Archiv für die Abteilung 'Die beste aller Welten'

Aphone Aphorismen (8): NS Agents

Dienstag, 6. Dezember 2016 21:23


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Neulich der Gefährtin gedankenfrei auf die Voice-box gesprochen: „Ruf mich bitte zurück, wenn du dies abgehört hast.“

Sie antwortete vorher. Verdächtig.

Photo unter Verwendung von.: „phone signal“
by Mwtoews (Own work) [CC BY-SA 3.0],

via Wikimedia Commons

Abteilung: Aphone Aphorismen, Die beste aller Welten, Schwammintelligenz | Kommentare (0) | Autor:

Fashion victims

Freitag, 18. November 2016 2:27

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Eine Frau aus New York verklagt den Klamottenvertrieb Zara, weil sie angeblich in einem Kleid der Marke einen in den Saum genähten Rattenkadaver gefunden hat. Ein Firmensprecher äußerte zu dem Vorfall das Übliche: Zara habe „strenge Qualitätskontrollen sowie Gesundheits- und Sicherheitsstandards“. Das mag glauben, wer mag. Greenpeace glaubt dran. In Kleidungsstücken von Zara stellten die Grünfriedler noch 2012 „fortpflanzungsschädigende und krebserregende Chemikalien“, u. a. Nonylphenolethoxylate, fest. Nach Publikation der peinlichen Testergebnisse gelobte das Unternehmen, bis spätestens 2020 auf die Verwendung der Gifte verzichten zu wollen, und hat mittlerweile, wiederum laut Greenpeace,

eine Liste seiner Naßproduktionsstätten veröffentlicht und untersucht, welche gefährlichen Chemikalien in seiner Lieferkette vorkommen. Auch werden Entwicklungen in verschiedenen Produktionsregionen analysiert. Zudem forscht Inditex nach den Quellen gefährlicher Chemikalien, wenn diese in Abwässern auftauchen.

Inditex heißt der Konzern, zu dem Zara gehört. Greenpeace hat es nicht für nötig befunden, die Angaben des Multis zu überprüfen. Es wird bloß ein bißchen gerüffelt:

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Die Beste aller Welten (13): A Day in the Life

Freitag, 20. November 2015 1:18

Es gibt Tage, da reicht mir das gallige Wort von den „Charaktermasken“ nicht mehr aus, um die Verwalter der verwalteten Welt zu beleidigen. Dann möchte ich unflätig werden und die ganze Bande bis hinauf zum lieben Gott anbrüllen wie Gunnery Sergeant Hartman seine Rekruten in „Full Metal Jacket“.

Gestern war einer dieser Tage. Zuerst lese ich dies, in der Online-Ausgabe der FAZ über ein verrentetes Mitglied des VW-Vorstands:

Für Personalvorstand Horst Neumann sind Altersbezüge im Wert von 23,7 Millionen Euro vorgesehen. Der Gewerkschaftler (!) will einen Teil davon stiften. (…)
Die Stiftung soll Doktoranden, Forschungsprojekte und wissenschaftliche Publikationen zum Thema Arbeit in Geschichte, Gegenwart und Zukunft fördern und damit einen konkreten Beitrag zur Verbesserung von Arbeit sowie des Arbeitsmarktes leisten. (…)
Neumann wird die Stiftung aus eigenen Mitteln mit einem Kapitalstock von 2 Millionen Euro und mit jährlichen Zustiftungen ausstatten – geplant sind insgesamt rund 10 Millionen Euro Stiftungskapital bis 2022. Neumanns Altersversorgung hat dem Geschäftsbericht zufolge einen Barwert von 23,7 Millionen Euro.

Man kann nur hoffen, daß der Horst mit dem Rest über die Runden kommt! Versteuern muß er jedenfalls kaum was, und der Arbeitsmarkt für Arbeitsmarktforscher wird sich zweifellos verbessern.

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Frau Doktor bevorzugt Private

Samstag, 24. Oktober 2015 9:00

Nun verstehe ich, warum die Krankenkassenbeiträge im kommenden Jahr erhöht werden:

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Ey, Scholz! He, Fegebank!

Dienstag, 13. Oktober 2015 18:03

Bitte das hier in eurem Bewerbungs-Portfolio für die Olympischen Sommerspiele 2024 nicht vergessen (Stichwort „Lodging“):

Die Kälte wird in den ungeheizten Hamburger Flüchtlingszelten immer mehr zum Problem. Viele Flüchtlinge frieren – zum Beispiel in Bahrenfeld oder im Jenfelder Moorpark. Etwa 100 von ihnen protestierten am Dienstag vor dem Rathaus gegen ihre Unterbringung in unbeheizten Zelten. „Uns ist kalt“, hieß es auf einem der Transparente. (…)
Auch Mediziner, die in den Zeltunterkünften arbeiten, sind besorgt über die Lebensbedingungen in den ungeheizten Zelten. Sie berichten, daß vor allem Familien verzweifelt seien. Viele hätten kleine Kinder, oftmals mehrere. Mütter würden Dringlichkeitsscheine von den Ärzten erbitten, damit sie aus den unbeheizten Unterkünften in Container verlegt werden. Die Menschen würden vor allem an hartnäckigen Erkältungs- und Atemwegserkrankungen leiden. Sogar für eine heiße Tasse Tee müßten sie oft stundenlang anstehen. Die Situation sei physisch und psychisch unterträglich.
(NDR.de, 13. Oktober 2015)

Das gibt‘s hoffentlich nur einmal.

