Schlz der Retter (3/2 von 3)


[
Die Sozialdemokratie] wirkt fort als die staatlich konzessionierte
Anstalt für Verbrauch revolutionärer Energien.

Karl Kraus (1932)


Ich weiß nicht, ob die SPD noch zu retten ist. Aber ich weiß, daß ihr beim Parteitag am zweiten Adventswochenende nicht zu helfen war. Als die wackere Hilde Mattheis einen Initiativantrag zur sofortigen Auflösung der Großen Kotzalition vorstellte, geschah dies:

Buh-Rufe der Delegierten gehören nicht zu den gängigen Ausdrucksmitteln auf SPD-Parteitagen. Am Freitagnachmittag allerdings mußte Hilde Mattheis, seit vielen Jahren Vertreterin des linken Flügels in der Partei, Buh-Rufe ihrer Parteifreunde erdulden.
Handelsblatt, 6.12.2019

Wer immer da gebuht hat – hier blökt eine Stimme, die verstummen muß, will die Sozialdemokratie eine, irgendeine Zukunft haben.

Die kommenden Desaster der Partei werden freilich nicht den Buhrufern, sondern wie immer denen angelastet werden, die den Grund des Übels benennen:

„Warum sollen wir einen schleichenden Tod hinnehmen?“ fragte Mattheis die Delegierten und lieferte eine Antwort gleich mit. Die einzige vernünftige Alternative zum schleichenden Tod sei die „klare Kante“, sagte Mattheis. In der Großen Koalition seien die politischen Lager nicht mehr erkennbar. Wenn die SPD jetzt keinen Strich ziehe, werde sie untergehen, warnte die Bundestagsabgeordnete.
ebd.

Buhfrau Mattheis sollte selbst einen Strich ziehen und sich fortan für diese Partei zu schade sein. Die SPD, wie sie ist, hat es schlicht nicht verdient, gerettet zu werden. Oder andersherum: Sie hat es verdient, daß ein Schlotz wie Schlz sie retten will. Der, wie der Parteitag demonstrierte, sogar dann siegt, wenn er verliert:

Mit großer Mehrheit angenommen wurde […] ein Leitantrag der Parteiführung, der Gespräche mit CDU und CSU über verschiedene Themen vorsieht.
Tagesschau.de, 6.12.2019

***

Wenn jedoch die SPD nicht mal von altgedienten GenossInnen die Wahrheit hören will – warum arbeite ich mich dann an der doofsten der Parteien ab? Die Frage habe ich einige Male gehört, und ich finde keine vernünftige Antwort darauf. Ich stelle mir, wenn ich an diese Art Arbeit gehe, selbst ständig Fragen, auf die ich nicht antworten kann. Zum Beispiel: wer will das noch lesen? Who the eff gives a shit? Ich vertue ungesund viel Zeit damit, die Krankenakte der SPD zu studieren, aber Morbidität ist bestenfalls ein Privatvergnügen. (Korrektur: nicht mal privat vergnüglich.)

Weiser wäre es, das Elend zu ignorieren, die Elenden dem selbstverschuldeten Elend zu überlassen, die elende Wirklichkeit nicht mit elenden Witzen zu perpetuieren. Klüger wäre es, keine Hoffnung zu haben. Ich weiß nicht mehr, wer‘s zuerst gesagt hat, aber sie oder er hatte recht: Es fällt den Leuten leichter, sich das Ende der Welt als ein Ende des Kaputtalismus vorzustellen. Darum verschwendet nur Zeit, wer – wie Hilde Mattheis, wie ich – den Leuten predigt, daß es andere Wege als die Sackgasse gibt. Sie, die Leute, wollen da rein und nicht wieder raus, und wenn sie drin stecken und ersticken, geben sie mit ihrem letzten Röchler jenen die Schuld, die sich weigerten, wie sie in die Irre zu laufen.

