Replay*

Der Plan war auf jeden Fall da.
Wir alle haben heute verloren, klar.

Joachim „Jogi“ Löw

Wasserball_(c)_Kay_Sokolowsky


Zersprungen jede Hoffnung,

zertreten alle Träume und zerstört,
zerschmettert und zermahlen und zermalmt.


Fahne_(c)_Kay_Sokolowsky

Ein Augenblick, nicht mehr, verschlingt,

was Wochen über Wochen
das Leben war, nicht weniger.
Und wie der alte kalte Rauch
in einem Saal am Morgen nach dem Fest
hängt in den Straßen die Erinnerung
an Jubel, Wollust und Triumph
der jüngsten, jetzt so fernen Tage.

Autoflagge_(c)_Kay_Sokolowsky

Der Zauber in den Zeichen ist verflogen,
verblichen ihre Regenbogenpracht,
und jede Kraft erloschen.
Das war‘s, bis dann, es reicht,
bei Gott, adieu.

Fan-Set_Schluss_(c)_Kay_Sokolowsky


* Erstmals erschienen anläßlich des verlorenen Halbfinalspiels bei der Euro 2016.
Das Motto ist neu.

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Mittwoch, 27. Juni 2018 18:46
Abteilung: Bored beyond belief, Lieder ohne Werte, Man schreit deutsh

9 Kommentare

  1. 1

    Ruhe? Bei mir gab es vorm Fenster herzzerreißendes Kinderweinen und aggressiv sich bepöbelnde Männer. In irgendeine Emotion müssen all die Projektionen ja – nun ja – sich ergießen.

    Ich wohne in einem Viertel, wo jedes Tor der dt. Mannschaft von einem wahren Schwarzpulvergewitter begleitet wird. Insofern fand ich es sehr, außerordentlich still nach dem Abpfiff des Südkoreadebakels. KS

  2. 2

    superb

    Der Autor dankt. KS

  3. 3

    Vielen Dank für das schöne Gedicht.
    Ganz besonders möchte ich mich aber herzlichst bei der südkoreanischen Fußballmannschaft dafür bedanken, daß jetzt deutlich weniger Arschgeigen mit ihren beschissenen Deutschlandfahnen rumwedeln.
    Sehr gespannt bin ich auf die morgige Schlagzeile unseres faschistischen Hetzblattes im Stürmerstil.

    Und weil wir beide nicht verklagt werden wollen, verraten wir lieber nicht, welches Hetzblatt du meinst. Nur ein Tipp: Die „Zeit“ ist es nicht. KS

  4. 4

    Hier in meinem Athener Vorstadtviertel war es auch sehr still gestern abend. Nur die Jungs auf dem Bolzplatz gegenüber haben ab und zu ein bißchen Lärm gemacht. Die haben übrigens gar nicht schlecht gespielt. Beim Zuschaun hab ich fast vergessen, daß ein bißchen weiter östlich noch ein anderes, größeres Spiel lief. Nein: Ich hatte es ganz und gar vergessen. Ich hab Deutschland vergessen. Ist es nicht herrlich, daß man das kann?

    Ich beneide dich darum. KS

  5. 5

    Schöne Verse und vielsagende Bilder, danke! Auf mich wirkten die Spieler der Nationalmanschaft wie sprichwörtliche deutsche Beamte – im negativen Sinn. Es machte keine Freude, ihnen zuzusehen. Da ist wohl die Luft raus.

    Sehr wahr. Und wiewohl ich mich nicht in Häme üben möchte – es ist doch viel bedauerlicher, daß Senegal aus dem Turnier geflogen ist. Zumal die wackeren Senegalesen den mit Abstand bestaussehenden und coolsten Trainer dieser WM zu bieten hatten. So schade! KS

  6. 6

    … super, daß diese geistig minderbemittelten und überbezahlten Balltreter rausgeflogen sind …

    Ich bin auch ganz froh, daß Saudi-Arabien das Turnier verlassen mußte. Obwohl: Ich halte weder die saudischen noch irgendwelche anderen „Balltreter“ für geistig minderbemittelt. Ausnahme: Andoni Goikoetxea. Aber der ist schon lange nicht mehr dabei. KS

  7. 7

    Das mit dem „Deutschland vergessen“ klappt auch hier nicht immer. Vor ein paar Tagen hab ich auf „Spiegel online“ diese Überschrift gelesen: „Deutschland verdient 2,9 Milliarden Euro an Griechenland-Hilfe“, Unterzeile „Das dürfte den Finanzminister freuen: Die griechische Finanzkrise war aus deutscher Sicht ausgesprochen profitabel. 2,9 Milliarden Euro Gewinn macht die Bundesrepublik mit den Hilfen für den EU-Partner.“
    Ein deutscher Finanzminister kann sich freuen, und vor meinem Fenster hat vorhin schon wieder ein alter Herr in einer Mülltone herumgestochert. Deutschland ist natürlich immer auch hier. Es ist schlichtweg zum Kotzen.

    Und der feine Herr Schäuble, dieser Chauvinist par excellence, dieser Deutschnationale, wenn es je einen gab – dieser Ekelmensch, der ungerührt die Verelendung von millionen, den Selbstmord von tausenden Griechen „einpreiste“ mit seiner irrsinnigen Austeritätsdoktrin – dieser Menschheits- und Menschlichkeitsfeind darf nun dem Bundestag präsidieren und wird als „großer Demokrat“ gefeiert, weil er der AfD Rügen erteilt, die keinen Effekt haben noch wirklich haben sollen. Ja. Es ist zum Brockenkotzen. KS

  8. Michael Ehrenreich
    Freitag, 29. Juni 2018 20:20
    8

    Der „Sportphilosoph“ (was es alles gibt) Günter Gebauer sagt am 28.6.2018 im Doitschlandfunk:

    „Für viele Deutsche ist das ein Unglück“, sagte Gebauer und ergänzte mit Blick auf den Philosophen Ludwig Wittgenstein: „Die Welt des Unglücklichen ist eine andere Welt als die des Glücklichen.“ Die Stimmung im Lande sei ohnehin gereizt gewesen, die „letzte Hoffnung“ habe in einem großem Fußballerfolg gelegen. Die Nationalmannschaft sei ein starkes Nationalsymbol in Deutschland und das nationale Bewußtsein definiere sich stark über Fußballerfolge. „Nun liegt es in Trümmern.“

    Das Nazionale Bewußtsein liegt in Trümmern. Wenn’s denn so wär, wär gut. Dann hätte das für „uns“ (auch mit „wir“ wirft der Filosof im folgenden noch um sich) ja tatsächlich ein Gutes.
    (Übrigens: diese doch schon ein bissel nationale Instrumentalisierung einer bloßen Sportart, von Sporterfolgen … mutet etwas seltsam an. Kennt man das nicht eher von nicht satisfaktionsfähigen Demokraturen, die damit von inneren Schwierigkeiten, Korrupzion, undsoweita ablenken wollen?)
    Na gut. Das Harhar von vorgestern abend war MIR (ganz egoistisch) eine kleine Aufheitrung.

    Dieser Filosof ist wirklich eine Nummer: Während die Nazion sich wieder und immer mehr und fast nur noch als Nazion versteht (siehe Seehofer, Söder, AfD oder Matussek), sieht er den nazionalen Selbstbeschiß in „Trümmern“. – Na geh, er redet halt wie ein Bauer. KS

  9. 9

    Sehr sehr schön!
    Ich mag ja Abgesänge auf deutsches Ausscheiden bei der WM, anläßlich deines Textes habe ich mich wieder an diesen feinen Text von Herrn Droste erinnert: „Die Stille nach dem Schuß“.

    Obwohl ich gewisse Schwierigkeiten mit Herrn Droste habe: Ja, dies war und dies bleibt ein schön grobes Textstück. – Danke für dein Kompliment! KS

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