Round midnight: Feelin‘ the Bern


Wäre ich nicht so müde, würde ich dies unterlassen, aber aus lauter Mattigkeit kopiere ich mich jetzt selbst, mit einem Screenshot aus Facebook, weil ich nach dem Triumph von Wisconsin nicht länger verhehlen kann, daß der „Abfall“ die Hamburger Außenstelle des Wahlkampfbüros von Bernie Sanders ist. This is the momentum!

Sanders-Hymne_Facebook


Donnerstag, 7. April 2016 1:00
Abteilung: Kaputtalismus, Round midnight, Zeuge der Geschichte

7 Kommentare

  1. 1

    Ja, das ist sehr schön. Noch besser gefällt mir, wie Sarah Silverman erklärt, warum sie Bernie unterstützt:

    https://www.youtube.com/watch?v=1dh78x0Pr1s

    Meine Lieblingsstelle ist bei 2:18:

    Good Lord, don’t worry: Under president Sanders you can still become a super-rich asshole. It’s just that your fellow hard-working citizens don’t have to feed their children cat food in order for you to do it.

    Ich habe zwar das dumme Gefühl, daß in diesem Zitat das ganze Problem der Sozialdemokratie kondensiert ist – werden die kapitalistischen Bedingungen zur Produktion superreicher Arschlöcher letztendlich nicht immer dazu führen, daß irgendwer seinen Kindern Katzenfutter geben muß? -, aber es ist trotzdem großartig formuliert. Und da der Sozialismus nicht gerade vor der Tür steht, wäre es doch schön, wenn ein paar weniger Menschen im Elend leben müßten. Feeling the Bern indeed.

    Den Silverman-Monolog habe ich vor ein paar Tagen angesehen, und er war mit schuld daran, daß ich auf Facebook und hier den Bern fühlen lasse. Danke, daß Sie den Link liefern, lieber Thomas Küster – und eine Empfehlung mit drei Sternen vom Maître d’hotel!
    Übrigens wird sich garantiert nichts ändern, wenn wir davon ausgehen, daß sich sowieso nie was ändert. Rückblickend war es doch gar nicht so übel, was F. D. Roosevelt im New Deal hingekriegt hat. Und, um Sie zu ergänzen, jedem Obdachlosen, den ein Präsident Sanders von der Straße holen würde, wäre es völlig wumpe, ob eine Revolution oder bloß eine Reform der Verhältnisse stattfindet.
    Er muß nämlich keine Angst mehr haben, im Winter zu erfrieren oder an einem Durchfall zu sterben. KS

  2. 2

    US-Präsidenten werden gern als mächtigste Männer der Welt verspottet. Sanders wäre auch nichts anderes als ein Vollstrecker der imperialen Herrschaftsvorhaben. Die Sehnsucht nach einem Erlöser ist so alt wie verständlich, aber „uns aus dem Elend zu erlösen, können wir nur selber tun“.
    Trotzdem ist der Film gutes Kino und Sanders wäre immerhin das sehr viel kleinere Übel als Killary.

    Im großen Ganzen widerspreche ich Ihnen nicht. Daß das kleinere Übel dennoch, gelegentlich, ein kleineres Wohl sein könnte (Bsp. FDR), habe ich in meiner Anmerkung zu Thomas Küsters Kommentar (unten oben) bereits ausgeführt. Muß mich ja nicht ständig wiederholen. KS

  3. 3

    Amerika, du hast es besser. Oder könntest es ein bißchen besser haben, so der freundliche Bernie seine weniger netten Konkurrenten denn wirklich überrunden sollte. Den lieb‘ ich, der Unmögliches begehrt bzw. vielleicht ist der Kampf um den Fensterplatz in der AIR FORCE ONE ja wirklich kein vergeblicher Streit.
    PS. Und was ist mit Deutschland?

    Unterschätzt mir Katja Kipping nicht!
    *schmacht* KS

  4. 4

    Unternähme eine deutsche Sozialdemokratin/ein deutscher Sozialdemokrat, unter Verweis auf das Unrecht und das Elend in der Welt, den Versuch, zu Tränen zu rühren, würde dieser die Fremdschämspeicher der meisten Menschen wahrscheinlich überhitzen. Sowas können wirklich nur die aus Amerika. Dieser Beitrag von Jim John Oliver sei jenen Zwangscharakteren ans „Herz“ gelegt, die die USA aus den jeweils falschen Gründen entweder verehren oder hassen (Broder, Elsässer …). Trotz der vergeblichen Liebesmüh würde mich deren Reaktion interessieren:

    https://www.youtube.com/watch?v=umqvYhb3wf4

    Mich auch. KS

  5. 5

    Wer allen Ernstes meint, ein leblose Maschinerie wie einen Staat resp. das „Machtinstrument der herrschenden Klasse“ zu lieben oder zu hassen, sei es den eignen oder einen anderen, der ist in jedem Fall ein Fall für den Seelenklempner; „Zwangscharakter“ wäre wohl tatsächlich eine passende Diagnose. Mir ist da jemand geheurer, der meinethalben weiter nichts als seine Katze liebt und bzw. oder Nachbars Dackel auf den Tod nicht ausstehen kann. Es war übrigens ein deutscher Sozialdemokrat, der einst auf die Frage, ob er Deutschland denn etwa nicht liebe, antwortete: „Ich liebe keine Staaten. Ich liebe meine Frau.“ Die Reden des Gustav Heinemann hatten überhaupt nur ein geringes Fremdschampotential. Was man von den Redereien der meisten ihm nachgefolgten SPD-Spitzengenossen nicht behaupten kann; jedenfalls nicht, ohne schamrot zu werden.
    Zum Thema Vaterlandsanbetung und artverwandte kleinere Götzenkulte gibt’s übrigens nach wie vor kaum was Besseres als Tucholskys „Worauf man in Europa stolz ist“ aus der 1932er Weltbühne. Man liest das und merkt: Es hat sich wenig geändert. Zum Beispiel die zeitlose Stolzesursache „als deutscher Sozialdemokrat Schlimmeres verhütet zu haben“. Also wenn Goslars größter – oder vielleicht auch bloß umfangreichster – Sohn auf solche Verhütung nicht stolz ist, dann fress‘ ich eine der deutschen Premium-Granaten, um deren reibungslosen Versand zwecks Bewaffnung und Aufmunitionierung nicht ganz so schlimmer Diktaturen der Herr Reichs-, wollte sagen: Bundesminister sich seit Jahren so hingebungsvoll kümmert.
    Apropos „Schlimmeres“: Ich bin heilfroh, daß der Herr des „Abfalls“ die Katja Kipping ange*schmacht*et hat und nicht deren Parteibuch-Genossin Wagenknecht. Letztere hat ihr Vaterland ja inzwischen so liebgewonnen, daß sie sich jüngst öffentlich um dessen „Kapazitätsgrenzen“ bezüglich der Aufnahme von „Flüchtlingsströmen“ sorgte. Womit sie quer über alle besorgten Fronten den Sorgenträgern der Petry-Heil-Bewegung das Wasser reichte. Oder besser: so ziemlich genau dieselbe braune Giftbrühe, die hierzulande sämtliche Nazi-Mühlen klappern läßt. Es ist schon erstaunlich, wie es dieser Frau gelang, sich von der kommunistischen Plattform-Konstrukteurin zur national gesinnten Abschiebebahnhofsvorsteherin zu wandeln. Oder vielleicht ist es auch nicht so erstaunlich, denn prominente Vorbilder für solche Mutationen gibt’s ja genug: zum Beispiel besagten umfänglichen Goslarer, der als SDJ-Falke mit marxistischem Flügel-Design startete und als „dicker Mops des Arbeiterverrats“ im Ministersessel landete. Oder das einstige Salon-Rotkhmerle Winfried K., das es zum schwärzlich-grünen Bundeslandesvater brachte. Die Genossin Wagenknecht hat sicherlich eine ähnlich leuchtende Zukunft vor sich, wenn sie so weitermacht. Und das wird sie ja wohl. Es sei denn, die Katja Kipping und ihre Freunde verstellen ihr den Weg. Aber das werden sie ja wohl nicht. Oder?

    Momentan hat Wagenknecht mit ihren degoutanten Querfront-Experimenten zumindest in den Vorstandsetagen der Partei wenig Erfolg und viel Gegenwind.
    http://www.berliner-zeitung.de/politik/parteikonflikt-bodo-ramelow-kritisiert-wagenknecht-und-eigene-partei-23861998
    Der Ramelow wird mir, ich geb’s gern zu, immer sympathischer. Sollte sich mal mit Mr. Sanders verabreden! KS

  6. 6

    Sanders kernel:
    https://www.facebook.com/brandon.weber.upw/videos/1096356187093550/

    Sehr beeindruckend – danke für den Hinweis!
    (Um das Video ansehen zu können, müssen Sie, liebe Leser, sich übrigens nicht bei Facebook anmelden. Anklicken genügt. Und etwas Geduld mitbringen, der Clip lädt EWIG. Na ja …: Der Traffic ist auch enorm; die Zugriffszahl liegt mittlerweile – 12.4.16, 0.10 Uhr – bei ca. 14,5 Millionen. Heute nachmittag waren’s noch 300.000 weniger. Wow! Verdient!)
    KS

  7. 7

    Ich stell mir grad die Spitzenmeldung einer zukünftigen Tagesschau vor: „Bundeskanzler Ramelow trifft US-Präsident Sanders zu Gesprächen über ein weltweites Verbot der Kriegswaffenproduktion sowie über die globale Aufhebung aller Reisebeschränkungen“. Zweite Meldung: „Urteilsverkündung im Prozeß gegen die Petry-Höcke-Bande in Stuttgart-Stammheim“. Die letzte: „Ex-Bundesminister Gabriel nach radikaler Schlankheitskur das neue Gesicht von Weight Watchers“.
    Nicht sehr wahrscheinlich, das Ganze? Na ja, ein bißchen träumen wird man ja wohl noch dürfen.

    Nicht „dürfen“ – müssen! (Und danke für die schönen Aussichten!) KS

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