Vielleicht mache ich bloß weiter, weil ich mal damit anfing. Um einen Schluß zu finden für diese endlose Posse, eine Pointe zu dichten, die mehr ist als ein schaler Witz und haltbarer als der Gegenstand, an dem ich mich aufreibe. Wäre dem so, müßte ich heute gestehen, gescheitert zu sein. Die SPD verweigert sich nicht nur der Realität, sondern auch den Mitteln der Polemik. Sie ist immer ein bißchen korrupter, stets ein wenig bescheuerter, als der Satiriker sie darstellt. Man ertappt sie bei einer Peinlichkeit, schreibt‘s auf – und derweil setzt es drei neue Peinlichkeiten. Man kommt einfach nicht hinterher. Wer sich an der Sozialdemokratie abmüht, dem ergeht es wie Sisyphos. Man darf sich den SPD-Kritiker aber nicht als glücklichen Menschen vorstellen.

***

Die fluchwürdige Personalisierung der Politik und die Aushöhlung der Polis sind auch einer Presse geschuldet, die es für wichtig hält, das System zu stabilisieren, statt zu sagen, woran es krankt. Als würden die Mängel verschwinden, nur weil man sie ignoriert, als wäre die Beschreibung der Schäden auch nur entfernt so schädlich wie die Defekte selbst!

„Hauptstadtkorrespondent“, das heißt, Zeuge des Berliner Machtzirkels wird heutzutage leider nicht, wer Intimität mit den Machthabern meidet, sondern nur, wer im Team mit ihnen spielt. Frei von Gedanken, unfrei, selbst zu denken, müssen jene Journalisten sein, die für die Qual.medien aus dem Regierungsviertel berichten. Solche Zeugen verplempern ihre und die Zeit des Publikums zuverlässig mit nutzlosen Spekulationen, billigen Sensationen, simulierten Investigationen, falschen Fragen und faulen Antworten.

In der Angelegenheit der SPD-Vorsitzendenkür haben die Elitevertreter der Qual.presse fast alle versagt, ihre Aufgabe vergessen und sich gemein gemacht mit einem Modell innerparteilicher Willensbildung, wie es dem Parteibürokraten Schlz behagt. Hätte nur eines der großen Blätter sich wie ich die Mühe auferlegt, Schlzens krummen Weg zur Kandidatur aufzuzeichnen, der Typ wäre lange vor der ersten „Mitgliederbefragung“ am Arsch gewesen. Also dort, wo die Hauptstadtkorrespondenz seit langem steckt.

***

Ich habe – wie schon oft, viel zu oftseit September viel, viel zuviel Zeit, Kraft und Witz vergeudet, um auf meinen Punkt zu kommen. Gräßlich aufwendig war es, das nachzusetzen, was unseren gloriosen „Hauptstadtkorrespondenten“ keinen Satz, kein Komma wert ist: die Schiebereien nämlich, die Schlzens Kandidatur seit dem ersten Tag begleiteten. Aufschreiben mußte ich es, um zu belegen, daß die Ignoranz der Qual.medien für dergleichen Vorgänge nicht nur mit Blindheit zu tun hat. Sondern auch mit Feigheit und Blödigkeit. Die qual.journalistischen Karrierekaschperl, die so tun, als wären sie innig vertraut mit politischen Vorgängen, sich spreizen mit ihren „Kontakten“, ihrem „Insider-Wissen“, sind tatsächlich nichts als Papageien der Macht, Paparazzi des Offenbaren.

Nehmen wir zum Beispiel die simulierten Journalisten Jan Friedmann und Christian Teevs von „Spiegel online“. Am 12. Oktober berichteten, besser: märten sie über die letzte der 23 „Regionalkonferenzen“, als ginge es um den „Bachelor in Paradise“ oder das „Promi-Dinner“ 1.

Karl Lauterbach kommt als Vorletzter durch den Löwenbräu-Torbogen mit der Aufschrift ‚Auf Wiedersehen‘. Nun fehlt nur noch seine Partnerin Nina Scheer. ‚Karl, wo ist denn Nina?‘ rufen die anderen. Dann klicken die Auslöser […].

Es ist die bewährte Relotius-Groschenheftmethode, allerdings ohne singende Kriegswaisen. Es ist das ebenso anmaßende wie aufgeblasene Augsteinsche „Sagen, was ist“ in höchster Schimmel- und Schwiemelkultur, es sind Sprachmatsch, Quatsch und Kitsch als formale Prinzipien:

Die Stimmung ist aufgeräumt unter den weißblauen Banderolen im trotz Spätsommersonne gefüllten Festsaal.

