Bee yourself

Mittwoch, 25. Februar 2015 23:24

Biene_bei_der_Arbeit_(c)_Kay_SokolowskyAus einem sehr lesenswerten Interview des Zeit-Magazins mit demZoologen und Neurobiologen Randolf Menzel erfahre ich, daß Honigbienen nicht nur Nektar sammeln können. Sie sind auch fähig, Hunderte ihrer Stocknachbarn individuell zu unterscheiden … zu zählen … eigenständig Abkürzungen für ihre Flugrouten auszuknobeln … Freude und Wut zu empfinden … vielleicht sogar zu träumen. Die Biene, stellt Menzel fest,

hat nicht nur eine Vorstellung von der Welt, sondern auch von sich selbst. Wenn sie sich für oder gegen etwas entscheidet, sagt sie Ergebnisse ihres eigenen Handelns voraus. Dazu braucht sie zum Beispiel ein Erleben und eine Simulation des eigenen Körpers. Die Biene weiß, wer sie ist.

Das hat sie mir voraus. An Tagen wie heute jedenfalls

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Man schreit deutsh (13): Culture Grub*

Dienstag, 24. Februar 2015 23:59

Den Stolzdeutschen erkennt man daran, daß er seine schöne Mutter Sprache schändet, wann und wo immer es ihm das Maul aufreißt. Je mehr Vaterland in einem teutschen Menschen steckt, desto weniger Liebe bleibt, scheint‘s, übrig für das Wertvollste, was der Zufall der Geburt ihm geschenkt hat. Bei den lupenreinen Nazis schlägt Gleichgültigkeit gegen Vokabular, Genus, Grammatik, Syntax und Tempus in Haß um: Haß auf die enorme Integrationsfähigkeit des deutschen Wortschatzes, Haß auf die Komplexität und Tiefe des Idioms, Haß auf alle, aus deren Mund das Deutsche nicht wie das Bellen eines Rottweilers, sondern so betörend klingt, wie diese Sprache es zuläßt, wenn ein Sprecher ihr schöne Augen macht statt sie zu würgen.

Und daher kann folgender Satz natürlich nur in dem Programm einer Nazipartei (in diesem Fall: „Die Rechte“) stehen:

Die Deutsche Kultur mit seinen zahlreichen Prägungen ist in der ganzen Vielfalt zu erhalten und zu fördern.

Da ist mir um der Deutschen Kultur ja nicht mehr zu fürchten.

* Ein Seitenstück zum Blogpost von gestern

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Aufgelesen (2): Gegeninformationen

Montag, 23. Februar 2015 23:48

Spiegel online berichtet heute, daß „die Behörden“ in Nordrhein-Westfalen ein Verbot des braunen Haufens „Die Rechte“ prüfen. An Belegen für die Verfassungsfeindlichkeit der Truppe mangelt es nicht. Denn ihr Anführer heißt Christian Worch, wurde einst angelernt vom Hitler-Wiedergänger Michael Kühnen, ist seit bald 40 Jahren natioaktiv, durfte sich ein paar Wochen im Knast als Märtyrer der Bewegung aufplustern, leugnet den Holocaust und bringt auch sonst alles mit, was man von einem, mit Karl Kraus zu sprechen, Arischgesicht erwarten darf.

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Frau Vulva und die Bärchenbande

Sonntag, 22. Februar 2015 22:52

Vulva_und_die_Baeren_Aufmacher_(c)_Kay_SokolowskyAL, DF und MS gewidmet

Falls mal was wirklich Interessantes in Hamburg passiert, verpaß ich es garantiert. So auch am vergangenen Donnerstag, als die Regisseurin Ulrike Zimmermann im „lichtmesz-kino“ ihren gemeinsam mit Claudia Richarz angefertigten Dokumentarfilm Vulva 3.0 – Zwischen Tabu und Tuning vorstellte.

Hätte ich die Ankündigung der Show bloß vorher gelesen! Ich hätte es mir zweimal überlegt, den Donnerstagabend mit Geschirrspülen und Wäschefalten zu verbringen:

Das Zeigen der Vulva vertreibt Bären und Löwen, lässt den Weizen höher wachsen, beruhigt Sturmfluten, und Dämonen haben Angst davor. Der Teufel läuft weg. Das Zeigen der Vulva rettet die Welt.

Weiterlesen NUR für Erwachsene

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Eitel bis wolkig

Samstag, 21. Februar 2015 23:59

Die Plakate überklebt, der Spot aus den Kinos verschwunden … Ich muß es einsehen: Die Zeit meines Weltruhms ist Geschichte … Glorreiche, klar! Aber, ach, vergangen, vorbei, versunken. Seit einigen Tagen sehen mich die Leute nicht mal hinter meinem Rücken an.

