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Jeder Autor mit Ambitionen hofft auf den Moment, in dem er denken darf: „Nun!, hat das Gewürge sich doch gelohnt.“ Solch einen Moment hat KayiSokolowsky soeben durch die September-Ausgabe von KONKRET erfahren. Dort hinterläßt Leserin Gerlinde Bakenhus mit Blick auf Sokolowskys SF-Nachlese „Die Zukunft war gestern“ dieses Kompliment:

Die besten Buchtipps gibt esiseit einiger Zeit nicht mehr bei „buch & markt“, sondern von Kay Sokolowsky. Phantastische Serie!

„Vielen Dank für Ihr phantastisches Lob!“ erwidert der Autor, der so was auch nicht alle Jahre lesen darf.

In der gepriesenen Reihe feiert Sokolowsky übrigens ein Bergfest: Die zwölfte von 24 Episoden widmet sich der Foundation-Trilogie des Gehirntiers Isaac Asimov. Kay Sokolowsky tat sich mit dieser Empfehlung etwas schwer, weil Großmeister Asimov als Wortsetzer ein Tunichtgut, in der pseudodeutschen Übersetzung sogar ein Trampeltier ist. Sokolowsky kann nur hoffen, daß Frau Bakenhus ihm für diesen ambivalenten Kaufauftrag nicht demnächst alles Wohlwollen entzieht.

Außer um die Zukunft von gestern kümmert sich der Autor im Septemberheft um einen Zukunftsvisionär von vorgestern, den ebenso ehrgeizigen wie durchschaubaren Politologen Herfried Münkler. „Der Denkpanzer“ ist Sokolowskys Artikel überschrieben, und obgleich der Verfasser bei Ansicht der Druckfassung am liebsten jeden vierten Satz redigieren möchte – auf den hier ist er zu Recht stolz:

Das wiederverklebte Deutschland setzt mit traditioneller Skrupellosigkeit und Bigotterie jene Dominanzpolitik fort, die Europa zweimal als Totenacker hinterließ.

Die KONKRET-Redaktion hat übrigens beschlossen, das Münkler-Bashing auf ihrer Website zu veröffentlichen. Ob Wikipedia Dt. in ihrer servilen Karteikarte betr. H. Münkler Sokolowskys Polemik vermerken wird? Da können wir wohl lange warten.

Seit inzwischen resp. immerhin mehr als 25 Jahren bereichert bzw. füllt – das müssen andere entscheiden – Kay Sokolowsky die Monatszeitschrift KONKRET mit seinen Schriftstücken. Er fühlt sich dort eben wohl, mit der aktuellen Ausgabe sogar besonders. Das liegt zumal an den folgenden Kombattanten:

* Kendra Briken, die in ihrer Besprechung des Films „Die Angst wegschmeißen“ demonstriert, wie eine ideale Kinokritik geht: aufmerksam hinsehen, begreifen, was die Schöpfer wollen, und die Bilder des Werks in den eigenen Worten malen:

Ebenso erledigt die Polizei ihre Kernaufgabe in unschöner Regelmäßigkeit: Sie schützt das private Eigentum, scherzt mit dem Management, verprügelt die Blockierenden. (…) „Diese Schlagstöcke haben mir Mut gegeben“, sagt ein Arbeiter später.

* Klaus Theweleit, der in einem von Michael Saager exzellent vorbereiteten und geführten Interview viel Bedenkenswertes, Bedrückendes und zumal dies sagt:

Es ist egal, ob sich die Vorschreibertypen Christen, Muslims, Hindus oder „von reiner Rasse“ oder der allein richtigen „Ideologie“ nennen. Das sind Etiketten, aufklebbar, abziehbar, austauschbar.

* Und Ralf Schröder, der in seinen Anmerkungen zum deutschen Umgang mit Flüchtlingen gleichermaßen verbittert wie korrekt unterstellt:

Die meisten Deutschen haben mittlerweile ohnehin die letzte Ahnung verloren, daß der Unterschied zwischen reich und arm etwas anderes sein könnte als ein Naturzustand.