Trotz Sonne gefüllt“ bzw. „aufgeräumt unter Banderolen“ – so scheußlich klingt der „Spiegel“-Stil seit bald 70 Jahren; und es hat für einen alten weißen Mann wie mich irgendwie irgendwas Beruhigendes, daß die Welt sich rasend dreht und der Schwurbel nie vergeht. Lange Jahre haben die „Spiegel“-Nachwuchskräfte Teevs und Friedmann an der Uni verhockt, mehrere Monate ihres Lebens an der Journalistenschule und in Zeitungspraktika verbraten – und nun, wo sie publizieren dürfen, fällt ihnen nichts besseres ein als jene primitive Ironie, die H. M. Enzensberger dem „Spiegel“ schon vor einem halben Jahrhundert vorhielt. Die Newcomer schmocken wie die Altvorderen, und was sie sagen, ist, was es ist, nämlich Mist:

Die dauerkriselnde Partei hat während der sechswöchigen Castingshow mit zwei Dutzend Regionalkonferenzen zumindest Selbstvertrauen gefaßt.

Ein professioneller Autor, der ein Unwort wie „dauerkriselnd“ benutzt, ist keiner. Trotzdem machen Schwätzer dieser Sorte immer weiter und vermehren sich wie schlechte Hefe. Solchen Spaßvögeln gehört die Welt, und auch ihretwegen ist sie täglich schlechter bewohnbar. Denn sie verweigern, was ihres Amtes wäre, Recherche und Mißtrauen, und ersetzen es durch lauter Seifensud und Blubber:

Das junge Duo Christina Kampmann und Michael Roth wirkt dynamisch. Beide tragen enge Hosen und komponieren ihre Antworten gut.

Wie können Journalisten solch eine Hirnjauche hinschmieren, ohne auf der Stelle vor Selbstekel tot umzufallen? Daß der „junge“, 49 Jahre alte Michael Roth in seinen engen Hosen seit zwei Jahrzehnten jede neoliberale Sauerei mitbestimmt hat und nie durch Opposition zur SPD-Führung auffiel, hätten die Autoren schon erwähnen können. Aber sie hatten damit zu tun, ihren Textmüll zu kompostieren und stehen nun mit offenen Hosen da.

Daß die Regie der „Regionalkonferenzen“ eine echte Debatte auf dem Podium untersagte und lieber die SPD als einig Volkspartei inszenierte – daß die tiefe Kluft zwischen den letzten Sozialdemokraten und den ätzenden Seeheimern mit viel Mist aus dem Teambuilding-Seminar zugekleistert wurde – daß Totengräber der Sozialdemokratie wie der Noske-Adept Boris Pistorius oder eben unser Schlz sich als Reanimateure aufspielen konnten –: Diese Groteske, dieser Zynismus, diese Schande waren keinem Qual.medium eine Analyse oder wenigstens einen schiefen Blick wert. Die Oberflächlichkeit des politischen Journalismus in Deutschland hat Welt- bzw. CNN-Niveau. Lars Klingbeils Pseudo-„Konferenzen“ waren deshalb zunächst und zuerst für all die Trottel*innen gestaltet, die in unseren Spitzenjournalen über Politik reden und schreiben, als ginge es in der Politik nur um Personen, Gefühle, Animositäten, aber irgendwie nie um Politik.

Das ganze und große Gewichse der Altparteiendemokratie wird von der Qual.presse eben nicht kritisch reflektiert, sondern reflexhaft nachgeahmt. Wenn diese Top-Journos aber gefragt werden, wer ihr Geschäft zerstört, wissen sie als Antwort bloß: „das Internet“ mit seinen schlimmen „Filterblasen“ und „Echokammern“. Daß sie selbst es sich allesamt in solchen Blasen und Kammern gemütlich eingerichtet haben, nehmen sie nicht wahr, weil sie es nicht wahrhaben wollen und weil‘s halt so gemütlich ist.

Sie bilden sich ein, kritisch zu sein, weil sie die AfD nicht leiden können. Sollte diesen Mangusten aber morgen einer aus dem Alphamännchenbüro mitteilen, daß die AfD irgendwie doch nicht so scheiße, weil im Rundfunkrat vertreten oder der Verlag ihr gewogen ist – dann sind diese Wichser*innen als erste dabei, die paar verbliebenen echten Journalisten zu denunzieren und Adolf Höcke gar nicht so verkehrt zu finden. Sie lassen ja schon heute Julian Assange in Belmarsh verrotten, ohne Mitleid, sie finden kein sympathisierendes Wort für Chelsea Manning in der Beugehaft, sie lachen über Edward Snowden in seinem miesen Exil – die politischen Journalisten unserer Qual.medien sind ein Haufen Dung, durch den der Arsch der herrschenden Klasse seine Winde leitet.

***

Einen plausiblen Grund, die SPD beim fortschreitenden Verfall zu beobachten, liefern primär die anderen Beobachter. Die hemmungslose Gehässigkeit und unverschämte Besserwisserei der Qual.medien vor, während und nach der Wahl der neuen Sozi-Chefs sind es wert, notiert und der Nachwelt überliefert zu werden. Wie wenig sich der waltende Politikjournalismus um Neutralität bekümmert oder für Aufklärung interessiert und wieviel er mit Manipulation zu tun hat, ließ sich rund um die Kür der neuen SPD-Vorsitzenden greulich nachlesen. Etwa hier:

Ein Aufatmen geht durch die SPD: nach Schwan und Stegner erst Pistorius/Köpping und dann sogar [sic!] Finanzminister Scholz. Es gibt doch noch [sic!] genug Kandidaten für den Parteivorsitz.
Heute (ZDF), 16.8.2019

Derlei Propagandadünnpfiff finanziert die Gebührenwohneinheit Sokolowsky mit jährlich 210 Euro. Warum kann der Seeheimer-Kreis das nicht bezahlen und weshalb wird dieser Quatsch nicht, wie das Gesetz es befiehlt, als Inserat gekennzeichnet? Mich ernüchtert, nein, empört, wie schamlos gerade die Politkorrespondenten der öffentlich-rechtlichen Sender das Märchen vom Retter Schlz unters Volk brachten. Kein bißchen Distanz, kein Milligramm Skepsis, kein Funken Berufsehre; eine einzige Stiefelleckerei im Dienst der GroKotz und der inszenierten Demokratie.

Das schlimmste Beispiel lieferten der Deutschlandfunk und dessen treue Dienerin Barbara Schmidt-Mattern. Das Nachrichtenmagazin „Informationen am Abend“ kündigte eine, kicher, Reportage Schmidt-Matterns über die erste Pressekonferenz des Duos Scholz-Geywitz am 21. August so an:

Neues SPD-Traumpaar Scholz und Geywitz

Was dann in dreieinhalb Sendeminuten folgte, war pure Hofberichterstattung, blanke Manipulation, nackter Opportunismus – ein Schattenschlamm der Wirklichkeit. So was ward selten belauscht, und darum habe ich es aufbewahrt. Schmidt-Matterns Propagandastück für Schlz beginnt so:


K
ein Aas außerhalb Brandenburgs kannte die Geywitz, bevor der Schlz sie als Alibifrau verpflichete – da wäre es doch ein Mindestdienst an der Öffentlichkeit gewesen, nachzufragen, wie der Schlz an die Geywitz kam. Aber nö, neenee, nicht beim Deutschlandfunk und schon gar nicht bei der Expertin für heiße Luft Schmidt-Mattern. Die „frische Brise“, die sie ihren Hörern andrehen will, reicht bei weitem nicht aus, um den üblen Ruch dieses Drecks zu vertreiben:


Barbara Schmidt-Mattern ist gewiß nicht korrupt. Sie glaubt, was sie sagt, dazu muß niemand sie überreden, schon gar nicht mit Geld oder Boni. Schmidt-Mattern ist durchdrungen von neoliberaler Ideologie, und darum ist sie da, wo sie jetzt ist, beim Deutschlandradio und in der Bundespressekonferenz. Sie hat ihren schönen Job, weil sie so gut ins Umfeld der Redaktion paßt, und deshalb muß sie sich gar nicht verbiegen. Sie kann sich vors Mikro setzen und den Leuten erzählen, daß es einerseits die „Linken“ gibt und andererseits „selbstbewußte und nüchterne“ Pragmatiker. Sie wird sich nach dieser Frechheit, dieser Manipulation auch morgen wieder vors Mikro setzen dürfen, und es wird abermals so sehr nach Propaganda klingen wie das hier:


Denn Linke kümmern sich nur um sich selber. Nah bei den Leuten sind nur Leute wie die kümmerliche Geywitz. Die unmittelbar nach der Verlobung mit Schlz bei der Landtagswahl in Brandenburg eine ordentliche Backpfeife von irgendwelchen anderen Leuten (man nennt sie „Wähler“), die Schmidt-Mattern nicht kennt oder nennen will, verpaßt bekam. – Wie wird ein Journalist zu so etwas wie Barbara Schmidt-Mattern? Ich frage das ernsthaft, und was immer mir an Antworten einfällt, enthält Worte wie „Feigheit“, „Arroganz“, „Opportunismus“, „Selbstgefälligkeit“ und leider nie ein Wort wie „Schneid“. Es gehört jedenfalls kein bißchen Mut dazu, solch einen gequirlten Kack zu versenden:


Es gibt keinen Unterschied mehr zwischen Marketing und Journalismus, es gibt nur „Pragmatismus“. Figuren wie Schmidt-Mattern haben das rechtzeitig geschnallt und sich als geschmeidige Mittler zwischen der Macht und dem Pöbel hochgebuckelt. Genau solche Figuren mit ihren flotten Flunkereien und beinharten Vorurteilen sorgen freilich dafür, daß den Qual.medien keiner mehr traut. Sie sind wie die Spiegelbilder der Politiker, die sie in ihren nichtswürdigen Berichten feiern: Schlau statt klug, überzeugt von sich und sonst nichts, dem Status quo ergeben und feindselig gegen alles, was über die Schlagzeile von heute hinausdenkt.

Und damit sind wir wieder bei der SPD, bei solchen Absurditäten wie der Wahl der Seeheimer Hubertus Heil und Heiko Maas in den Vorstand (wofür hektisch die Satzung geändert wurde), bei Kevin Kühnerts erbärmlichem Verrat an den „Nikolaus ist GroKo-Aus“-Jusos und bei den Buhrufen für Hilde Mattheis. Es ändert sich nichts in der Sozialdemokratie außer den Namen. Pragmatisch ist, was nicht links ist, das heißt: rechts. Und dahin wollen in der Partei alle, die behaupten, sie wollten „nah an den Leuten“ sein.

***

Immerhin: Ich durfte Schlz‘ beleidigte Fresse sehen, als das Ergebnis der Stichwahl verkündet wurde. Ein geringer Trost, am Ende gar kein Trost, aber … Er ist mit seinem Erlösergetue nicht durchgekommen! Und eine schwache Hoffnung erwächst daraus: Die Qual.medien und ihre Schmidt-Mattern-Robots haben nicht mehr so viel Macht wie einst über die Plebejer, die sie, aus ihren Qual.blasen heraus, für Dummköpfe halten. Diesen Journalisten, die den Journalismus fortwährend verraten, wird täglich weniger zugehört. Das darf gern so weitergehen.

Ich freilich habe vorerst genug von der Sozialdemokratie und ihrem Rettungspersonal. – Danke, daß Sie meiner Serie so lange zugelesen haben! Ich hoffe, daß mein Gewerkel interessanter und witziger war als das Gewürge beim SPD-Parteitag. Wäre dem so, hätte ich nicht ganz soviel falschgemacht.

(Und sofern Sie immer noch nicht genug von meinen Einlassungen betr. Sozialdemokratie bzw. eine Würdigung der Ex-Chefin Nahles vermißt haben, empfehle ich die neue Ausgabe von KONKRET. Darin habe ich unter dem Titel „Volksparteitheater“ alles nachgeholt, was hier zu kurz kam.)
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1 Weil bei „Spon“ sämtliche Beiträge zugepflastert sind mit Tracking-Tools und Adware, verzichte ich auf einen Hyperlink. Falls Sie die – echt unglaublichen – Zitate nachprüfen wollen, geben Sie bitte in der Suchmaschine Ihres Vertrauens die Headline Wen wählen? „Das ist jetzt euer Problem“ ein. K. S.

