Archiv für die Abteilung 'Der schreckliche Iwan'

Zeitenwendreime (2)

Dienstag, 17. Mai 2022 19:57



Blau und gelb sind meine Farben,
denn sie zeigen mein Bemühn
um die Freiheit, um den Frieden,
um das Klima, um die Welt,
um die Kinder, um die Umma,
was uns halt zusammenhält.
Blau und gelb mit meinen Tränen
zu verrühren – ach, wie grün!

***

Kein Sechser im Lotto, sondern ein Zehner
ist unser Glücksfall, die Frau Annalena.

War ein Weltkrieg jemals schöner
als mit unsrer Annalena?

Wie dereinst beim Nazarener
ist Wottes Gort mit Annalena.

Was ist bitteschön obszöner –
Appeasement oder Annalena?

Es sagt dieser Tage manch Schizophrener:
„Meine bessere Hälfte heißt Annalena.“

Die einen löffeln Kaviar, die andern futtern Döner,
doch ich, ich hab zum Fressen gern meine Annalena.

***

Den Russkies gilt ein Menschenleben nix,
zumal das eigene ist Russkies scheißegal.
Wir folgen also bloß der Russkieschen Moral
mit unsern Panzern. Grüße, Ihr Ralf Fücks.

***

Der Ukraine haben wir’s geschworen
und halten uns loyal daran:
Wenn ihr verliert, sind wir verloren,
drum kämpft schön bis zum letzten Mann.

Photo: „Love-bombing“,
by The Noun Project,
[CC BY 1.0],
via Wikimedia Commons

Abteilung: Der schreckliche Iwan, Lieder ohne Werte, Man schreit deutsh | Kommentare (0) | Autor:

Zeitenwendreime

Dienstag, 3. Mai 2022 16:15


Man erkennt den Killeraffen
am Friedenschaffen ohne Waffen.

***

Sei kein Lumpenpazifist!
Sei kein feiger Versteher des Russ’!
Wer nicht schießen will, hat einen Schuß!
(Gez. Lobo, Erzmoralist)

***

Herr Putin frißt zum Frühstück Kinder.
Mittags gibt’s Wolfsmilch und Satansbraten.
Blutwurst mit Senfgas und Apfelgranaten
serviert man am Abend dem Schinder.

***

Kein Mehl und kein Öl mehr, nicht duschen, nachts frieren –
so werden wir Rußland garantiert ruinieren.

Photos:
„German soldiers with Belgian orphans“,
by Underwood & Underwood [Public domain],
via Wikimedia Commons

Spare Seife aber wie“,
by Lucian Bernhard [Public domain],
via Wikimedia Commons

Abteilung: Der schreckliche Iwan, Lieder ohne Werte, Man schreit deutsh | Kommentare (5) | Autor:

Picknick, Blitz

Dienstag, 15. März 2022 22:04


Egal was, bloß nichts mit Corona – das wünschte sich der „Abfall“-Leser Juri Nello, als ich ihm für einen besonders liebenswürdigen Kommentar einen Wunsch gewährte, und zwar nach einem gut abgehangenen KONKRET-Artikel aus meiner Keucherkammer. Nello wurde leider nicht konkret, doch ich meine, etwas gefunden zu haben, das sein Begehr befriedigt („mindestens eine Dekade“ alt, „nicht an Aktualität eingebüßt“).
Das Stück ist sogar mehr als zwei Dekaden alt, und es fällt trotzdem nicht aus unserer „Großen Zeit“ (Karl Kraus).

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Abteilung: Der schreckliche Iwan, Director's Cut, Litterarische Lustbarkeiten | Kommentare (3) | Autor:

Totale: Krieg (3)

Mittwoch, 2. März 2022 20:34


Dann aber, nach einigen Invasionstagen, wurde der Moloch aufmüpfig und ließ seine Moderatoren erstmals nach dem „Sinn“ der Angriffe fragen. Es ging jedoch nicht um tote Serben, sondern um die Abwesenheit einer fernsehgerechten „Erzählung“ dieses Krieges. Das „Briefing“-Ritual schön und gut, jetzt allerdings wurde es Zeit fürs Melodram: Wo, bitteschön, blieben die toten Helden, wo die trauernden Kriegerwitwen, wo, zum Henker, die Leichenberge, von denen der Verteidigungsminister so enthusiastisch erzählte? Im Golfkrieg mochten die Restlichtaufnahmen vom Bagdader Nachthimmel noch genügt haben, die Kundschaft bei der Stange zu halten; doch nun war es Zeit für einen neuen Hut.

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Abteilung: Der schreckliche Iwan, Man schreit deutsh, Qualitätsjournalismus, The real pulse of Europe | Kommentare (2) | Autor:

Totale: Krieg (2)

Dienstag, 1. März 2022 18:55

Wie ein Dutzend Rosenkränze auf Verstörungen des Gemüts, dank Mechanik und Geleier, durchaus besänftigend wirkt, hat die solide Verwechselbarkeit der TV-News mit denen von gestern, vorgestern und auch vom letzten Jahr die „Tagesschau“ längst in eine Art sedatives Ritual verwandelt: Nicht Informationen locken den Zuschauer vor die Röhre, sondern die schöne Gewißheit, daß die Welt sich in der Nachrichtensendung zuallerletzt verändern wird. F.W. Bernstein hat den schonenden Ton, in dem sogar das Armageddon in der „Tagesschau“ vermeldet werden wird, bereits 1987 grandios antizipiert: „(Köpcke) und alle seine halben Erscheinungsformen sollen mit uns sein bis ans Ende der Welt, und er wird’s uns schon sagen, wenn’s soweit ist: GONG! Und er schreit mit großer Stimme, wie ein Löwe brüllet, und da er schreit, reden sieben Donner ihre Stimmen: ‚Bonn. Außenminister Genscher bezeichnete den Weltuntergang als ein Ereignis von besonderer Tragweite …‘“ Sehr viel anders klang’s am 24. März 99 auch nicht.