Schon richte ich mich darauf ein, den Rest meiner Tage als lebende Legende, mehr Mythos denn Mensch, zu verbringen. Da steckt man mir dashier in die Mailbox:

Campact_Briefkopf_01_(c)_Kay_Sokolowsky

Bin wirklich ich gemeint? Aber hallo, dort steht‘s ja:

Campact_Briefkopf_02_(c)_Kay_Sokolowsky

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Zu Gast: Jutta Ditfurth

Donnerstag, 19. Februar 2015 23:54

Jutta Ditfurth hat auf meinen Blogpost „Freiheit? Wie Sie meinen“ geantwortet. Sie mußte dafür den Umweg über Facebook nehmen – nicht aus eigener „Doofheit“ (also bitte!), sondern wegen der doofen Technik. Der Admin bittet um Pardon; musser ma bei. – Ditfurths soeben veröffentlichte, ausführliche Erklärung zum Fall E. (Hyperlinks unten) sei allen empfohlen, die Jürgen Elsässer (und Ken Jebsen) mal aus der Nähe begutachten möchten. Ist natürlich nicht jedermanns Sache. – Hier kommt Frau Ditfurth:

Jutta_Ditfurth_(c)_Philipp_von_Ditfurth

Jutta Ditfurth (Photo: Philipp von Ditfurth)

Ich habe mich sehr über Deinen Kommentar gefreut, vielen Dank, Kay Sokolowsky. Ich habe versucht, mich auf deinem Blog zu bedanken, klappte wohl nicht. Kam irgendeine komische Anforderung und ich war zu doof. Ein Hinweis noch: Du und alle anderen Menschen, ihr dürft den islamhassenden, homophoben, antifeministischen Rassisten Jürgen Elsässer als das bezeichnen, was er auch noch ist; nur ich darf ihn nicht, obwohl hoch verdient, einen „…“ nennen, solange ich vor Gericht nicht gewonnen habe. Heute habe ich eine aktuelle Erklärung zum Prozeß veröffentlicht, mit Informationen über Elsässer, auf Deutsch und Englisch.

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Freiheit? Wie Sie meinen.

Mittwoch, 18. Februar 2015 23:59

Satyricos_Spitze-Feder_Aufmacher_(c)_Kay_Sokolowsky

„Die spitze Feder“(c) Satyricos

Gestern abend habe ich hier (bzw. etwas weiter unten) einige fundiert unsachliche Glossen zur angewandten Postdemokratie in Hamburg veröffentlicht. Die Texte, die jetzt im Blog zu lesen sind, weichen an vier Stellen erheblich von der roheren Fassung ab. Das hatte dreimal rechtliche Gründe, die letzte Streichung war außerdem Stil und Geschmack geschuldet.

Während dieses Akts der Selbstknebelung habe ich mich nicht zum ersten Mal gefragt, woher so viele Leute die Einbildung nehmen, in Deutschland könne jeder immer alles sagen, was er meint, schreiben, was er denkt. Vom Gummiparagraphen der „Beamtenbeleidigung“ haben sie offenbar so wenig läuten hören wie von Herbert Marcuses Terminus „Repressive Toleranz“.

Tatsächlich gibt es nur eine, eher kleine Zensurbehörde in der BRD, die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM). Man nimmt sie kaum als Zensurbehörde wahr. Denn sie bannt nicht das Werk selbst, sondern allein dessen Vertrieb an Minderjährige. Das ist ein Prachtexempel für repressive Toleranz in der Praxis. Gewiß, gewiß, weit, weit weg von einer Reichsschrifttumkammer, einer Glawlit, einem Index Librorum Prohibitorum etc. Aber das war nicht immer so und muß auch nicht so bleiben. Weil die BPjM grundsätzlich ethisch, nicht wissenschaftlich, argumentiert, kann sie alles indizieren, was kulturell aktuell nicht behagt. Ein einziges dem Philister in der Zwölferjury mißliebiges Wort, nur ein seine Sehkraft überforderndes Bild: Und das Buch und der Film verschwinden für 25 Jahre im Giftschrank.

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Aufgelesen (2): (Halb) Hamburg hat gewählt

Dienstag, 17. Februar 2015 21:59

Abfall_Wahl_Aufmacher_(c)_Kay_Sokolowsky

Angewandte Postdemokratie (Symbolphoto)

Die Aussicht, künftig einen sprechenden Honigkuchen als Zweite Bürgermeisterin ertragen zu müssen, ist keine schöne. Aber ich habe einen ertappten Kokser mit Neigung zum Größenwahn überstanden, dann sollte eine mopsfidele Nichtraucherin gerade noch zu schaffen sein. Das denkt der Scholzomat ebenfalls, und deshalb will er mit niemand sonst über eine Koalition reden als mit den Dümmsten, Schmiermittelkompatibelsten, und das sind, trotz harter Konkurrenz durch das Suding-Syndikat, nachweislich die Grünen.

Es brauchte nämlich nur ein paar Minuten nach der ersten Hochrechnung, bis die Bundesvorsitzende des Freundeskreises Poroschenko, stop, Quatsch, der Grünen, Simone Peter, ins Mikrophonbüschel quakte: „Wir werden uns nicht billig verkaufen.“ Hier werden ökonomische und politische Sphäre nicht vermischt, sondern vereint. Trotzdem dürfte Frau Peter ihr Armutszeugnis für ein trotziges Statement halten. Im Selbstbetrug lassen sich die Grünen nun mal von keinem was vormachen; außer, vielleicht, von ihren Wählern. Wo die parlamentarische Demokratie vergammelt, wo republikanische Werte begeistert der Verwertung zugeführt werden, ist nichts leichter (und billiger) zu kaufen als eine Partei. Den aktuellen Tarif entnehmen Sie demnächst der Tagespresse.

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