Rück Ein Aus Blick

Falls Sie, werte Leserin, lieber Leser, sich fragen, warum ich dieser Tage so wenig sage, obwohl weißgott sehr viel zu melden wäre …  Nun …

Vorhin stand ich in der Küche, schaute neben die Spüle und sah eine Reflexion der Welt, der Zeit, des Lebens, eine Metapher, die alles erklärt, bloß ohne Worte. Könnte ich malen, dies wär mein Motiv:

Ja!, so sieht es derzeit in meinem Hirnkastl aus. Sortiertes Chaos, forcierte Entropie. (Die Hoffnung, wenn eine ist, versteckt sich in den Details.)

***

Obwohl kein Gläubiger, schätze ich einen Satz aus der Bergpredigt berghoch, er ist ein Motto für mein Schreiben, seit ich vor Publikum predige:

Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel.
Matthäus 5, 37

Es gelingt mir nicht immer, so zu schreiben, daß die Leser bloß „ja, ja“ oder „nein, nein“ sagen können zu meinem Zeugs und nicht: „ja, nee, keine Ahnung“. Aber ich bekomme glühende Wangen, wenn ich so was lese wie auf den Leserbriefseiten des soeben erschienenen Konkret. Ich lese diese Briefe und sage mir: „Sauba, Alda!“ (Es geht um ein kleines Feuilleton, den Besuch des Bubikanzlers Kurz bei der Talk-Diseuse Maischberger betreffend. Der Artikel stand im März-Konkret, Überschrift: „Mit Bazis reden“.)

In seinem Beitrag steht der Autor dem von ihm monierten substanzlosen „Maischberger“-Geplauder in nichts nach. Am Ende fragt man/frau sich, was er eigentlich inhaltlich an dem Faschisten Kurz zu kritisieren hat? Die Gelfrisur? Er nennt Kurz „Clown“, „Bube“, „Hanswurst“ etc., das war′s. Schade um Druckerschwärze, Papier und vergeudete Lesezeit!
Louis Levy

Sokolowskys Beitrag ist ein Lesegenuß und in bester Tucholsky-Tradition!
Christian Bechmann

Und ich sah, daß es gut war. Fast so gut, wie ich könnte.

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Samstag, 24. März 2018 1:18
Abteilung: Aphone Aphorismen, Ich Ich Ich, Selbstbespiegelung

4 Kommentare

  1. 1

    Statt glühender Wangen hätt ich hier auf dieser Diskusionsplattform Herrn Levy satirisch bzw. „in bester Tucholsky-Tradition“ mit Lukas 22 Vers 62 geantwortet: „Er ging hinaus und weinte bitterlich!“
    Hab’s gelesen und schließe mich Ch. Bechmann an. Chapeau!

    Ich danke! – Und ich würde, wenn der Typ es wert wäre, Herrn Levy noch satirischer antworten, nämlich mit einem Zitat aus James Joyce‘ „Ulysses“: „He went out and cried butterly.“ (Der Joyce-Übersetzer Hans Wollschläger übertraf das kalauernde Original sogar: „Er ging hinaus und weinte Buttermilch.“) KS

  2. 2

    Ooooh,
    Herr Milers Kleiner Maulwurf. 60 Jahre und immer noch derselbe, unverzagt wie eh und je. Den aufrechten und treuen kleinen Kerl sehe ich immer wieder gerne.
    Gute Wahl!
    Schöne Grüße

    Liebe/r Hagnum, Sie sind eine Frau/ein Mann nach meinem Herzen. KS

  3. 3

    Ich habe die neue Konkret noch nicht. Jetzt bin ich mal neidisch. Ich habe zu dem Maischberger-Artikel auch keinen Leserbrief geschrieben, aber das läßt sich jetzt ja hier nachholen: Für mich war das Service-Journalismus, wie er sein soll; ich habe nämlich nach genau den zehn Minuten abgeschaltet, nach denen Sie das nicht durften – und habe trotzdem nichts verpaßt, weil ich dann Ihre Aufbereitung lesen durfte, was a) ein kürzeres und b) ein (wenn auch gruseliges) Vergnügen war. Hält man sich nicht dazu ein Abo, damit der arme Journalist stellvertretend für einen leiden muß? Nein? Nein, eigentlich nicht. War aber trotzdem schön so in diesem Fall. Sela.

