Zeuge der Geschichte (16)


Als mir zugetragen wurde, daß Stan Lee verstorben ist, klingelte mein Spinnensinn wie verrückt, fühlte mein Fleisch sich an wie Stein, verfärbte meine Haut sich grau grün silbern, fiel der Schatten des Weltenverschlingers über alles und schien die kosmische Kraft zu versiegen.

Aber wie wir wissen: Superhelden sterben nicht, sie sind nur kurz weg.

PS. Was der Comictexter Stan „The Man“ Lee und zumal seine Kollaboration mit dem einzigartigen Zeichner Jack „King“ Kirby mir bedeuten, möge man daran ermessen, daß die ältesten Comichefte in meiner Sammlung von diesen beiden stammen. Jeweils für ein Wochentaschengeld seit 1974 erstanden, irgendwie durch ein Dutzend Umzüge gerettet, von hunderten Lektüren tüchtig versehrt, von der Papiersäure ordentlich vergilbt, aber mir bis heute so kostbar wie anderen Jungs ihr erster selbstverdienter Taler:

All images and characters TM & © Marvel Entertainment, LLC


Und wenn ich inzwischen auch weiß, daß die Originaldialoge Lees erheblich witzärmer sind als das, was Hartmut Huff vom Williams-Verlag daraus machte, wiewohl ich mittlerweile (mit etwas Bedauern) herausfand, daß Mr.iLee keineswegs im Alleingang das Universum schuf, als dessen Supreme Intelligence er sich hernach so gern vermarktete –: Die Ekstasen, die Kirby und Lee mir rotohrigem Bengel verschafften, vergesse ich nicht, so lange ich ein Gedächtnis habe. Oh, was wäre mein Leben ohne diesen erstaunlichen, spektakulären, phantastischen Schund! Und ohne Ben „The Thing“ Grimm, meinen liebsten Superhelden bis heute:

All images and characters TM & © Marvel Entertainment, LLC


Excelsior!

Photo (Aufmacher/Ausschnitt):
„Stantheman“, by Edward Liu [CC BY-SA 2.0],
via Wikimedia Commons


Dienstag, 13. November 2018 22:55
Abteilung: Zeuge der Geschichte

3 Kommentare

  1. 1

    Wie fühlt man sich so mit einer Superhelden-Jugend, war das nur eine Prägung oder doch eine ausgewachsene Delle?

    Solche Dinge sollten meine Leser beurteilen. Zum Beispiel Sie, lieber Herr Grüter. Also – hab ich eine Superhelden-Delle? Das wüßte recht gern auch von Ihnen
    Ihr KS

  2. 2

    Moin. Keine Ahnung mehr, was ich damals mit der Delle gemeint habe. Habe ich das echt über den Kommentar eingebracht? Aber ich will ja nicht kneifen. Ich hoffe, Sie fühlen sich mit Ihrer Suoerhelden-Jugend gut, die ein oder andere Delle ist ja in jedem Alter nicht ausgeschlossen.

    Ich hab den offenen Kommentar zufällig wiedergefunden. Liegt wahrscheinlich an meiner Delle, daß ich nicht eher reagiert habe. Schöne Ostern.

    Ohne Benjamin J. Grimm, aka Das Ding, wäre meine Frühpubertät überhaupt nicht zu ertragen gewesen. Die Dellen habe ich mir woanders geholt. Angenehme Feiertage auch Ihnen! KS

  3. 3

    Ich kannte Mister Lee nicht. Ist vielleicht auch ’ne Altersfrage(?).
    Meine Helden der Jugend ab September 1951 (mein großer Bruder spendierte mir die 75 Pfennig für das erste Heft) waren die Bewohner von Entenhausen. Die waren nicht nur lustiger. Also: Carl Barks & Erika Fuchs.

    Über bzw. von Barks muß ich mir nichts erzählen lassen. Der erste Comic-Künstler, den ich als Comic-Künstler erkannte, war, noch vor Jack Kirby, der einzige, unvergleichliche Carl Barks. Beides – die Superhelden-Allmachtsträumerei und der übermenschliche (oder überentliche?) Optimismus des geborenen Verlierers Donald D. -: sind zwei Kehrseiten einer Münze, und auf der einen steht „Kopf“ (= Haupt = Macht = Allmacht), auf der anderen „Adler“ (= Ente (haha) = Luft = Illusion).
    Nur aus (eifersüchtiger) Neugier: Haben Sie das Erstheft noch? Zerlesen wie auch immer? Aber … HABEN sie das?! Schon vor der Antwort von Neid zerfressen: KS

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