Archiv für die Abteilung 'Lieder ohne Werte'

Wandel, Stern

Donnerstag, 23. Juli 2020 22:07


Fünfzig und sieben Jahre verweht
Pi mal Daumen knapp dreitausend Wochen
Bin ich durch Welt
raum und Zeit gekrochen
Aus dem Dunkel zum Licht wie ein Komet.

Gestern blind in die Furche gesät
Bin ich heute verblüht und zartbitter
Morgen Frucht für den furchtbaren Schnitter
Und mein Scheinsein vergeht wie ein Komet.

So vieles kommt im Leben zu spät
Zum Beispiel die Weisheit die Reife
Brauchen endloses Umhergeschweife
Auf Sternenstaubwegen wie ein Komet.

Ach – das Hellste was heut am Nachthimmel steht
Das ist Neowise, mein Geburtstagskomet!

Photo (Ausschnitt): „Comet C2020 F3 NEOWISE
over Mâcon, France“,
by Rektoz [CC BY-SA],
via Wikimedia commons

Abteilung: Lieder ohne Werte, Selbstbespiegelung | Kommentare (6) | Autor:

Jeder Reim auf -eim (Etude)

Montag, 22. Juni 2020 22:22


Willy Steputat zugeeignet

Neulich saß ich heiter mit Martina beim
Feierabendwein im Garten. Süß wie Seim
Sangen sich zwei Amseln in den Schlaf. Der Schleim
Nackter Schnecken schmierte
übers Beet wie Leim.

Kräuterduft kroch durch die Purpurluft. Kein Keim
War des Lebens müde. Und im faulen Feim
Schlamasselten die Würmer. Insgeheim
Macht sich, dacht ich,
Natur stets einen Reim.

Mondversilbert schlichen wir
Und wollten bleim.

Abteilung: Lieder ohne Werte, Parzelle 63 | Kommentare (2) | Autor:

Aus dem Grunde

Freitag, 5. Juni 2020 21:30


was soll ich denn sagen
wer hört meine fragen
wem schadet mein klagen
in diesen tagen

wer glaub ich zu sein
was bild ich mir ein
wenn ich schreibend vermein
ich sei wichtig nicht klein

was nun was kommt dann
was kommt hoch was kommt an
was ich will was ich kann
scheint im tun schon vertan

es ist ein versagen
ein garnichtsmehrwagen
ein schlag in den magen
in diesen tagen



Photos:
Aufmacher: Eberhard Kehrer
Abspann: Martina Sokolowsky

Abteilung: Ironie off, Lieder ohne Werte, SARS-CoV-2, Selbstbespiegelung | Kommentare (3) | Autor:

Zeitgemäßer Abzählreim

Mittwoch, 22. April 2020 21:53


Zehn kleine Bürgerlein, die warn nicht gern allein.
Der eine ging ins Stadion
– da waren‘s nur noch neun.

Neun kleine Bürgerlein, die haben gern gelacht.
Der eine ging zum Karneval
– da waren‘s nur noch acht.

Acht kleine Bürgerlein, die folgten ihren Trieben.
Der eine trieb‘s beim Après-Ski
– da waren‘s nur noch sieben.

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Abteilung: Lieder ohne Werte, SARS-CoV-2 | Kommentare (6) | Autor:

Wir warten auf Covid-19

Samstag, 14. März 2020 23:29

Ein Tag ohne Brot ist lang.
Russisches Sprichwort


Vorteig (12 Stunden Gärung)

3 EL Sauerteig
100 g Dinkelfeinmehl
100 g Roggenfeinmehl
250 ml Wasser

Weiterbacken

Abteilung: Die Spezies hat‘s verkackt, Lieder ohne Werte, SARS-CoV-2 | Kommentare (4) | Autor:

Schnipsel: Silvester 2019

Dienstag, 31. Dezember 2019 17:31


Gestern begriff ich, daß morgen ein neues Jahr beginnt.

