Wer nix ist, wird Analyst

Montag, 20. August 2012 0:03

Vor dem Börsengang:

„Facebook ist heute in einer ähnlichen Ausgangsposition wie einst Google. Mehr als 800 Millionen Nutzer haben sich in dem sozialen Netzwerk angemeldet, viele von ihnen geben dort immer intimere Daten preis. Facebook hat schon die Reichweite, jetzt muß es nur noch den Milliarden-Dollar-Knopf finden und drauf drücken. So kalkulieren Investoren.“
Stefan Schultz, Spiegel online, 31.1.2012

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„Angesichts dieses Potenzials sehen die meisten Beobachter Facebook gut gerüstet für den rauhen Wind an der Wall Street.“
Thorsten Schröder, Zeit online, 1.2.2012

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„Dennoch hält der Experte [Maik Haufe, Quirin Bank] einen Zusammenbruch nach dem Börsengang für unwahrscheinlich. ‚Das hat den einfachen Grund, daß Facebook schwarze Zahlen schreibt.‘“
N. N., Süddeutsche.de, 2.2.2012

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Sommerfrische (4): 4 Sommerfrösche

Dienstag, 14. August 2012 14:01

… und ihre Post von unterwegs

Liebe Mom,

super Wetter, super Typen, super Animation auf meiner Tour! Stell Dir vor – gestern hab ich beim Quakaoke den ersten Platz gemacht! Mit meinem Lieblingslied „Dieser Weg wird kein leichter sein“. Sogar der Reiseleiter hat geweint.
Tja, jetzt weiß ich, warum. Nichts als Asphalt auf der Etappe heute. Na, super … Aber: Gegenüber soll es Fliegen geben wie die Fliegen!

Supergrüße, Susi

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Sehr geehrtes TUI-Team,

ich möchte Sie darauf hinweisen, daß in der Ferienanlage „Good Quack“ am Westensee beileibe nicht alles so bestellt ist, wie es in Ihrem Prospekt beschrieben wird.
Die Laichplätze, um nur ein Beispiel zu nennen, sind durchaus nicht „ohne Probleme“ zu erreichen. Meine Frau hat sich im ungepflegten (!) Gestrüpp mehrmals verlaufen (s. beilieg. Beweisphoto).
Außerdem sind wir höchst unzufrieden mit der Luftraum-
überwachung der Anlage. Unsere ca. 200 Kinder mußten mehr als einmal ins Wasser flüchten, weil es einen Fehlalarm gab. Leider findet sich in Ihrer Broschüre kein Hinweis auf die Storchförmigkeit der Wolken am Westensee! Das ist eine Irreführung, die zweifellos ein gefundenes Fressen für die Presse wäre.
Sollten Sie unsere Kosten erstatten (keine Gutscheine!), sehen wir evtl. von gerichtlichen Konsequenzen ab.

Hochachtungsvoll, Dietmar Fröscher, Dr. jur.

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Man schreit deutsh (9): Olympisches Wortringen

Sonntag, 12. August 2012 21:44

GOLD
„Es ist schon trüb, das ist ganz klar.“
Thomas Lurz über das Wasser im Serpentine Lake
(10. August, 15.30 Uhr, ARD)

SILBER
„Positiv auch für sie? Ich mein‘ das jetzt im positiven Sinne.“
Sigi Heinrich während des Hochsprungwettbewerbs der Frauen
(11. August, 21.15 Uhr, Eurosport)

BRONZE
„Es ist eigentlich normal, daß es Enttäuschungen gibt bei Olympischen Spielen – aber auch Überraschungen.“
Oliver Frick zieht seine Olympia-Bilanz
(12. August, 18.56 Uhr, NDR Info)

BLECH
„Sein nächster Sieg muß sein, mit dieser Niederlage fertig zu werden.“
Hans-Wilhelm Gäb über Timo Boll
(zit. n. Stern.de, 31. Juli)

HOLZ
„Wenn Sie so schnell wie Yohan Blake werden wollen, essen Sie jeden Tag 16 Bananen.“
Wolf-Dieter Poschmann über das Geheimnis jamaikanischer Sprinter
(zit. n. Tagesspiegel.de, 10. August)

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Timmi und die Arkonigel (7)

Samstag, 11. August 2012 19:20

Was bisher geschah.

Die Igelin legt sich ins Gras und ruht aus vom Jagen und Fressen. Sie hört den Nachtwind in den Blättern schnüffeln und schnieft leise mit. Dann verzieht sie die Schnauze, weil in der Manteuffelstraße irgendein Idiot versucht, mit seinem Auto die Schallmauer zu durchbrechen. Marion kann Autos nicht leiden. Wie alle vernünftigen Igel schaut sie mindestens dreimal nach links und viermal nach rechts, bevor sie eine Straße überquert. – Ihr wißt ja, warum trotzdem immer wieder Igel zwischen Reifengummi und Asphalt geraten. Wenn ihr es vergessen haben solltet, blättert bitte zurück zum Anfang des ersten Kapitels und stört nicht die anderen, die im Gegensatz zu euch aufgepaßt haben und wissen wollen, was als nächstes geschieht. Danke!

   Es wird kühler, und die alte Buche, unter der Marion liegt, entspannt sich mit einem Knacken. Da ertönt aus der Tiefe, weit unten von der Elbe, ein gewaltiger Laut. Er klingt, als riefe das größte Tier der Welt nach seinen Freunden und als wüßte es schon beim Rufen, daß niemand ihm antworten wird. Marion hat diesen Ton schon oft gehört, und wie jedes Mal wird ihr seltsam zumute, während das ungeheure „Booo-uuuh“ in ihren Öhrchen vibriert. Wenn Igel weinen könnten, würde sie es jetzt tun. Statt dessen beißt sie die Zähne fest zusammen und stellt die harten Haare halb auf. Sie hat tatsächlich ein bezauberndes Stachelkleid, da kann man Timmi nicht widersprechen.

