Der Prophet im Medienbordell

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Bröckers-Hirn, Detailausschnitt (Symbolphoto)

Der Journalist Mathias Bröckers hat zwei Berufungen. Die eine, schon etwas ältere, gilt der Legalisierung von Hanf und dessen Nebenprodukten. Die andere hat ihn vor knapp fünf Jahren ereilt, nach den Anschlägen des 11.September: Seitdem ist Bröckers der erfolgreichste Verschwörungsphantast Deutschlands. Unermüdlich, leidenschaftlich, selbstgewiß wie nur je ein Prophet behauptet er, Al-Qaida sei eine Erfindung der amerikanischen Geheimdienste, Osama bin Laden ein Strohmann der CIA, die US-Regierung eine moderne Version der Nazidiktatur, außerdem seien die Mordpiloten bestimmt nicht die wahren Attentäter, und alle Medien, die etwas anderes erzählen, gehörten zu einem gewaltigen Manipulationskartell. Nach zwei Büchern zum Thema, die bei Zweitausendeins erschienen und einige hunderttausend Male verkauft worden sind, hat sich Bröckers im September 2004 von seinem dankbaren Verlag einen ordentlichen Batzen Serverkapazität spendieren lassen, um „die Lunte der Aufklärung“, wie er das nennt, fortan in einem „Writer’s Blog“ kokeln zu lassen.

Und zwar von Beginn an mit Einträgen wie diesem: „Während die mit ‚Blutgeld‘ aus der Nazizeit erworbene Kunstsammlung eines Enkels in Deutschland kritisch hinterfragt wird, bleibt ein anderer Profiteur und Enkel von Fragen unbehelligt, obwohl auch sein Familienvermögen aus Geschäften mit den Nazis resultiert. Die Rede ist von George W. Bush und seinem Großvater Prescott, der als Direktor der Union Bank Corporation unter anderem das Vermögen des Stahlbarons Thyssen verwaltete“ (25.9.04). Oder diesem: „(Amerika,) Du hattest die Wahl & hast die Bushbande wiedergewählt, wie damals die Deutschen ihren Adolf. Dafür gibt es keine Entschuldigung“ (3.11.04). Und diesem: „Es wundert einen ja gar nichts mehr. Gegen die ‚Aufständischen‘ im Ghetto von Warschau … äh Fallujah … sollen auch illegale Waffen eingesetzt worden sein“ (28.11.04).

Doch so gern Bröckers relativiert, so strikt untersagt er das gleiche Tun allen, die als neue Nazis nicht die „Bush-Junta“, sondern lieber die islamistischen Terroristen ausmachen, wie z. B. André Glucksmann. „Gleichungen wie Atombombe + Auschwitz = Al Quaida“ seien „Haßpredigten“, bemerkt Bröckers ziemlich korrekt am 29. Juni 2005, ohne auch nur eine Sekunde lang zu merken, wie sehr seine eigene Rhetorik und Gestik der Glucksmannschen gleichen – im selben Absatz blökt Bröckers über die „KZ-Insassen von Guantánamo“.

Noch auffälliger werden die Ideologiebefangenheit und partielle Wahnhaftigkeit Bröckers‘, wenn er sich über den „Mainstream“-Journalismus erregt. Alle Kollegen, die seine dubiosen Überzeugungen nicht teilen, erklärt er sogleich zu Idioten und Bush-Sympathisanten, und weil das Wort Lügenkartell ihm als Injurie nicht genügt, redet er lieber vom „Medienbordell“. Und auch im Puff findet er: nichts als „Pre$$titutierte“ und Nazis. Der in der Tat widerwärtige Sender Fox News stehe „ganz in der Tradition der Propaganda Goebbels‘scher Prägung“, quakt Bröckers am 25. Juni 2005; die meisten Angestellten des Betriebs seien „genauso schamlos … wie der präsidierende Großlügner und Kriegsverbrecher“ (22.3.06); er empört sich über das „Imperium“ der Meinungsmacher (7.3.06) und Bushs „Medienkompanien“ (12.6.06): Sie alle seien „Komplizen“ (7.5.06), „allein der Macht und dem shareholder value (verpflichtet)“ (21.10.05).

