Wurde Hellmuth Karasek ermordet?

Am 4. September beantwortete ich im Weblog „Prinzessinnenreporter“ einen „royalen Journalistenfragebogen“. Die royale Frage, „wem auf Erden“ ich „am liebsten den Stift klauen“ würde, beschied ich mit diesen Worten:

Hellmuth Karasek. (Der verewigte Horst Tomayer erzählte mir gelegentlich, daß Karamalz sein Zeugs mit einem dicken Edding korrigiert. So was kann man im Haushalt immer brauchen!)

Nur drei Wochen später fiel der Edding-Mann – dem Buprä Jott Gauck mit der gewohnten Ahnungslosigkeit nachsagte, „die Kenntnis und die Liebe zur Literatur, zum Theater und zum Film entscheidend erweitert und vertieft“ zu haben – tot um.

Ein Zusammenhang des Falls mit meiner Ankündigung, Karasek den Stift klauen zu wollen, ist nicht auszuschließen. Aber es liegt mir fern, meinen Einfluß zu überschätzen. Bevor Gerüchte, die zum Glück bis jetzt niemand außer mir gestreut hat, ein dämonisches Eigenleben entwickeln, stelle ich fest: Nein, ich habe Karasek den Stift nicht geklaut! Überdies verurteile ich die Mächte hinter der Beseitigung des verdienten Weintrinkers und Blubberlutschers K. aufs schärfste!

Denn sie haben mir neben der Lektüre einer Unzahl übelkeitserregender Schleim- und Scheißepitaphe* auch noch das hier zugemutet und vor die armen Augen gestellt, um meine monatliche Migräne über jedes Maß hinaus zu verlängern und die Verachtung für ein Gewerbe, dem Karasek zweifellos ein Vorbild war, in Phantasien zu überführen, welche keine Genfer Konvention erlaubt:

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Web.de, 30.9.2015

* Wenn Sie, liebe Leserin, lieber Leser, mich nur energisch genug bitten, bin ich imstande, in diesem Blog eine Blödenblütenlese zu veranstalten. Nein, nicht Sie. Sie!


Sonntag, 4. Oktober 2015 23:00
Abteilung: Bored beyond belief, Qualitätsjournalismus, Sokolowsky anderswo, Undichte Denker, Unerhört nichtig

Kommentare und Pings geschlossen.

4 Kommentare

  1. 1

    Leider konnte der Edding beim Toten nicht sichergestellt werden. Und gehen wir mal davon aus, lieber Sokolowsky, daß auch bei Ihnen wahrscheinlich nichts zu finden sein wird.
    Es muß aber doch festgestellt werden, daß ein gewisser Neid auf den erfolgreichen Kollegen von ihrer Seite durchaus auffällig war.
    Wenn sie aber weiter auf ihre Aussage bestehen sollten, so wird wohl eine Exhumierung der einzige Weg sein, die Wahrheit herauszufinden. Also überlegen Sie sich gut, ob wir den wegen Ihnen noch mal ausbuddeln sollen.
    P.S.: Danke für die einfache Rechenaufgabe. Muß das Ergebnis ausgeschrieben werden?

    Lieber Sachs – wenn alle Kriminaler so arbeiten und deduzieren sollten wie Sie, möchte einem schon bange werden bzw. Verbrechen sich am Ende doch auszahlen. Denn erstens muß K. erst mal unter die Erde gebracht werden, bevor man ihn ausgraben kann. Zweitens ist „ein gewisser Neid“ nun wirklich kein ausreichendes Mordmotiv – zumal ich gern wüßte, woher Sie wissen, daß ich mich irgendwo, irgendwann neidisch über den Autor K. geäußert habe, „durchaus auffällig“ zudem. Neid worauf? Auf K.s grauenhaftes Deutsch, auf die Plattheit seines Denkens und seines Urteils? Oder wirklich bloß auf K.s Erfolg, wie Sie andeuten? Ich kann Ihnen und allen, die meine Verachtung für solche Literaturjobber wie K. oder H. M. Broder auf „Neid“ zurückführen, gar nicht beschreiben, wie bescheuert mir das jedesmal vorkommt. Ich bin in dieser Angelegenheit nämlich ganz unbefangen: Die Leute, denen K. seinen Erfolg verdankte, können ihn so gern haben wie sie mich. KS
    PS. Immerhin das haben Sie richtig gedeutet und eine Ziffer eingetippt – Glückwunsch!

