Archiv für die Abteilung 'Qualitätsjournalismus'

Totale: Krieg (3)

Mittwoch, 2. März 2022 20:34


Dann aber, nach einigen Invasionstagen, wurde der Moloch aufmüpfig und ließ seine Moderatoren erstmals nach dem „Sinn“ der Angriffe fragen. Es ging jedoch nicht um tote Serben, sondern um die Abwesenheit einer fernsehgerechten „Erzählung“ dieses Krieges. Das „Briefing“-Ritual schön und gut, jetzt allerdings wurde es Zeit fürs Melodram: Wo, bitteschön, blieben die toten Helden, wo die trauernden Kriegerwitwen, wo, zum Henker, die Leichenberge, von denen der Verteidigungsminister so enthusiastisch erzählte? Im Golfkrieg mochten die Restlichtaufnahmen vom Bagdader Nachthimmel noch genügt haben, die Kundschaft bei der Stange zu halten; doch nun war es Zeit für einen neuen Hut.

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Totale: Krieg (2)

Dienstag, 1. März 2022 18:55

Wie ein Dutzend Rosenkränze auf Verstörungen des Gemüts, dank Mechanik und Geleier, durchaus besänftigend wirkt, hat die solide Verwechselbarkeit der TV-News mit denen von gestern, vorgestern und auch vom letzten Jahr die „Tagesschau“ längst in eine Art sedatives Ritual verwandelt: Nicht Informationen locken den Zuschauer vor die Röhre, sondern die schöne Gewißheit, daß die Welt sich in der Nachrichtensendung zuallerletzt verändern wird. F.W. Bernstein hat den schonenden Ton, in dem sogar das Armageddon in der „Tagesschau“ vermeldet werden wird, bereits 1987 grandios antizipiert: „(Köpcke) und alle seine halben Erscheinungsformen sollen mit uns sein bis ans Ende der Welt, und er wird’s uns schon sagen, wenn’s soweit ist: GONG! Und er schreit mit großer Stimme, wie ein Löwe brüllet, und da er schreit, reden sieben Donner ihre Stimmen: ‚Bonn. Außenminister Genscher bezeichnete den Weltuntergang als ein Ereignis von besonderer Tragweite …‘“ Sehr viel anders klang’s am 24. März 99 auch nicht.

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Totale: Krieg (1)

Montag, 28. Februar 2022 23:27


Nun hat der schreckliche Iwan
leider doch die Ukraine überfallen, obwohl ich ihm solche Niedertracht nicht zutraute, nicht zutrauen mochte. Meine Fassungslosigkeit über Putins strategische Idiotie, meine übel betrogene Hoffnung auf eine gewisse Ratio wenigstens im Kreml ist ein Krümel, verglichen mit dem Abscheu, den ich vor dem Verbrechen, das sich seit vier Tagen ereignet, empfinde. Denn ein Verbrechen ist jeder Angriffskrieg, egal wer ihn führt, und blanker Mord geschieht überall, wo die Granaten, Bomben, Raketen und Kugeln der Invasoren Opfer finden, seien es Zivilisten oder Soldaten.

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Der schreckliche Iwan (19)

Freitag, 18. Februar 2022 1:34


Daß der Russ’ nicht in die Ukraine einmarschieren und den Dritten Weltkrieg riskieren wird, wußte ich schon, als der wertpapierorientierte Westen im Dezember sein großes Säbelrasseln begann. Ich weiß außerdem, daß die Nato selbst nicht glaubt, was sie aller Welt weismachen will. Also setzte ich mich hin und schrieb für meine KONKRET-Serie „Hofgespräche“ einen Sketch, in dem Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg einer gewissen Außenministerin die Grundlagen des Nordatlantikpakts erklärt (das Stück erschien im Januarheft):

Praktikantin. Die Nato ist kein Kriegsbündnis, sondern ein Wertebündnis.
Stoltenberg. Selbstverständlich. Und tief in den Wäldern wohnt der Troll und ärgert die Jäger.
Praktikantin. Ich will, daß die Nato wertebasiert und mit festen Prinzipien –
Stoltenberg. Ja, ja, ja, ich hab Ihre Akte gelesen, ich weiß, was Sie sagen wollen. Aber das ist alles Schnickschnack. Die Nato ist ein imperiales Machtinstrument, und bei uns zählt allein das Imperium. Wenn wir von Werten reden, könnten wir grad so gut vom Wetter reden oder von Wurzelsuppe. Wir erhalten die westliche Hegemonie und versuchen, sie immer weiter auszudehnen. Das ist alles.
Praktikantin.
Ich hätte nicht gedacht, daß Sie so zynisch sind.
Stoltenberg.
Und ich wette, daß Sie spätestens in einer Woche genauso sind.

