Der schreckliche Iwan (5): April, April! – Oder?

Dahinter steckt immer ein, äh, Kopf (Symbolphoto)

Aprilscherze waren, seit es sie gibt, noch nie zum Lachen. Zum Heulen sind sie, wenn Journalisten sich ihrer annehmen und – einer sehr überflüssigen Tradition folgend – die Zeitungen damit bestücken.

Manchmal kann man diese Scherze sogar zum Kotzen finden. Etwa gestern, am 1. April 2014, als Berthold Kohler, Mitherausgeber der FAZ, notierte, warum Wolfgang Schäubles Warnung vor Wladimir Putin als Wiedergänger Adolf Hitlers erstens gar kein Vergleich des einen Unholds mit dem anderen gewesen und zweitens falsch gewesen sei. Und zwar deshalb:

Gesagt hatte [Schäuble], dass im Falle der Krim „Methoden“ angewandt worden seien, wie sie „Hitler im Sudetenland“ praktiziert habe. […]
Doch gibt es natürlich wesentliche Unterschiede, zum Beispiel diesen: Die Sudetendeutschen wurden drangsaliert, die Krimrussen nicht
.

Kohler ist kein Autor, der für Humor und Esprit gerühmt wird. Vielleicht kann also jemand, auf den er hört, ihm mal erklären, warum es von üblem Geschmack zeugt, geschichtsklitternden Revanchismus und zumal eine Ehrenrettung Hitlers (nämlich als Retter der Sudetendeutschen) in einen Aprilscherzkeks zu backen.

Pardon? Kohler hat es mit den „wesentlichen Unterschieden“ ernst gemeint? Dann weiß ich ja, was das Putin- und Russen-Bashing in der FAZ soll. Und was dabei herauskommt, wenn einer eine Zeitung „für Deutschland“ herausgibt. Doch, natürlich.

Jedenfalls sollte keiner am 1. April Berthold Kohler mit dem Spruch drangsalieren, ihm stünde der Hosenstall offen. Das ließe Kohler kalt. Es ist für ihn der Normalfall.


Mittwoch, 2. April 2014 0:35
Abteilung: Der schreckliche Iwan, Man schreit deutsh

Ein Kommentar

  1. 1

    Gott ist tot, aber Adolf – Teufel bleibt stets zentraler Bezugspunkt für finale Argumentationsversuche.
    Mehr geht eben einfach nicht, auch wenn es gar nicht geht …

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