Zwei Stimmen der Vernunft

Daß ich mal Sympathie für einen Papst empfinden würde, hätte ich bis gestern ausgeschlossen. Aber Jorge Mario Bergoglio, Künstlername Franziskus, wärmt mein Herz, seit er das hier gesagt hat:

Haaretz_Franziskus_29-10-15

Haaretz.com, 29.10.2015

Auch der Welt berühmteste Romanautorin Joanne K. Rowling zählt nicht zu den Leuten, für die ich viel übrig hatte, bis vorgestern. Der Abschlußband ihrer sowieso schwer überschätzten Harry Potter-Serie ärgerte mich geradezu mit seinem unablässigen Geschwafel und Gebrabbel und Gequassel. Doch alles verziehen, denn:

Haaretz_Rowling_29-10-15

Haaretz.com, 27.10.2015

(Warum diese durchaus erheblichen Meldungen in deutschen Online-Medien nirgends zu finden sind – jedenfalls nicht mit Google –, möchte ich hier nicht erläutern, weil dies mir und Ihnen sofort die Freude über zwei ziemlich überraschende Geschichten verderben würde.)


Donnerstag, 29. Oktober 2015 22:32
Abteilung: Aufgelesen, Gute Nachrichten

2 Kommentare

  1. 1

    Selbst der nette Herr Bergoglio wird die elend lange Kriminalgeschichte des katholischen Christentums bestimmt nicht als nette Heilsgeschichte weiterschreiben können. Daß er es aber wenigstens versucht, erwärmt allerdings auch mein heidnisches Herz. Und verglichen mit dem satansgesichtigen Ex-Großinquisitor („Wir sind Papst!“), der vor ihm das hochamtliche Scheitelkäppchen aufhatte, wirkt dieser erste päpstliche Franziskus ja geradezu wie ein Engel seines himmlischen Herrn. Oder einfach nur wie ein freundliches menschliches Wesen, was er wohl wirklich ist bzw. hat. Ich fand ihn schon früher sehr sympathisch; nicht bloß deswegen, weil er immer so lausbübisch-verschmitzt aus seiner blitzblanken Soutane schaute, sondern zum Beispiel weil er Schwule seine Brüder nannte. Oder weil er neulich die komplette Mörderbande der ’Ndrangheta öffentlich exkommunizierte und damit mit einer elend langen Tradition der Zusammenarbeit von Mafia und katholischer Kirche gegen alles irgendwie Fortschrittliche brach. (Daß die meisten Patres vor Ort die Ausgeschlossenen nach wie vor an der heiligen Kommunion teilhaben lassen, weil sie fürchten, im Verweigerungsfall allzu schnell in den himmlischen Vorruhestand versetzt zu werden, sollte allerdings auch nicht vergessen werden.) Daß dieser mutige Mann eben mit deutlichen Worten das Existenzrecht Israels bejaht hat – das wußte ich tatsächlich nicht – verschafft ihm einen weiteren Stein in meinem Brett. Dafür hat Google jetzt einen weniger.
    Aber der Frau Rowling verzeih ich ihre elend öden Potterharrys ganz sicher nicht – nur weil sie etwas gesagt hat, das jeder halbwegs verständige Mensch sofort unterschreiben würde. Die Dame soll erst mal was Lesenswertes zu Papier bringen. Wenn sie es denn wollte, dann könnte sie’s sogar, glaub ich. KP

    Och, da bist Du zu streng. Der erste „Harry Potter“-Roman war so uneben nicht; aber eine Geschichte, die in drei Büchern hätte auserzählt sein müssen, über abertausend Seiten auszuwalzen: Das ist schon eine Zumutung gewesen, sogar für einen Liebhaber schwartenartiger Bücher wie mich. Und der Finalband … Den würde ich wegzaubern, wenn ich könnte. (Stephen King, der was von der Sache versteht, schätzt Rowlings Garn trotzdem sehr.) – Rowlings Weigerung, Israel kulturell zu boykottieren, ist deswegen bemerkenswert, weil sie sich damit gegen eine Front von 150 antiisraelischen, eingebildet linken britischen Kollegen stellt.
    Google hat Deinen Mißmut übrigens nicht verdient: Hätten deutsche Online-Medien diese Nachrichten vermeldet, wären sie auch dort aufgetaucht. Die Suchabfrage verzeichnete gestern jedoch ausschließlich nichtdeutschsprachige Treffer. (Ich habe mich im Posting offenbar mißverständlich ausgedrückt.) KS

  2. 2

    Soweit ich das sehen kann, taucht Franziskus Bemerkung zu Israel noch immer nicht in den großdeutschen Online-Medien auf. Was mich nicht sehr wundert. Aber ich wundere mich ein wenig über mich selbst, bzw. genauer darüber, daß ich glaubte, daß vielleicht Google da was zensiert hätte. Da war ich wohl ein bißchen zu paranoid und zugegeben auch ein bißchen dämlich: Also entschuldige ich mich hiermit bei der braven Suchmaschine, die ja fast alles, eins aber sicher nicht finden kann: nämlich eine Nachricht, die nicht in die (deutschsprachige) Online-Welt gesetzt wurde. Ich meine fast, daß hier bestimmte Nachrichten ganz bewußt unterdrückt werden. Oder bin ich da jetzt schon wieder paranoid? KP

    Kann sein. Jedenfalls ist es ein Indiz für den gut trainierten Antizonismus deutscher Qualitätsjournalisten. KS

Kommentar abgeben (Kommentare unter Moderation - Regeln siehe HIER)