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Abteilung: Der schreckliche Iwan, Kaputtalismus, Man schreit deutsh, Qualitätsjournalismus | Kommentare (0) | Autor:

Totale: Krieg (1)

Montag, 28. Februar 2022 23:27


Nun hat der schreckliche Iwan
leider doch die Ukraine überfallen, obwohl ich ihm solche Niedertracht nicht zutraute, nicht zutrauen mochte. Meine Fassungslosigkeit über Putins strategische Idiotie, meine übel betrogene Hoffnung auf eine gewisse Ratio wenigstens im Kreml ist ein Krümel, verglichen mit dem Abscheu, den ich vor dem Verbrechen, das sich seit vier Tagen ereignet, empfinde. Denn ein Verbrechen ist jeder Angriffskrieg, egal wer ihn führt, und blanker Mord geschieht überall, wo die Granaten, Bomben, Raketen und Kugeln der Invasoren Opfer finden, seien es Zivilisten oder Soldaten.

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Abteilung: Der schreckliche Iwan, Kaputtalismus, Man schreit deutsh, Qualitätsjournalismus, The real pulse of Europe | Kommentare (4) | Autor:

Der schreckliche Iwan (19)

Freitag, 18. Februar 2022 1:34


Daß der Russ’ nicht in die Ukraine einmarschieren und den Dritten Weltkrieg riskieren wird, wußte ich schon, als der wertpapierorientierte Westen im Dezember sein großes Säbelrasseln begann. Ich weiß außerdem, daß die Nato selbst nicht glaubt, was sie aller Welt weismachen will. Also setzte ich mich hin und schrieb für meine KONKRET-Serie „Hofgespräche“ einen Sketch, in dem Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg einer gewissen Außenministerin die Grundlagen des Nordatlantikpakts erklärt (das Stück erschien im Januarheft):

Praktikantin. Die Nato ist kein Kriegsbündnis, sondern ein Wertebündnis.
Stoltenberg. Selbstverständlich. Und tief in den Wäldern wohnt der Troll und ärgert die Jäger.
Praktikantin. Ich will, daß die Nato wertebasiert und mit festen Prinzipien –
Stoltenberg. Ja, ja, ja, ich hab Ihre Akte gelesen, ich weiß, was Sie sagen wollen. Aber das ist alles Schnickschnack. Die Nato ist ein imperiales Machtinstrument, und bei uns zählt allein das Imperium. Wenn wir von Werten reden, könnten wir grad so gut vom Wetter reden oder von Wurzelsuppe. Wir erhalten die westliche Hegemonie und versuchen, sie immer weiter auszudehnen. Das ist alles.
Praktikantin.
Ich hätte nicht gedacht, daß Sie so zynisch sind.
Stoltenberg.
Und ich wette, daß Sie spätestens in einer Woche genauso sind.

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Abteilung: Der schreckliche Iwan, Kaputtalismus, Man schreit deutsh, Qualitätsjournalismus, The real pulse of Europe | Kommentare (10) | Autor:

Claus Klebers Nachtgebet*

Mittwoch, 10. April 2019 23:45


Morgen fällt der Russe ein!
Bricht Gesetze und Gebein,
schießt die Katzen mausetot,
frißt dazu ein Russischbrot.
Herr, bewahr uns vor dem Russ‘
und vor Putins Genius!

Morgen fällt der Russe ein!
Führt sich auf als wie ein Schwein,
schielt den Jungfern untern Rock,
tanzt dazu den Kasatschok.
Gott, behüt uns vor dem Russ‘
und vor seinem Bruderkuß!

Morgen fällt der Russe ein!
Hackt Computer kurz und klein,
führt die Hypercyberschlacht,
liket sich selbst voll Niedertracht.
Herr, nimm bitte weg vom Russ‘
Al- und go- und rith- und -mus!

Morgen fällt der Russe ein!
Dann wird alles russisch sein,
schon zum Frühstück gibt es Borschtsch,
unsre Freiheit ist im Orschtsch.
Laß mich, Gott, niemals erlahmen
im Stuß vom Russ‘ – spasibo, amen!

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* Am 4. April 2019 moderierte Claus Kleber das „heute journal“ mit diesen Sätzen an: „Guten Abend. Zu Wasser und zu Luft sind heute nacht amerikanische, deutsche und andere europäische Verbündete unterwegs nach Estland, um die russischen Verbände zurückzuschlagen, die sich dort wie vor einigen Jahren auf der Krim festgesetzt haben. – Keine Sorge. Das ist nicht so. Das ist nur eine Vision. Aber eine realistische.“

Photo (Ausschnitt): „St.Oswald – Hochaltar.
St.Oswald im Gebet vor der Schlacht 2“,
by Wolfgang Sauber [CC BY-SA 3.0],
via Wikimedia commons


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