Timmi und die Arkonigel (5)

Mittwoch, 11. Juli 2012 21:00

Was bisher geschah.

Zweites Kapitel
In dem Marion sich sorgt, Robert einen Rat und Eddie Sprachunterricht erteilt

Timmi zuckt im Schlaf und plustert die Fellstacheln auf. Er grunzt und schnaubt, dann wälzt er den Wanst so heftig herum, daß es im Laubhaufen raschelt wie eine Windbö. Vielleicht träumt der Igel etwas Aufregendes? Von Weltraumraketen, die einen Schweif aus Atomfeuer hinter sich herziehen, und von Monddünen, die im Sternenlicht glitzern? Möglich. Es kann jedoch genauso gut sein, daß er eine nicht so gesunde Kellerassel gefressen und deshalb Bauchschmerzen hat. Wir werden es nie erfahren. Weil Igel hauptsächlich im Dunkel leben, können sie zwischen Traum und Wirklichkeit noch schlechter unterscheiden als Menschen. Wenn man sie fragt, was sie neulich geträumt haben, dann antworten sie meistens: „Wie bitte? Geträumt?“

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Die spitze Feder (3): Sommer 2012

Montag, 9. Juli 2012 13:01

© Satyricos

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Man schreit deutsh (8): Ein Volk in Zahlen

Sonntag, 8. Juli 2012 16:35

• Teilnehmer am Hamburger
„Schlager-Move 2012“: 500.000

• Verkaufte Tickets für Show-Acts
von Mario Barth: 6.000.000

• Anteil der Deutschen, die mit
Kanzlerin Merkel zufrieden sind:
66 %

• Anteil der Deutschen, die über
kein oder nur geringes Vermögen
verfügen (Schätzung): 66 %

• Gesamtbetrag der 2011
in Deutschland geleisteten
Spenden: 4,3 Mrd. Euro

• Auf schweizer Konten
gelagertes Vermögen deutscher
Steuerhinterzieher (Schätzung):
80 Mrd. Euro

• Antisemiten in Deutschland (Schätzung): 20 %
• Anteil der Deutschen, die niemals ein Buch lesen: 25 %
• Durchschnittliche Einschaltquote bei der 9. Staffel von
„Deutschland sucht den Superstar“: 26 %

• Deutsche, die stolz sind, Deutsche zu sein: 60 %

Photo: Wikimedia commons, 4028mdk09

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Sie nennen es Lobotomie

Samstag, 7. Juli 2012 19:40

Sascha Lobo (Symbolbild)

Von nichts eine Ahnung zu haben, aber davon eine Menge – das ist, seit es ihn gibt, das Markenzeichen des Leitartikelschreibers. Als der Unfug begann, hat der Verleger selbst eine Meinung hinterlassen, die man sich denken kann, ohne sie lesen zu müssen. Dann wurde das Geldverdienen zu zeitraubend fürs Moraltrompeten und an die Stelle des Druckmaschi-
nenbesitzers trat der Chef-
redakteur. Weil der aber mittlerweile wie alle leitenden Angestellten die Zeit in infiniten Konferenzen verbringt, delegiert er die Besinnungstexte an Kräfte seines Vertrauens, und die sind entsprechend autonom in Haltung und Ansicht.

   Bei „Spiegel online“, wo man Nachrichten von Kommentaren kaum noch unterscheiden kann, ist die Demonstration der Gesinnung, die der Leser sowieso hat, zeitgemäß „outgesourced“ worden. Als Gegengewicht gleichsam zum brachialen Neoliberalismus der Redaktion dürfen sechs sieben Autoren im Wechsel die Rubrik „S.P.O.N – Die Kolumnisten“ volltexten. Sie sind dabei nie so rechts (Jan Fleischhauer) oder „im Zweifel links“ (Jakob Augstein), daß es die Geschäftsgrundlagen erschüttern könnte. Immerhin haben sie den Dreh heraus, mit irgendeiner Pseudo-
provokation die Leserhammel gegen den Zaun zu treiben. Das nennt sich dann Pluralismus der Meinungen und ist doch bloß die jämmerliche Travestie einer Debatte. Aber man darf nicht zuviel erwarten von einem News-Portal, das seine Nachrichten mit Schlagzeilen wie diesen versieht: „Italien fürchtet Montis neue Giftliste“, „Und es hat bumm gemacht“, oder „Keine Macht dem Kalorien-Quickie“.

