Archiv für die Abteilung 'Undichte Denker'

Bernd Ladwig, ein derb vergrippter Pfadfinder

Samstag, 19. März 2016 15:37

Nach ein paar Tagen der inneren Sammlung und möglicherweise ein paar tiefen Schlucken hat der Poetologe und Großkritiker B. Ladwig es mir endlich gegeben; leider wieder nicht hier, sondern abermals auf Facebook. Der Josef-Joffe-Bewunderer sagt gleich selbst in seiner Art Deutsch, weshalb dort:

Facebook_Soko-Ladwig_09


Ich hätte übrigens nichts dagegen, den Fall damit abzuschließen. Aber Münkler-Schüler, die keine sein wollen, die Denunziation wittern, wenn einer auf Wikipedia und das Nächstliegende hinweist, kurz, deutsche Professoren, die Gegner, welche ihnen angeblich keine sind, ungescheut mit Viren vergleichen –: Solche Prachtkerle lassen vor lauter Satisfaktion über die eigene Derbheit nicht so schnell locker. (Es wäre mir eine Freude, mich diesmal zu irren.)

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Abteilung: Undichte Denker, Unerhört nichtig | Kommentare (2) | Autor:

Schlecht kopiert

Donnerstag, 17. März 2016 1:54

Eigentlich wollte ich heute abend einen ziemlich exhibitonistischen Blogpost veröffentlichen. Darin sollte es um den Sonnenuntergang gehen, um die Eisenbahn und das Kino im weitesten, im Imax-Sinn.

Doch dann grätscht mir auf Facebook ein Professor von der FU Berlin dazwischen, als er dort (und nicht etwa hier, wo‘s hingehört) meine Einlassungen zum Neofeudalen Sloterdijk bemängelt. Unsauber ist nicht nur der Ort der Kritik gewählt, sondern dito das Argument, mit dem Bernd Ladwig mich als Dilettanten markieren will:

Facebook_Soko-Ladwig_01_redig

Warum reicht es Kritikern wie diesem, der von Sprachkritik nichts versteht, und das sind ja die meisten – warum reicht es diesen Leuten nie, jemanden als Kopisten zu schmähen? Warum muß der Kopist auch noch ein „schlechter“ sein? Weil Kritiker wie dieser Ladwig niemals Originale sein werden, immer bloß Epigonen? Der Verdacht liegt nah.

Und warum verlangen solche Stümper und Stänkerer von einem Autor, was der nie versprochen hat: ein „Florett“ zum Beispiel oder den Verzicht auf Kalauer?

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Abteilung: Selbstbespiegelung, Sokolowsky anderswo, Undichte Denker | Kommentare (5) | Autor:

Gaudeamus igittur

Montag, 14. März 2016 0:01

Piramide_in_Amsterdam_Sloterdijk_(c)_Dqfn13

Die ideale Gesellschaftsformation à la Sloterdijk, modelliert in Sloterdijk (Amsterdam)

Ruf hinein in den deutschen Wald, und die Wildsau schallt raus … Selbstredend wußte das neofeudale Mastermind, was passieren würde, als es vor ein paar Wochen in Cicero losbölkte:

Die deutsche Regierung hat sich in einem Akt des Souveränitätsverzichts der Überrollung preisgegeben.

Er wußte um die Folgen, der Herr und Professor Sloterdijk, als er außerdem zackigere Zeiten anmahnte:

Auf die Dauer setzt der territoriale Imperativ sich durch. Es gibt schließlich keine moralische Pflicht zur Selbstzerstörung.

Es sind mehrere logische Verrenkungen nötig, um diese Sätze anders zu verstehen denn als Plädoyer für einen Nationalismus à la Wilhelm Eins mit Anteilen von Zwo. Was das Superhirn in alter Übung hinter Blendbegriffen („territorialer Imperativ“), Misanthropie („Selbstzerstörung“) und Zynismus („Überrollung“) verbirgt, hat Armin Nassehi sehr studierenswert zunächst in der Welt und kürzlich für die Zeit aufgeschrieben. Eine echte Überraschung kann des langjährigen TV-Nachtdenkers Beschwörung einer irgendwie gottgegebenen, das heißt, wenn schon, von unserem Gott gegebenen Identität der Deutschen, die desintegriert werde unter der rollenden Lawine der Fremden, nicht sein (ich bitte um Entschuldigung für die gewundene Syntax und die Metapher, aber schlechte Manieren färben schon bei flüchtigem Umgang ab).

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Abteilung: Man schreit deutsh, Undichte Denker | Kommentare (3) | Autor:

Postdemokratie wird Präfeudalismus

Dienstag, 17. November 2015 0:22

Biedermeier_Fliegende_by_Goerdten_Wikimedia

Idealbürger, Spon-Version


Der Frankreichkorrespondent von Spiegel online, Nils Minkmar, machte sich am Sonntag seine Art Gedanken über die Massaker in Paris und den „Preis der Freiheit“. Ich erspare Ihnen viel, indem ich den Gesinnungsaufsatz zum größten Teil überspringe und mich auf den letzten Absatz beschränke. Darin meditiert Minkmar über den Selbstmord der Demokratie zwecks Abwehr von Selbstmordattentätern (die Hervorhebungen sind von mir):

Nach der Französischen Revolution, nach Napoleon und dem Ende der alten europäischen Ordnung gab sich Europa auf dem Wiener Kongreß eine neue Gestalt. Sie hielt sehr lang, es folgte vielleicht nicht die glanzvollste, aber auch nicht die übelste unserer historischen Epochen. So werden wir einen Ausweg aus diesem Elend suchen müssen: Mit Ausdauer, klaren Werten und flexiblen Mitteln.

Der Druck des Abgabetermins und eine verständliche Ratlosigkeit angesichts des Blutbads vom Freitag reichen nicht aus zur Erklärung, warum Minkmar der Politik und dem Publikum den Überwachungsstaat, die Schlafmützengesellschaft, die Untertanennation wie eine Erlösung empfiehlt. Bei diesem demokratiefeindlichen „Ausweg aus dem Elend“ ist auch Überzeugung am Werk. Die „klaren Werte und flexiblen Mittel“, von denen NilsiMinkmar schwärmt, stammen direkt aus dem Handbuch der feudalen Repression.

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Abteilung: Kaputtalismus, Qualitätsjournalismus, Undichte Denker | Kommentare (3) | Autor:

So ein Dummerjan

Mittwoch, 4. November 2015 22:37

Glockebuxach_(c)_Memmingen

Was dieses Photo an dieser Stelle bedeuten soll, erfährt nur, wer diesen Blogpost liest

Den Denkapparat J. Fleischhauers zu analysieren, ist viel zu simpel, als daß es mich reizen könnte. Zudem läßt der Qualitätsjournalist Jan F. sich allein darüber definieren, was er bestimmt nicht ist (z. B. tiefgründig, philanthrop, witzig, begabt). Da hat sogar Akif Pirinççi mehr zu bieten, und über den mag ich erst recht nicht schreiben.

Ich fasse mich also kurz und überlasse es weitgehend Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, sich ein Urteil über die intellektuelle Integrität sowie Sauberkeit eines Burschen zu bilden, der zunächst, Ende Februar, anläßlich des griechischen Widerstands gegen die deutsche Austeritätsdiktatur, folgendes in seinen „Schwarzen Kanal“ plumpsen ließ:

Das Meinungsklima meint es derzeit nicht besonders gut mit uns Deutschen. Kein Tag, an dem die Kanzlerin nicht irgendwo in eine Nazi-Uniform gesteckt wird und man wieder Hakenkreuze hervorkramt. Da nützt es auch nichts, daß wir brav ein Hilfspaket nach dem anderen schnüren. (…)
Es fehlt nicht mehr viel, und sie verbrennen deutsche Flaggen. Aber halt, auch das tun sie ja bereits. (…) Aber so ist es, wenn man aus Sicht anderer als zu erfolgreich, zu selbstbewußt, zu stark gilt. Wir sind jetzt die Amerikaner Europas. (…)
Wahrscheinlich müssen wir uns einfach daran gewöhnen, daß wir in manchen Ländern Europa (sic!) für einige Zeit nicht mehr sehr beliebt sind.

Gestern dann schwamm, gleichsam als Baumaterial für die Einmaurer der EU, dies obenauf:

Weiterekeln

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Abteilung: Man schreit deutsh, Qualitätsjournalismus, Undichte Denker | Kommentare (3) | Autor:

Wurde Hellmuth Karasek ermordet?

Sonntag, 4. Oktober 2015 23:00

Am 4. September beantwortete ich im Weblog „Prinzessinnenreporter“ einen „royalen Journalistenfragebogen“. Die royale Frage, „wem auf Erden“ ich „am liebsten den Stift klauen“ würde, beschied ich mit diesen Worten:

Hellmuth Karasek. (Der verewigte Horst Tomayer erzählte mir gelegentlich, daß Karamalz sein Zeugs mit einem dicken Edding korrigiert. So was kann man im Haushalt immer brauchen!)

Nur drei Wochen später fiel der Edding-Mann – dem Buprä Jott Gauck mit der gewohnten Ahnungslosigkeit nachsagte, „die Kenntnis und die Liebe zur Literatur, zum Theater und zum Film entscheidend erweitert und vertieft“ zu haben – tot um.

Ein Zusammenhang des Falls mit meiner Ankündigung, Karasek den Stift klauen zu wollen, ist nicht auszuschließen. Aber es liegt mir fern, meinen Einfluß zu überschätzen. Bevor Gerüchte, die zum Glück bis jetzt niemand außer mir gestreut hat, ein dämonisches Eigenleben entwickeln, stelle ich fest: Nein, ich habe Karasek den Stift nicht geklaut! Überdies verurteile ich die Mächte hinter der Beseitigung des verdienten Weintrinkers und Blubberlutschers K. aufs schärfste!

Denn sie haben mir neben der Lektüre einer Unzahl übelkeitserregender Schleim- und Scheißepitaphe* auch noch das hier zugemutet und vor die armen Augen gestellt, um meine monatliche Migräne über jedes Maß hinaus zu verlängern und die Verachtung für ein Gewerbe, dem Karasek zweifellos ein Vorbild war, in Phantasien zu überführen, welche keine Genfer Konvention erlaubt:

Lichtgestalt_Screenshot_Web-de_30-09-15

Web.de, 30.9.2015

* Wenn Sie, liebe Leserin, lieber Leser, mich nur energisch genug bitten, bin ich imstande, in diesem Blog eine Blödenblütenlese zu veranstalten. Nein, nicht Sie. Sie!

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Abteilung: Bored beyond belief, Qualitätsjournalismus, Sokolowsky anderswo, Undichte Denker, Unerhört nichtig | Kommentare (4) | Autor:

Krass: der neue Grass!

Donnerstag, 16. April 2015 15:48

In der Donnerstags-Taz führt Kay Sokolowsky den Begriff „Ghostwriter“ auf dessen Kern zurück und leiht die, äh, Feder dem Ersatz-Goethe* und Zwangsschwätzer** Günter Grass für ein finales, öh, Gedicht. (Das Dorthe Landschulz um eine der gelungensten Grass-Karikaturen ever bereichert hat.)

Grassens Abschiedsstück „Mit letzter Finte“ sollte in keiner Werksammlung des Verschiedenen fehlen! Es kann in jedem gut sortierten Kiosk auf edlem Recyclingpapier erworben und anschließend, vorzugsweise in Trauerweide gerahmt, an beliebigen Orten (Kulturstaatsministerium, Keller, Klo etc.) aufgehängt werden.

Verächter der Holzmedien können die Verse übrigen auch online auf den Bildschirm beamen, um so einen idealtypischen Nobelpreisträger in bleibender Erinnerung zu behalten. Sokolowsky warnt allerdings eindringlich davor, die digitale Version einfach so, für lau, zu lesen. Wer keinen lumpigen Euro für „taz. zahl ich“ übrig hat, der sei dazu verflucht, sämtliche, hm, Dichtungen Grassens nicht nur zu lesen, sondern auswendig zu lernen! Die Günter-Grass-Stiftung behält sich eine Überprüfung der Geizhälse vor und droht überführten Schnorrern wahre Hundejahre an.

* „Günter Grass war ein Weltliterat, sein literarisches Vermächtnis wird neben dem von Goethe stehen.“
Monika Grütter, Kulturstaatsministerin
und peinliche Vollnärrin

** Was ja auch mal gesagt werden muß

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Abteilung: Sokolowsky anderswo, Undichte Denker | Kommentare (1) | Autor:

Mars in oppositio

Samstag, 4. April 2015 23:59

Kay Sokolowsky hat bereits vor längerer Zeit (ca. Herbst ‘89) die Hoffnung aufgegeben, seine Meinung könne mehrheitsfähig werden. Die allgemeine Einverstandenheit mit dem Status quo erscheint ihm seit dem Fall der Mauer wie eine neue, viel mächtigere, weil unsichtbare Wand, an der er sich beim Versuch, sie einzurennen, nichts als Beulen und Kopfweh holen kann (und geholt hat). Was Sokolowsky allerdings nicht davon abhält, immer wieder dagegenzupoltern.

Ähnlich fest auf dem eisernen Thron wie heute saß der Kaputtalismus seit seiner Gründerzeit nicht; und anders als damals ist keine soziale Bewegung in Sicht, die ihm das Plündern und Verwüsten sauer machen könnte. Syriza? Ach je. Podemos? Schön wär‘s. Der Abgang der Marktwirtschaft ist weiter weg als ein (s.iunten) bemannter Flug zum Mars.

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Abteilung: Kaputtalismus, Litterarische Lustbarkeiten, Man schreit deutsh, Selbstbespiegelung, Sokolowsky anderswo, Undichte Denker | Kommentare (2) | Autor: