Scheck das mal ab!

kunscht_screenshot_c_swr

Screen der Homepage von „Kunscht!“ (SWR – einer der besten Bilderwitze in diesem Blog, wie ich meine. Dabei im Bann des Zufalls entstanden. Wenngleich … Was meinen Sie?)


Zwischen den Texten, die ich in den vergangenen zwölf Monaten unter die Leute brachte, war einer der besseren bzw. richtig guten der über den Literaturverkäufer Denis Scheck in KONKRET 1/2016. Anläßlich der Welturaufführung von „Kunscht!“ am 15.9., einem neuen wöschentlichen Kunschtmagaschin des S(ch)WR mit Scheck, hat die KONKRET-Redaktion beschlossen, meine nicht mehr ganz junge Polemik online
zu plazieren.

Ich lese mein welkes Zeug eigentlich nicht so gern – ich finde schrecklich viele Fehler im Stil und den Anschlüssen und etliche Sätze zu umständlich. Beim Wiederangucken von „Scheck ohne Deckung“ war ich aber ausnahmsweise zufrieden mit mir. Einen Satz wie: Vom richtigen Zeitpunkt im Leben lautet der Untertitel der eiligen Schrift, für deren Lektüre es in niemandes Leben einen richtigen Zeitpunkt geben kann“ –: Nun, solch einen Satz bekomme ich nur alle Jubeljahre hin. Oder den hier: „Originell, immerhin, ist die Kleidung Schecks: In ‚Druckfrisch‘ vom 30. November [2015] etwa trat der ‚letzte legitime Statthalter Gottes‘ (Decker, halbironisch) mit einem hellgrünen Schlips auf, der, in den unsterblichen Worten Raymond Chandlers, ‚an einem Papagei zu bunt ausgesehen‘ hätte.“ Solche Erzeugnisse meines Sprachvermögens bestätigen mich in meinem Wahn, ich hätte ein Vermögen.

Die Online-Publikation meiner Scheck-Checkung hat auch Bildblog interessiert und zu einer Empfehlung bewogen. Das schmeichelt mir sehr, weil ich jeden Tag bei Bildblog nachsehe, was es an neuen krummen Dingern in der phantastischen Medienwelt hat; und ich werde dort nie enttäuscht, weder in Angelegenheiten der Aufklärung noch denen des blanken Nonsens.

Ich hab keine Ahnung, ob ich durch die nette Erwähnung im Bildblog plötzlich berühmt geworden bin. Ich weiß jedoch, daß ich mich dort mit großem Vergnügen verlinkt sehe. – Und ich empfände beinah so große Freude, wenn Sie den Scheck-Link weiterverteilen.

***

Und – damit es nicht so scheint, als fände ich Social media auf einmal total superdufte -, hier ein aktuelles und äußerst typisches Beispiel für einen Dialog, den ich bei Facebook zu führen versuchte. Und der, wie fast immer in den Sozialmedien, an der Ignoranz, Viertelbildung und Selbstherrlichkeit des Gegenübers scheiterte. Hier ein Screenshot letzter Hand:

facebook_dialog-meurer_12-09-16


Da soll man noch an die Menschheit und ihre Intelligenz glauben … ‘S ist knifflig!

***

Mein, sagen wir mal, ruppiger Gedankenaustausch mit Herrn Meurer führte zu einem Finale, das nicht wirklich überrascht:

facebook_dialog-meurer_12-09-16_02


„… die nicht jedem Wilden ‚Willkommen‘ zurufen“ – ist doch mal eine Selbstauskunft, Herr Schwartmann! (Der Name kann kein Pseudonym sein, so wenig wie „Sauckel“ oder „Knochen“ es waren.)

Meine Ernennung zum „Blogwart“ wird der andere Herrenmensch namens Meurer noch bereuen. Denn von heute an soll sein Wort nie wieder woanders stehen als dort, wo es hingehört: auf die Servern einer Firma, die eines der beeindruckendsten Photos der Weltgeschichte nicht von Kinderpornographie zu unterscheiden vermag.

And now for something completely different.