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Die spitze Feder (2): Ad(e) A.C.T.A.

Donnerstag, 5. Juli 2012 16:34

 

                                                                                   © Satyricos

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Die spitze Feder (1): Independence Day

Mittwoch, 4. Juli 2012 20:08

© Satyricos

 

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Bored beyond belief (4): Mein Wappenbier

Dienstag, 3. Juli 2012 22:11

Weissu, geh‘ch nichsahnd mit Diäk un Mattina duäch Lünebuäch bein Hanseadntüddel an Samssach, unnessis voll da wie inne Keksdosä, un einglich sinn wiä schon auffen Weech ssun Bahnof, weissu, un plösslich seh‘ch da diess Schilt, unnich denk: Das gipps ja nich! Da mussich
doch hin!
Aso geh‘ch quä duächie Menschnmassn ssun Sstand un, hähä, dann sstand ich ässma. Ich happ natürch gekuck, oppa irngwo n Dachs sswischn Bedienunneng rumläuf, aba där waa wo‘ schon in Feiäahmd. Oda in Braukessel, man weisses nich, man ssteck nich drin – leidä, hähä. Happich diä einglich ma gesacht, dassich übä meine eingen Witsse am liepssen lach? Happich nich? Na, nu weissus. Dassiss aba nich, wei‘ch so eidel bin! Sonnän wei‘ch dann die Poännde immä kapia. Wo waan wiä? Genau. Weissu, wass miä bei so Vocksfessn immä auffen Zeigä geht? Du sstehs sstännich rum.

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Timmi und die Arkonigel (4)

Montag, 2. Juli 2012 14:22

Was bisher geschah.

Zum Glück war die Wunschfee noch nicht erwacht. Hätte sie mitgekriegt, was Timmi begehrte, und ihn auf den Mond gezaubert, es wäre dem Igel schlecht ergangen. Denn dort oben braucht man besondere Kleidung – einen sogenannten Raumanzug –, um atmen zu können und nicht zu erfrieren und um sich auf den spitzen Kratersteinen keine Schrammen in die Pfoten zu laufen. Diese Grundkenntnisse eines Weltraumreisenden fehlten Timmi noch. Major Rhodan und seine Mann-
schaft saßen ja in der „Stardust“-Rakete und fragten sich, was soeben mit ihnen passiert war. Hätte Timmi weiterblättern und von dem ersten Ausflug der Astronauten in die Mondwüsten lesen können, wäre er viel schlauer gewesen.

   Der Amselmann pfiff jetzt ein furchtbar kompliziertes Thema aus „Aaron und Moses“. Das war über die technische Meisterschaft hinaus um so erstaunlicher, weil der Vogel diese Oper von Arnold Schönberg gar nicht kannte. Timmi versagte dem Amselmann allerdings die Bewun-
derung. Er knurrte statt dessen ein schlimmes Wort, das ich nicht weitersagen darf, weil ich mir sonst Ärger mit euren Eltern einhandle. Timmi schmerzten die Öhrchen von den Zwölftönen, und weil es rasch heller wurde, immer mehr auch die Äuglein. Für einen Moment gab er dem grell gellenden Vogel in seiner Eiche die Schuld daran, daß die Sonne aufging. „Wie soll sie gemütlich liegenbleiben“, dachte der Igel, „wenn dieser Schreihals dermaßen rumkrakeelt?“ Dann merkte Timmi, daß er Quatsch zusammendachte, und kümmerte sich um die Dinge, die rasch getan werden mußten.

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