Die große Schlz-Serie im „Abfall“:
Schlz der Retter (1 von 3)
Schlz der Retter (2 von 3)
Schlz der Retter (2 1/2 von 3)
Schlz und die Wettquoten
Schlz der Retter (3/1 von 3)
Schlz und der Wettkönig


Freitag, 27. Dezember 2019 23:59
Abteilung: Kaputtalismus, Man schreit deutsh, Qualitätsjournalismus

9 Kommentare

  1. 1

    Werter Kollege,
    danke für dieses Dokument der Leidensfähigkeit, aber …
    warum arbeite ich mich dann an der doofsten der Parteien ab?
    Das habe ich mich in ähnlicher Form vor Jahren auch gefragt und seitdem entweder versucht, ein wenig Satire aus ihrem Verwesungsprozess zu quetschen oder im Zorn über sie herzufallen, weil ein publizistisches Erbrechen nicht mehr zu vermeiden war. Einige meiner Leser/innen waren so geduldig, mir die Erkenntnis in den Kopf zu hämmern, dass der Kern der Sozialdemokratie – das Kapital zu versöhnen (mit Arbeit, Sklaven, Demokratie, you name it ) nicht nur sehr unzufällig (schlechter Stil, weiß ich) im Faschismus endete, sondern im Zweifelsfall immer bei Noske, Schröder, Sarrazin und Schlimmerem enden muss. In der aktuellen Erosion der Restkultur rund ums schnöde ‚Sein‘ fühle ich mich beizeiten geneigt, mich einfach hinzulegen und parallel zu verwesen. Adrenalin und andere Neurotransmitter sind dagegen. Sich ‚inhaltlich‘ mit dem strukturell alternativlosen Verrat „Sozialdemokratie“ zu befassen, weigert sich derweil meine Großhirnrinde.
    Daher selbstredend: „Die SPD verweigert sich nicht nur der Realität, sondern auch den Mitteln der Polemik. Sie ist immer ein bisschen korrupter …„. Das Sonogramm final streuender Tumorstrukturen schaue ich mir nicht mehr an.
    Wie können Journalisten solch eine Hirnjauche hinschmieren …“ fragt nach einem weiteren Symptom desselben Leidens, wobei ich diese Verwunderung als meine eigene Dummheit noch besser kenne. Es ist ein Ausdruck der Verzweiflung darüber, wie man willig sein eigenes Leben und das, was man für „Denken“ (zumal als ‚Beruf‘) hält, so schamlos verachten kann. Manchmal kichert mir Nietzsche über die Schulter. Nur Narr, nur Dichter, vertröste ich mich auf eine Zukunft ohne diesen Wirrwahn, die ich nicht mehr erleben werde. Ich weiß aber, dass sie nicht nur möglich, sondern unvermeidlich ist.

    „Und alles Volk sagte Amen.“ (Thomas Mann) – Daß ich nun aber auch eine Diätpause brauche ohne Sozen-Soße, kann ich nicht bestreiten. KS

  2. 2

    Während meiner Erwerbszeit, als sie mich mit arbeitsrechtlichen Mitteln politisch verfolgten, habe ich die Sozialdemokraten regelrecht gehasst. Heute habe ich nur noch tiefe Verachtung für sie. Wer diese Volksverarscher noch wählt, muss sich den Hut wohl mit dem Hammer aufsetzen.
    Und nun zur „linken Hoffnungsträgerin“ Esken einige aktuelle Ergänzungen:
    1. Frau Esken hat noch am 17.10.2019 im Bundestag gegen ein Tempolimit gestimmt. Nun holt sie dieses Thema wieder aus der Klamottenkiste des Parteitagsbeschlusses von Oktober 2007 hervor, weil sie auf die Vergesslichkeit der Wähler spekuliert.
    2. Abschaffung der Sanktionen bei Hartz IV und Sozialhilfe“, 28. Juni 2018, Esken dagegen.
    3. Verlängerung der Ferkelkastration ohne Betäubung“, 29. November 2018, Esken dafür.
    Das muß dieses soziale Gewissen und diese Empathie sein, die die neue Führungsspitze auszeichnet. Die lange Liste ihrer Zustimmungen zu Militäreinsätzen lasse ich aus Platzgründen mal weg.
    Und achja:
    4. „Änderung des Parteiengesetzes (PartG)“ (mehr Staatsknete für die Parteien), 15. Juni 2018, Esken dafür.
    Typisch für dieses verlogene Pack ist auch der diesjährige Rekord bei den Waffenlieferungen, für den die Sozln zu 50 % mitverantwortlich sind. Ich kann schon gar nicht mehr so viel essen, wie ich ko… muss. Von daher tut es mir immer wieder sehr gut, hier zu lesen.