Dienstag, 13. September 2016 0:21
Abteilung: Qualitätsjournalismus, Sokolowsky anderswo

12 Kommentare

  1. 1

    Da ich keinen Fernseher eigne oder benutze, mangelt es mir an Wut über die vergeudete Zeit, weshalb ich Ihnen, lieber Herr Sokolowsky, die Kränkung durch Herrn Scheck kaum nachempfinden kann. Ich kenne ihn nur durch diese Ihre Beschreibung und kann mir mühelos schlimmere Invektiven ausdenken als die, einen grünen Schlips zu tragen und Ror Wolf zu mögen.
    Der Satz mit dem Stoff wäre besser mit dem Wort Dramatik beendet worden, am besten hätte er ihn aber, und hierin gebe ich Ihnen recht, gar nicht erst geschrieben.
    Nun denn, ich habe zu tun!

    Lieber Herr Schmid, ein bißchen mehr als den grünen Schlips habe ich schon an Scheck bemängelt. So etwa 9.000 Zeichen mehr. – Ihnen gilt mein aufrichtiger Neid dafür, den Denis (mit einem enn) noch nie gesehen oder gehört zu haben (beim DLF gluckst er ja weiterhin rum). KS

  2. 2

    Ich glaub ja eher nicht, daß konkret-magazin.de den „social media“ zuzurechnen ist. Sicher ist, daß facebook.com dazugehört. Und wo’s sozial und demokratisch wird im Netz, da wird’s auch ganz schnell ganz unglaublich strunzdämlich, so wie im von dir zitierten Fall und überhaupt in den allermeisten Fällen. Und deshalb werd ich, sollte ich selbst irgendwann mal Führer werden, die Sozialen Medien, wenigstens die deutschsprachigen, erst mal complètement abschalten lassen*. Und nähme dabei billigend in Kauf, daß dann auch mein eigenes Facebook-Profil verschwände. Das heißt „Kain Freund“, und das Passwort dafür hab ich eh schon längst vergessen.
    Mit unsozial-totalitären Grüßen, KP
    * Der „Abfall“ bliebe von dieser Maßnahme selbstverständlich ausgenommen. Diktatur macht nämlich erst dann so richtig Spaß, wenn der Diktierende von ihm selbst aufgestellte Regeln jederzeit nach Belieben außer Kraft setzen kann.

    Ich wäre ein sehr geschmeidiger Diktator: Bei mir darf jeder alles sagen. Ich werd‘ nur nicht immer Lust haben, hinzuhören. (Und Motorräder würd‘ ich verbieten. Ha!) KS d. Gr.
    PS. Dieses Weblog ist ein komplett asoziales Medium, was gelegentlich auch der Blogger zu spüren bekommt.

  3. 3

    Ich mache es jetzt mal wie Sie neulich, lieber Kay Sokolowsky, und nutze Unerfreuliches wie die Herren Scheck und Meurer als Sprungbrett zu Erfreulichem. People are crazy and times are strange, wie Bob Dylan singt, und wenn ich Diktator wäre, würde ich bestimmen, wer Dylan-Fan sein darf. Meurer ist einer, wie sich aus seinem FB-Profil schließen läßt, und er wäre einer der ersten, denen ich es untersagen würde. (Der allererste wäre W. Niedecken). Um jetzt den Bogen noch zu kriegen: Was Dylan sang, dachte ich, als ich diesen Post las, und dann: „Da ist keine Hilfe.“ Wenn Sie diese Redewendung kennen, kann ich mir den Rest sparen, da ich das aber nicht weiß, mache ich jetzt den Scheck und halte eins der allerschönsten Bücher, die ich kenne, in die Kamera: Fritz Mühlenwegs In geheimer Mission durch die Wüste Gobi. Alles Wichtige zu diesem Buch ist schnell ergoogelt, und es ist so wunderbar, wie die größten Schwärmereien darüber nahelegen.
    Und natürlich bin ich nicht erst jetzt auf die Idee gekommen, diesen großartigen Abenteuerroman zu erwähnen, sondern letztens, als Sie Gisbert Haefs zitiert haben, denn Haefs ist ein großer Fan des Buches und mogelt gerne mal Zitate daraus in seine Romane. Und deshalb kennen Sie es wahrscheinlich sowieso, und das hier war alles für die Katz, aber das macht ja nix.

