Archiv für die Abteilung 'Qualitätsjournalismus'

Der schreckliche Iwan (17): Erlösung

Montag, 9. März 2015 23:59

Die Zustimmungsraten der Russen für Putins Politik gehen durch die Decke, die Opposition ist marginalisiert und gibt eine Alternative zum „Kreml-Herren“ (transatlantischer Einheitssprech) ab wie, sagen wir, die Lungenentzündung zum grippalen Infekt. Was, wenn kein Putsch, soll den neuen Hitler (s. Spiegel, Zeit, Focus, Süddeutsche et. al.) bloß aufhalten?

Florian Rötzer hat in Telepolis die Rettung zu verkünden; er bezieht sich auf eine aktuelle Umfrage unter russischen Bürgern, die mehrheitlich einen völlig neuen Kandidaten ins Spiel bringen:

Putins_Erbin_06-03-15_(c)_Telepolis

Eine Frage, bitte, bevor allgemeine Erleichterung und Abrüstung ausbrechen –: Ist Rußland nicht ein Mütterchen und deshalb passender als Präsidentin anzureden, sobald es soweit ist? Denken Sie nur nicht drüber nach, bis Väterchen Frost kommt.

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Der schreckliche Iwan (16): Ungestauter Haß

Montag, 2. März 2015 22:32

Raten Sie mal, wo folgendes Zitat zu lesen ist – und zwar nicht bloß unwidersprochen, sondern affirmativ avec aplomb:

„(Viele deutsche Politiker) unterschätzen die Verschlagenheit und die Brutalität von Russen.“

Nein, falsch, das stammt nicht aus dem Völkischen Beobachter von 1942. Auch nicht aus der National-Zeitung von 1982. – Wie bitte? Heinrich-Böll-Stiftung? Schon wärmer, doch immer noch daneben.

Diesen Satz, den Joseph Goebbels nicht authentischer hätte hetzen können, hat Die Zeit veröffentlicht. Ausgesprochen wurde er von dem baptistischen Eiferer Hermann Hartfeld. Das 1-a-Propagandastück – in dem es wieder mal gegen die unfaßbar bösen „prorussischen Separatisten“ geht – faßt Hartfelds legenda aurea so zusammen:

Ein rundes Gesicht mit einem freundlichen Ausdruck. Er ist Pastor im Ruhestand und hat viel gesehen. Geboren ist er im November 1942 in Omsk, als die deutsche Wehrmacht Stalingrad eingenommen hatte und die Rote Armee begann, die Deutschen einzukesseln.

So verschlagen und brutal waren die Russen nämlich schon damals: lockten die arglosen Deutschen nach Stalingrad, um sie dann gemütlich auszuhungern!

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Man schreit deutsh (14): Gesichtskontrolle

Donnerstag, 26. Februar 2015 23:59

Symbol-Bild

Symbol-Bild

Die jenseits der Grenzen vonn1932 widerwärtige, chauvinistische, diskriminierende Selfie-Kampagne, die der feinenHerr Diekmann in seinem sauberen Blatt gestartet hat –;

diese Aufforderung annjeden Trottel und Scheißkerl, an jede Idiotinnund verhinderte BDM-Scharführerin, sich vor die herzlose Brust ein Stück Abortpapier zu halten, auf dem gedruckt steht: „NEIN – keine weiteren Milliarden für die gierigen Griechen!“ –;

dieser weitere Beweis (neben Milliarden früheren) für die Geldgier und die Gefährlichkeit eines Dreckerzeugnisses, das im Kampf gegen schwindende Auflagen nichts unversucht läßt, um Verstand, Sitte, Mitleid, kurz: die Humanitas zu schänden –;

dieses Aufknütteln der niedrigsten Instinkte von Leuten, deren höchstes Gefühl im Hosenstall von Effjott Wagner steckt, deren größte Lust in den Blutspurbildern von Bild liegt, deren menschlichste Regung sich als Sabbern über erstunkene Skandale äußert –;

———————————- dieser Aufruf zu Volkes Erwachen hat, wie alles Teuflische, allerdings ein Gutes: Der häßliche Deutsche bekommt wieder ein Gesicht, in das man spucken kann.

PS. Mal sehen, wann Bild-Ikone Alice Schwarzer ihr Selfie einreicht. (Oder ist es schon da? Ich klick nicht auf Bild.de, ich hab Angst vor ansteckenden Geisteskrankheiten.)


Photo (Ausschnitt): By Codeispoetry (Own work) [GFDL
or CC BY-SA 3.0],
via Wikimedia Commons

 

 

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Aufgelesen (2): Gegeninformationen

Montag, 23. Februar 2015 23:48

Spiegel online berichtet heute, daß „die Behörden“ in Nordrhein-Westfalen ein Verbot des braunen Haufens „Die Rechte“ prüfen. An Belegen für die Verfassungsfeindlichkeit der Truppe mangelt es nicht. Denn ihr Anführer heißt Christian Worch, wurde einst angelernt vom Hitler-Wiedergänger Michael Kühnen, ist seit bald 40 Jahren natioaktiv, durfte sich ein paar Wochen im Knast als Märtyrer der Bewegung aufplustern, leugnet den Holocaust und bringt auch sonst alles mit, was man von einem, mit Karl Kraus zu sprechen, Arischgesicht erwarten darf.

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Aufgelesen (2): (Halb) Hamburg hat gewählt

Dienstag, 17. Februar 2015 21:59

Abfall_Wahl_Aufmacher_(c)_Kay_Sokolowsky

Angewandte Postdemokratie (Symbolphoto)

Die Aussicht, künftig einen sprechenden Honigkuchen als Zweite Bürgermeisterin ertragen zu müssen, ist keine schöne. Aber ich habe einen ertappten Kokser mit Neigung zum Größenwahn überstanden, dann sollte eine mopsfidele Nichtraucherin gerade noch zu schaffen sein. Das denkt der Scholzomat ebenfalls, und deshalb will er mit niemand sonst über eine Koalition reden als mit den Dümmsten, Schmiermittelkompatibelsten, und das sind, trotz harter Konkurrenz durch das Suding-Syndikat, nachweislich die Grünen.

Es brauchte nämlich nur ein paar Minuten nach der ersten Hochrechnung, bis die Bundesvorsitzende des Freundeskreises Poroschenko, stop, Quatsch, der Grünen, Simone Peter, ins Mikrophonbüschel quakte: „Wir werden uns nicht billig verkaufen.“ Hier werden ökonomische und politische Sphäre nicht vermischt, sondern vereint. Trotzdem dürfte Frau Peter ihr Armutszeugnis für ein trotziges Statement halten. Im Selbstbetrug lassen sich die Grünen nun mal von keinem was vormachen; außer, vielleicht, von ihren Wählern. Wo die parlamentarische Demokratie vergammelt, wo republikanische Werte begeistert der Verwertung zugeführt werden, ist nichts leichter (und billiger) zu kaufen als eine Partei. Den aktuellen Tarif entnehmen Sie demnächst der Tagespresse.

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Der schreckliche Iwan (15): Ultima irratio

Dienstag, 10. Februar 2015 23:15

Vor drei Tagen widmete ich mich einem Pamphlet des MSC-Chefs Wolfgang Ischinger. Meine Vorhersage, daß der Ton, die Geschichtsfälschung und die Irrsinnslogik, die Ischinger vorgibt, umgehend den (bitte entschuldigen Sie das häßliche Wort:) Diskurs bestimmen werden, ist wie von selbst erfüllt worden. Die Propaganda der Poroschenko-Versteher redet von gar nichts anderem mehr als den „Defensivwaffen“, die Putin endlich Mores lehren sollen. Am lautesten schreien nach den Mord- und Totschlaginstrumenten wie immer seit ihrer Lobotomisierung durch Joseph Fischer die Grünen und alle, die ihnen nahestehen, also auch solche Spezis wie der Steffen Dobbert von der Zeit.

Unter dem Titel „Es braucht Waffen, um diesen Krieg zu beenden“ legte er heute ein beeindruckendes Zeugnis geistiger Verödung vor. Darin heißt es:

Tausende, vielleicht sogar 50.000 Menschen haben durch den Ukraine-Krieg bisher ihr Leben verloren, jeden Tag werden es mehr, und weitere Tausende flüchten gerade aus Angst vor dem Tod aus dem Donbass.

Daß die meisten von ihnen lieber in Putins Reich des Bösen Zuflucht suchen als in der furchtbar freien Westukraine, erwähnt Dobbert nicht, so wie es ihm keine Zeile wert ist, von dem Enthusiasmus zu schreiben, mit dem die ukrainische Armee Krankenhäuser und Wohnviertel in Schutt und Asche bombt.

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Der schreckliche Iwan (14): Silent Green

Montag, 9. Februar 2015 23:45

Cr2o3_gruener_farbstoff_(c)_Achim_Hering

Basismaterial zur Herstellung von Putin-Verschmähern

Das, was folgt, kann auf Zeit online nachgelesen, dem Putin bislang aber nicht in die Stinkstiefel geschoben werden. Deshalb ist es für die Machthaber der Qualitätsmeinung, die gestern alle noch „Charlie“ hießen, kein Thema, ein großes sowieso nicht:

In der Ukraine ist der Fernsehjournalist Ruslan Kuzuba inhaftiert worden, weil er sich öffentlich gegen die Einberufung von Zehntausenden Reservisten ausgesprochen hat. (…)
Ein SBU*-Sprecher bestätigte den Vorgang. Kuzuba werde Hochverrat und Spionage vorgeworfen. Ihm drohten bei einer Verurteilung bis zu 15 Jahre Haft. Ein Gericht verlängerte seine Untersuchungshaft auf 60 Tage.
(…) „Lieber gehe ich ins Gefängnis, als mich an diesem Bruderkrieg zu beteiligen“, erklärte [Kuzuba]. „Ich lehne diese Mobilisierung ab und rufe alle mit klarem Verstand dazu auf, sich ebenfalls zu verweigern.“ (…)
Allein in Kuzubas westukrainischer Heimatregion sollen 40 Prozent der einberufenen Männer die Ukraine inzwischen verlassen haben.
* Ukrainischer Inlandsgeheimdienst

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Der schreckliche Iwan (13): Propagation

Sonntag, 8. Februar 2015 22:47

In, um und über die Ukraine gibt es viel Lüge, Blendwerk und Propaganda. Wer nach deren Urhebern in unseren Qualitätsmedien sucht, den führen alle Wege nach Moskau. Die Unbestechlichkeit, Ausgewogenheit, Skepsis, Überparteilichkeit und Wahrheitsliebe der deutschen Presse hingegen sind vorbildlich für die ganze Welt. Dieser wie Donner hallende Ruf verdankt sich nicht zuletzt Schlagzeilen wie jener, die heute in der Online-Ausgabe der Hamburger Morgenpost veröffentlicht wurde:

Provokation_08-02-15_(c)_Hamburger_Morgenpost


Bei Hitler ging es bekanntlich genauso los. Erst schickte er Medikamente, Schlafsäcke, Zelte, Babynahrung und Energieriegel nach Gleiwitz. Und dann wurde ab 5 Uhr 45 zorrröckgäschossän.

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