Wahnhaft und ideologisch ist diese nicht mal völlig falsche Beschimpfung des Medienbetriebs, weil Bröckers gleichzeitig zahlreiche Indizien für seine Verschwörungsphantasien eben diesem „Imperium“ verdankt – der New York Times z. B., dem Guardian, dem New Yorker und manchmal sogar dem Spiegel und dessen Online-Ausgabe, die er beide haßt, weil er dort regelmäßig von Henryk M. Broder abgewatscht wird. Der Wahn und die Ideologie äußern sich darin, bloß nicht zuzugeben, ja nicht mal zu kapieren, daß ein echtes „Medienbordell“ doch nur eines sein kann, in dem alle herumhuren und nicht einige Zuhälter fromme Lieder singen. Der Prophet hat die Wahrheit gepachtet, und darum zuckt er abfällig die Schultern, wenn ihm doch einmal ein „Mainstream“-Journalist recht gibt. So spreizt sich Bröckers angesichts einer BBC-Reportage, in der, ganz wie bei ihm, die Al-Qaida-Organisation als „Schauermärchen“ und „Mythos“ beargwöhnt wird: „Zu diesem Schluß sind andere Journalisten (unter anderem in den nebenstehend beworbenen Büchern) schon vor drei Jahren gekommen. Warum also erst jetzt – nachdem auf der Jagd nach diesem Mythos zwei Kriege geführt, zwei Länder besetzt und Zehntausende massakriert wurden?“ (16.10.04) Eventuell weil man bei der BBC nicht gleich alles ungeprüft nachplappert, was auf windigen Websites verbreitet wird?

Dies aber ist Bröckers‘ Methode seit dem 12. September 2001: Alles, was in seinen konspirativen Kramladen paßt, wird präsentiert, ohne den Quellen zu mißtrauen, alles andere als Fälscherwerk denunziert. Seine quasireligiöse Mission hat mit der „Aufklärung“, die er fortwährend beschwört, nichts zu tun; seine Texte sind, als Antipropaganda getarnt, durchweg selbst Propaganda.

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Nun ist Bröckers kein Dummkopf, er kann gelegentlich sogar witzig sein (womit seine unselige Neigung zu Kalauern wie „USAma bin Laden“ oder „Al-CIAda“ ausdrücklich nicht gemeint ist), und wer seine aufrichtige Wut auf George W. Bush und Angela Merkel, auf Bild, auf Mariam Lau und das übrige opportunistische Geschwörl teilt, der könnte Bröckers‘ Pamphletjournalismus fast sympathisch finden. Gemeinsame Feinde reichen für eine Freundschaft jedoch nicht aus, denn am Ende zählt weniger, wen man beiderseits nicht leiden kann, sondern mehr, woher die Abneigung kommt und wohin führt, was daher stammt. Bei Bröckers, wie noch bei jedem Konspirationsfanatiker, sind sämtliche Antipathien bestimmt davon, ob jemand Sympathie zeigt für das Objekt seiner, Bröckers‘, Paranoia. Er hegt einen Generalverdacht gegen die USA, und darum verflucht er alle, die an George W. Bushs übler Strategie doch ein bißchen Gutes finden. Wer sich also, trotz der Blutbäder, die eine unsäglich dilettantische Besatzungspolitik heraufbeschworen hat, weiterhin erleichtert zeigt, daß ein Sadist und Blutsäufer wie Saddam Hussein entmachtet und eingesperrt wurde, dem wird dies hier reingerieben: „Unter Saddam herrschte zwar eine Diktatur, aber man konnte in Baghdad einkaufen gehen und vor allem dem liebsten Sportereignis der Iraker frönen: dem Fußball’ (1.6.06). Ja, herrliche Zeiten müssen das gewesen sein, als Bagdad noch mit „h“ geschrieben wurde!

Bröckers fingiert, wie alle Verschwörungsbesessenen, einen krakenhaften, die Bewußtseine, die Nationen, schließlich den Globus überwuchernden, für Profit und Eigennutz jegliche Moral vergessenden Bösewicht, der hinter den Mordattacken des 11. September steckt; er wittert einen Masterplan zur Unterwerfung der Welt, für den „Osama und seine 19 Räuber“ die Sündenböcke zu spielen hatten; und jegliche Ungereimtheit in den offiziellen Akten führt er nicht etwa auf die Inkompetenz der Ermittler zurück, sondern im Gegenteil auf die Potenz der Verschwörer. Dagegen ist schwer zu argumentieren, weil die Bush-Administration tatsächlich alles mögliche unternimmt, um ihr gewaltiges Versagen im Vorfeld der Anschläge zu verschleiern.

Die wüste Phantasie jedoch, der „Krieg gegen den Terror“ sei das Resultat einer supergeheimen, supergemeinen Thinktank-Strategie, ist identisch mit allen Global-Verschwörungstheorien, die seit Abbé Barruel, dem Ahnherrn neuzeitlicher Konspirationsmythologie, ausgebrütet worden sind. Jesuitenpater Barruel bemühte sich gegen Ende des 18. Jahrhunderts, die Philosophen der Aufklärung und die Wortführer der französischen Revolution unmöglich zu machen, indem er sie als Knechte der Illuminaten demunzierte, eines Geheimklubs, der laut Barruel nichts weiter gewesen sei als das Instrument einer noch fürchterlicheren, noch mächtigeren Organisation, nämlich des internationalen Judentums. Und wie alle Globalverschwörungsphantasten seit Barruel eilt auch Bröckers schnurstracks dem altbösen Feind entgegen, und der lauert in Tel Aviv.

Die israelische Regierung, raunt Bröckers am 27. Januar 2006, habe seit vielen Jahren die Hamas gefördert, um die PLO auszustechen und so „den permanenten Ausnahmezustand und den perpetuierten Krieg“ zu fabrizieren. Am 30. März legt er nach: Der „islamistische Terror“ (den Bröckers sonst für eine Erfindung der westlichen Geheimdienste hält) habe eines seiner „zentralen Motive“ in der „illegale(n) israelische(n) Besatzungspolitik“, und sowieso stehe die Außenpolitik der USA unter „(massiver) Einflußnahme pro-israelischer Lobbyisten“. Am 25. Mai dann zeigt die Lunte der Aufklärung mit ganz spitzem Finger auf ein Urteil des israelischen Verfassungsgerichts. Das hatte einen Artikel des geltenden Kriegsrechts bestätigt: Danach müssen Israelis, die mit deportierten palästinensischen Frauen oder Männern verheiratet sind, damit rechnen, daß ihnen die Heimkehr verwehrt wird, wenn sie ihre Angetrauten in Palästina besuchen. Kein rühmliches Gesetz, wahrhaftig. Aber ein Staat, in dem regelmäßig Schulbusse von Selbstmordattentätern in die Luft gejagt werden, könnte sich weit schlimmere Notwehrparagraphen einfallen lassen. Bröckers freilich vermag kaum seine Freude darüber zu verhehlen, Israel als Oberbösewicht des Nahen Ostens und irgendwie Viertes Reich ertappt zu haben: „Nicht um einen propagandistischen Fake, sondern um ein juristisches Faktum handelt es sich unterdessen bei dem neuen Heirats-Gesetz, das gerade von einem ‚demokratischen‘ Verfassungsgericht abgesegnet wurde, und das so 1a rassistisch geraten ist, dass Adolf und seine Nürnberger Gesetzgebungsfreunde ihre helle Freude hätten. Daß man von diesem Gehitler recht wenig hört, liegt nur daran, dass es nicht im Iran beschlossen wurde, sondern – peinlich, peinlich – in Israel.“ Gehitler. Rassistisch. „Demokratisch“. Da behaupte noch mal jemand, Kiffen wirke bewußtseinserweiternd.

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Ich habe das wirre Weblog Mathias Bröckers‘ viele Monate lang mit klinischem Interesse und Amüsement, mit Grusel und Staunen, aber stets schweigend verfolgt. Am 7. Mai dieses Jahres allerdings platzte mir der Kragen und ich beschloß, dem Propheten doch mal die Meinung zu geigen. Vier Tage zuvor hatte ein Geschworenengericht in Virginia Zacarias Moussaoui zu lebenslanger Haft verurteilt wegen seiner engen Beziehungen zu den Mordpiloten des 11. September. Moussaoui ist ausdrücklich nicht verknastet worden, weil er an den Attacken teilnahm, sondern weil er sein Wissen darüber für sich behielt, bis er verhaftet wurde. Das Urteil beruhte vor allem auf Moussaouis eigenem, im Brustton des mörderischen Fanatikers vorgetragenen Geständnis. Alle Prozeßbeobachter argwöhnten, daß der verhinderte Killer bei seiner Beichte ziemlich dick auftrug, weil er sich nach dem Märtyrertod durch die Giftspritze sehnte. Niemand jedoch bezweifelte, es hier mit einem Kerl zu tun zu haben, der nur wegen seiner pathischen, für geheime Operationen äußerst störenden Geltungssucht um den Genuß kam, sich und ein vollbesetztes Flugzeug ins Weiße Haus zu navigieren. Niemand außer Bröckers und seinen sehr vielen Jüngern.

Der Prophet kommentierte das Urteil auf seine Art: „Daß das ‚Lebenslänglich‘ für den angeblichen ‚20. Hijacker‘ Zacharias Moussaoui allenthalben als ‚Sieg des Rechtsstaats‘ gefeiert wird (…), zeigt einmal mehr, wie tief die Meßlatte in Zeiten des ‚war on terror‘ gesunken ist. (…) Daß (…) eine offensichtlich verwirrte Randfigur nun als Sündenbock mit lebenslänglich abgestraft wird, macht diesen Schauprozeß nicht zu einem Triumph des Rechtsstaats, sondern zu einer Farce (…) Aber sie können wohl nicht anders (…) (Hier ist) jemand wegen Mitwisserschaft und Beihilfe an einem Verbrechen verurteilt worden (…), das selbst in keiner Weise aufgeklärt ist. Nur weil sich die Medien seit fast fünf Jahren davor drücken, diese Aufklärung auch nur zu fordern – geschweige denn sie selbst investigativ voranzutreiben –, können sie diesen Schauprozeß als ‚Sieg des Rechtsstaats‘ verkaufen.“ Bröckers, in seinen Spinnereien befangen wie nur je ein Konspirationsspekulant, mochte nicht zugeben, daß Moussaouis Bekenntnissucht ihm, Bröckers, alles Verschwörungsgefasel der letzten fünf Jahre zunichte gemacht hat. Also wird ein „Schauprozeß“ herbeigelogen, wohlwissend, daß sich Jury und Richterin skrupulös bemühten, Moussaoui vor seinem eigenen Geplärr in Schutz zu nehmen.

Bröckers‘ Weblog bietet die Möglichkeit, die Tagebucheinträge des Megaentlarvers zu kommentieren, und das tat ich, nämlich so: „Lieber Mathias Bröckers, was so richtig nervt an Ihren ‚Cover-ups‘, das ist dieses unaufhörliche Besserwissen, ohne wirklich etwas besser zu wissen, außer daß Sie alles besser wissen, obwohl Sie eigentlich nix wissen, sondern bloß raten & spekulieren & ahnen – aber stets: besserwissend. (…) (Warum) bekennt der Tropf Mousaoui sich zu diesem Verbrechen? Wenn man Ihnen glauben will: Weil es das nie gegeben hat, und deshalb flutscht es ihm nur so von den Lippen. Dafür, für eine Halluzination, geht man doch gern lebenslang in den Kerker! (…) Ich wünschte Ihnen, mal zwei Kilometer Abstand von sich selbst und von Ihren wüsten Verschwörungstheorien nehmen zu können. Doof sind Sie ja nicht. (…) (Daß) Ihre Verschwörungstheorien direkt in den Antisemitismus führen, möchte ich aber auch nicht für mich behalten.“

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Bröckers ist als Prophet Profi genug, um sich Kommentare zu solchen Ketzereien zu verkneifen. Er weiß aber auch, daß seine gläubige Gemeinde ihm notfalls beispringen wird. Und das tat sie, unverzüglich. Den Anfang machte, ziemlich jovial, „Ein_Interessierter_Mensch“: „Also, ich persönlich genieße immer mal wieder den Schub, den M. Bröckers‘ Theorien bieten. Hier allerdings ‚bessere‘ Antworten oder ‚besseres Wissen‘ zu erwarten, finde ich etwas naiv. Zugegeben, die Pseudo-Informationen des Mainstreams sind entschieden süßer und saftiger aufbereitet und lassen sich besser konsumieren als bloße Anklagen und Theorien, aber sind sie deswegen wahrer?“ Zweifellos sind mit einem gewissen Schubs „bloße Anklagen und Theorien“ viel einleuchtender als „Pseudo-Informationen“. Aber ich war wohl persönlich zu naiv, als ich einforderte, was zu bieten der Prophet immer, immer, immer wieder für sich reklamiert: das „bessere Wissen“.

