Congratulazione, adorato dott. Jürgen Roth,

Montag, 16. Februar 2015 19:50

Der Gratulant (hier an einem der schönsten Orte Frankens) wehrt in ungespielter Bescheidenheit die Komplimente ab

Der Gratulant (hier an einem der schönsten Orte Frankens) wehrt in ungespielter, doch unnötiger Bescheidenheit die Komplimente ab

et bon anniversaire, geschätzter Kollege, Всего наилучшего!, verständiger Genosse, happy birthday, lieber Freund – laß mich mal auf den Hocker steigen, Großer, und Dich kräftig umarmen! (Was ichDir fürs frische Lebensjahr wünsche, bleibt im stillen, danngeht‘s auch in Erfüllung.)

Hat mein Weblog Leser, die Dich noch nicht kennen und schätzen? Sollte es so sein, habe ich etwas falsch gemacht. Darum weise ich jetzt nachdrücklich auf Dein und Matthias Egersdörfers herz- und hirnerweiterndes Buch Die Reise durch Franken hin. Das mir in diesem grauen Winter immer wieder mal wie ein guter Schnaps war, ein Trost nämlich und eine Stärkung.

Aber so ergeht’s mir ja stets mit Deinen Schriften, lieber Freund. Denn sie geben den ganzen Mann, sind witzig, hochintelligent, reflektiert, geradeaus; sanft und melancholisch angesichts des Schwachen und Bedrohten, erbarmungslos, doch niemals ungerecht gegen das, was man sich hierzulande von den Eliten, ja, was man sich in diesem albernen Land überhaupt an „Eliten“ bieten lassen muß.

Gleichsam in einer Nußschale aufgehoben sind Deine Stärken und Dein Stil, Deine tadellose Haltung und Dein vorbildliches Deutsch, alter Kombattant, in Deiner jüngsten, mirakulös zwischen Wehmut und Wut oszillierenden, simultan zu Tränen des Zorns und der Nostalgie aufrührenden Taz-Glosse über die Entseelung des Würzburger Hauptbahnhofs.

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Am Rosenmontag bin ich vergoren

Montag, 16. Februar 2015 8:00

wo bleibb darrr
hummmmmoooooooa
darrr kööönich vonn
hummmmmmmmooooooooooooooooa
rrrrr
Ernst Jandl:
Laut und Luise

Narrenkappe_IMGP8104_wp_(c)_Rainer_Knaepper

Darunter steckt oft so was wie ein Kopf

Karneval – die fünfte Jahreszeit! Rosenmontag – Höhepunkt der tollen Tage! Millionen von Närrinnen und Narrhalesen erobern die Faschingshochburgen, singen, schunkeln, schlucken … Und wer darf nicht dabei sein bei diesen Erzfeiertagen deutschen Humors?

Schon mal alle, die jetzt stocknüchtern vorm Computer hängen und mein Notizbuch lesen, obwohl sie viel lieber stockbesoffen im Rinnstein lägen und den Funkenmariechen unter die Wäsche guckten. Ihr Kölner in Hamburg, ihr Düsseldorfer in Kiel, ihr Badener in Berlin, ihr Bayern auf Rügen – ja, ihr Fassenachtfreunde hier „unten“ in der sssteifen norddeutschen Diaspora, ihr seid nicht vergessen.

Der „Abfall aus der Warenwelt“, das wärmstherzige Weblog der Welt, läßt euch nicht im Stich! Hier kommt das Survival-Set für den darbenden Narren und die nervende Närrin – ein kamellefettes MP3-Package der Sonderbarklasse. Für zunn Runnelade, uf de Quetsche kopiere, aas Bimmäton schpeischän. Freude und Frohsinn ohne einen Gedanken, schon gar nicht an morgen, mit Kay Sokolowskys unentbehrlichem

KARNEVAL HIT KIT

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Bürgerschaftswahl 2015: Die schönsten Bilder

Sonntag, 15. Februar 2015 7:00

Wahl-Moritat_Aufmacher_(c)_Kay_Sokolowsky

Bürger Hamburgs, eure Kraft
stärkt die nächste Bürgerschaft!