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Sommerfrische (3): Westentensee

Samstag, 4. August 2012 0:58

Vier Szenen mit Sonnenuntergang

Mitwirkende:
KAPITÄNIN DAISY
DIE LEICHTMATROSEN – TICK, TRICK, TRACK, TROCK, TRUCK UND TECK
DER SPANNER

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1. Szene

KAPITÄNIN DAISY. Durchzählen!
DIE LEICHTMATROSEN. Eins! Zwei! Drei! Vier! Sechs! Sieben!
KAPITÄNIN DAISY. Wieso sieben? Seit wann seid ihr sieben?
DIE LEICHTMATROSEN (kringeln sich vor Lachen).
KAPITÄNIN DAISY. Ihr verflixten Schlingel! Wenn ich das dem Kapitän
erzähle, könnt ihr euch die Fahrt nach Felde morgen abschminken.
DIE LEICHTMATROSEN. Ach, nö! War doch bloß Spaß!
KAPITÄNIN DAISY. Spaß, Spaß … Ich hätt‘ auch gern mal Spaß! Aber wie
soll das gehen, mit solch einer Besatzung?
LEICHTMATROSE TROCK. Du-hu, Frau Kapatän … Darf ich noch mal ins
Wasser?
KAPITÄNIN DAISY. Um diese Zeit? Ich kann ja kaum noch meinen eigenen
Schnabel sehen. Nee, kommt gar nicht in Frage. Außerdem heißt es
Kapitän – Ka-Piii-Tän.
LEICHTMATROSE TROCK.  Oooch …
KAPITÄNIN DAISY. Schluß mit dem Geschnatter!

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Bored beyond belief (5): Am Zebrastreifen

Freitag, 3. August 2012 0:04

An ihrem Kinderrad sind Stützreifen befestigt, dabei sieht die Kleine aus wie eine Achtjährige. Mit dem Helm auf dem blonden Kopf wirkt sie noch größer. Ein Blick auf die Mutter verrät, woher das kommt – Erbmasse die
Fülle. Das Mädchen möchte über den Zebrastreifen preschen, wird jedoch von der Vorgesetzten zurückbefohlen. Das Kind zieht einen Flunsch, denn weit und breit ist kein Auto zu sehen. Mutti guckt stur nach links und nach rechts, marschiert mit langen Schritten los und ruft: „Jezz!“

   Das Mädchen kräht: „Vo‘hin waa‘s auch frei …“ Seine Stimme ist viel jünger als sein Körper: Höchstens sechs Jahre hat dieses Kind bislang hinter sich gebracht – das erklärt die Stützräder. Aber sechs Jahre sind bereits eine Welt entfernt von der Zeit, als Mamas zugleich Gottes Wort war. Es ist weiterhin Gesetz, das schon. Aber die hochgeschossene Kleine beginnt, die geltende Rechtsprechung in Frage zu stellen. Den Flunsch behält sie daher im Gesicht, als sie sich betont langsam in Bewegung setzt. Auf halbem Weg über den Zebrastreifen jedoch hat sie schon wieder vergessen, daß Mama spinnt, und freut sich, schneller radeln zu können, als die Mutter läuft.

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Sommerfrische (2): Seebrillenschlange

Mittwoch, 1. August 2012 23:01

– „Siehst du das?“

– „Was?“

– „Dieses grüne Leuchten im Wasser. Siehst du das auch?“

– „Wo?“

– „Na, da.“

– „Da?“

– „Nein, da!“

– „Ach, da. Ja … Oh. Nee. Nee, seh‘ ich nicht.“

– „Wo guckst du denn auch hin?! Da mußt du hingucken!“

– „Tu ich doch.“

– „Tust du nicht. Wo du nur immer deine Augen hast …“

– „Im Kopf, mein Spatz.“

– „Dann dreh sie mal nach außen, mein Schatz.“

– „Oh! Jetzt seh‘ ich‘s auch.“

– „Nee, jetzt isses weg.“

– „Oh.“

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Timmi und die Arkonigel (6)

Dienstag, 31. Juli 2012 21:45

Was bisher geschah.

Etwa zur selben Zeit tut ein anderer Igel, genauer gesagt: eine Igelin, das, was Igel in der Abendstunde normaler-
weise tun. Sie schnuppert mit ihrer hübschen Nase, die sich
wie ein Finger biegt und streckt, nach Leckereien und läßt sich nichts entgehen, was zu einem gesunden Frühstück gehört. Sie beginnt mit drei makellos mehligen Motten-
maden, findet anschließend eine Kreuzspinne, deren acht Beine angenehm den Gaumen kitzeln, und spürt etwas später eine Dämmerungsparty von Ohrwürmern auf, der sie ein grausiges Ende bereitet.

   Ohrwürmer sind bekannt dafür, ständig Partys zu feiern. Und selbst-
verständlich können Igel einer solchen Ansammlung von Naschzeug nicht widerstehen. Die Ohrwürmer wären also gut beraten, beim Feiern zurückhaltender zu sein, möchte man meinen. Sie sehen das freilich anders. Gerade weil der Tod ihnen jederzeit auflauert, möchten sie wenigstens in netter Gesellschaft sein, wenn‘s passiert.

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