    Kluge Hinweise sind NIE für die Katz, lieber Thomas Küster! Und, im Ernst, ich habe Mühlenweg nie gelesen (*shame*). Das ist mal eine Bildungslücke – bzw. ein brillanter Tipp! Oh, ich FREU mich auf den Schmöker – danke und dreifach Dank! KS

  4. 4

    Na, das freut mich ja sehr, daß ich Ihnen da tatsächlich einen Tip geben konnte; und ich beneide Sie um das Vergnügen, das Buch zum ersten Mal zu lesen!

    Ich werde berichten, lieber Thomas Küster – und danke abermals. Es gibt nämlich im Reich des Lesens nichts Beglückenderes als den atemberaubenden SCHMÖKER. – Oder? KS

  5. 5

    Auch wenn die Frage nicht an mich ging: So ist es! Ich würde mich sogar zu der Behauptung versteigen, daß es im Reich des LEBENS zeitweise nichts Beglückendes gibt als das, was Gutes zu lesen. Und deshalb danke ich Thomas Küster ebenfalls herzlich für die Empfehlung.
    PS. Das Postskriptum von Kay dem Großen zur Erwiderung auf Kommentar 2, das hab ich aber nicht so recht verstanden … Wodurch genau bekommt denn der Blogger gelegentlich die komplette (?) Asozialität (?) seines Mediums zu spüren? Na, ich glaub, ich bin vielleicht noch ein bißchen blöd im Kopf heute früh. Muß die Hitze sein.

    Das war aber auch mißverständlich. Ich wollte damit andeuten, daß der Zeitaufwand, den ich gelegentlich für dieses Blog erbringe, auf Kosten meines sozialen Lebens geht. Also, echten sozialen Lebens diesseits des Flatscreens. Aber ich möchte das nicht vertiefen, wäre auch langweilig. KS

  6. 6

    Der atemberaubende Schmöker gehört auf jeden Fall zu den beglückendsten Leseerlebnissen, besonders wenn er zwar zum Eskapismus taugt, dabei aber einen ehrlichen Blick auf die Menschen wirft (welch schöner Zufall – Dylan über den oben erwähnten Song: „that doesn’t pussyfoot around or turn a blind eye to human nature“ (https://www.youtube.com/watch?v=oib-Z-obsSk) und dennoch im Tiefsten heiter ist.
    Da fällt mir auf: Tschick hat bei mir gerade beim Wiederlesen eine ähnliche Beglückung hervorgerufen, aus denselben Gründen, glaube ich; bin sehr gespannt auf den Film.

    Und dieser schönen Schlußbetrachtung lege ich nun den Schmöker schlechthin nach, Wolf von Niebelschütz‘ unvergleichliches „Die Kinder der Finsternis“. Im Frühjahr das siebte oder achte, bestimmt nicht das letzte Mal gelesen. KS

  7. 7

    Ha! Also wenn was auf Kosten des „echten sozialen Lebens“ geht, dann ist es ja wohl die Zeit, die süchtige Gutebücherwürmer mit dem übermäßigen Verzehr ihrer Lieblingsnahrung verbringen! Und paradoxerweise geht’s ja in vielen guten Büchern um genau das: das „echte“ soziale Leben. Meine Wenigkeit fand es übrigens schon als Frühpubertierender oft viel interessanter und auch viel angenehmer, was übers Leben zu lesen als sich „in echt“ damit rumzuschlagen. Nicht selten geht’s mir auch heute noch so. Und deshalb hab ich mir soeben „Die Kinder der Finsternis“ und „In geheimer Mission durch die Wüste Gobi“ nach Haus bestellt.

    Don Quijote und Madame Bovary sind Deine liebsten Romanhelden – oder? KS

  8. 8

    Na wie schön, Niebelschütz ist eine meiner Bildungslücken. Vorgemerkt, danke!