Schüttelt ab den Schlaf, ihr Müden,
Vorhang hoch für Febers Iden!

Heute liegt bei euch die Macht,
also, Bürger, aufgewacht!

Eure Stimme, euer Wille
bringt vielleicht das Restpromille

Für die echte Sensation:
Wechsel auf dem Meisterthron.

Denn wie immer bei den Wahlen
Zähl’n am Ende nur die Zahlen.

Zehn der Kreuze dürft ihr setzen,
glücklich solltet ihr euch schätzen.

Anderswo in dieser Welt
herrscht allein das dicke Geld.

Nur in Hamburg sagt der kleine
Mann zum großen: „Mann, zieh Leine!“

Er ward weise durch den Rat*,
den’s in diesen Reimen hat …

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Sunset Boulevard

Samstag, 14. Februar 2015 19:12

Unter den vielen Fehlern meines Charakters sticht einer hoch hervor: Ich bin vorwitzig. Nicht vorlaut, das ist was anderes. Vorwitzigkeit meint Naseweisheit, vulgo: Besserwissen. Dabei hätte ich es aus einem Vierteljahrhundert Berufserfahrung besser wissen sollen: Nach einem Kraftakt wie meiner Sonnenanbeterei von gestern fehlt mir am Folgetag die nötige Lauge. Auch die Laune.

Zwar habe ich Herrn Herpers vor lauter Freude über seinen sehr freundlichen Kommentar großmundig versprochen, heute Bemerkungen zur Technomystik in 2001 zu veröffentlichen. Aber für so was bin ich itzt schlicht zu dumm. Oder zu faul. Beides.

Dies Thema also ein ander Mal. Morgen nämlich stehen meine Anmerkungen zur Hamburger Bürgerschaftswahl auf der Startseite ganz oben. Schon ab 7Uhr in der Früh kann der bislang unentschlossene Bürger sich hier mein Bild machen. (Und diesen Termin halte ich ohne Probleme; der Text ist nämlich schon fertig. Ha!)

Doch heute? Ziehe ich mich mit einer Photoserie aus der Affäre. Sozusagen als Abglanz meiner Epiphanie – der Sonnenuntergang vor ein paar Stunden über der Osdorfer Feldmark.

Feldmark-Dämmerung_14-02-15_01_(c)_Kay_Sokolowsky

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Epiphanie

Freitag, 13. Februar 2015 18:58

Gustav Holst, Olaf Stapledon, Stanley Kubrick, aber besonders dem SDO-Team
im Nasa Goddard Space Flight Center gewidmet


Vor fünf Jahren, am 11. Februar 2010, startete das Solar Dynamics Observatory (SDO)
in einen geostationären Orbit knapp 36.000 Kilometer über Südkalifornien. Seither beobachtet die Sonde eine unnahbare Gottheit, die von den Menschen unter vielen Namen angebetet wurde (und seit neuerer Zeit in, natürlich: Kalifornien, in einigen Bergwäldern, wieder wird): Ra, Huitzilopochtli, Lugh, Mitra, Utu, Helios, Sol … Unsere Heimatsonne. Der brave Forschungsrobot sandte bislang 200 Millionen gestochen scharfe, weit über den Frequenzbereich menschlicher Augen hinausreichende Bilder heim. Daraus entstanden Zeitrafferfilme, deren spektakulärste und atemverschlagendste die Nasa nun zu einem Jubiläums-Clip montiert hat.

Verdunkeln Sie den Raum. Schalten Sie die Telephone stumm. Drehen Sie die Computerlautsprecher auf; der hymnische Score (der sehr nach Jerry Goldsmith klingt) ist es wert. Klicken Sie auf „Play“ und „Full screen“. Entspannen – und den Blick bitte nicht abwenden:

Wenn Sie jetzt weiterlesen, haben Sie den Film wahrscheinlich bis zum letzten Take und Takt gesehen, und falls es etwas dauerte, bis Sie wieder in meine Art Notizbuch zurückkehrten, dann vermutlich, weil Sie wie ich die Nässe aus den Augen wischen mußten. Gestern versprach ich Ihnen, Bekenntnis abzulegen. Hier kommt es.

