Och nö, nicht schon wieder ein Pflichttermin …

Sonntag, 16. November 2014 23:32

Teaser_Oblong_(c)_Kay_SokolowskyKomik! Graphik! Lyrik! Musik! Und sexuelle Ausschweifungen, von denen Sie nicht einmal etwas ahnen (nein, auch Sie nicht): Das dürfen die Zeugen der nächsten Fitzoblongshow gewärtigen, und zwar am 20. November 2014 um 19.30 Uhr im Künstlerhaus Hannover, mit Kay Sokolowsky als Gastgastgeber neben dem großen Dietrich zur Nedden.

Stargäste des Abends werden Marcus Weimer und Olav Westphalen sein, das ebenso begnadete wie gnadenlose Cartoonisten-Duo Rattelschneck. Wer weiß, vielleicht wird am Donnerstag eines der größten Geheimnisse des hiesigen Kulturbetriebs gelüftet werden – wer ist Rattel, wer Schneck? Auf jeden Fall wird Gastgastgeber Sokolowsky für einen ungeheuren Skandal (Porno! Perversion! P-Wörter!) sorgen. Und sich dabei erschreckend maskieren.

Wem dies als Ansporn nicht genügt, bereits zwei Stunden vor Einlaß die Eingangstür zum Literaturpalast im Künstlerhaus zu belagern und um die besten Plätze nötigenfalls mit den Fäusten zu kämpfen, dem ist auch sonst nicht zu helfen. Ausreden werden nicht akzeptiert, Visa-Karten ebenfalls nicht.

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Im Glanze dieses Glückes (25 Jahre danach)

Samstag, 8. November 2014 21:31

Einheizflagge_(c)_Kay_SokolowskyMeine Mutter, die in den 50ern aus Erfurt in den Westen türmte, hat sich über den Fall des antifaschistischen Schutzwalls sehr gefreut. Das durfte sie auch, denn sie ist meine Mutter und ihre Familie fehlte ihr sehr. Ich habe mich nicht gefreut, nicht einmal für meine Mutter, doch zum Glück hat sie das nie gemerkt. Ich habe vor meinem Fernsehkasten gehockt, zwischen den Sondersendungen von ARD und ZDF hin- und hergeschaltet und zum ersten Mal in meinem Leben – ich war 26 Jahre alt – keine Lust mehr auf die Zukunft gehabt. Denn die Zukunft, die mir bevorstand, würde gewiß nicht die sein, die ich wollte, die eines globalen Sozialismus. Der Zug war gegen die Wand gefahren, und durch das große Loch, das er beim Crash gerissen hatte, strömten Menschen, die als einzigen Begriff für ihre Stimmungslage nur das Wort „Wahnsinn“ kannten.

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Der schreckliche Iwan (9): Alice im Zunderland

Samstag, 25. Oktober 2014 16:52

Am 24. Oktober erklärte Alice Bota den Lesern von „Zeit online“, warum die vielen Nazis in und um Kiew halb so wild, nämlich „Patrioten“ sind und diese Lumpen, wenn ihnen doch mal der rechte Arm eregiert, sowieso auf Putins Konto gehen. Weil Dummheit und Ignoranz nie ohne stilistische Stümperei auskommen, beendet die Qualitätsjournalistin ihr Stück mit der widerlichsten Metapher, die in diesem Kontext denkbar ist:

Zeit_online_24-10-14

Brennt – wie die Menschen im Gewerkschaftshaus von Odessa und Tausende „Pro-Russen“ in der Ostukraine.

Alice Bota dürfte mit diesem Musterstück eines Dreckstextes zur Spitzenanwärterin für den Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis 2015 avancieren. Mit der Redlichkeit, Objektivität, Courage und Unbestechlichkeit der diesjährigen Preisträgerin Golineh Atai kann Bota es zweifellos aufnehmen. Jetzt muß sie bloß noch bei irgendeinem Staatssender anheuern. Aber mit diesem Empfehlungsschreiben sollte das gar kein Problem sein.

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Die Zukunft war gestern: Prolog, Phase 1

Freitag, 26. September 2014 1:07

Teaser_Zukunft_(c)_Kay_SokolowskyEin Licht in der Nacht
Alles fängt an mit der Mondlandung. Ich hatte nur noch drei Tage übrig bis zu meinem sechsten Geburtstag und bloß vier (freilich endlose) Wochen bis zur Einschulung. Weil mein Vater sich das welthistorische Ereignis nicht allein ansehen mochte, durfte ich, nachdem ich mich beim majestätischen Start der Saturn V eine knappe Woche zuvor als Bewunderer geoutet hatte, bis in die Morgenstunden bei ihm auf dem alten Sofa sitzen. Eine Nervosität, viel zu groß für einen winzigen Menschen wie mich, wühlte in mir. Ich befürchtete, einerseits, daß mein Vater, ein ausgesprochen launischer Mann, mir unvermittelt den Abmarsch ins Bett befehlen würde, und ich malte mir Verteidigungsstrategien aus, wohl wissend, daß sie gegen die brachialen Erziehungsmethoden meines Alten alle versagen würden.

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Der schreckliche Iwan (8): Veräppel mich!

Dienstag, 2. September 2014 23:35

Schmidt_Putin_Aepfel
Wissen Sie, wie Kriegssprech geht? Wenn nicht, dann gucken Sie mal auf der Website des Tagesspiegel vorbei.

Verweigert beispielsweise Rußland dem Obst aus der EU den Zugang, dann bedeutet dies beim Tagesspiegel: „Obst gegen Rußland“. So, genau so, mit diesem Unterstellungsvokabular beginnen die Weltkriege – und wir Deutsche hetzen wie immer vornweg.

Weil es, das Obst, die Menschheitsverbrechen, die Putin so gern begeht (wie zum Beispiel diese abscheulichen Medikamententransporte in die Ostukraine), nicht aushält, ohne zu verfaulen, gibt es bloß eine Rettung:

Schmidt_Putin_Aepfel_02
Und ich? Esse ab sofort nur noch Bananen. Die kommen nämlich bestimmt nicht aus Rußland.

Das ist meinen polnischen Verwandten aber völlig egal. Die sind nämlich – wenn die Presse nicht lügt, aber wie könnte sie – streuobstbombenmäßig eingenordet:

Schmidt_Putin_Aepfel_03

Mümmeln für den Frieden! Im Akkord auch noch! Putin ist erledigt.

Screenshots: „Der Tagesspiegel“ 

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Das Juwel erfüllt einen Hartzenswunsch

Samstag, 23. August 2014 14:35

348Sandbild_im_Sera_Kloster_Ausschnitt_(c)RThieleDer Dalai Lama kommt an diesem Wochenende mal wieder nach Hamburg und erzählt drei Tage lang, was ihm so durch die kahle Rübe rumpelt. Vielleicht ist sogar ein Gedanke dabei.
Um sich nicht dem Vorwurf auszusetzen, eine Veranstaltung allein jenen Fettrandbürgern zu bieten, die ihre Geldgier satt und nun einen gewissen Hunger nach Immateriellem haben (ohne deshalb auf den Cayenne-Zweitwagen und die Drittvilla auf Sylt verzichten zu wollen), bietet der Kundün, deutsch: „Das wunscherfüllende Juwel“, Schülern, Studenten und Hartz-IV-Almosenempfängern vergünstigte Tagestickets an.
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Sommerfrische (7): Heim vs. Heimat

Freitag, 15. August 2014 23:48

Nordbau_01_(C)_Kay_SokolowskyDie Verwüstungen, die aktuelle Architektur allerorten hinterläßt, fallen in den kleinen Städten schneller auf als in großen.
Wo nicht so viel zum Kaputtmachen da ist, können die CAD
Scheußlichkeiten das Weichbild der Gemeinde viel schneller und mit geradezu gemeinem Nachdruck prägen.
Ich bin ut min ol‘ Hamburch ja Kummer gewohnt … Aber daß ein ehemals schmuckes Städtchen wie Preetz sich der Selbstverhäßlichung in den vergangenen Jahrzehnten mit solchem Ehrgeiz und ohne jede Not hingegeben hat –: füllt mein altes Herz mit frischem Schmerz. (Den Eingeborenen mit Verstand – hallo, Sabine und Ted! – geht‘s seit Jahren ähnlich.) Also merkt der Sommerfrischler hell auf, wenn sich mal einer fürs ästhetische Desaster verantwortlich zeigt.
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Abteilung: Selbstbespiegelung, Sommerfrische, Unerhört nichtig | Kommentare (3)

Sommerfrische (6): Galstrige Schwienslüd

Samstag, 9. August 2014 23:59

oder:

PROBST EIERHAGENS WIEGENFEST

Ein Lust=Spiel aus der Holsteinischen Schweiz
à la mode de
Hanswursts Hochzeit
von J. W. Goethe,
lange verschollen, nun aber aufgefunden
in der Langen Brückstraße zu Preetz

***

ORT DER HANDLUNG

Preetz, woselbst nicht bloß Schuhe genagelt werden

***

Küster Spannkamp

Küster Spannkamp

PERSONEN *

PROBST EIERHAGEN,
ein Hagestolz,
obzwar Schwerenöter

JUNGFER HÜTTENHOLZ,
die Magd des Probstes,
ein üppiges Weib von
geringer Sitte,
Ehrwürdens größtes
Begehr
KÜSTER SPANNKAMP,
hat die Augen in
vielen Höhlen

FRAU GALLENBERG,
desselben zänkische Base

JUNGFER SPOLSAU, derselben gleichermaßen listige wie mannstolle Nichte
DINGHORST, ein Pfäfflein aus der nächsten Gemeinde, das den Talar trägt,
sintemalen keine Hose ihm passen mag

SCHWIENKUHL, desselben Kutscher, ein Kerl, welcher in allerlei feuchten
Gebieten herumgekommen

LEHMKUHLEN, Töpfergeselle auf der Walz, kundig in Schüsseleien für
Schissereien

SPECKENBERG, Metzgersbursche auf der Fahrt, gelahrt in kleinen, großen,
dünnen, dicken, weichen, harten, bleichen, schwarzen alswie vom
Safte sprützenden Würsten

FRAU FELDSCHEIDE, Zimmerwirtin jener Gesellen und seit 40 Jahren kein Kind
der Traurigkeit. Es mögen wohl auch 50 sein

DIE MAMSELLEN FINKBUSCH, KAHLBUSCH, DÜSTERNBUSCH, drei Damen
aus dem Adelsstifte zu Preetz. Dem Probst Eierhagen nah wie die Haut.
Berühmt für ihre Kundschaft im gelben, weißen und grünen Flusse

HENGSTKOPPEL UND BULLENKOPPEL, zween Junker von steifer Zucht
RAMMERSHÖRN, derselben Stallknecht und Zureiter
BOCKSBARG, ein Hirte, notorisch ob seines Stabs
SCHWEINEHORST, führt eine lästerliche Zunge, und zwar in Worten nicht allein
SACKWISCH, Stadtschreiber und Maler. Die Schnopernase ist ihm länger
gewachsen als der Pinsel

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* Sämtliche Figuren sind nach Lokalitäten der Region benannt.

***

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Abteilung: Selbstbespiegelung, Sommerfrische, Unerhört nichtig | Kommentare (0)