    Mehr noch eine Vergnügungslücke: Neben Arno Schmidt ist Niebelschütz der größte deutsche Wortkünstler in der schrecklich öden 50er-Jahre-Kahlschlagliteratur. Auch sein preziöser Dreiteiler „Der blaue Kammerherr“ gehört zu den ganz großen Schmökern.
    Leser eher linker Provenienz könnte die aristokratische, antidemokratische Grundhaltung VON Niebelschützens irritieren, aber sie hat viel Ähnlichkeit mit dem Staatsfeudalismus, dem Peter Hacks huldigte. Und wo jeder Satz ein Kunststück ist, ist dem Leser selbst dubiose politische Philosophie bald schnuppe. Geht mir jedenfalls so; ging so auch Hans Wollschläger, Eckhard Henscheid und Walter Boehlich.
    Ich bin gespannt, wie es Ihnen und Kai Pichmann damit geht. KS

  9. 9

    Auf Amazon nörgelt einer rum, daß in „Die Kinder der Finsternis“ ganz anachronistisch Mais angebaut wird.
    Sagt das was über die Qualität des Romans aus, oder ist das ein „Goof-Sammeln“, vergleichbar mit jenem, wo Leute bemängeln, dass in einem Zweiten-Weltkriegs-Film die Ami-Flagge schon 50 Sterne hat?

    Solche Dinge sagen nur was aus, wenn sie dort vorkommen, wo Authentizität behauptet wird (und nicht mal dort zwingend etwas Schlechtes). Realismus gaukelt Niebelschütz jedoch nie vor. Der Amazon-Schlaukopf hat offenbar den größten „Fehler“ des Romans gar nicht bemerkt: Den Helden, einen südfranzösischen Fürsten namens Barral, hat es nie gegeben. In „Die Kinder der Finsternis“ könnten die Mauren fliegende Teppiche haben, es änderte nichts an der tiefen poetischen Wahrheit des Stücks (und sie ist die einzige, die in der Literatur zählt).
    Schließlich beschwert sich auch niemand darüber, daß Allan Quartermain einer unsterblichen Wüstengöttin verfällt (und zwar in dem Klasseschmöker „Sie“). – Niebelschütz wollte eine mythische Geschichte erzählen mit den Mitteln des modernen Romans (das hat er eifrig bei Flaubert studiert). Anachronistisch ist also schon die Form. Aber so was merken Schlauköpfe nie. Weil sie für schlau sich nämlich bloß halten.
    Doch jetzt eine Bitte, nicht nur an Karsten Wollny: Ich möchte nie wieder solch eine Frage beantworten müssen. Diese Ameisenficker und Erbsenzähler erregen nichts als meinen glühenden Zorn. Und meinen Menschenekel. Und für so was ist mir meine Zeit zu schade. Danke! KS

  10. 10

    Da kann ich Ihnen direkt Bericht erstatten, denn ich bin schon mittendrin in den Kindern der Finsternis und schwer begeistert. Was für eine Sprache, welch geschliffene Dialoge! Und bisher kann ich die Vorwürfe einer zu aristokratischen Gesinnung des Autors, von denen ich auch schon gehört hatte, nicht nachvollziehen – er beschreibt doch ziemlich präzise und schonungslos; dabei kommen nicht eben viele der Aristokraten besonders gut weg.
    Den Blauen Kammerherrn habe ich gleich mitbesorgt, denn den hat Kein und Aber als eBook gerade extrem im Preis gesenkt – 3,99, ein echtes Schnäppchen. (Falls Sie eBook-affin sind: Die haben da gerade eine Aktion, auch der komplette Flann O’Brien ist runtergesetzt: https://keinundaber.ch/de/regal/ebooks-zu-minipreisen/der-blaue-kammerherr/)
    Wie es jetzt aussieht, werde ich wohl gleich nach den Kindern mit dem Kammerherrn weitermachen. Ein ganz famoser Tip! Vielen Dank noch mal!
    Und auch Kai Pichmann wünsche ich sehr, daß der Mühlenweg gefallen werde. Ich bin optimistisch, denn ich mache schon lange Reklame für das Buch, und bisher war niemand enttäuscht.

