Archiv für die Abteilung 'Schwammintelligenz'

Die Spezies hat‘s verkackt (3)

Mittwoch, 25. Januar 2017 0:45

Nur eine Menschheit, der der Tod so gleichgültig geworden ist wie ihre Mitglieder:
eine, die sich selber starb, kann ihn administrativ über Ungezählte verhängen.
Theodor W. Adorno,
Minima Moralia, „Abdeckerei“ (1951)


Beweisstück 3: Pfleger
der Landschaft

Die Zerstörung aller Existenzgrundlagen im Auftrag von Wachstum und Rendite
verläuft auch deshalb so glatt und flott, weil die Spezies nicht kapiert, daß sie untrennbar der Natur angehört, über welche sie rücksichtslos verfügt. Weil Menschen weiterhin an die Technik als Lösung für alle Probleme, welche die Technik erschafft, glauben, kommt uns die Biosphäre wie etwas vor, das sich nach Belieben verschmutzen läßt – irgendeine Maschine wird den Mist schon wegmachen. Und er verschwindet auch, doch nur für unseren Augenschein. Er wird in die Elendsregionen der Erde exportiert oder kilometertief vergraben oder, beliebtester Trick, in den Ozeanen verklappt. Aber so lange der Warenweltbürger giftiges Wasser aus Plastikflaschen säuft, wird er sich an giftigem Plastik im Wasser so wenig stören wie an einer Verschwendung, die desto rasender grassiert, je weniger zum Verschwenden da ist.

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Abteilung: Die Spezies hat‘s verkackt, Kaputtalismus, Schwammintelligenz | Kommentare (4) | Autor:

Die Spezies hat‘s verkackt (2)

Freitag, 20. Januar 2017 0:32

Man möchte wahrlich sagen: die Menschen sind die Teufel der Erde,
und die Tiere die geplagten Seelen. […]
Die Welt ist kein Machwerk und die Tiere kein Fabrikat zu unserm Gebrauch.“
Arthur Schopenhauer,
Parerga und Paralipomena.
Zweiter Band, Kapitel 15:
Über Religion
(1851)

Beweisstück 2: Kronprätendenten der Schöpfung
Vor kurzem wurde der Konzernatlas 2017
veröffentlicht. Er widmet sich den Konzentrationsprozessen in der Landwirtschaft, der immer stärkeren Monopolisierung in Produktion und Vertrieb von Nahrung. Die Herausgeber – Oxfam, BUND, Germanwatch, Le Monde Diplomatique, Heinrich-Böll- und Rosa-Luxemburg-Stiftung – schreiben im Vorwort:

Die Agrar-, Lebensmittel- und Handelskonzerne treiben die Industrialisierung entlang der gesamten Wertschöpfungskette vom Acker bis zur Ladentheke voran. Sie fördern mit ihrer Verkaufs- beziehungsweise Einkaufspolitik eine Landwirtschaft, bei der die Steigerung der Produktivität im Mittelpunkt steht und der Kampf um Marktanteile häufig zulasten der schwächsten Glieder in der Lieferkette geht: der Bäuerinnen und Bauern sowie der Arbeiter und Arbeiterinnen.

Das ist der kapitalistische Lauf der Dinge, der – anders als die Herausgeber hoffen – nicht durch eine „sozial-ökologisch orientierte politische Regulierung“ aufzuhalten ist, sondern allein durch die Entfernung des Kapitalismus. Die Folgen einer auf Profitmaximierung und Shareholder-value getrimmten Agrarindustrie nicht bloß für die Bauern, sondern auch für die Kundschaft sind im Konzernatlas zum Entsetzen genau beschrieben. Doch weder die zuständigen Ministerien und Behörden noch gar die profitierenden Konzerne dürften sich von der Lektüre beeindrucken lassen; sie werden drauf scheißen, wie sie generell auf alles scheißen, was die Geschäfte oder die „Rahmenbedingungen“ stört. Und die Leute, die die Suppe auslöffeln? Die freuen sich über die scheingünstigen Preise im Supermarkt und fressen jeden Scheißdreck, den die Herren des Marktes ihnen servieren.

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Abteilung: Die Spezies hat‘s verkackt, Kaputtalismus, Schwammintelligenz | Kommentare (6) | Autor:

Die Spezies hat‘s verkackt (1)

Montag, 16. Januar 2017 22:17

Inhumanity, n. One of the signal and characteristic qualities of humanity.“
Ambrose Bierce,
The Unabridged Devil‘s Dictionary
(1911)


Der große Dichter Hermann Peter Piwitt spricht, wenn es um die Art Mensch geht, gelegentlich von „Killeraffen“. Das ist, finde ich, zu freundlich ausgedrückt. Die ebenso egozentrische wie blinde Zerstörungswut unserer Gattung ist über bloße Verbrechen an der Materie, lebendiger wie lebenswichtiger, noch weiter hinaus als über den letzten Termin zur Erhaltung des heutigen Weltklimas; humaner Vernichtungswahn läßt sich im fortschreitenden 21. Jahrhundert nur mehr mit Vokabeln aus der Psychopathologie benennen. Die allgewaltigen Primaten sind kollektiv irre geworden – irre an ihren Möglichkeiten und ihrer eingebildeten Wirklichkeit, irre zuletzt an sich selbst.

