119=611

Samstag, 10. Januar 2015 9:00

Wo ich schon mal beim Empfehlen bin: Eine handwerklich ebenso wie satirisch meisterhafte Entlarvung des verschwörungsirren Halluzinierens und seiner Mechanismen liefert Apophenia Productions mit einem Videoclip, in dem die fast drei Jahrzehnte alte „Zurück in die Zukunft“-Trilogie von Robert Zemeckis, und zwar speziell die zweite Episode, als messerscharfe Vorhersage des 11. September 2001 gedeutet wird. Zemeckis (bzw. Hollywood) wußte, behauptet das Feature, in den späten 80ern außerdem voraus, daß hinter all dem Unheil die Illuminaten stecken – „schudder, schudder!“ (Tick, Trick und Track; verdolmetscht von Dr. Erika Fuchs)

Back-Future_Illumati_(c)_Apophenia-Productions

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Schönen Dank, Herr Priol!

Freitag, 9. Januar 2015 8:00

Und zwar für die folgende Abbürstung unseres obersten Militärpfaffen:

„Joachim Gauck … Kann man den Mann nicht mal bei Veranstaltungen reden lassen, die seinem Amt angemessen sind? Richtfest von der Schulturnhalle? Oder Jubiläumsfeier vom Taubenzüchterverein in Bad Salzuflen? Dort gehört der Mann hin. (Im Mogelton des Verfassungsorgans:) ‚Nun öffnet den Schlag! Für die Freiheit!‘“

Urban_Priol_TILT_(c)_3Sat

Priol gibt den Gauck

Zu hören und sehen in Urban Priols Jahreskehraus „TILT! – Tschüssikowski 2014“, das 3Sat noch (!) in der Mediathek vorhält und das außer der Gauck-Erledigung (ab 70‘38“) die vom Kabarettisten gewohnt souverän vorgetragenen Merkel- und Schröder-Parodien sowie viele gute Witze auf Kosten der richtigen Leute enthält. Eine bündigere Charakterisierung der Kriegsministerin als mit folgenden drei Worten geht einfach nicht: „… ihr aasiges Lächeln“.

Gewiß, nicht alle Pointen sitzen, und die ziemlich chaotische Hin- und Herstolperei zwischen den Themen kann auch mal nerven. Aber Priol überspielt versemmelte Gags mit derart herzerfrischender Albernheit in Gestik und Mimik nebst ansteckender Freude daran, in Stimmen zu reden (zumal in diversen hessisch-rheinpfälzischen), daß ihm die Flusigkeit leicht zu verzeihen ist. Sie gehört ohnedies zur Bühnenfigur Urban wie das unter Starkstrom stehende Haar und ein Hemd, das, mit Raymond Chandler zu reden, „an einem Papagei zu bunt ausgesehen hätte“.

Falls Sie in diesen trüben Tagen einen Lichtblick gut vertragen können: Urban Priol schafft es vielleicht, auch Ihnen heimzuleuchten.

Screenshot/Quelle: 3Sat.online – Mediathek:
Urban Priol: „TILT! – Tschüssikowski 2014“ (Erstausstrahlung 1.1.2015)

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Auch …

Donnerstag, 8. Januar 2015 1:43

Je-suis-Charlie_07-01-15_(c)_Charlie_Hebdo


Mitten in einem längeren Stück für die Februarausgabe von Konkret über Pegida und die Nutzlosigkeit, mit Pegidazis zu diskutieren, erfahre ich von dem Massaker in der Redaktion von Charlie Hebdo.

Abscheu vor den Mördern und Grauen angesichts ihrer Tat mischen sich mit Ohnmacht. Und schlechtem Gewissen. Habe ich, als ich vor sechs Jahren das Buch Feindbild Moslem schrieb, eine Gefahr verharmlost? Und eine Religion schön geredet, die immer wieder und immer öfter solche Proselyten zeugt – Blutsäufer, Folterknechte und Judenhasser, Menschenfeinde durch und durch –?

