen, also: dies Altsein.

Aber nie noch habe ich mehr gestaunt über die Farben, die Maler Herbst über die Welt kippt. Der Ahorn so rot! Der Boden unter den Bäumen so gelb! Die Wolken am Horizont so blau! Und zum ersten Mal in meinen 55 Herbsten denke ich: Hoffentlich darf ich das wiedersehen. (Wo ich sonst dachte: Warum muß ich das denn schon wieder sehen?)

Weiterlesen

Abteilung: Aufgelesen, Die Spezies hat‘s verkackt, Kaputtalismus, Lieder ohne Werte, Man schreit deutsh, Per sempre addio, Qualitätsjournalismus, Schnipsel, Selbstbespiegelung | Kommentare (5) | Autor:

Fake News Blues

Mittwoch, 26. September 2018 23:49

Aaron „Pinetop“ Sparks gewidmet


Tag für Tag, Nacht für Nacht bin ich konfus.

Tag für Tag, Nacht für Nacht denk ich nur Mus.
Sobald ich Twitter klicke,
fühl ich den Fake-News-Blues.

Weitersingen

Abteilung: Bored beyond belief, Lieder ohne Werte, Qualitätsjournalismus | Kommentare (3) | Autor:

Die hohlste der Parteien. Fragment (1)

Donnerstag, 26. April 2018 17:10

Die SPD wird gebraucht.
Bätschi, sage ich dazu nur.
Und das wird ganz schön teuer.
Bätschi, sage ich dazu nur.
Andrea Nahles, 7.12.2017

Die Zustände hier sind entwürdigend!
Ich protestiere im Namen des Sortiments!
Asterix – Die Lorbeeren des Cäsar

Wann wir schreiten in die Pleite

Seit Monaten will ich meinen Ausführungen über die blödeste, obszönste sowie jämmerlichste der Parteien ein Finale mit Andrea Nahles folgen lassen. Über mein langes Zögern & Zagen ist die hohlste aller SPD-Frauen nun eine gernegroße Vorsitzende geworden. Aber das hätte, glaube ich, die stärkste Polemik der Literaturgeschichte nicht verhindern können.

Ein formal und erzählerisch geschlossenes Nahles-Stück, wie ich es mir mal vorstellte, wird niemals erscheinen. Es ist mir schlicht nicht möglich. Ich habe dafür weder die Zeit, die Kraft noch, vor allem, die Lust. Denn jede Stunde, die ich an das Studium der Politiksimulantin Nahles verwende, macht mich verdrossener, sprachloser und: dümmer. Es ist in den Worten und Aktionen, der Ideologie und dem Intrigantentum dieser Frau etwas so unfaßbar Intellektfreies, daß man es nicht packen kann, ohne dabei selbst zu verblöden.

Weiterlesen

Abteilung: Kaputtalismus, Qualitätsjournalismus | Kommentare (12) | Autor:

Schnipsel (4): 22. April 2018

Sonntag, 22. April 2018 21:18



Verbrecher und ihre Helfershelfer

Den Vereinten Nationen gehören 193 Staaten an. Um Mitglied der Organisation werden zu können, mußten sie die Charta der UNO ratifizieren. UN-Mitglieder, die gegen die Charta verstoßen, brechen den Vertrag und ebenso die eigene Gesetzgebung, die sich qua Ratifikation den supranationalen Regeln der UN unterworfen hat. Es gibt hier keine Hintertüren, keine Sophisterei, keine Ausreden. Mitglieder, die sich nicht an die Charta der UN halten, verletzen einen Kontrakt, den sie selbst und ohne Zwang gebilligt haben.

Weiterlesen

Abteilung: Der schreckliche Iwan, Kaputtalismus, Man schreit deutsh, Qualitätsjournalismus, Schnipsel, The real pulse of Europe | Kommentare (10) | Autor:

Schnipsel (3): 6. April 2018

Freitag, 6. April 2018 23:54

Robins in the Hood

Beim Spaziergang durchs Viertel zehniRotkehlchen gesichtet und mindestens 20 gehört und irgendwann vor Rührung ein bißchenigeweint.

Wie aus etwas so Kleinem so große Musik kommen kann, solch ein Wohlklang, solch entzückender, beglückender Gesang! Wie diese munteren Gesellen sich gegen die Kakophonie der Killeraffen, den Krach der Autos, der Jets, der Baumaschinen behaupten! Wie sie die glühende Brust aufpumpen, die Schnäbelchen aufsperren und flöten und trillern, kolorieren und jubilieren –: Das ist ein wahres Wunder und ein Segen und eine Freude, und all die Zombies, die an mir vorbeihuschen, den Blick stier aufs Smartphone-Display geheftet, blicklos für das Gottesgeschenk fünf Meter über ihnen, taub für die betörende Schönheit der Töne, sind zusammen nicht halb so viel wert wie dieses eine Rotkehlchen, dieser eine Winzling, diese Krone der Schöpfung.

Was bleibt einem Menschen da übrig als ein bißchen zu weinen?

Weiterlesen

Abteilung: Die Spezies hat‘s verkackt, Kaputtalismus, Musicalische Ergetzungen, Qualitätsjournalismus, Schnipsel, The real pulse of Europe, Timmis Freunde | Kommentare (12) | Autor: