Archiv für die Abteilung 'Undichte Denker'

Trefflich gescherzt (5)

Donnerstag, 26. März 2015 22:42

Florian Harms, Chefredakteur von Spiegel online, bloggt sich aus über die Stärken seines Schwätz-Shops, verglichen mit „einigen Angeboten“, in denen „elementare journalistische Standards vernachlässigt oder gänzlich ignoriert werden“ (neinnein, das war noch nicht die Pointe, es kommt gleich besser:)

[Guter] Journalismus macht keine Kompromisse. Er hat
P r i n z i p i e n. […]
Unser Anspruch ist es, jeden Tag, auch unter dem Zeitdruck eines minutenaktuellen Mediums, so exakt, ausgewogen, transparent und w a h r h a f t i g wie irgend möglich zu berichten.

(Ach, hörnse uff, Männecken, ick kannich mehr! – Kommse, eina jeht noch! – Na jut.)

In diesem Sinne berichten wir kritisch, aber fair, leidenschaftlich und mit dem M u t zu unkonventionellen Meinungen, dabei unvoreingenommen, u n a b h ä n g i g und unbestechlich und, w e n n  e s  d a s  T h e m a  z u l ä ß t , gern auch originell.

(Hamma, Meista! – Newahr?)

Alle Hervorhebungen sind von mir. KS

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Aufgelesen (2): (Halb) Hamburg hat gewählt

Dienstag, 17. Februar 2015 21:59

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Angewandte Postdemokratie (Symbolphoto)

Die Aussicht, künftig einen sprechenden Honigkuchen als Zweite Bürgermeisterin ertragen zu müssen, ist keine schöne. Aber ich habe einen ertappten Kokser mit Neigung zum Größenwahn überstanden, dann sollte eine mopsfidele Nichtraucherin gerade noch zu schaffen sein. Das denkt der Scholzomat ebenfalls, und deshalb will er mit niemand sonst über eine Koalition reden als mit den Dümmsten, Schmiermittelkompatibelsten, und das sind, trotz harter Konkurrenz durch das Suding-Syndikat, nachweislich die Grünen.

Es brauchte nämlich nur ein paar Minuten nach der ersten Hochrechnung, bis die Bundesvorsitzende des Freundeskreises Poroschenko, stop, Quatsch, der Grünen, Simone Peter, ins Mikrophonbüschel quakte: „Wir werden uns nicht billig verkaufen.“ Hier werden ökonomische und politische Sphäre nicht vermischt, sondern vereint. Trotzdem dürfte Frau Peter ihr Armutszeugnis für ein trotziges Statement halten. Im Selbstbetrug lassen sich die Grünen nun mal von keinem was vormachen; außer, vielleicht, von ihren Wählern. Wo die parlamentarische Demokratie vergammelt, wo republikanische Werte begeistert der Verwertung zugeführt werden, ist nichts leichter (und billiger) zu kaufen als eine Partei. Den aktuellen Tarif entnehmen Sie demnächst der Tagespresse.

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Der schreckliche Iwan (14): Silent Green

Montag, 9. Februar 2015 23:45

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Basismaterial zur Herstellung von Putin-Verschmähern

Das, was folgt, kann auf Zeit online nachgelesen, dem Putin bislang aber nicht in die Stinkstiefel geschoben werden. Deshalb ist es für die Machthaber der Qualitätsmeinung, die gestern alle noch „Charlie“ hießen, kein Thema, ein großes sowieso nicht:

In der Ukraine ist der Fernsehjournalist Ruslan Kuzuba inhaftiert worden, weil er sich öffentlich gegen die Einberufung von Zehntausenden Reservisten ausgesprochen hat. (…)
Ein SBU*-Sprecher bestätigte den Vorgang. Kuzuba werde Hochverrat und Spionage vorgeworfen. Ihm drohten bei einer Verurteilung bis zu 15 Jahre Haft. Ein Gericht verlängerte seine Untersuchungshaft auf 60 Tage.
(…) „Lieber gehe ich ins Gefängnis, als mich an diesem Bruderkrieg zu beteiligen“, erklärte [Kuzuba]. „Ich lehne diese Mobilisierung ab und rufe alle mit klarem Verstand dazu auf, sich ebenfalls zu verweigern.“ (…)
Allein in Kuzubas westukrainischer Heimatregion sollen 40 Prozent der einberufenen Männer die Ukraine inzwischen verlassen haben.
* Ukrainischer Inlandsgeheimdienst

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Der Prophet im Medienbordell

Sonntag, 11. Januar 2015 12:40

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Bröckers-Hirn, Detailausschnitt (Symbolphoto)

Der Journalist Mathias Bröckers hat zwei Berufungen. Die eine, schon etwas ältere, gilt der Legalisierung von Hanf und dessen Nebenprodukten. Die andere hat ihn vor knapp fünf Jahren ereilt, nach den Anschlägen des 11.September: Seitdem ist Bröckers der erfolgreichste Verschwörungsphantast Deutschlands. Unermüdlich, leidenschaftlich, selbstgewiß wie nur je ein Prophet behauptet er, Al-Qaida sei eine Erfindung der amerikanischen Geheimdienste, Osama bin Laden ein Strohmann der CIA, die US-Regierung eine moderne Version der Nazidiktatur, außerdem seien die Mordpiloten bestimmt nicht die wahren Attentäter, und alle Medien, die etwas anderes erzählen, gehörten zu einem gewaltigen Manipulationskartell. Nach zwei Büchern zum Thema, die bei Zweitausendeins erschienen und einige hunderttausend Male verkauft worden sind, hat sich Bröckers im September 2004 von seinem dankbaren Verlag einen ordentlichen Batzen Serverkapazität spendieren lassen, um „die Lunte der Aufklärung“, wie er das nennt, fortan in einem „Writer’s Blog“ kokeln zu lassen.

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Das Juwel erfüllt einen Hartzenswunsch

Samstag, 23. August 2014 14:35

348Sandbild_im_Sera_Kloster_Ausschnitt_(c)RThieleDer Dalai Lama kommt an diesem Wochenende mal wieder nach Hamburg und erzählt drei Tage lang, was ihm so durch die kahle Rübe rumpelt. Vielleicht ist sogar ein Gedanke dabei.
Um sich nicht dem Vorwurf auszusetzen, eine Veranstaltung allein jenen Fettrandbürgern zu bieten, die ihre Geldgier satt und nun einen gewissen Hunger nach Immateriellem haben (ohne deshalb auf den Cayenne-Zweitwagen und die Drittvilla auf Sylt verzichten zu wollen), bietet der Kundün, deutsch: „Das wunscherfüllende Juwel“, Schülern, Studenten und Hartz-IV-Almosenempfängern vergünstigte Tagestickets an.
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Frank Schirrmacher: Das könnte bleiben

Donnerstag, 12. Juni 2014 23:44

Der Tod des FAZ-Feuilletonchefs und -Mitherausgebers Frank Schirrmacher ist bedauerlich wie jeder Tod, und auch sonst besteht gewiß kein Grund zur Freude, daß dieser umtriebige Mann uns plötzlich entrückt ist.

Er war ein Schmock in jeder Faser seines Wesens, ein Meinungs- und Deinungsmacher von Geburt, ein Mann, dem noch so viel Kritik begegnen mochte – er dachte gar nicht daran, daraus zu lernen. Irgendwie imponiert mir solch ignorantes Verhalten – so wie mir damals, mit zehn, im Freibad die etwas älteren Jungs Eindruck verschafften, die vom Fünferbrett Arschbomben vorführten.

Ich bedauere aufrichtig, diesen quirligen Herrn Schirrmacher niemals persönlich kennengelernt zu haben. Ich glaube, daß wir uns leibhaftig richtig interessant ins Gewölle gekommen wären. Und ich halte es für eine metaphysische Frechheit, daß der bestimmt nicht dumme Herr Schirrmacher in einem Alter abtreten mußte, das bei echten Blödbratzen (Leni Riefenstahl, Helmut Schmidt) erst ein Startsignal für die zweite Karriere war. Schade um den Kollegen. Beileid den Hinterbliebenen.

Mein Respekt vor dem Verblichenen soll Ausdruck finden durch die Wiederveröffentlichung einer Parodie, die ich 2006 für die „Wahrheit“-Seite der Taz verfaßte. Sie paßt gruselig gut zum wirklich nicht lustigen Anlaß. (Meine Richtschnur fürs Schreiben von Parodien besteht seit 30 Jahren darin, daß der Parodierte kein kompletter Idiot sein darf, daß er satisfaktionsfähig sein muß. Schirrmacher konnte sich brillant aus jeder Bredouille flunkern. Auch deshalb werde ich ihn vermissen.)
—-
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Popanz-Trio (3): Schmock ‚ n ‚ Schmoll

Dienstag, 15. April 2014 23:08

Das Problem im Umgang mit Popanzen ist der Umgang: Man sollte ihn gar nicht pflegen. Über sie bloß zu reden, gesteht diesen Gestalten eine Bedeutung zu, die ihnen nicht gebührt, denn außer im Gerede besitzen sie keine. Ihre Nullität verschwindet, sobald sie beachtet werden. Allein dieser paradoxen Quantenschweißphysik verdanken Nullsummen wie Alice Schwarzer oder Thilo Sarrazin eine Existenz in der veröffentlichten Welt.

Wenn ich also beim Spiel mitmische, das sie viel besser beherrschen als ich, beim großen Arschposaunen also, werden immer nur sie gewinnen, egal wie sehr ich mich bemühe, sie niederzuringen. Ich bin bloß der Spielverderber.

Henryk M. Broder beleidigte mich mal als „von Neid zerfressenem Autor“, nachdem ich ihn polemisch zergliedert hatte. Das haftet seither an mir wie Taubenscheiße, obwohl ich auf nichts weniger neidisch bin als auf die Existenz als Pausenclown, wie Broder einer ist. Mich gruselt‘s vielmehr davor, so zu werden – so vorhersehbar, so selbstzufrieden, so publikumsgeil wie die Popanze der hierzulande herrschenden Meinung.

Die polemische Auseinandersetzung mit den Vollpfosten, die für „streitbare Geister“ und womöglich Intellektuelle gehalten werden, obschon ein Intellekt sie niemals quälte, ist dennoch nicht verzichtbar. Denn am Ende geht es immer ums Publikum, das solche Vögel groß werden und sich von ihnen die Lieder krächzen läßt, die es am liebsten hört. Wenn ich also einen Popanz beschimpfe, dann meine ich damit immer auch die Hunderttausende, die die Buchstabensuppe dieser Hilfsköche lieber auslöffeln als, sagen wir mal, die erlesenen Speisen eines Hermann Gremliza, Eckhard Henscheid oder, äch-hämm, Gert Ockert.

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Popanz-Trio (2): Thilos Sprachfehler

Freitag, 14. März 2014 0:12

Sarrazin muß dringend zum Integrationskurs. Denn er kann kein Deutsch. Wie alle Deutsche, die sich dicke damit tun, Deutsche zu sein, kann der Sarrazin die eigene Sprache nicht. Wie alle Erzchauvinisten tut er dem Besten und Kostbarsten, was seine „Na=Zion“ (Arno Schmidt) zu bieten hat, seiner schönen Mutter Sprache, fortwährend Gewalt an. Und damit meine ich nicht Sarrazins Aussprachefehler, dieses Gefnaufe und Geknifpel, mit dem er die Wörter aus sich rausquetscht, wenn er öffentlich auftritt. Dafür kann er eventuell nichts.

Ich meine seine Mißhandlung des geschriebenen Worts. Sarrazins verfaßten Sätzen eignet der feine Takt von Marschstiefeln, der zarte Klang eines Kasernenhofappells, die süße Melodey einer Luftangriffssirene. To give an example (ein x-beliebiges, ist doch in seinem aufgeschäumten Textdreck jeglicher Satz ein Beispiel): „Durch diese Operationen sind die sichtbaren Formen der Ungleichheit zwischen begabten und weniger begabten Schülern abgeschafft worden.“ Die unsichtbaren Formen erklärt uns dieser Fiesosoph demnächst am Beispiel eines Schattens in der Dunkelheit.

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