  2. 2

    „… Blödenblütenlese …“
    Bitte, bitte, bitte, biiiiiiiitteeee!

    Okay, okay. Ich hab ja kein Herz aus Stein. Geben mir Sie nur etwas Zeit; die brauch ich nämlich für soviel Torheit. Biiiiiiiitteeee! KS

  3. 3

    Daß es Meister Gremliza – ich meine mich zu erinnern, daß er dies in einem seiner jüngeren KONKRET-Expresse notierte – über die Hutschnur ging, daß da irgendwer nach dem Abgang des Danziger Blechsteißtrommlers, Zwiebelrufers und Unkenenthäuters (oder war’s andersrum?) selbigen auf eine Stufe mit Goethen stellte, kann ich ja gut verstehen. Aber daß der Hellmuth K. eine der Lichtgestalten der „deutschen Literaturszene“ gewesen ist, also daran gibt’s nix zu mäkeln, das unterschreibe ich sofort – in dieser illustren Szene steht er unbestritten und für alle Ewigkeit gleichrangig neben wortgewandten Feingeistern wie Mario Barth, Frauke Ludowig und den Mainzelmännchen. Und nicht zu vergessen natürlich auch neben dem Redenschreiber von Bundesoberfeldkurat Gauck.
    Ruhe nun sanft, lieber Hellmuth, und bitte sprich nicht auch noch aus dem Grabe zu uns – du hast ja schon zu Lebzeiten viel mehr gesagt als du zu sagen in der Lage warst, und das ganz ohne jede falsche Scham immer grad so, wie dir der rotweinfeuchte Szeneliteratenschnabel gewachsen war!
    In diesem Sinne bitte ich also flehentlich darum, an diesem Ort von etwaigen Karasek-Epitaphen in Blödenblütenleseform Abstand zu nehmen; und wäre es nur deswegen, weil ja der Gremliza qua KONKRET-Express bereits zu Lebzeiten des unermüdlichen Stilblütengärtners etliche von dessen eigenwilligen Züchtungen dem Vergessen entrissen hat. Aber vielleicht wäre es ja möglich, hier für kurze Zeit ein Brustbild des Verblichenen hochzuladen? Ein kurzer Blick auf dies konturlose Gefrieß würde doch viel mehr sagen als eine Auswahl aus Karaseks zahllosen glorreichen Niederlagen im Kampf mit Wort, Sinn und Syntax. KP

    Ja, stimmt, ein Photo des „Literatur-Genies“ (BILD über Karasek) würde alles Weitere erübrigen. Aber ich hab kein eigenes, und die Agenturphotos sind mir zu kostspielig. – Jetzt steht die Sache 1:1; wenn sich niemand mehr mit einem „Biiitteeee!“ meldet, werde ich mich und das Publikum mit weiteren Anmerkungen zum Ende eines Schmocks verschonen. – Über den Vergleich K.s mit den Mainzelmännchen habe ich übrigens so herzlich lachen müssen, daß ich fast neidisch geworden wäre. Vielen Dank dafür! KS

  4. 4

    Das war gemein. Beiträge, in denen der Name H.M.B. vorkommt, lese ich für gewöhnlich gar nicht. Das hier so gegen Ende reinzumogeln ist schon sehr unschön, lieber Kay.
    Auch dieser Beitrag kommt wie erwünscht ohne Emoticons aus.

    Lieber Martin: Sie hätten, damit ich nicht gemein werde, vielleicht die Gemeinheit unterlassen sollen, mir Neid zu unterstellen, wo bloß der Abscheu sein Werk treibt. *fg* *lol* *smile* KS