    Vielen Dank für diese Aufzählung Eskenscher Maulheldinnentaten! – Als Dirk Hierschel und Hilde Mattheis die Kandidatur hinwarfen, war freilich schon klar, daß es wieder nichts mit der innerparteilichen Revolution würde. Das beste an den neuen Vorsitzenden ist allein, daß Schlz es nicht wurde. KS

  3. 3

    Was hab ich mich über die Meldung gefreut: ein neuer Sokolowsky ist da! Und dann noch in der genialen Schlz Retter Reihe, das wird was zum Frühstück … doch wenn auch Ihr sprachgewaltiger Furor wie gewohnt begeistert, schwappt diesmal der unappetitliche Inhalt allzu sehr mit hinüber … Nicht mal Ihr Humor erzeugt genug Distanz zum ekligen Sujet, wobei in diesem Casting noch nicht ausgemacht ist, wer mehr zum Kotzen ist, die beschriebenen Totengräber oder die Journaille …

    Ich habe einen Ekelfavoriten: die Presse. – Danke für ihre netten Worte! KS

  4. 4

    Man kann ja wirklich nur hoffen, daß Sie im Besitz guter Schutzkleidung und einer Nasenklammer sind, wenn Sie sich so detailliert durch diesen Schlick wühlen.
    Beim ersten Teil von Schmidt-Matterns Glanzstück mußte ich allerdings laut lachen: „Die frische Brise ist 43 Jahre alt …“ Die SPD sollte die Dame unbedingt als Slogantexterin engagieren.

    Hat sie (die SPD) vielleicht schon. Heutzutage können ja auch Bundesregierungssprecher problemlos Rundfunkintendanten werden. – Als Raucher bin ich zum Glück nicht so geruchsempfindlich, und als Hobbygärtner komme ich mit Dreck ganz gut klar. Danke trotzdem für Ihre Sorge um mich! KS

  5. 5

    Was Hilde Mattheis in dieser Partei hält, frage ich mich seit Jahren. Es ist nur anzunehmen, dass sie annimmt, eine SPD noch retten zu können und dabei ist nicht nur bei der SPD der Drops schon längst gelutscht. Sie wissen es nur noch nicht.
    Der ganze Parteienproporz ist eh für den Allerwertesten und auch bei der leider inzwischen gestorbenen Susanne Neumann habe ich dieses Engagieren und darüber Aufreiben für diese Partei nie verstanden. Gedankt wurde es ihr jedenfalls nicht.
    Und auf ganz niederer Instinktebene habe ich mich über das Gesicht des Hardliners Scholz nach seiner Nichtwahl auch erfreut;-)

    Sie müssen sich Ihrer niederen Instinkte in diesem Fall gewiß nicht schämen. KS

  6. Fluchtwagenfahrer
    Montag, 30. Dezember 2019 7:26
    6

    Moin,
    ein m.M.n. würdiger Abschluß der Misere SPx,
    ABER,“die politischen Journalisten unserer Qual.medien sind ein Haufen Dung, durch den der Arsch der herrschenden Klasse seine Winde leitet“.
    Dat Dingen da, der Hammer, wie Sahnehäubchen und M-Kirsche in XXL. Bleiben Sie gesund.

    Sie aber bitte auch – abgemacht? KS

  7. Stefan Zimmermann
    Sonntag, 5. Januar 2020 1:54
    7

    Um Ihre Frage konkret zu beantworten: Ich möchte weiterhin lesen, wie Sie sich an der SPD abarbeiten. Gerne nach einer ausgedehnten Diätpause.

    Und wenn ich zur Abwechslung den C-, F-, G- und Af-Parteien in die Weichteile trete, sind Sie hoffentlich auch mit dabei. KS