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Die beste aller Welten (12): Bad jokes

Mittwoch, 1. April 2015 14:39

Der hier hat den Hals nie voll gekriegt:

Der ehemalige Spitzenmanager Thomas Middelhoff hat nach Angaben des Amtsgerichts Bielefeld einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens über sein eigenes Vermögen gestellt. […]
Dem Ex-Manager sitzen Gläubiger im Nacken. Mehr als 90iMillionen Euro soll Middelhoff ihnen nach einem Bericht des Westfalen-Blatts schulden. […] Middelhoff selbst fordert wiederum vom Bankhaus Sal. Oppenheim in einer Zivilklage […] insgesamt rund 100 Millionen Euro. […]
Vor zwei Wochen war er mit dem Versuch gescheitert, gegen die Zahlung einer Kaution von rund 900.000 Euro auf freien Fuß zu kommen.
(Zeit online, 31.3.2015)

Die hier hingegen haben den Hals zu voll gekriegt:

Ein Ehepaar, das in der vergangenen Woche tot in seiner Wohnung in Oberpframmern gefunden wurde, ist sehr wahrscheinlich Opfer seiner Armut geworden. […] Die Eheleute sind an den Folgen einer Vergiftung durch die Abgase eines Notstromaggregats gestorben, das sie in ihrer Not in der Wohnung aufgestellt hatten. Beide waren auf Hartz IV-Leistungen angewiesen. […]
[Der] Betrag für Strom im Hartz IV-Regelsatz [sei] viel zu niedrig, betont Günther Reiser von der Schuldnerberatung der Diakonie im Gespräch mit dem Blatt. Er beobachtet, daß zunehmend mehr Menschen ihre Stromrechnungen nicht bezahlen können.
(gegen-hartz.de, 24.3.2015)

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Abteilung: Die beste aller Welten, Kaputtalismus | Kommentare (0) | Autor:

Kennzeichen D O : Skepsis

Donnerstag, 19. März 2015 23:59

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Ein Ziel des alten demokratischen Sozialismus und Liberalismus ist in Dortmund heute erreicht: die Säkularisierung oder, besser, Dechristianisierung des Orts. Wenn die eindrucksvollste Kirche der Stadt, St. Marien, mitsamt ihren berühmten spätmittelalterlichen Altartafeln des Conrad von Soest an einem Montag geschlossen bleibt – dann hat die Inhaberin der Filiale resigniert vor dem Verschwinden christlicher Transzendenz aus dem Weichbild der Stadt.

Die unmittelbare Nachbarin des Baus, die Kirche St. Reinoldi, ist zu großen Teilen eine neuestzeitliche Replik. Noch vor der Reformationszeit hatte der Bau des Originals begonnen, und er ward erst im Barock vollendet. Es genügte eine Nacht, um dieses Denkmal christlichen Bürgersinns zu pulverisieren. Nach seiner Zertrümmerung durch englische und amerikanische Bomben am 6.iOktober 1944 lag es da wie ein Symbol für den niedergeworfenen deutschen Imperialismus und Mordwahn. Er war ein passendes Symbol, dieser Tempel, und gerecht getroffen.

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Die beste aller Welten (11): Marktwerte …

Dienstag, 10. März 2015 23:59

… angepaßt an den Status Quo.

1) Wer arbeitet, soll auch nicht essen. Beispiel:

Eine Woche Urlaub im Jahr, das können sich nach Angaben des Statistischen Bundesamts mehr als eine Million Erwerbstätige nicht leisten. (…)
Birgit N. zum Beispiel steht 30 Stunden die Woche an der Rezeption eines Berliner Hotels, die Frühschicht beginnt um sieben Uhr. Dabei muss sie immer top aussehen. Niemand darf bemerken, dass die Empfangsdame nur ein Paar Schuhe hat. (…)
Ihre Mutter hat sie seit mehr als vier Jahren nicht gesehen, die wohnt 600 Kilometer entfernt. Eine Fahrt – zu teuer. Doch Arbeit verweigern, weil es sich nicht mehr lohnt? „Nein, auf keinen Fall“, sagt N. Dann sei die Chance auf eine Vollzeitstelle erst recht vertan.
(Süddeutsche, 9.3.2015)

2) Bildung führt in die Armut. Beispiel:

Architekten, die für 1500 Euro brutto Vollzeit arbeiten. Grafikdesigner, die als Selbständige einen monatlichen Gewinn von 200 Euro ausweisen und deswegen aufstocken müssen. Absolventen, die in Werbeagenturen oder großen Verlagen ganze Kampagnen leiten – für ein Praktikumsgehalt von 500iEuro im Monat. (…)
„Einige meiner Kunden nehmen die Arbeitgeber auch noch in Schutz“, sagt [ein Vermittler eines Berliner Jobcenters]. „Es sei im Moment eben eine schwierige Situation, und das Renommee eines großen Namens sei doch auch viel wert, heißt es dann.“
(Süddeutsche, 9.3.2015)

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