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Abteilung: Die beste aller Welten, Die Spezies hat‘s verkackt, Kaputtalismus, Schwammintelligenz | Kommentare (10) | Autor:

Aphone Aphorismen (8): NS Agents

Dienstag, 6. Dezember 2016 21:23


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Neulich der Gefährtin gedankenfrei auf die Voice-box gesprochen: „Ruf mich bitte zurück, wenn du dies abgehört hast.“

Sie antwortete vorher. Verdächtig.

Photo unter Verwendung von.: „phone signal“
by Mwtoews (Own work) [CC BY-SA 3.0],

via Wikimedia Commons

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Abteilung: Aphone Aphorismen, Die beste aller Welten, Schwammintelligenz | Kommentare (0) | Autor:

Kreatiphe Orthogravie (6): Rohentwurf

Dienstag, 4. Oktober 2016 22:38

Ich bin sicher, daß „jotka26“ es gut bzw. nicht so gemeint hat mit seinem Kommentar zu einem Tagesspiegel-Artikel über die Nazis in Dresden und ihre Freunde und Helfer. Aber nun steht er dumm da mit seiner Sprachkritik und sorgt für den einzigen Lacher, den ich den Vorgängen abgewinnen kann:

tagesspiegel-forum_04-10-16

Nämlich bei der Verstopfung angekommen. In „weiteren“ 18 Monaten ist die Sprache dann vollends versaugt.

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Abteilung: Kreatiphe Orthogravie, Man schreit deutsh, Schwammintelligenz | Kommentare (7) | Autor:

Schwammintelligenz (3): À votre santé !

Sonntag, 28. August 2016 0:42


Ich muß erst mal mich selber zitieren, bevor ich zur Sache komme:

Es ist nichts Besonderes, eine Meinung zu haben. Jeder Mensch hat eine, manchmal sogar eine eigene. […]
Daß zum Schreiben mehr gehört als der Besitz einer Tastatur, daß Denken erst beginnt, wo es sich in Frage stellt, daß, drittens, die Angst, sich vor sich selbst zu blamieren, schon kennen sollte, wer den Talmimut der ano- bzw. pseudonymen Meinungsbekundung reklamiert –: ist den gemeinen Online-Schwaflern so egal wie alles, was ihren Kopf dazu anhalten könnte, ihn ernsthaft zu benutzen. Gewiß ist das Meinunghabendürfen ein Menschenrecht. Das Schweigen allerdings auch. Auf ein Wort, das man in die Welt setzt, sollten hundert Sätze kommen, die im Papierkorb landen.

Und nun ein Musterbeispiel schwammiger Intelligenz, wie es sogar in den Foren von Spiegel online nicht oft vorkommt. Ich hab‘s heute nachmittag unter dem Teaser für ein Interview in der neuesten Holzausgabe aufgelesen („Mediziner beklagt Geldgier: ‚Die Ärzte verdienen am Sterben‘“)

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Abteilung: Aufgelesen, Schwammintelligenz | Kommentare (12) | Autor:

Deutsche Leibkultur (3): Nachtisch

Sonntag, 10. Juli 2016 18:09

Deutschland_auf_dem_Grabbeltisch_(c)_Kay_Sokolowsky


Wer das Gewinnen, nein, Siegen so gewohnt ist, daß er bei Fußballturnieren am liebsten „Ssieg!“ schreit (mit einem gepaukten „Rumms-rumms-rummspapapa-rumms“ vorweg), dem fällt das Verlieren verständlicherweise nicht so leicht wie, sagen wir mal, den Anderen, also allen, die nicht wir Deutsche und deshalb allesamt geborene Verlierer sind. „Ssieg!“ ist dem Deutschen in den Charakter gestempelt wie der Geschmack, von dem hier neulich die Rede war, oder das Seelische, um das es vor knapp einer Woche hier
ging.

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Abteilung: Man schreit deutsh, Qualitätsjournalismus, Schwammintelligenz | Kommentare (5) | Autor:

Deutsche Leibkultur (2): Fladen der Freiheit

Donnerstag, 7. Juli 2016 19:36

Pizza-Freiheit_Aufmacher

Vorgestern wurde hier geklärt, warum heute abend in Marseille die Deutschen gegen die Französlinge gar nicht unterliegen können (Seele!) bzw. wer schuld sein wird, sollte das Undenkbare Wirklichkeit werden (Rizzoli!). Vor dem „vorweg genommenen Finale“ (zit. n. so gut wie allen Qualitätsmedien) wollen wir uns schnell (na ja) um zwei der ragenden, wo nicht gar ragendsten Merkmale deutschen Wesens kümmern, die Toleranz und die Genußfreude.

Allein Spiel-, Spaß- und (es gibt kein anderes Wort dafür:) Volksverderber bestreiten, was seit dem Märchen vom Sommer 2006 die ganze Welt weiß, auch wenn sie‘s vielleicht nicht kapiert hat: Die größten Sportsfreunde aller Zeiten sind zwischen Rhein und Oder daheim. Ihrer reinen Liebe zu Fairness und/oder „Respect“ (UEFA) kommt allenfalls ihr guter Geschmack gleich (dazu Näheres unten).

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Abteilung: Man schreit deutsh, Qualitätsjournalismus, Schwammintelligenz | Kommentare (4) | Autor: