Wurde Hellmuth Karasek ermordet?

Sonntag, 4. Oktober 2015 23:00

Am 4. September beantwortete ich im Weblog „Prinzessinnenreporter“ einen „royalen Journalistenfragebogen“. Die royale Frage, „wem auf Erden“ ich „am liebsten den Stift klauen“ würde, beschied ich mit diesen Worten:

Hellmuth Karasek. (Der verewigte Horst Tomayer erzählte mir gelegentlich, daß Karamalz sein Zeugs mit einem dicken Edding korrigiert. So was kann man im Haushalt immer brauchen!)

Nur drei Wochen später fiel der Edding-Mann – dem Buprä Jott Gauck mit der gewohnten Ahnungslosigkeit nachsagte, „die Kenntnis und die Liebe zur Literatur, zum Theater und zum Film entscheidend erweitert und vertieft“ zu haben – tot um.

Ein Zusammenhang des Falls mit meiner Ankündigung, Karasek den Stift klauen zu wollen, ist nicht auszuschließen. Aber es liegt mir fern, meinen Einfluß zu überschätzen. Bevor Gerüchte, die zum Glück bis jetzt niemand außer mir gestreut hat, ein dämonisches Eigenleben entwickeln, stelle ich fest: Nein, ich habe Karasek den Stift nicht geklaut! Überdies verurteile ich die Mächte hinter der Beseitigung des verdienten Weintrinkers und Blubberlutschers K. aufs schärfste!

Denn sie haben mir neben der Lektüre einer Unzahl übelkeitserregender Schleim- und Scheißepitaphe* auch noch das hier zugemutet und vor die armen Augen gestellt, um meine monatliche Migräne über jedes Maß hinaus zu verlängern und die Verachtung für ein Gewerbe, dem Karasek zweifellos ein Vorbild war, in Phantasien zu überführen, welche keine Genfer Konvention erlaubt:

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Web.de, 30.9.2015

* Wenn Sie, liebe Leserin, lieber Leser, mich nur energisch genug bitten, bin ich imstande, in diesem Blog eine Blödenblütenlese zu veranstalten. Nein, nicht Sie. Sie!

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Fritz der Große

Dienstag, 29. September 2015 23:00

Ein Autor, der sich schwer tut mit demiSchreiben, braucht nicht bloß furchtbar und so gut wie immer zu lange für seine Sätze (wovon die Lektoren und Redakteure Kay Sokolowskys ein traurig‘ Lied singen können). Solch ein Autor hat es auch nicht leicht mit seinen irgendwann, irgendwie fertig gewordenen Texten, sobald sie gedruckt vor ihm liegen. Kaum ein Satz, der ihm gefällt, kein Absatz, dessen Durchführung ihm restlos behagt. Um so erfreulicher für Sokolowsky, daß er an seinen Auftritten im neuen Heft von Konkret nichts zu bereuen hat, jedenfalls nichts, was er ausplaudern möchte.

Das gilt für die 13. Folge seiner Seriei„Die Zukunft war gestern“ (diesmal über die Weltraumpartisanen von Mark Brandis alias Nikolai v. Michalewsky) ebenso wie für die Kolumne „Das Evangelium nach Haagerup“. Darin nimmt sich der Autor das neueste Heilmittel gegen den Untergang der bürgerlichen Presse, den sog. „konstruktiven“ bzw. „lösungsorientierten“ Journalismus vor und läßt davon genauso viel übrig wie sein gewaltiges Vorbild Karl Kraus vom „Presswesen“ insgesamt, z. B. in der Fackel Nr. 751-56:

Wenn sie nur die Feder in die Hand nehmen, sehen sie schon nicht mehr das Ding, das sie beschreiben wollen, und verlieren noch die Vorstellung, die sie nicht haben.

Es kann freilich sein, daß Kay Sokolowsky mit seiner Polemik so im Reinen ist, weil der Künstler Leo Leowald (dessen phantastische Homepage Sie unbedingt mal besuchen sollten) ihn dafür porträtiert hat, und zwar viel ansehnlicher, als der Autor sich selber vorkommt. (Faltenfreier sowieso.) Der etwas geschmerzte Blick, den Sokolowskys Abbild wirft, paßt zu einem selbsternannten „Salonpessimisten“ sehr wohl. Und auch darum dankt der Autor seinem Zeichner herzlich.

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Im Erdschatten

Montag, 28. September 2015 21:28

Mondfinsternis_28-09-15_01_(c)_Kay_Sokolowsky


Aus dem Bett gewälzt um viertelnachvier, auf den Balkon gestolpert in Socken aus Wolle, und zwischen den Nachtwolken rollt, ein trunkenes Auge, der volle Mond über den Wipfeln: Wie mit Kupfer beschlagen, wirft er das wenige Licht, das er empfängt, matt von sich fort, und kein Mensch ist dort oben, hinabzusehn auf den schwarzen Kreis des Planeten, bestickt mit flickerndem Straß, auf Glut und Lohe am Rand der Biosphäre, diese Krone, verliehen vom Stern, der alles beherrscht, kosmische Apotheose, doch niemand im Meer der Ruhe, sich daran zu berauschen, uns zu berichten, und als die Herbstnacht in die Wollsocken sickert und zwischen den Wipfeln das gerötete Auge sich schließt, ist der Trabant, gestern nah wie ein Freund, fern wie das fernste Gestirn, denn ich weiß, daß auch in 18 Jahren, wenn der Lampion über Hamburg abermals schwelt, dort oben im Staub der Äonen niemand die Pracht des Erdscheins bestaunen wird, zumal ich nicht, mit Siebzig. Bald ist Morgen.

