Indian Summer, c/o Hamburg (1): Erscheinung

Mittwoch, 24. Oktober 2012 0:54

Für Frau Freitag

Kurz nach zwei machte sich Robin, das Rotkehlchen, das eigentlich Lothar hieß, auf den Weg zur Militärakademie. Der Wind blies nicht mehr so stark wie am Vormittag, und endlich schien wieder die Sonne. Zwar sind Rotkehlchen wetterfester als sie aussehen. Doch bei Böen und Schauern haben sie lieber Gebüsch um sich herum, statt durch die Gegend zu flattern. Wenn man bloß so viel wie ein Brief mit Marke wiegt – und das bestenfalls nach dem Mittagessen –, dann wird fliegen in schwerem Wetter zu einer riskanten Angelegenheit. Sogar ein Abenteurer wie Robin hob unter solchen Bedingungen nur in Notfällen ab.

Er legte mehrere Pausen auf Dachrinnen, Schornsteinen, Astspitzen ein, plusterte das Gefieder auf und ließ sich von der Herbstluft fönen. Robin war vom Regen der vergangenen Tage klamm bis auf die Haut, und das gefiel ihm nicht besonders. Außerdem mußte er überlegen, ob er wirklich zur Militärakademie wollte. Er wurde das Gefühl nicht los, daß ihn dort eine gewaltige Blamage erwartete. Und so was brauchte er jetzt gar nicht. Die Suche nach Futter und einem trockenen Plätzchen kostete derzeit schon genug Kraft und Nerven.

Seine Taubenkumpel hatten tags zuvor sehr geheimnisvoll getan: „So was hast du noch nie gesehen“, hatte der General gesagt. Auf Robins Erwiderung, er habe alles schon mindestens zweimal gesehen, hatte der General mit dem Schnabel geklappert – Tauben lachen so – und sein Adjutant, der Oberst, gegurrt: „Wollen wir wetten? Wenn du verlierst, mußt du für uns eine Woche lang Körner suchen. Und wenn wir verlieren – was garantiert nicht passiert – beschützen wir dich eine Woche lang vor Robert, der Rabenkrähe.“ Und Robin, der der Meinung war, es heiße „nachdenken“, weil man das Denken danach tut, hatte sofort eingeschlagen.

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Man schreit deutsh (10): Um Pimmelswillen!

Sonntag, 21. Oktober 2012 18:42

Darauf ist bei den Webportalen halbwegs seriöser Zeitungen, zumal jedoch bei Zeit online seit Monaten Verlaß: Steht dort irgendein Artikel über die Zirkumzision aus religiösen Gründen, versammeln sich binnen Stunden aberhunderte von Warnern und Mahnern, um sich für die Babys von Juden und Muslimen so heftig ins Zeug zu legen, wie sie es für deren Eltern nie und nimmer täten. Kein anderes Thema erregt und empört diese Heerschar von Heuchlern und Holzköpfen mehr – nicht das Schlachtfest in Syrien, nicht die Verelendung Griechenlands, ja, nicht einmal der Bildungsnachweis-schummel der Bundesbildungsministerin.

Wer dahinter Antisemitismus und Muslimfeindlichkeit vermutet, liegt selbstverständlich goldrichtig. Doch diese Wahnvorstellungen, ohne die jeder zweite deutsche Bürger nicht leben mag, können sich woanders ungleich ungenierter austoben: etwa anläßlich des neuesten Israelamok-gestammels von Günter Grass  oder bei dem Schnellgerichtsverfahren gegen einen geistlich reduzierten Salafisten in Köln. Hier sind trotzdem nicht halb so viele Schnappatmer in den Kommentarspalten unterwegs, um ihre Dummheit und Afterbildung zu digitalisieren, wie beim Jahrtausendthema Beschneidung.

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Bored beyond belief (9): Schön daneben

Samstag, 13. Oktober 2012 1:55

Zu den drei vernutztesten, durch Mißbrauch und Ignoranz verschmutz-
testen Wörtern des philosophischen Lexikons zählt neben dem „Mythos“ („Mythos Apple“, „Mythos Blond“, „Mythos Arschloch“) und der armen Philosophie selbst („Markenphilosophie“, „Unternehmensphilosophie“, „Nachtisch-Philosophie“) die „Ästhetik“.

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The Boy is back in Town

Donnerstag, 11. Oktober 2012 0:23

Die Deutsche Telekom hat alles versucht, wirklich: ALLES, mir das Bloggen zu verekeln. Sie hat nicht gesiegt. Ich bin nach vier Wochen Gewürge und Frust endlich und ohne (!) Amputationen bei einem anderen Provider angekommen. Er beherrscht die technischen Standards von 2012 – und ist nicht, wie die Telekom, geil auf die von 2002. Außerdem wird man bei diesem Anbieter nicht wie ein Schmutzlappen behandelt, sondern wie ein gleichberechtigter Vertragspartner. Das fühlt sich wattewolkenweich an, nach so vielen Tagen fruchtlosen Austauschs mit den Call-Center-Robots der Telekom.

Ich muß jetzt sehr viel nachholen. Und bitte die paar treuen Leser meines Blogs um Entschuldigung für die scheinautistische Pause der vergangenen Wochen. Es wird hier bald wieder reges Leben stattfinden. Dies ist kein faules Versprechen. Sondern eine Aussicht – und, sofern es mich betrifft, eine gute.

Um Paul Newman in „Die Farbe des Geldes“ zu zitieren: „Ich bin wieder da!“

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Krampf, Quatsch und Lincoln

Freitag, 28. September 2012 1:30

In LITERATUR KONKRET 2012 äußert Kay Sokolowsky eine sehr schlechte Meinung über das aktuelle Kursbuch und die Psycho-Heilslehre von Barbara L. Fredrickson. Außerdem findet er im regulären Heft den Film „Abraham Lincoln: Vampirjäger“ eher gräßlich.

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Die spitze Feder (5): Beim Quark des Propheten

Mittwoch, 19. September 2012 12:00

Eine Wiederholung aus gegebenem Anlaß:

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Erstmals im Bild: Große Köpfe von innen

Sonntag, 16. September 2012 23:51

Die Biene, die die Blüte freit,
dies erregt Herrn Sigmund Freud.

So dornig, verschlungen und trotzdem sortiert sieht es aus
in den Schriften gleichwie dem Gehirn von Karl Kraus.

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Abteilung: Selbstbespiegelung, Unerhört nichtig | Kommentare (0)

Filme aus dem Fleischwolf, Folge fwei

Samstag, 15. September 2012 23:51

Das Spielfilmdebüt von Margot Honecker sowie ein interessanter Blick hinter die Kulissen von Bayreuth, wo an der Weltherrschaft gearbeitet wird: Solche Thrills und noch viel mehr bieten die originaldeutschen „Mash up“-Movies, die Kay Sokolowsky in der Taz vorstellt. Gänsehaut (Christine Neubauer), Humor (Til Schweiger) und Romantik (Rainer Brüderle) garantiert!

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