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Mitteilung der Redaktion

Donnerstag, 12. Februar 2015 23:59

Liebe Leserin, lieber Leser, ich weiß, ich weiß: Ich gelobte zu Jahresbeginn, jeden Tag ein Posting zu, ähm, posten. Ich habe bereits einmal gefehlt und das bis heute nicht gutgemacht. Also muß ich schnell was hier reinschreiben, um meine Lage im Gelöbnisland nicht noch zu verschärfen.

Ich weiß und bedaure, daß jene unter Ihnen, die täglich nach meiner Unterweisung und Unterhaltung „dürsten“ (K. Diekmann), von dieser Notausgabe bitter enttäuscht sein werden.

Aber ich habe (und jetzt werde ich ernst:) vor ein paar Stunden nichts Geringeres gehabt als eine Erscheinung. Nichts Kleineres als eine Offenbarung. Eine mystische Vision, vermittelt durch Wissenschaft und Technik. Ein fünf Milliarden Jahre altes Wunder. Ich muß mich, meine Augen, meinen Verstand von diesem Anblick eine Nacht lang erholen, wenn Sie erlauben. – Danke!

Wenn‘s beliebt, schauen Sie doch Freitagmittagnachmittagabend, so gegen 13 16 17 18 19 18.58 Uhr*, wieder vorbei. Dann werde ich alles erklären. Und ein Bekenntnis ablegen.

„Hat er tatsächlich ‚Bekenntnis ablegen‘ gesagt?“ – Er hat. Bis später!

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Vanity fair

Mittwoch, 11. Februar 2015 22:09

Grad als ich dachte, ich hätte mich an meine neue Weltberühmtheit gewöhnt und könnte gelassen, ja, lässig mit der scheuen Bewunderung der Hamburger umgehen, geschieht das hier: Ich steige aus der S-Bahn und sehe vor mir das Campact-Plakat, auf dem ich so schöne rote Waschbäraugenringe habe.

Campact-Bahnhofsplakat_(c)_Martina_Sokolowsky

Ehrliches Gesicht, denke ich. Ein gerader Typ. Weiß, wovon er redet. Ernst, wo‘s sein muß, humorvoll, wenn‘s paßt. Keine falsche Bescheidenheit: Ich mach was her als Polit-Ikone!

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Der schreckliche Iwan (15): Ultima irratio

Dienstag, 10. Februar 2015 23:15

Vor drei Tagen widmete ich mich einem Pamphlet des MSC-Chefs Wolfgang Ischinger. Meine Vorhersage, daß der Ton, die Geschichtsfälschung und die Irrsinnslogik, die Ischinger vorgibt, umgehend den (bitte entschuldigen Sie das häßliche Wort:) Diskurs bestimmen werden, ist wie von selbst erfüllt worden. Die Propaganda der Poroschenko-Versteher redet von gar nichts anderem mehr als den „Defensivwaffen“, die Putin endlich Mores lehren sollen. Am lautesten schreien nach den Mord- und Totschlaginstrumenten wie immer seit ihrer Lobotomisierung durch Joseph Fischer die Grünen und alle, die ihnen nahestehen, also auch solche Spezis wie der Steffen Dobbert von der Zeit.

Unter dem Titel „Es braucht Waffen, um diesen Krieg zu beenden“ legte er heute ein beeindruckendes Zeugnis geistiger Verödung vor. Darin heißt es:

Tausende, vielleicht sogar 50.000 Menschen haben durch den Ukraine-Krieg bisher ihr Leben verloren, jeden Tag werden es mehr, und weitere Tausende flüchten gerade aus Angst vor dem Tod aus dem Donbass.

Daß die meisten von ihnen lieber in Putins Reich des Bösen Zuflucht suchen als in der furchtbar freien Westukraine, erwähnt Dobbert nicht, so wie es ihm keine Zeile wert ist, von dem Enthusiasmus zu schreiben, mit dem die ukrainische Armee Krankenhäuser und Wohnviertel in Schutt und Asche bombt.

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