Mondfinsternis_28-09-15_02_(c)_Kay_Sokolowsky

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Die Freibad-Saison ist beendet

Samstag, 26. September 2015 9:00

Revue

Badesaison_Ende_01_(c)_Kay_Sokolowsky


POSER 1. Da ist dieser Penner schon wieder! Kaum stellt man sich in die Sonne
und wärmt die Flossen, will der wieder an meine informi … infama …
infurzielle Selbstbescheidung!
POSER 2. Einfach nicht beachten, die arme Sau. Alles andere geilt den Sack
erst recht auf.
POSER 1. Du hast gut reden! Du stehst auch nicht hier oben.
POSER 2. Ja, weil du mich weggedrängelt hast.
POSER 1. Aber – guck mal, wo er jetzt hinläuft. In die FKK-Zone!
POSER 2. Mir wird gleich schlecht.
POSER 1. Der Dödel ist doch total angezogen! Der darf da gar nicht rein!
POSER 2. Ich meld‘s dem Bademeister.
POSER 1. Vergiß es. Der hat seit einer halben Stunde Feierabend.
POSER 2. Und nun? Wie kriegen wir den Spacko vom Hacken?
POSER 3. Ich starr den weg.
POSER 2. Du bist starr vor Schreck?
POSER 3. Ich! Star-Re! Den! Weg!
POSER 2. Schrei mich nicht an, Typ!
POSER 3. Sorry, Bro‘. Meine Nerven.

Kulissenwechsel

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To be or not to blog*

Donnerstag, 24. September 2015 23:30

Vor einer Ewigkeit bzw. zehn Jahren war die „Blogosphäre“ das nächste große Ding, und nicht nur Blogger orakelten, hier würde „Öffentlichkeit“ neu definiert. Inzwischen ist man wieder unter sich beim Bloggen, und das finde ich auch gut so: lieber hundert aufmerksame Leser als hunderttausend aufmerksamkeitsgestörte „Liker“. Nischen haben mir immer gut gefallen, zumal wenn ich sie nach meiner Laune tapezieren durfte. Bei Facebook und Twitter fühle ich mich erheblich beengter, getriebener, unbeachteter, lobotomisierter als in einem intelligent gestalteten, aufmerksam moderierten Blog, obwohl (oder weil?) dort, bei den Kommerzherren, das potentielle Publikum x-fach größer ist.

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September-Rap

Mittwoch, 23. September 2015 23:21

Admiral_01_(c)_Kay_Sokolowsky

Na, ahoi, Herr Admiral!
Sehen wir uns doch noch mal,
eh hier alles schal und fahl,
minimal und ratzekahl
da liegt in fataler Qual,
die der Winter, kalt wie Stahl …

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Twentyfivesomething

Mittwoch, 2. September 2015 22:52

Jeder Autor mit Ambitionen hofft auf den Moment, in dem er denken darf: „Nun!, hat das Gewürge sich doch gelohnt.“ Solch einen Moment hat KayiSokolowsky soeben durch die September-Ausgabe von KONKRET erfahren. Dort hinterläßt Leserin Gerlinde Bakenhus mit Blick auf Sokolowskys SF-Nachlese „Die Zukunft war gestern“ dieses Kompliment:

Die besten Buchtipps gibt esiseit einiger Zeit nicht mehr bei „buch & markt“, sondern von Kay Sokolowsky. Phantastische Serie!

„Vielen Dank für Ihr phantastisches Lob!“ erwidert der Autor, der so was auch nicht alle Jahre lesen darf.

In der gepriesenen Reihe feiert Sokolowsky übrigens ein Bergfest: Die zwölfte von 24 Episoden widmet sich der Foundation-Trilogie des Gehirntiers Isaac Asimov. Kay Sokolowsky tat sich mit dieser Empfehlung etwas schwer, weil Großmeister Asimov als Wortsetzer ein Tunichtgut, in der pseudodeutschen Übersetzung sogar ein Trampeltier ist. Sokolowsky kann nur hoffen, daß Frau Bakenhus ihm für diesen ambivalenten Kaufauftrag nicht demnächst alles Wohlwollen entzieht.

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Abteilung: Kaputtalismus, Litterarische Lustbarkeiten, Qualitätsjournalismus, Sokolowsky anderswo | Kommentare (7)

Hundstage (5): Der Hl. Franz, abermals

Dienstag, 25. August 2015 23:00

Glockenkatze_Aufmacher__(c)_Kay_Sokolowsky(Basso continuo: Wilhelm Busch)

Heda, Sünder, stehngeblieben!
Laß doch das Versteckenüben!
Alles klar, ich zähl bis sieben,
dann geh ich von hü- nach drüben.

 

Heda, Sünder, stehngeblieben!
Laß doch das Versteckenüben!
Alles klar, ich zähl bis sieben,
dann geh ich von hü- nach drüben.


Ach, ihr findet immer Ecken,
um euch neckisch zu verstecken,
Spurn des Lasters abzulecken,
Streicheleien auszuhecken …

Weiterbeten

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