    Nein, mit eBooks bin ich auf keinem guten Fuß. Aber den Hinweis trage ich gern weiter!
    Ich freue mich eminent, daß „Die Kinder der Finsternis“ Sie so gepackt hat. Und sobald Sie’s durchhaben, wüßte ich zu gern, was Sie von dem jüdischen Kaufmann halten, der zu Barrals engstem Berater wird. Ich hab da eine Theorie, aber die behalte ich für mich, bis Sie das Ende kennen. Man soll ja nicht spoilern!
    Viel Vergnügen weiterhin – ich beneide Sie darum, diese Meisterwerke erstmals lesen zu können! KS

  11. 11

    Die Madame und der Don? Nö. Die sind mir beide zu trist. Obwohl zwei meiner drei Lieblingsromanhaupthelden tatsächlich von irgendwie auch traurig-ritterlicher Gestalt sind: das Schwätzerchen Hans Castorp aus dem „Zauberberg“ und, mehr noch, der desolate FBI-Agent Ward J. Littell aus James Ellroys monströsen Verbrecher-Epen. Mein allerliebste literarische Figur aber ist (und bleibt?) die des Oliver Necker aus Alfred Neumanns großartigem Spätmittelalter-Roman „Der Teufel“ – eins der mit Abstand fesselndsten Bücher, die ich je zufällig zu entdecken das Glück hatte. Ich bin gespannt, ob es „Die Kinder der Finsternis“ – das Genre ist ja ähnlich – mit ihm aufnehmen können. Nach den ersten paar Seiten kann ich’s aber noch nicht sagen.

    Ach ja, der Castorp … Vor ein paar Jahren, als ich ziemlich krank und überdies von Medikamenten malad war, dachte ich, es sei eine gute Idee, nach fast 30 Jahren den „Zauberberg“ wiederzulesen. Doch, ach, bei der berühmten Schneeszene mußte ich abbrechen, weil ich den TON einfach nicht mehr ertragen konnte. Dieses Augenzwinkernde, Neunmalgescheite, Zehnmalredundante, das Thomas Mann beherrscht wie kein anderer: Ich hab als junger Mann nicht genug davon kriegen können. Aber inzwischen bin ich, wie’s scheint, zu alt geworden für diese frühvergreiste Prosa.
    Oder zu verwöhnt: unter anderem wegen solcher Autoren wie James Ellroy. – Und Neumanns „Teufel“ sollte ich mir vermutlich auch mal reinziehen. (Und da bildet man sich ein, belesen zu sein!) KS

  12. 12

    Bis zur Schneeszene hast du’s ja immerhin geschafft, und die kommt ja erst nach ein paar hundert Seiten, wenn ich mich recht erinnere. Und „frühvergreiste Prosa“? Ganz schön böse. Aber es ist was dran. Wär ich eine boshafte alte Tunte, dann würd ich sogar behaupten, daß Thomas Mann schon in seinen jüngeren Jahren nicht nur eine reichlich geschwätzige, sondern noch dazu eine fürchterlich verklemmte alte Tunte gewesen ist, die sich für jeden entgangenen Mann-männlichen Geschlechtsverkehr mit einem Komma rächte, gefolgt von einem möglichst gewundenen Nebensatz. Plus noch ein Komma, plus noch ein Nebensatz, und so weiter. Abgesehen davon machen mir ihre antisemitischen Ausfälle – Thomas Mann 1918: „Das ist die Revolution! Es handelt sich so gut wie ausschließlich um Juden.“ – die alte Plaudertasche auch nicht sympathischer.
    Den „Zauberberg“ hab ich übrigens zum letzten Mal vor vielleicht 15 Jahren gelesen. Und musste meine Lektüre, obschon ich damals nicht malad war, aus ganz ähnlichen Gründen abbrechen wie du. Das harmlose Schwätzerchen Hans Castorp mag ich aber trotzdem immer noch gern, und auch ein paar von den stellenweise wirklich hübsch boshaften Charakterzeichnungen des maladen Zauberberg-Personals. Thomas Mann kannte die Krankheiten seiner Klasse, immerhin.
    PS.
    Den Neumannschen „Teufel“ solltest du nicht bloß lesen, du MUSST! Ich verspreche die gänzliche Abwesenheit von Augenzwinkern, Neunmalgescheitheit und Zehnmalredundanz.

    Befehl wird befolgt, sobald ich mit dem Monsterroman durch bin, der mir gerade die Zeit raubt. Den Titel nenne ich nicht, um Karsten Wollny nicht vollends in die Verzweiflung zu treiben. KS

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