  8. 8

    Lieber Kay Sokolowsky,
    wenn es darum geht, auch mal jemand anders in die Weichteile zu treten, dürfen Sie auf mich zählen. Aufhänger gefällig? Wie wäre es hiermit:
    https://s19.directupload.net/images/200111/oe36u5g4.jpg
    In meiner Lebenswelt ist jemand, der durch Tun oder Unterlassen dazu beiträgt, daß Menschen gefoltert werden, für immer ausgestoßen. Und dann gibt es da eine ehemalige Friedens- (sic!) und Ökopartei mit damals hehren moralischen Grundsätzen und Zielen, die sich beim 40. Parteigeburtstag nicht nur von so jemand belobhudeln läßt, sondern deren beide Vorsitzenden ebendieser Gestalt noch gemeinsam respektvollen Beifall zollen.
    Ich pendele gerade zwischen einem Herzanfall vor Zorn über diese demonstrativ vorgeführte, wenn auch nicht neue oder überraschende Aufkündigung früherer Ideale der Parteigründer und dem übermächtigen Ekel vor solcher Politeska. Nicht daß das alles irgendwie unverhofft und überrumpelnd käme nach der gemeinsamen Historie dieser Bande mit Jugoslawienkriegen, Hartz4 & Co.. Aber eine Steilvorlage und eine stimmige Überleitung zu einer Nachfolgeserie über eine andere widerliche Verräterpartei wäre diese symbolträchtige Aufnahme schon.
    Oder ist das zu abstoßend? Verstehen könnte ichs.

    Lieber O. F., wie es das Fatum will, sammle ich derzeit Material für eine Miniserie über die Hamburger Grünen, den evtl. bigottesten Landesverband dieser Partei der Heuchler. Wenn ich irgendwas dazu beitragen kann, eine Oberbürgermeisterin Fegebank zu verhindern, dann muß ich es versuchen.
    Weil mir nichts Menschliches fremd ist, halte ich auch den näheren Kontakt mit solchen Schleimmenschen aus. Im „Abfall“ etwa zuletzt hier: http://www.kaysokolowsky.de/o-je-der-schon-wieder/ . Darin u. a. dieser Satz über den Menschenschleim, der die Grünen wählt, ein Satz, auf den ich ohne Rest stolz bin: „(Sie) werden sich selbst dann noch als ‚kritische/engagierte/progressive Bürger*innen‘ salben, wenn ihre Spitzenrepräsentanten aus der Rosette des Kapitals nicht mal die Füße mehr hängen lassen“.
    Unterstützung im Kampf gegen dieses bourgeoise Gesindel werde ich sicherlich nicht ausschlagen. Venceremos! KS

  9. 9

    Jessas, Ihre referenzierte frühere Tirade wider die Olivgrünen am Beispiel der Hamburger und Tübinger Leuchttürme reaktionärer Gesinnung ist schon mal eine neugierig machende Richtungsangabe für eine Miniserie. Möge der Kelch einer Bürgermeisterin aus deren Reihen an Ihnen vorübergehen. No pasaran!
    Aber den Hamburger Landesverband als bigottesten Lokalverein dieses Ladens zu bezeichnen, kann ich so nicht stehen lassen. Ich kontere Ihre Behauptung mit dem hier: Die Sabotage am Hessischen NSU-Untersuchungsausschuß. Die Verhinderung der Aufklärung zur Beteiligung des Hessischen Verfassungsschutzes an den NSU-Morden aus Gründen der Koalitionstreue mit der Hessen-CDU. Die damit verbundene Rückendeckung für mordbereite Neofaschisten. Die Absolution des Koalitionspartners, also der zum Zeitpunkt der Morde politisch verantwortlichen und involvierten Hessen-CDU von allem, was damit zusammenhängt. Das Wegsperren der diesbezüglichen Verfassungsschutzakten für 120 Jahre. Für so eine Bilanz müssen die Hamburger Grünen nach meinem Wissensstand noch ein bißchen nachlegen. Hessen vorn!
    Nichtsdestotrotz: ich freue mich auf Ihre angekündigte Miniserie. Immer druff, die hams verdient. Man kann diese Bagage gar nicht genug in der Luft zerreißen. Ich stehe mit aufgekrempelten Ärmeln gleich neben Ihnen, um dabei zu helfen.

    Sie haben wohl recht, was den verlogensten „Lokalverein dieses Ladens“ betrifft. Eventuell liegen dito die Baden-Württemberger verkommenheitsmäßig noch vor den Lifestyle-Grünen meiner Stadt. Aber so sind wir Hamburger: derart angefüllt mit Minoritätsgefühl, daß wir bei egalwas immer die Ersten sein wollen. – Zu Ihrem Hilfsangebot: Ich merke es mir, und gern. KS

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