Deshalb habe ich heute eine abgegrabbelte Kladde nach Texten durchgeflöht, die irgendwie zum Finis/Initium anni passen. Und, hallo!, ich fand einige Stückchen, die den Druck nicht verdient haben, aber hier, in dieser Art Notizbuch, eine passable Figur machen.

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Abteilung: Aphone Aphorismen, Aufgelesen, Bored beyond belief, Kaputtalismus, Lieder ohne Werte, Schnipsel, Selbstbespiegelung, Unerhört nichtig | Kommentare (7) | Autor:

Im Walde zu pfeifen

Dienstag, 21. Mai 2019 0:07


Wie läßt sich steuern, ohne zu lenken?
Wie wird zur Gabe, was wir uns schenken?
Wie soll das gehn, dies angstfreie Denken?

Das alles ist nur eine Frage der Zeit,
und die Antwort braucht keine Ewigkeit.

Wo schimmert Glanz, wenn alles verwittert?
Wo schmeckt es süß, wenn jeder verbittert?
Wo steckt die Tür, wenn die Welt sich vergittert?

Die Lösung dafür liegt im Laufe der Zeit
und gewiß vor dem Ende der Ewigkeit.

Wann wird das Mensch sich menschlich verhalten?
Wann hört es auf, sich in Klassen zu spalten?
Wann fängt es an, sich gerecht zu verwalten?

Das sind die Fragen unserer Zeit,
und die stellen sich seit einer Ewigkeit.

Was so ist, wie‘s halt ist, wird endlich vergehn.
Was immer uns blendet, wird nimmer gesehn.
Was wir seufzend erträumen, wird schöner geschehen.

Und schon sperrt weit auf, was lange verschlossen,
und aller Verdruß ist verflixt und verflossen,
und Mensch und Natur werden gerne Genossen.

Das alles passiert in der kommenden Zeit
und es hält dann mit Glück eine Ewigkeit!

Abteilung: Kaputtalismus, Lieder ohne Werte | Kommentare (4) | Autor:

Claus Klebers Nachtgebet*

Mittwoch, 10. April 2019 23:45


Morgen fällt der Russe ein!
Bricht Gesetze und Gebein,
schießt die Katzen mausetot,
frißt dazu ein Russischbrot.
Herr, bewahr uns vor dem Russ‘
und vor Putins Genius!

Morgen fällt der Russe ein!
Führt sich auf als wie ein Schwein,
schielt den Jungfern untern Rock,
tanzt dazu den Kasatschok.
Gott, behüt uns vor dem Russ‘
und vor seinem Bruderkuß!

Morgen fällt der Russe ein!
Hackt Computer kurz und klein,
führt die Hypercyberschlacht,
liket sich selbst voll Niedertracht.
Herr, nimm bitte weg vom Russ‘
Al- und go- und rith- und -mus!

Morgen fällt der Russe ein!
Dann wird alles russisch sein,
schon zum Frühstück gibt es Borschtsch,
unsre Freiheit ist im Orschtsch.
Laß mich, Gott, niemals erlahmen
im Stuß vom Russ‘ – spasibo, amen!

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* Am 4. April 2019 moderierte Claus Kleber das „heute journal“ mit diesen Sätzen an: „Guten Abend. Zu Wasser und zu Luft sind heute nacht amerikanische, deutsche und andere europäische Verbündete unterwegs nach Estland, um die russischen Verbände zurückzuschlagen, die sich dort wie vor einigen Jahren auf der Krim festgesetzt haben. – Keine Sorge. Das ist nicht so. Das ist nur eine Vision. Aber eine realistische.“

Photo (Ausschnitt): „St.Oswald – Hochaltar.
St.Oswald im Gebet vor der Schlacht 2“,
by Wolfgang Sauber [CC BY-SA 3.0],
via Wikimedia commons


Abteilung: Der schreckliche Iwan, Lieder ohne Werte, Qualitätsjournalismus | Kommentare (11) | Autor: