Gute Fahrt, Hotte!

Der alte Scheißkerl Tod und sein Lumpenkumpel Krebs haben Horst Tomayer umgebracht. Wenn ich nicht wüßte, daß Hotte ein ziemlich pathosfreies Verhältnis zu den letzten Dingen hatte, würde ich jetzt eine Liste von Namen hinschreiben, die schon seit vielen Jahren auf einen Grabstein gehören, während Horst Tomayer dort noch lange nicht stehen sollte. Sondern Hof hielte in einer Gaststätte seines Vertrauens, ein Freund den Freunden, ein Gerechter unter den Menschen, ein Großer.

Als Schlußreimer, Kolumnist, Komiker, Gelegenheitsphilosoph und Rampensau ebenso begnadet wie als Überlandradler, Mopedcrack, Nacktbader, Halbegläserbierbesteller und Steinpilzexperte, ist mir an Hotte dies besonders bewundernswert erschienen: Er hat nie falsche Rücksicht genommen, sich niemals den Mund verbieten lassen. Und stets die Richtigen beleidigt. Meine Güte, wird er fehlen!

Mir und sehr vielen anderen. Die Redaktion von Konkret gedenkt Horst Tomayers auf ihrer Website sowie im kommenden Heft. Kollege René Martens hat für die Taz einen gleichermaßen warmherzigen wie kenntnisreichen Nachruf verfaßt. Und ich denke, daß ich jetzt weinen sollte, auch wenn das Hotte nicht so gut gefallen hätte. Fare thee well, Horst, gute Fahrt, addio!


Sonntag, 15. Dezember 2013 18:06
Abteilung: Per sempre addio

Ein Kommentar

  1. 1

    Aus diesem traurigen Anlass eine Lieblingsstelle aus 70 verweht 3, Ernst Jünger, Eintrag vom 9. November 1982 in Wilflingen:

    Anruf von Luis Trenker („Berge in Flammen“), der etwas mit mir „zusammen machen“ will. „Goebbels wollte Ihnen goldene Brücken bauen, aber die waren aus Sand“.
    Sein neunzigster Geburtstag sei ein Volksfest gewesen, wenn er von einem bösartigen Gartenzwerg absehe, der sich in die Festwiese eingeschlichen und ihn in seinem Bericht „eine Mumie“ genannt habe.
    Doch die Tiroler sind lustig: „Wissen S‘ – bei solchen Jubiläen muß man damit rechnen, daß die Sauställ mitfeiern.“

    Dies mitten in einer Tagebuchlandschaft aus Weltgeist, Entropie, Staatenbildung, Entmythisierung, Heideggers „Gestell“, welches neben dem Babylonischen auch etwas parasitär Vernutzendes habe …

    … und der Trenker war: erraten.

    Ruhe in Frieden.

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