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Der Trost der Worte

Samstag, 20. November 2021 23:05


Es wird dem geschätzten Publikum gewiß nicht entgangen sein, daß ich mich seit Monaten nicht mehr bemühe, meiner Weblog-Revue der Grundgesetzleugner neue Exponate zuzuführen. Das hat einen simplen Grund: Ich sammle weiter, hebe mir die Veröffentlichung jedoch für einen anderen Ort auf. Die Verachtung von zumal Artikel eins der Verfassung ist mittlerweile der Konsens, auf den sich Qual.medien, Politik und mitlaufende Mehrheit geeinigt haben. Die Flut aus Menschenhaß, die sich aktuell über die sogenannten „Impfverweigerer“ ergießt, ist das einzige greifbare Resultat einer seit 20 Monaten völlig verfehlten Voodoo-Politik. Der soziale, rechtliche, psychische und physische Schaden, den nicht das Virus, sondern die „Maßnahmen“ und die sie begleitende Propaganda angerichtet haben, ist so immens wie die Ignoranz der Propagandisten und ihrer Gläubigen. Wer beim Studium der Tagespresse nicht selber merkt, wie vergiftet und verhetzt die Gesellschaft mittlerweile ist, der hat den Kopf dort stecken, wo die Sonne nie scheint.

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Alles für die Tonne

Donnerstag, 23. September 2021 23:48


Ob und wen alle diejenigen wählen, die im Prinzip
mit der geltenden Staatsordnung einverstanden sind,
scheint mir sehr wenig belangvoll.
Jedes Parlament, ob seine Mehrheit links oder rechts
vom Präsidenten sitzt, ist seiner Natur nach konservativ.
Denn es muß den bestehenden Staat wollen –
oder abtreten. Es kann nichts beschließen,
was den Bestand der heutigen Gesellschaft gefährdet,
also auch nichts, was denen, die unter der geltenden Ordnung leiden,
nützt. […] Überlege jeder, daß er mit jedem Schritte,
den er zum Wahllokal lenkt, sich öffentlich zur Erhaltung
des kapitalistischen Staatssystems bekennt.
Frage er sich vorher, ob er das tun will.
Erich Mühsam: Der Humbug der Wahlen (1912)

Wahlen im bourgeoisen Staat sind immer noch, wie zu Mühsams Zeiten vor mehr als einem Jahrhundert, ein „Humbug“. An solchen Wahlen teilzunehmen und der eigenen Stimme mehr als ein paar Nanogramm Gewicht beizumessen, ist ähnlich illusorisch wie die Hoffnung auf den Euro-Jackpot. Nein, illusorischer. Daher stehe ich nicht an, kurz vor der Demokratiesimulation am kommenden Sonntag einen Rat zu erteilen, welches unter den Übeln, die da gewählt werden wollen, das kleinste sei. Ich sage nur, wovon ich in jedem Fall abrate.

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Hashtag Baerplag

Mittwoch, 7. Juli 2021 18:50

Ich gebe es gerne zu: Die Plagiatsvorwürfe gegen die Möchtsogern-Schriftstellerin A. C. A. Baerbock bereiten mir diebische Freude und ich bekomme von diesem Mord an einem Ruf, der nie verdient war, nicht genug.

Mit der Autorin, die weder eigenständig denken noch formulieren kann, deren Liebe zu sich selbst so groß wie die zur Sprache klein ist, die politisch zu nichts taugt als zum Inbild der Hohlheit und ideologischen X-Beliebigkeit der Grünen sowie ihrer Wähler –, mit der hochauthentisch bildungs- und witzfreien Baerbock blamiert sich zugleich jeder, der ihre Kanzlerkandidatur vor nicht einmal drei Monaten begrüßte wie ein Feuerzeichen der Zeitenwende.

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Grundgesetzleugner. Eine Revue (4)

Donnerstag, 27. Mai 2021 18:28


Am 23. Mai 1949 wurde das Grundgesetz feierlich verkündet.
Keiner der damals Beteiligten hätte wohl damit gerechnet,
daß die in ihm [sic!] festgeschriebenen Normen und Werte
auch 70 Jahre später noch das Fundament der deutschen Demokratie
sein würden.
Deutschlandfunk, 23.5.2019

Die Mütter und Väter unserer Verfassung haben damals
wirklich Großes vollbracht. Sie schufen ein stabiles Fundament,
das bis heute unser Zusammenleben trägt – in Freiheit,
in Demokratie, im Rechtsstaat. Das gilt uneingeschränkt
auch für die letzten Monate, in denen uns die Pandemie
zu teilweise harten und weitreichenden Einschränkungen
von Freiheiten gezwungen hat. Freiheiten, die ja gerade
durch die Grundrechte unseres Grundgesetzes gegenüber
Eingriffen des Staates geschützt werden. Aber eben
nicht grenzenlos.
A. Merkel zum „Tag des Grundgesetzes“,
22.5.2021
(Hervorhebungen von mir; KS)

Vor einer Ewigkeit, das heißt, im Jahr, bevor der endlose Virenkrieg begann, klopften sich die macht- und meinungsverwaltenden Deutschen gegenseitig kräftig auf die Schultern, weil das Grundgesetz 70 Jahre alt wurde. Wer sich nur ein bißchen auskennt mit der heimischen Geschichte nach 1949, dem waren alle die hohlen Gesten und faulen Feiern von Staats- und Medienseite mindestens suspekt. Allein die Entkernung der Asylgarantie seit 1991 reicht zum Beleg dafür, daß den hiesigen Macht- und Meinungsverwaltern die Verfassung weder heilig noch auch nur respektabel, sondern in erster Linie lästig ist.

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