Bröckers-Fan „Andreas“ bevorzugt die finale Lösung: „(Moussaoui) wird bis ans Lebensende leiden. Für die amerikanische Öffentlichkeit wird‘s egal sein, ob nun tot oder weggeschlossen. Sie wissen, daß er leiden wird. Ich an seiner Stelle hätte die Giftspritze bevorzugt, so hat er wohl auch spekuliert. Daß Bröckers‘ Verschwörungstheorien in den Antisemitismus treiben, kann ich nun echt nicht nachvollziehen. Über das Töten von palästinensischen Kindern, über Mordaufträge an Palästinenser durch israelische Verantwortliche, mache ich mir auch als eher links orientierter Mensch so meine Gedanken. Sollte mich deswegen jemand Antisemit nennen, wird‘s mir langsam scheißegal!“ Der Scheiß aber hat Hakennasen und säuft das Blut palästinensischer Kinder.

„Karsten“ weiß schon haargenau, was das Urteil in Alexandria bezwecken soll: „Vielleicht wird (Moussaoui) bei der Flucht erschossen – virtuell oder real, oder irgend ein vermeintlicher Fanatiker knallt ihn ab“. Was bis heute nicht passiert ist und nie geschehen wird, aber das kann „in Wahns Welt“ (Michael Sailer) noch werden, und ceterum censeo: „Juden und Amerikaner sind ja die Guten (…) Die anderen sind die Bösen, da darf man es mit der Verachtung nicht so enge sehen, gelle?“

„Ernie+Bert“ werfen mir „Gewäsch“ vor, sind aber so besoffen oder THC-vernebelt, daß sie nicht mal die einfachen Begriffe noch auf die Reihe kriegen: „Ist die Feststellung, daß das politische Führungspersonal eine Lügnerbande ist, antiamerikanisch? Natürlich nicht. Da wäre es ja schon antiamerikanisch, einen Mörder und Bankräuber hinter Schloss und Riegel zu wünschen, nur weil er Amerikaner sei (!). Man sieht also, wie bösartig hier argumentiert wird. Gleiches gilt für Semitismus.“ Bröckers hat, ohne Zweifel, Vasallen, auf die er richtig stolz sein kann. Sie argumentieren wie er, sie keifen wie er, sie sind reflektiert wie er, sie halten so ungern sauber wie er und verachten deshalb das „Gewäsch“. Gleiches gilt für „Semitismus“.

In der ziemlich langen Staffel, die mein Kommentar auslöste, verschwand, Internet-üblich, nach ein paar Tagen der Anlaß, und zum Schluß meldeten sich die echten Irren zu Wort. Nämlich „demo48“: „Wir halten fest, daß es bisher der Astronomie nicht gelungen ist, im Universum Planeten zu entdecken, die eine andere Form haben als unsere Erde, also die einer Kugel. (Ich rede nicht von Kometen.) (…) Nun hat der Mensch, wie jeder andere ‚Gehirnträger‘ auf dieser Welt auch, aber ein neurologisches Problem. Um sich auf ‚Nahrungssuche‘ zu begeben, bleibt ihm nichts anderes übrig, als eine der drei Dimensionen seines ‚Verkehrsmittels‘, der Erde, zu ignorieren. (…) Und hier greifen viele der neuronal erforschten Techniken, mit denen man uns versucht, regelrecht zu ‚irritieren‘, indem wir systematisch davon abgehalten werden, auch ausreichend ‚dreidimensional‘ statt nur ‚zweidimensional‘ mit unserem Gehirn umzugehen.“ Welche Drogen braucht man eigentlich, um so konfus zu werden?

Bröckers, der Anstifter, Vorbeter, Vorsinger all dieser neuronal Irritierten freute sich derweil nach Kräften über die schwarz-rot-goldnen Exzesse in deutschen WM-Fanmeilen und krähte, am 17. Juni 2006: „(Wer) sich über die neuen deutschen Fähnleinführer und Schwarz-Rot-Gold-Fans ernsthaft erregt, hat einfach immer noch nichts kapiert.“ Bzw. das „Gehitler“ bei den Nazijuden verpaßt. – Mir fällt jetzt viel ein, aber nichts davon paßt besser als eine Empfehlung Jürgen Roths zu einem verwandten Fall: „Bitte einweisen.“ Es wird sich doch hoffentlich ein dreidimensionales Verkehrsmittel finden.

Grammatik, Orthographie und Interpunktion der Weblog-Beiträge von Bröckers und seinen Sympathisanten wurden behutsam an die deutsche Sprache angepaßt.

Zuerst erschienen in Konkret 6/2007

Illustration/Vignette: Wikimedia commons/Soler97

 

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