    Was mir an Louis Levys impertinentem Leserbrief so imponiert, sogar Freude bereitet, ist genau diese Unsachlichkeit, Ignoranz, Heuchelei. Levy sagt „Nein, nein“, aus Prinzip, nicht mit Gründen. Er arbeitet mit Zitatfetzen wie alle Rechthaber, die im Unrecht sind. Ich bilde mir ziemlich viel darauf ein, wenn einer meiner Artikel einen meiner „Feinde“ dahin provoziert, sich als Falschspieler zu outen. Die Mühe, die Levy sich gemacht hat, um mir irgendwas heimzuzahlen, diese Anstrengung ist in gewisser Weise das höchste Lob, das ein Polemiker ernten kann. Ja, ja! KS

  4. 4

    Zum Leserbrief des Herrn Levy zu deinem Konkret-Artikel „Mit Bazis reden“: die Frage, was „eigentlich inhaltlich“ am Herrn Bundeskanzler Kurz (Faschist? Oder bloß Wegbereiter des Faschismus? Macht keinen großen Unterschied) zu kritisieren wäre, ist schon reichlich blöde. Da liegt nämlich eine andere Frage nicht sehr fern, und zwar die, was eigentlich inhaltlich so schlimm sein soll am Faschismus. Und wem man das noch erklären muß, dem ist wirklich nur noch sehr schwer zu helfen.
    Zu fragen wäre ja wohl eher, warum die Leute, die keine Faschisten sind und also nicht von Haus aus dumm und gemein – und das sind ja nicht ganz wenige, sogar in Österreich und Deutschland gibt’s noch welche – so wenig unternehmen, um den Schoß, aus dem das kroch bzw. schon wieder kriecht, ein für allemal unfruchtbar zu machen. Wahrscheinlich sind diese Leute zu sehr mit eigentlich inhaltlichen Fragen beschäftigt. Oder damit, sich mit den Sorgen und Nöten von Faschisten (und deren Wegbereitern) zu befassen. Oder damit, ihnen ins Gewissen zu reden. Was ebenfalls reichlich blöd wäre, denn die haben allesamt keins.
    Leuten, die sich zu sehr mit dem Eigentlich-Inhaltlichen befassten, statt endlich einfach mal kräftig draufzuhauen, hat Kurt Tucholsky 1931 in seinem Gedicht „Rosen auf den Weg gestreut“ seinen bitter-sarkastischen Rat gegeben: Küßt die Faschisten, wo ihr sie trefft! Viel zu viele haben das damals leider so gut wie wörtlich genommen, mit den bekannten Folgen. Und zu viele tun das heute schon wieder.
    Also, ganz im Ernst: wenn’s um Faschismus geht, ist auf Eigentlichkeiten komplett geschissen. Wenn wir nicht erneut in der Barbarei versinken wollen, sollten wir uns besser an das simple Credo des deutschen KPD-Funktionärs Heinz Neumann halten: Schlagt die Faschisten, wo ihr sie trefft!
    Denn bloße Kritik an ihrer Bestialität läßt die Bestie allenfalls leise kichern. Oder laut und hämisch lachen. Inzwischen auch wieder in österreichischen (und deutschen) Parlamenten.
    PS.
    Chistian Bechmanns Meinung zu deinem Bazi-Artikel schließe ich mich kritiklos an. Tucholsky lebt!

    Er lebt auch in Deinen klugen und starken Kommentaren, lieber Kai. Danke für Deine Geistesverwandtschaft, sie tut mir sehr gut! KS

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