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Abteilung: Ironie off, Sokolowsky anderswo | Kommentare (1)

Erstmals* photographiert: Wölfe im Schafspelz

Mittwoch, 7. Januar 2015 20:56

Wolfsschafe_(c)_Kay_Sokolowsky

* von mir

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Warum Twitter unentbehrlich ist

Dienstag, 6. Januar 2015 22:45

Twitter-Mail_06-01-15_(c)_Kay_Sokolowsky

Aus einer Twitter-E-Mail-Benachrichtigung vom 6.1.2014, 9.05 Uhr

 

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Aufgelesen (1): Reformalitäten

Montag, 5. Januar 2015 23:51

Gregor Peter Schmitz residiert als, hui!, „Europa-Korrespondent“ für Spiegel online in Brüssel und ist auch sonst ein Qualitätsjournalist wie aus dem Bilderbergerbuch. Das heißt: Er hat zwar zu allem eine vorhersehbare Meinung, aber weil der Kerl es mit der Sprache nicht so genau nimmt, weiß der Leser ebenfalls nicht so genau, was Schmitz denn gerade zur Meinung machen möchte.

Beispielsweise schreibt die Brüßlerspitzenkraft heute in einem Kommentar zum herbeispekulierten Austritt Griechenlands aus dem Euro-Imperium:

Reformhaus_SPON_05-01-15

Worum es sich bei diesen Aufgaben im Reformhaus wohl gehandelt haben mag? Dinkelvollkornmehl kaufen? Folsäuretabletten besorgen? Gesichtsschmiere ohne Zusatzstoffe erwerben? – Es ist schon ein Kreuz mit der großen Freiheit, welche die deutsche Sprache beim Bilden von Komposita gewährt, zumal wenn ein Neoliberaler sie wahrnimmt. Denn so, wie solche Masterminds das Wort „Reform“ mißbrauchen, straft die Sprache, die zwar jede Lüge erlaubt, nicht jedoch duldet, sie mit Blamagen ab, die sensiblere Menschen in die Nachsitzecke nötigten.

Ebenfalls heute prangt übrigens im Ressort „Gesundheit“ von Spon ein Artikel über die Emetophobie, also die Angst vor dem Erbrechen bzw. Erbrochenen (mit einem sagenhaft blöd ausgewählten Symbolphoto).

Schon frag ich mich, warum ich mindestens einmal am Tag bei der Zwillingsschwester von Bild.de ins Irreformhaus gucke. Ist dies nicht gleichfalls ein „Ekel, der das Leben beherrscht“? Allerdings mit Lust am Übergeben – also so etwas wie Emetophilie?

Und, im Ernst: Gibt‘s dagegen Präparate (möglichst ohne Wechselwirkung mit meinen Blutgerinnungshemmern)? Um Karatschläge wird gebeten.

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Heiteres Ratespiel für die gebildeten Stände (1)

Sonntag, 4. Januar 2015 19:12

Welchen Aphorismus des österreichischen Dichters und Satirikers Karl Kraus stellt Kay Sokolowsky in folgendem Photo nach?

Schattenmann_(c)_Kay_Sokolowsky

a) Die Welt ist ein Gefängnis, in dem Einzelhaft vorzuziehen ist.

b) Er hatte so eine Art, sich in den Hintergrund zu drängen, daß es allgemein Ärgernis erregte.

c) Gute Ansichten sind wertlos. Es kommt darauf an, wer sie hat.

(Kleiner Tip: Die richtige Antwort lautet natürlich: d). Zu finden ist sie bzw. der gemeinte Aphorismus bspw. hier.)

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Die beste aller Welten (9): Wachstumsberichte

Samstag, 3. Januar 2015 19:25

„Soziale Sicherheit und Bildungsgerechtigkeit für Kinder sollten in einer der reichsten Industrienationen der Welt eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Zehn Jahre nach Einführung der sog. Hartz IV-Gesetze ist aber festzustellen, daß sich insbesondere die Kinderarmut in Deutschland deutlich verschärft hat. Die Zahl der von Armut betroffenen Kinder und Jugendlichen hat sich in den letzten zehn Jahren auf rund 2,8 Millionen mehr als verdoppelt.“

Aus einer Pressemitteilung des Deutschen Kinderhilfswerks
vom 29. Dezember 2014


„Die Deutsche Bank sieht große Chancen, im Geschäft mit sehr reichen Kunden hierzulande weiter zu wachsen. Das von der Bank in Deutschland verwaltete Vermögen sei seit 2009 jährlich um zwölf Prozent gestiegen und damit deutlich stärker als der hiesige Gesamtmarkt mit drei bis vier Prozent (…) Das Geldhaus verwaltet (…) in Deutschland insgesamt 117,6 Milliarden Euro und ist damit Marktführer vor der Commerzbank.“

Aus einem Artikel auf FAZ.net vom 3. Januar 2015

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