Mars in oppositio

Samstag, 4. April 2015 23:59

Kay Sokolowsky hat bereits vor längerer Zeit (ca. Herbst ‘89) die Hoffnung aufgegeben, seine Meinung könne mehrheitsfähig werden. Die allgemeine Einverstandenheit mit dem Status quo erscheint ihm seit dem Fall der Mauer wie eine neue, viel mächtigere, weil unsichtbare Wand, an der er sich beim Versuch, sie einzurennen, nichts als Beulen und Kopfweh holen kann (und geholt hat). Was Sokolowsky allerdings nicht davon abhält, immer wieder dagegenzupoltern.

Ähnlich fest auf dem eisernen Thron wie heute saß der Kaputtalismus seit seiner Gründerzeit nicht; und anders als damals ist keine soziale Bewegung in Sicht, die ihm das Plündern und Verwüsten sauer machen könnte. Syriza? Ach je. Podemos? Schön wär‘s. Der Abgang der Marktwirtschaft ist weiter weg als ein (s.iunten) bemannter Flug zum Mars.

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Die beste aller Welten (12): Bad jokes

Mittwoch, 1. April 2015 14:39

Der hier hat den Hals nie voll gekriegt:

Der ehemalige Spitzenmanager Thomas Middelhoff hat nach Angaben des Amtsgerichts Bielefeld einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens über sein eigenes Vermögen gestellt. […]
Dem Ex-Manager sitzen Gläubiger im Nacken. Mehr als 90iMillionen Euro soll Middelhoff ihnen nach einem Bericht des Westfalen-Blatts schulden. […] Middelhoff selbst fordert wiederum vom Bankhaus Sal. Oppenheim in einer Zivilklage […] insgesamt rund 100 Millionen Euro. […]
Vor zwei Wochen war er mit dem Versuch gescheitert, gegen die Zahlung einer Kaution von rund 900.000 Euro auf freien Fuß zu kommen.
(Zeit online, 31.3.2015)

Die hier hingegen haben den Hals zu voll gekriegt:

Ein Ehepaar, das in der vergangenen Woche tot in seiner Wohnung in Oberpframmern gefunden wurde, ist sehr wahrscheinlich Opfer seiner Armut geworden. […] Die Eheleute sind an den Folgen einer Vergiftung durch die Abgase eines Notstromaggregats gestorben, das sie in ihrer Not in der Wohnung aufgestellt hatten. Beide waren auf Hartz IV-Leistungen angewiesen. […]
[Der] Betrag für Strom im Hartz IV-Regelsatz [sei] viel zu niedrig, betont Günther Reiser von der Schuldnerberatung der Diakonie im Gespräch mit dem Blatt. Er beobachtet, daß zunehmend mehr Menschen ihre Stromrechnungen nicht bezahlen können.
(gegen-hartz.de, 24.3.2015)

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Ich adoptiere einen Aphorismus

Sonntag, 29. März 2015 23:59

Über die „Pflicht“ knarzt der Geheime Rat Goethe in den Maximen und Reflexionen:

Pflicht: Wo man liebt, was man sich selbst befiehlt.
No. 1089 in der Hamburger Ausgabe

Als schöne Pflicht galt mir, so lange ich es liebte, jenen Guten Vorsatz vom 1.iJanuar zu erfüllen, in welchem ich mir befohlen hatte, täglich etwas zu verbloggen.

Vorsätzliches Ende, Trümmerdetail

Vorsätzliches Ende, Trümmerdetail

Inzwischen beansprucht die Einlösung des in ziemlich naiver Unbekümmertheit rausgeplatzten Versprechens einen übergroßen Teil meiner Freizeit. Wie sie den Blogposts seit dem 22. März gewiß anmerkten, habe ich die Partien nicht mehr aus Liebe zum Werkstück, sondern unter Schüben der Wut und Frustration verfaßt. Das sollte kein Autor sich auf Dauer antun; gleich gar nicht einer mit Neigung zu Durchblutungsstörungen. Die Pflicht erlischt, Goethe weitergedacht, am Verdruß. (Et hoc: 81 Tage lang habe ich meinen guten Willen bewiesen; das übertrifft die Prinzipienfestigkeit und Kondition der Hamburger Grünen um immerhin 79 Tage!)

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Trefflich gescherzt (5)

Donnerstag, 26. März 2015 22:42

Florian Harms, Chefredakteur von Spiegel online, bloggt sich aus über die Stärken seines Schwätz-Shops, verglichen mit „einigen Angeboten“, in denen „elementare journalistische Standards vernachlässigt oder gänzlich ignoriert werden“ (neinnein, das war noch nicht die Pointe, es kommt gleich besser:)

[Guter] Journalismus macht keine Kompromisse. Er hat
P r i n z i p i e n. […]
Unser Anspruch ist es, jeden Tag, auch unter dem Zeitdruck eines minutenaktuellen Mediums, so exakt, ausgewogen, transparent und w a h r h a f t i g wie irgend möglich zu berichten.

(Ach, hörnse uff, Männecken, ick kannich mehr! – Kommse, eina jeht noch! – Na jut.)

In diesem Sinne berichten wir kritisch, aber fair, leidenschaftlich und mit dem M u t zu unkonventionellen Meinungen, dabei unvoreingenommen, u n a b h ä n g i g und unbestechlich und, w e n n  e s  d a s  T h e m a  z u l ä ß t , gern auch originell.

(Hamma, Meista! – Newahr?)

Alle Hervorhebungen sind von mir. KS

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Dem Publikum zur gefälligen Beachtung

Dienstag, 24. März 2015 23:37

SW_Testbild_auf_Philips_TD1410U_Ausschnitt_(c)_Eckhard_EtzoldAus Gründen akuten
Konditionsmangels
(der sich in Übermüdung,
Reizbarkeit, Weltekel, aber
auch -untergangsvisionen
äußert) muß und werde ich
die „Abfall“-Entsorgung
für einige Tage einstellen.
Sie dürfen selbstverständlich
weiterhin und gern auf der
Deponie stöbern gehen.

(Der Blogger sagt hastig
Tschüs und Bisbald, bevor die Metapher zu riechen beginnt.)

Photo: „SW_Testbild_auf_Philips_TD1410U“ by Eckhard Etzold,
licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Germany license,
via Wikimedia commons

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Man schreit deutsh (18): Land und Meute

Montag, 23. März 2015 23:59

Haß ist vielleicht nicht die Folge, oft jedoch der Grund einer Hirnerweichung. Haß führt zu Halluzinationen, Sehstörungen, Inkosequenz und fast immer in den Nationalismus. Da veröffentlicht Zeit online heute (hüstel) einen nicht mal langen Bericht über illegale Steuervergünstigungen, die der griechische Staat laut EU-Kommission zurückzufordern habe. Es geht speziell um indirekte Subventionen in unbekannter Höhe, die dem Hafenbetreiber des Container-Ports von Piräus sowie der chinesischen Miteignerin Cosco Pacific gewährt wurden.

Es ist an diesem Artikel nichts mißzuverstehen. Die Privatisierung wurde 2008 in die Wege geleitet. Die vermuteten Steuererlasse verdankte Cosco dem EU-Lakaien Samaras. Die neue griechische Regierung hat die weitere Privatisierung des Hafens von Piräus gestoppt. Und dann steht da das:

Bereits im Jahr 2009 hatte die Kommission Beschwerden erhalten, denen zufolge Griechenland dem Hafenbetreiber rechtswidrige staatliche Beihilfen gewährt habe.

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Man schreit deutsh (17): hummmmmoooooooa

Sonntag, 22. März 2015 23:59

WW2_Massacre_Memorial,_Chortiatis,_Thessaloniki,_Greece_00 _Ausschnitt_(c)_Christaras_A

Arno Orzessek, 48, versucht sich gelegentlich als Romancier – ich weiß nicht, wie glücklich – und lebt davon, für das Deutschlandradio in Kultur zu machen. Heute hat er sich in der Feuilletonsendung „Nachspiel“ als Satiriker erprobt und dabei mein altes Credo, die Satire dürfe alles, zum Schwanken gebracht.

Orzessek empfiehlt in seiner Glosse den Griechen, die Marken- und Nutzungsrechte für die Olympischen Spiele zu reklamieren, die angeblich einzige „Welt-Marke, die untrennbar mit Griechenland verbunden“ sei. Da bleibt einem der Hals im Lachen stecken. Offenkundig inspiriert vom völkischen Furor, den die Erinnerung der Tsipras-Regierung an offene Rechnungen aus der deutschesten aller Zeiten entfesselt hat, läßt der bemerkenswert zäh auf Tanzfuß tuende und konsequent komikfreie Text nichts aus, was die Ressentiments der Hörer und den eigenen schöngeistig posierenden Chauvinismus bestätigt.

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Kennzeichen D O : Hoffnung

Freitag, 20. März 2015 23:58

Kennzeichen_DO_Religion_09_(c)_Kay_Sokolowsky… und zwar in zwei Richtungen. Erstens: Es kann noch einige Tage dauern, doch in naher Zukunft werde ich endlich ausplaudern, was mich am vergangenen Sonntag nach Dortmund trieb und sogar eine lange Nacht und einen weiteren halben Tag in der Stadt der Stahlbarone Harkort und Piepenstock verbringen ließ. Nehmen Sie das folgende Photo bitte bis dann als weiteren Hinweis auf das, was mir vor allem eine Reise nach Dortmund wert war:

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