Aufgelesen (4): Biermann, Merkel, NSA


Das Unbelehrte an den albernen, gleichermaßen beleidigten und gestelzten resp. düpierten Gesten der Qualitätsjournalisten, das Publikum, das sie mit ihrer Masche vergrämten, wieder zu vergähnen, läßt sich klar erkennen, wo diese Qualitätsjournalisten eine Schreckschraube schönschreiben, die so plan- und gewissenlos, so opportunistisch usw. ist wie, fälltmirgradein: Kanzlerin Merkel. Sie, die Qualitätsjournalisten, möchten sie, die Schnurzundschönschwaflerin*, unbedingt behalten, weil die und sie im Wesen identisch einfältig sind. Und darum zeichnen die edlen Federn, wenn die Kanzlerin ihre Verachtung für das Amt und die Moral des Amts vor einem Parlamentsausschuß grienend preisgibt, so was Phantasmagorisches:

Merkels Führungsstil gilt als ruhig und abwartend. Aber nicht als uninformiert. Sie hat einen Doktortitel in Physik und ist wohl einer der intelligentesten Menschen, die dieses Amt in der Bundesrepublik bislang bekleidet haben. Sie interessiert sich für viele Themen und gilt als jemand, der sich tief einarbeitet.
[Zeit, 16.2.2017, Kursivierungen von K. S.]

Derart staatstragend brütet sein riesiges faules Ei der alte Vogel Kai Biermann. Tief eingearbeitet „gilt“ ihm die Parteioffizierin, die sich für viele, vielleicht alle Themen interessiert, sofern sie ihre Amtspflichten nicht tangieren, diese Versagerin, die eigenem, protokolliertem Bekunden nach von nix was wissen will, nicht mal von ihrem unmittelbaren Aufgabenbereich („Ich habe nichts gewußt, wissen können, und habe mich nicht beschäftigt“) – sie gibt es, diese Zynikerin, zu! Die Kanzlerin verarscht höchst und öffentlich den Ausschuß, das Parlament, die Verfassung, das Wahlvolk und sich selbst – und was fällt dem Spitzenmeinungsmultiplikator von der Zeit zu dieser Bankrotterklärung einer geistfreien Demokratin ein: „Sie ist wohl einer der intelligentesten Menschen, die dieses Amt in der Bundesrepublik bislang bekleidet haben.“ Der andere Mensch muß Helmut Kohl gewesen sein, von Biermanns Warte.

Ganz gleich – wenn der Maßstab so tief liegt, gelten demnächst Topfpflanzen als Ministerkandidaten. Haltstop: Die entsprechenden Stecklinge werden schon seit Jahren tief eingearbeitet und gewässert: Servus, Frau Schwesig, Herr Maas, Mahlzeit, Frau Nahles, Herr Dobrindt, oh, Herr Gröhe! – Und so Steinmeier.

Kai Biermann aber ist keine Topfpflanze. Allenfalls ein Epiphyt.

* O-Ton BdKzl Dr. A. Merkel vor dem NSA-Untersuchungsausschuß des Deutschen Bundestages, 16. Februar 2017:

Das, was Sie von mir hören, ist das, was ich wußte, und davon wußte ich nichts.

Photo: „Merkel-Raute mathematisch Drachenviereck“,
by W like wiki [CC BY-SA 4.0],
via Wikimedia Commons

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Freitag, 17. Februar 2017 3:36
Abteilung: Aufgelesen, Kaputtalismus, Qualitätsjournalismus

3 Kommentare

  1. 1

    Epiphyt mußte ich erst mal nachschlagen. Ich hatte eine bakterielle Besiedlungsform des Rektums als Ergebnis erwartet. Sie sind aber auch manchmal ein Charmeur! (Oh! sagte, Herr K. und erbleichte.)

    Wirklich nur manchmal. KS

  2. 2

    Fällt mir zum ersten Mal auf: Auf dem Bild oben kann man sehen, daß die Kanzlerin wenig damenhafte Fingernägel hat, fast schon möchte man meinen, sie leide an Onychophagie!
    https://de.wikipedia.org/wiki/Onychophagie
    Mit freundlichen Grüßen,
    Sherlock Lüdke

    Interessante Beobachtung – zumal dieser Wiki-Satz läßt einen aufs schönste spekulieren: „Als Auslöser gelten […] falsche Vorbilder.“ Ich dachte nämlich bislang, die Kanzlerin wäre sogar für Vorbilder zu stupide. KS

  3. 3

    Ist die Frau zynisch? Gewissenlos? Opportunistisch? Es sieht ganz so aus, bzw. sie hört sich ganz so an. Wenn ich auch mal ein wenig zynisch sein darf: Das alles muß sie sein, sonst könnte sie ihren Job nicht ordentlich machen.
    Ist sie auch planlos? Es hat gelegentlich den Anschein. Wenn’s denn wirklich so sein sollte, dann spielt es wohl keine große Rolle. Denn die größeren deutschen Pläne für ein endlich wieder größeres Deutschland (und den kleineren Rest der Welt) wurden ja noch nie im bundesdeutschen Kanzleramt gemacht, sondern in den Kanzleien der deutschen Wirtschaft. Die jeweiligen Kanzleramtsinhaber haben die Pläne bloß verkündet, wenn auch – von Herrn Kohl mal abgesehen – in einer erträglicheren Sprache. Der Herr Schmidt zum Beispiel hat das damals ziemlich gut gemacht. Wahrscheinlich wurde er auch deswegen abgewählt.
    Was die Intelligenz von Frau M. angeht: Ich bin eigentlich ganz froh, daß die promovierte Wissenschaftlerin, die inzwischen von rein gar nichts was zu wissen meint, heuer bloß im Kanzleramt sitzt und nicht etwa in der Schaltzentrale eines AKW. Dort wär’s nämlich echt fatal, von nichts zu wissen: spätestens dann, wenn plötzlich all diese komischen roten Lämpchen zu blinken beginnen.
    Aber gleich: „Schreckschraube“? Das ist gemein; wenigstens für ihr Äußeres tut die arme Frau doch nun wirklich, was sie kann: die Frisur hat sich im Lauf der Jahre durchaus verbessert, und auch die Farben der Jacketts sind wesentlich gedeckter als früher. Überhaupt ist es bestimmt nicht ganz leicht, geistloser Materie eine Form zu geben, die das Auge nicht beleidigt. Und daß Frau M. regelmäßig an der Schwierigkeit scheitert, dem Kapitalismus ein menschliches Antlitz zu verleihen: Es ist ja nicht ihre Schuld, daß es sich da um eine contradictio in adiecto handelt.
    Ansonsten muß ich beim Anblick bzw. beim Anhören der leidigen Frau M. aus dem Kanzleramt immer an eine andere leidende Frau M. denken: an die Bierbrauersgattin Frau Magnus aus dem „Zauberberg“: „Geistesöde ging wie ein kelleriger Hauch von ihr aus“, hat Thomas Mann diese traurige Figur beschrieben. Als ob er sie vorausgeahnt hätte, die öde Frau Merkel.

    Danke für das Zitat – das ist geradezu ein Motto für Merkels Amtswappen! KS

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