Sommerfrische (3): Westentensee

Samstag, 4. August 2012 0:58

Vier Szenen mit Sonnenuntergang

Mitwirkende:
KAPITÄNIN DAISY
DIE LEICHTMATROSEN – TICK, TRICK, TRACK, TROCK, TRUCK UND TECK
DER SPANNER

***

1. Szene

KAPITÄNIN DAISY. Durchzählen!
DIE LEICHTMATROSEN. Eins! Zwei! Drei! Vier! Sechs! Sieben!
KAPITÄNIN DAISY. Wieso sieben? Seit wann seid ihr sieben?
DIE LEICHTMATROSEN (kringeln sich vor Lachen).
KAPITÄNIN DAISY. Ihr verflixten Schlingel! Wenn ich das dem Kapitän
erzähle, könnt ihr euch die Fahrt nach Felde morgen abschminken.
DIE LEICHTMATROSEN. Ach, nö! War doch bloß Spaß!
KAPITÄNIN DAISY. Spaß, Spaß … Ich hätt‘ auch gern mal Spaß! Aber wie
soll das gehen, mit solch einer Besatzung?
LEICHTMATROSE TROCK. Du-hu, Frau Kapatän … Darf ich noch mal ins
Wasser?
KAPITÄNIN DAISY. Um diese Zeit? Ich kann ja kaum noch meinen eigenen
Schnabel sehen. Nee, kommt gar nicht in Frage. Außerdem heißt es
Kapitän – Ka-Piii-Tän.
LEICHTMATROSE TROCK.  Oooch …
KAPITÄNIN DAISY. Schluß mit dem Geschnatter!

***

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Bored beyond belief (5): Am Zebrastreifen

Freitag, 3. August 2012 0:04

An ihrem Kinderrad sind Stützreifen befestigt, dabei sieht die Kleine aus wie eine Achtjährige. Mit dem Helm auf dem blonden Kopf wirkt sie noch größer. Ein Blick auf die Mutter verrät, woher das kommt – Erbmasse die
Fülle. Das Mädchen möchte über den Zebrastreifen preschen, wird jedoch von der Vorgesetzten zurückbefohlen. Das Kind zieht einen Flunsch, denn weit und breit ist kein Auto zu sehen. Mutti guckt stur nach links und nach rechts, marschiert mit langen Schritten los und ruft: „Jezz!“

   Das Mädchen kräht: „Vo‘hin waa‘s auch frei …“ Seine Stimme ist viel jünger als sein Körper: Höchstens sechs Jahre hat dieses Kind bislang hinter sich gebracht – das erklärt die Stützräder. Aber sechs Jahre sind bereits eine Welt entfernt von der Zeit, als Mamas zugleich Gottes Wort war. Es ist weiterhin Gesetz, das schon. Aber die hochgeschossene Kleine beginnt, die geltende Rechtsprechung in Frage zu stellen. Den Flunsch behält sie daher im Gesicht, als sie sich betont langsam in Bewegung setzt. Auf halbem Weg über den Zebrastreifen jedoch hat sie schon wieder vergessen, daß Mama spinnt, und freut sich, schneller radeln zu können, als die Mutter läuft.

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Sommerfrische (2): Seebrillenschlange

Mittwoch, 1. August 2012 23:01

– „Siehst du das?“

– „Was?“

– „Dieses grüne Leuchten im Wasser. Siehst du das auch?“

– „Wo?“

– „Na, da.“

– „Da?“

– „Nein, da!“

– „Ach, da. Ja … Oh. Nee. Nee, seh‘ ich nicht.“

– „Wo guckst du denn auch hin?! Da mußt du hingucken!“

– „Tu ich doch.“

– „Tust du nicht. Wo du nur immer deine Augen hast …“

– „Im Kopf, mein Spatz.“

– „Dann dreh sie mal nach außen, mein Schatz.“

– „Oh! Jetzt seh‘ ich‘s auch.“

– „Nee, jetzt isses weg.“

– „Oh.“

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Timmi und die Arkonigel (6)

Dienstag, 31. Juli 2012 21:45

Was bisher geschah.

Etwa zur selben Zeit tut ein anderer Igel, genauer gesagt: eine Igelin, das, was Igel in der Abendstunde normaler-
weise tun. Sie schnuppert mit ihrer hübschen Nase, die sich
wie ein Finger biegt und streckt, nach Leckereien und läßt sich nichts entgehen, was zu einem gesunden Frühstück gehört. Sie beginnt mit drei makellos mehligen Motten-
maden, findet anschließend eine Kreuzspinne, deren acht Beine angenehm den Gaumen kitzeln, und spürt etwas später eine Dämmerungsparty von Ohrwürmern auf, der sie ein grausiges Ende bereitet.

   Ohrwürmer sind bekannt dafür, ständig Partys zu feiern. Und selbst-
verständlich können Igel einer solchen Ansammlung von Naschzeug nicht widerstehen. Die Ohrwürmer wären also gut beraten, beim Feiern zurückhaltender zu sein, möchte man meinen. Sie sehen das freilich anders. Gerade weil der Tod ihnen jederzeit auflauert, möchten sie wenigstens in netter Gesellschaft sein, wenn‘s passiert.

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Sommerfrische (1): Ich war mal kurz weg

Montag, 30. Juli 2012 15:04

… und bin leider wieder hier, im Regen unterm Schimmelhimmel. Wo ich aber gewesen bin und was es da zu sehen gab, wird in den kommenden Tagen peu à peu verraten. Vorerst hier das beste Photo des Autors, das jemals gemacht worden ist. Und von wem? Natürlich von der besten Frau des Autors.

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Ganoven mit Fell und Federn

Freitag, 20. Juli 2012 15:00

In der TAZ enthüllt Kay Sokolowsky heute, was dahinter steckt, daß Füchse sehr gern Schuhe klauen. Außerdem können Liebhaber von „Timmi und die Arkonigel“ in dem Artikel eine bezaubernde Anspielung entdecken. – Ergo: tolle, lege! Sed dalli, quaeso!

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„Wer Angst hat, der hat schon verloren“ (3)

Freitag, 20. Juli 2012 9:00

Er zählte zu den führenden Karikaturisten der alten BRD. Seine Cartoons waren Tagesgespräch und oft auch Skandal. Doch mit der Wiedervereinigung wurde es still um Satyricos: Sein hintersinniger Humor war in der „Spaßgesellschaft“ der 90er nicht mehr gefragt. Im „Abfall aus der Warenwelt“ feierte der Altmeister vor kurzem ein sensationelles Comeback. Letzte Folge eines Porträts der berühmten „spitzen Feder“.

Sie küßten und sie schlugen ihn
Das Ende der Ära Schmidt bereitete Satyricos großes Kopfzerbrechen. „Nicht nur politisch“, gesteht er, „sondern auch künstlerisch. Ich habe Helmut Kohl nie in den Griff bekommen. Erst viel später wurde mir klar, warum. Wenn ein Mensch wie eine Witzfigur aussieht, dann läßt er sich nicht karikieren. Dasselbe gilt heute für Thilo Sarrazin. Oder Rainer Brüderle. Unter ästhetischem Aspekt unmögliche Typen! Vom Rest nicht zu reden.“

   Er führt mich in sein Atelier. Mitte der Achtzigerjahre erwarben die Kreuners ein gemütliches Häuschen im Frankfurter Vorort Nieder-Eschbach. Satyricos‘ Zeichentisch steht vor einem Panoramafenster mit Blick auf einen großen, liebevoll verwilderten Garten. „Die Natur!“ ruft er aus. „Das Grün und die Vögel! Ich möchte das nie mehr missen.“ Unter Kennern hochgeschätzt sind seine Blumenstilleben in Öl und zumal seine Tieraquarelle. Die signiert er allerdings mit bürgerlichem Namen: „Einem Cartoonisten traut ja niemand zu, auch mal ernst werden zu können.“

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„Wer Angst hat, der hat schon verloren“ (2)

Montag, 16. Juli 2012 14:25

Er zählte zu den führenden Karikaturisten der alten BRD. Seine Cartoons waren Tagesgespräch und oft auch Skandal. Doch mit der Wiedervereinigung wurde es still um Satyricos: Sein hintersinniger Humor war in der „Spaßgesellschaft“ der 90er nicht mehr gefragt. Im „Abfall aus der Warenwelt“ feierte der Altmeister vor kurzem ein sensationelles Comeback. Teil zwei eines Porträts der legendären „spitzen Feder“.

Ein Strich schreibt Geschichte
In den folgenden Monaten flatterten fast täglich neue Flugblätter von Satyricos durch die „Frontstadt“. Vor seinem scharfem Spott war niemand sicher – auch nicht „Heilige“ der Studentenbewegung wie die Bewohner der „Kommune 1“. Allerdings gab es ein Problem: Die frühen Bewunderer des zeichnenden Spötters wußten oft nicht, wie sein Pseudonym ausgesprochen wird. „Mein erster Autograph“, bekennt er heute schmunzelnd, „war etwas zu ambitioniert. Die einen sagten ‚Atyricos‘, andere ‚Tyricos‘. Und diejenigen, die den Kringel richtig entzifferten, stritten sich mit dem Rest. So kann man natürlich nicht berühmt werden.“ Also änderte er – wiederum von der Liebsten klug beraten – das Logo in die bis heute gültige Form.


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