Zum „Express“ und Leitartikel des Herausgebers Hermann L. Gremliza möchte Sokolowsky auch heute schweigen, denn: „Man rühmt nicht die Luft, die man atmet“ (Olaf Stapledon, allerdings über H. G. Wells).

7 Kommentare

  1. 1

    Feine Lektüre-Empfehlung, der ich alsbald folgen werde. Heute oder morgen wird das Heft gekauft.

    Bei Lesern wie Dir hat Reklame noch eine Wirkung – fein! KS

  2. 2

    Da die zahlreichen Kioske auf dem und um den Syntagma-Platz herum zwar SPIEGEL, BILD, FAZ und diverse ähnliche (die zeitgenössischen kapitalen Sauereien vornehmlich als „Naturzustand“ verkaufende) Blättchen teutonischer Provenienz feilbieten, nicht aber KONKRET – ich habe wirklich lange gesucht –, bin ich sehr froh darüber, mir immerhin Ihr aktuelles Münkler-Bashing webseitig zu Gemüte führen zu können! KP
    PS. Und der ruhmreiche Herr Gremliza möge wenigstens 100 Jahre alt werden, und das bitteschön schreibend – nicht nur KONKRET wäre ohne seine Leitartikel und Expresse ein öderer Ort.

  3. 3

    Auf Wikipedia braucht niemand nicht zu warten; wer Artikel ändern will, kann. Ich habe den Artikel jetzt gerade eingetragen; wenn ein anderer Nutzer ihn wieder entfernt, wäre es hilfreich und gut, wenn möglichst viele Sokolowsky-Fans dieses Löschen rückgängig machen. Wer nicht weiß, wie man Wikipedia bedient, bekommt von mir Hilfe.

    Und wer solche Hilfe braucht, dem verrate ich die E-Mail-Adresse von Arno Matthias. – Danke für Ihr Engagement! KS

  4. 4

    Huch, mir fällt gerade auf, daß
    https://de.wikipedia.org/wiki/Kay_Sokolowsky
    am 28.12.2006 der erste Artikel war, den ich für wikipedia.de geschrieben habe (und https://de.wikipedia.org/wiki/Horst_Tomayer der zweite).

    Also SIE waren das! – Danke! KS

  5. 5

    Tja, es ist gelaufen, wie wohl vorherzusehen war: Ich wollte „Denkpanzer“ in den Münkler-wp-Artikel einfügen; drei Benutzer waren dagegen. Tenor der vorgebrachten Begründungen: „linksextremes blatt raus“, siehe auch https://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Herfried_M%C3%BCnkler#Literaturteil. Tut mir leid, alleine kann ich gegen die Münkler-Fanboys nichts ausrichten.

    Ihnen muß gar nichts leid tun: Schon der Versuch ehrt Sie. Ich bewundere Ihre Geduld im Umgang mit diesen reaktionären Vollpfosten. Aber meinetwegen müssen Sie sich diesen Umgang und diese infantilen Argumente nicht länger antun; es gibt doch so viele andere, viel schönere Tätigkeiten auf der Welt – Staubsaugen z. B. oder Spinatputzen. (Was aber nicht heißen soll, daß es nun kein anderer versuchen darf.) KS

  6. 6

    Mich grämt diese Episode nicht. Wenn „unsere“ Seite nicht zur Arbeit zu aktivieren ist, gewinnen halt die reaktionären Vollpfosten, wenn ich zitieren darf. It’s a wiki! Nit quake – make!

    Ich habe Ihren Kommentar ein wenig gekürzt. Der Fehler, den Sie korrigieren wollten, ist nämlich jetzt behoben. KS

  7. 7

    Vielen Dank, dafür und überhaupt!

    Sehr gern geschehen. KS

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