GG Art. 20


Bürger, du hast keine Wahl
als den Weg ins Stimmlokal!

Morgen liegt die Macht bei dir,
nutze sie und geh zur Kür!

Zween der Kreuze darfst du malen,
und dann muß Berlin bezahlen!

Laß in seinen Burgen zittern
feiles Pack von Räuberrittern!

Zeig den faulen Mandarinen,
was sie in der Tat verdienen!

Sei und handle souverän,
dann wern die da obm schon sehn!

S‘ist dein Tag, s‘ist deine Stund,
wähle weise, stimm profund!

Und am Abend preise sie,
die parlamentarische Demokratie!

Photo:
Wähler vor Wahlkabine”, by Bundesarchiv,
B 145 Bild-F011303-0009 / Steiner, Egon /
CC-BY-SA 3.0 [CC BY-SA 3.0 de]
,
via Wikimedia Commons

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Samstag, 23. September 2017 19:20
Abteilung: Bored beyond belief, Kaputtalismus, Lieder ohne Werte

2 Kommentare

  1. 1

    Zuerst einmal ist dieses prachtvolle Gedicht zu preisen. Ich mag die Doppel- und Dreifachbödigkeit gar nicht aufdröseln; es ist einfach nur herrlich.
    Zum zweiten will ich aber natürlich die parlamentarische Demokratie, wie geheißen, in aller gebotenen Lurchihaftigkeit preisen:

    Lange schallt’s im Walde noch:
    „Der Bundestag, er lebe hoch!“

    Es tut saugut, SO gelobt zu werden. Daß mal ein Leser sieht, wie man in Wilhelm-Busch-Versmaßen doppel- bis dreifachbödig agiert … ein herrliches Lob! – Ihren ergänzenden Zweizeiler finde ich aber gleichfalls prima. KS

  2. 2

    Die Gedichte hier im „Abfall“ werden generell viel zu wenig gelobt oder überhaupt kommentiert – auch von mir. Ich glaube, das liegt daran, daß es gar nicht so einfach ist, etwas Substantielles zu einem Gedicht zu sagen. Ein „Super!“, „Klasse!“, „Witzig!“, „Geil, Alter!“ ist schnell geschrieben, aber doch ein wenig dünn. Also möchte man das noch begründen, tscha, und dann steckt man in der Lyrikanalyse, die immer Arbeit und Mühe bedeutet, und dann ist man doch zu sehr fauler Sack, und dann will man aber eben doch nicht einfach nur „Super!“ etc. schreiben, und dann läßt man’s halt. Man gelobt hiermit Besserung.

    Lieber Peter Remane, ich bin schon froh, wenn meine Verse gelesen werden und anschließend nicht in der Luft zerrissen. Was einige von ihnen durchaus verdient hätten; aber ich sag jetzt nicht, welche. – Passende Reime finden und dabei das Metrum halten, ist eine Befriedigung für sich. So gut wie meine Meister werde ich trotzdem nie sein, deshalb maße ich mir nicht an, irgendeine Resonanz zu erwarten.
    Was natürlich nicht heißt, daß ich mich über Komplimente – zumal wenn sie so emphatisch wie von Ihnen vorgetragen werden – nicht freuen würde. Großes Dankeschön! KS

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