Man schreit deutsh (6): Brat und Spiele

Donnerstag, 28. Juni 2012 14:12

Noch ist nicht heraus, ob die deutsche oder die italienische Mannschaft das Halbfinale siegreich bewältigen wird. Sollte die Squadra azzurra heute abend wieder einmal für das Ende hiesiger Titelträume sorgen, kann das aber bestimmt nicht mit der Verpflegung an der Heimatfront zu tun haben. Denn Netto, der „Marken-Discount“, heißt in dieser Woche:

– also Nettfußball, und weiß daher, daß der echte Rums-rums-rumsdi-rumsrumsrums-„Sssieg!“-Siggi neben einer Kanne Bier auch was vom Benzol-Grill braucht, irgendwas, um in die Stimmung zu kommen, die er mir durch sein Gebrüll sofort vermiest, wenn ich in Ruhe die Spielkunst der Löw-Truppe goutieren möchte. In Mägen, die auch der Bruzzzler Einlaß gewähren, paßt praktisch alles, vermuten die Nettfußball-Marketingstrategen, und deshalb verordnen sie:

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Was Sie schon immer über Woody Allen wissen wollten …

Mittwoch, 27. Juni 2012 18:58

… oder lieber doch nicht: In „Woody Allen – A Documentary“ erzählt Robert B. Weide von Leben und Werk des Mannes, der schon lange nicht mehr auf den Namen Allan Stewart Konigsberg hört. Kay Sokolowsky hat sich den Film angesehen und seine Meinung im Juli-Heft von „Konkret“ hinterlassen.

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Timmi und die Arkonigel (3)

Dienstag, 26. Juni 2012 18:01

Was bisher geschah.

Die Neugier ließ Timmis Stacheln geradezu bibbern. Deshalb war er gar nicht beleidigt, als Konrad – dem gute Manieren, wie gesagt, abgingen – ein „Tschü“ pfiff, die Nagezähne in den Stinkekäse bohrte und mit seinem Festmahl davon-
tippelte. Timmi sagte, kaum höflicher: „Man sieht sich.“ Er sah dem Mäuserich aber nicht mal hinterher, und er hörte auch nicht das Schmatzen und die Laute des Behagens, die bald darauf aus der Matschecke bei der Regentonne ertönten.

   Timmi wollte nichts dringlicher, als mit der Lektüre zu beginnen. Nun fragt ihr euch sicherlich, wie Igel es fertigbringen, in der Dunkelheit zu lesen. Für euch ist das kein Problem: Ihr habt eine Nachttischleuchte und für ganz spät, wenn Mama einen Gutenachtkuß auf die Backe gedrückt und das Licht gelöscht hat, eine Taschenlampe. Aber so ein Igel besitzt ja nicht mal eine Steckdose! Dazu müßt ihr wissen, daß die kleinen Schnief-
nasen im dunkeln viel besser sehen können als wir. Das ist auch gut so, denn im hellen tun ihnen die Augen weh wie unsereins bei Neuschnee in der Antarktis. Und weil es für Igel keine Sonnenbrillen gibt, wachen sie am liebsten bei Nacht und schlafen am Tag.

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Man schreit deutsh (5): Thilo Sarrazin ist keine alte Hure

Montag, 25. Juni 2012 21:19

Michael Ringel, Redakteur der „Taz“-Satireseite „Die Wahrheit“, teilt heute via Rund-E-Mail mit, daß Thilo Sarrazin den Anwalt Christian Schertz beauftragt hat, gegen die „Taz“ eine Beleidigungsklage anzustrengen. Anlaß dafür ist eine Polemik Ringels vom 18. Juni 2012. Darin heißt es, gewisse Journalisten würden Sarrazin „benutzen wie eine alte Hure, die zwar billig“ sei, „aber für ihre Zwecke immer noch ganz brauchbar, wenn man sie auch etwas aufhübschen“ müsse. Das will der Intelligenz-, Bildungs-, Sozial-, Finanz-, Brauch- und Volkstumsexperte Sarrazin nicht auf sich sitzen lassen.

   Der Fall, sofern es einer wird, zeigt wieder einmal, wie schlecht Leute, die mit dem großräumigen Austeilen von grundlosen Beleidigungen berühmt geworden sind, einstecken können. Er zeigt überdies, daß sie mit dem Lesen Schwierigkeiten haben. Denn keineswegs hat Ringel den Mann, der allen deutschen Deutschen ein leuchtendes Vorbild ist, mit einer Hure, nicht mal mit einer alten, verglichen. Sondern in einer – gewiß drastischen – Metapher den Zynismus und die Gewissenlosigkeit jener Journalisten zu beschreiben versucht, die den Populisten Sarrazin auf die Titelseite heben und ihm ganze Druckbögen einräumen, sobald der irgendein Zeug in die Gegend lispelt, das nach Eklat und Auflagen-
steigerung riecht. Beleidigt müßten jetzt also gewisse Herrschaften beim „Spiegel“, bei „Bild“, der „FAZ“ oder dem „Focus“ sein, doch in solchen Angelegenheiten sind die Profis und deshalb von Empfindlichkeiten frei. Wenn nicht freier.

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Director’s Cut (1): Das letzte Bild

Sonntag, 24. Juni 2012 23:30

Die Serie „Director‘s Cut“ versammelt Texte von mir, die bereits vor Jahren, aber nie in ihrer ursprünglichen Form erschienen sind. Hier sind sie endlich so zu lesen, wie sie mal gedacht waren, bereichert um Szenen oder Exkurse, die einst an den engen Grenzen des Layouts scheiterten, beschnitten um Sätze und Formulierungen, die dem Autor heute eher peinlich sind. Für jede Neupublikation gibt es einen Grund – heute lautet er selbstverständlich Europameisterschaft.

 

Für Fynn

Oma Heidi hatte Martin heimlich 20 Euro für die Kirmes zugesteckt. Doch außer einer Fahrt mit dem Autoscooter und einem großen Erdbeersofteis gönnte er sich dort nichts. Er brauchte das Geld für etwas Wichtigeres – wichtiger sogar als die Wilde Maus und das Augenschmelzen. Dabei foppte man mit Sonnenblitzen aus kleinen Spiegeln die Leute am Schießstand: ein Heidenspaß, auf den Martin sonst nie verzichtet hätte. Zumal an diesem Nachmittag keine Wolke am Himmel stand. Aber in gewisser Weise ging es um Leben und Tod, und damit spaßt ein Zehnjähriger ebenso wenig wie ein Erwachsener. Während seine Freunde Sven und Jens-Peter nach taktisch günstigen Plätzen suchten, huschte Martin durchs Gewühl davon.

   In der Tankstelle an der Möllner Landstraße schob sonntags Herr Beltz Dienst, ein grimmiger alter Mann mit pechschwarzen Haaren und Spitzbart, vor dem Martin normalerweise gehörig Schiß hatte. Aber nicht heute: Mit einem Vermögen von 17 Euro im Brustbeutel kam der Junge sich unantastbar vor. Martin baute sich vor der Kasse auf, Beltz schaute herab und fragte: „Schon wieder Sammelbilder?“ Martin nickte, und der Tankwart reichte ihm den Karton mit den Stickertüten herunter: „Ist ja hoffentlich dein Geld, das du verschwenden willst.“

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Bored beyond belief (3): Endlich Sommer!

Freitag, 22. Juni 2012 15:28

Beim Wettsingen an diesem Mittag hatte Dagmar den Amselmann mit seinem Fimmel fürs Atonale und Lothar, das Rotkehlchen, das lieber Robin genannt werden wollte, eindeutig in die Schranken verwiesen. Nein – sie hatte sie fertig gemacht. Plattgebügelt. Zer-schmet-tert! Ein Bad in der Sonne hatte sie sich mehr als verdient.

   Eine Weile plierte die Singdrosselin aus dem nackten Geäst der schiefen Kiefer nach dem nettesten Platz auf dem Rasenfleck. Dann flatterte sie hinab aufs Gras, dem es leider gar nicht gut ging, weil die Kiefer tod-
krank war und pfundweise saure Nadeln abwarf.

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Abteilung: Bored beyond belief, Erzählungen, Timmis Freunde, Unerhört nichtig | Kommentare (0)

„Angelina Jolie war wie ein wildes Tier“

Mittwoch, 20. Juni 2012 15:07

Scarlett Johansson, Johnny Depp, Katie Holmes, Brad Pitt und Shia LaBeouf – er hatte sie alle: Kay Sokolowsky im Gespräch mit Kay Sokolowsky über seine heißen Nächte mit den Megastars

Sorgt mit seinen Memoiren für Aufsehen: Hollywood-Bodyguard Kay Sokolowsky

Abfall aus der Warenwelt: Kay Sokolowsky, Sie haben …

Kay Sokolowsky: Du kannst du zu mir sagen.
Und Kay, Kay.

Nein, danke.

So fremd sind wir uns nun wirklich nicht.

Kommt auf die Situation an.

Das ist doch völlig schizophren!

Steht nicht jeder von uns hin und wieder neben sich selbst?

Auch wieder wahr. Was wolltest du fragen?

Kay Sokolowsky, Sie haben viele Jahre als Security-Mann für große Hollywood-Studios gearbeitet. Nun erscheint ihre Autobiographie „Intime Deckung – Der Bodyguard der VIPs packt aus“.

Wie bitte? Wer packt aus?

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Abteilung: Selbstbespiegelung, Unerhört nichtig | Kommentare (1)

Discovery Channel (1): „Last Century Man“

Dienstag, 19. Juni 2012 13:00

Musik, die aus dem Kopf und auch dem Bauch kommt wie alle tröstlichen Töne und deshalb über den Kopf warm und weich in den Bauch hinabsickert … Eine Melodie, ein Text und ein Arrangement, die das sanfte ironische Genie George Harrisons aufs allerschönste beerben … Ein Clip, für den es auf der ganzen Welt nicht genug Kurzfilmpreise gibt, so liebevoll und klug ist er verfertigt, so witzig und wacker setzt er die, leider verschüttete, Tradition der ITV-Satire „Spitting Image“ und ihrer Puppenkarikaturen fort …

   … Noël Rademachers „Last Century Man“ ist eine der Entdeckungen, die man (und frau) am liebsten selbst (selba) und als Ersta (Erste) gemacht hätte. Zumal es darin um das Primärproblem von Leuten wie mir geht, die zwischen zwei Jahrhunderte (ja, Jahrtausende!) gerutscht sind und oft nicht wissen, wohin sie gehören: In die Zeit der revolutionären Rauschebärte oder in die der opportunistischen Hornbrillen. Und: Gab′s da je einen Unterschied? Sowie: Kann Dr. Freud Batman heilen? Soll er das überhaupt? – Jedenfalls muß ich Freund Matthias, dem legendären Lauscher, den Vortritt lassen bei der Entdeckung dieses Reichskleinods, danke ihm für einen weisen Hinweis und mache mich jetzt ganz klein. Das fällt allerdings nicht schwer bei einem entzückenden, berückenden, beglückenden Stück wie diesem:

 

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