Hundstage (1): Der Hl. Franz predigt den Katzen

Francesco_Katzenpredigt_Aufmacher_01_(c)_Kay_Sokolowsky(Melodie: Robert Gernhardt)


Hört mal bitte auf zu schnurren,
unterlaßt einmal das Murren,
lauscht nicht auf der Tauben Gurren,
faucht nicht, wenn die Hunde
knurren!

Denn ich will euch jetzt was sagen
(Gründe gäb‘s viel mehr zu klagen),
und das müßt ihr stumm ertragen,
nein, ich dulde keine Fragen.

Folgendes will ich verkünden:
In dem Katalog der Sünden
eurer Art ist das Verschwinden
ziemlich obenan zu finden.

Dauernd seid ihr weg. Entlaufen,
mal zum Sport, das heißt, zum Raufen,
mal zum Lustgeschrei und Schnaufen,
mal zum heimlich Kuhmilchsaufen.

Doch der Weg, den ihr genommen,
um ein Vöglein zu bekommen,
ist auf einmal ganz verschwommen.
Klar sehn bloß, mit GOtt, die Frommen!

Und daheim beginnt das Suchen,
Bangen, Warten, Hoffen, Fluchen,
Weinen, Greinen, Weitersuchen,
auch mit Katzenköderkuchen.

Schuld habt ihr an soviel Tränen,
schlimmen Träumen und Migränen,
wie ihr Haar habt in den Mähnen
oder Angst vor Teckelzähnen!

Könnt ihr das denn nicht begreifen?
Seid ihr wirklich solche Pfeifen?
Schluß ihr drei da mit dem Keifen,
könnt euch das Geschrei verkneifen!

Denkt doch bitte an Zuhause …
Schenk euch hierfür eine Pause.
Zieht die Näschen ruhig krause,
geb euch nichts von meiner Brause.

Ätsch! Nun krächzet alle Amen,
sonst verwünsch ich euren Samen
noch im Leibe eurer Damen
in des Heilands zweitem Namen!

Francesco_Katzenpredigt_Inserat_(c)_Kay_Sokolowsky

Ausriß: Osdorfer Kurier, Nr. 2015/33 (12. August)

 


Montag, 17. August 2015 9:00
Abteilung: Lieder ohne Werte, Timmis Freunde, Unerhört nichtig

Kommentare und Pings geschlossen.

2 Kommentare

  1. 1

    Es ist das Wesen der Feliden
    zu stören jedes Obdachs Frieden
    zu fauchen, beißen, umzuwerfen,
    zu malträtieren schwache Nerven.

    Auch Kleingetier wird hingemacht,
    mit scharfer Kralle umgebracht.
    Gestreichelt dankt so manche Katze
    mit Schnurren nicht, doch mit Gekratze.

    Frönt sie des Nachts der Hurerei,
    weckt sie den Müden mit Geschrei.
    Es passt ihr, gratis Milch zu saufen,
    zum Dank dann einfach fortzulaufen.

    Es ist ein Kreuz mit diesem Tier,
    es folgt nicht uns, bloß seiner Gier.
    Wem davon wird die Seele wund,
    der kaufe sich doch einen Hund!

    Dieses Gedicht hätte den Sonderpreis für kreative Leserkommentare verdient, würde ich einen vergeben. Auch wenn z. B. das Reimpaar „Hurerei/Geschrei“ etwas, nun ja, gewagt ist. KS

  2. 2

    Hl. Franz, ich gebe zu, daß mich Ihre Worte nachdenklich stimmen, so habe ich die Sache noch nie betrachtet. Richtig ist aber auch: Bei einem optimalen häuslichen Service (24h-Buffett „All cat can eat“ – bitte kein Dosenfutter! -, Massagesalon, Doppelbett mit Komfortschaummatraze für Damenbesuch, Entertainment durch ausreichendes Vögelchen-Angebot) würden wir auch nicht so oft abhauen (siehe dazu meine Einlassung hier: http://www.prinzessinnenreporter.de/eine-notwendige-einlassung-zum-sog-weltkatzentag/ ). Und außerdem – aber Moment, ich höre dahinten gerade ein knuspriges Mäuschen rascheln (nach Diktat verreist).

    Der Hl. Franz behält sich eine Antwort bzw. zweite GardinenSardinenpredigt vor. – Ich aber danke für diese hervorragende Katzengebrauchsanweisung! KS

    Und hier meldet sich Prinz Kasimir noch einmal, diesmal verdolmetscht von seiner Zofe Traute:

    Prinz Kasimir war mit dem Gedicht des Heiligen Franz seeehr einverstanden! Er fühlt sich endlich einmal verstanden!! Er bat mich darum, Dir zu sagen, dass Du dem Heiligen Franz – den Du ja sicher persönlich kennst – in seinem Namen viiiielmals danken möchtest! Es war – ist – Balsam auf seine Seele! Er meint, daß jemand, der sich so in eine arme Katzenseele einfühlen kann, ein großer Heiliger sein muß. Deshalb würde er gern in die Kirche des Heiligen Franz eintreten. Er hofft, daß sie kirchensteuerfrei ist! Sonst müßte er seine Fangemeinde bitten, für ihn zu sammeln. Herzlich, Deine Kasimir-Zofe.
    P.S. Er lässt Herrn Sokolowsky für die Übermittlung ein herzhaftes „Miau“ ausrichten.

    Der Hl. Franz nimmt nur Naturalspenden (Oblaten, Meßwein etc.) an und heißt in seiner Kirche jeden willkommen, der Amen sagen kann. KS