Der Blogger ist blockiert (5): Statusreport

Wie sagt der Volksmund? Auf einem Bein kann man nicht stehen. Ich kann jetzt auf zwei Beinen nicht mehr stehen. Das linke wollte vor vier Wochen nicht mehr, und so begannen meine angiologischen Abenteuer. Seit dem Einsatz zweier Stents in meine rechte Herzarterie am vergangenen Dienstag hat nun auch der rechte Huf keine Lust mehr, weiter als 50 Meter zu traben. Dann sitzt ein Schmerz in der Wade wie nach einem Treppenaufstieg ins 10. Stockwerk. Ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen dem Eingriff vor sechs Tagen und den Beschwerden seither bestehe nicht, wird mir versichert. Jedenfalls ist die Arterie stark verengt, und das muß sich ändern. Deshalb werde ich morgen – natürlich durch die Leiste, seufz – erneut einen Katheter eingeführt und einen Stent (siehe Bild) eingesetzt bekommen. Und womöglich werde ich Herrn G. wiedersehen. Aber das möchte ich uns beiden lieber nicht antun.

Warmes Licht in einen grauen Tag wie diesen wirft immerhin die vorbildliche Erledigung des Bestseller- und Schlechtschwallerautors Frank Schirrmacher durch den geschätzten Kollegen Joachim Rohloff im neuen Merkur. Wie Rohloff die Schlampereien, stilistische und grammatische, die Unsauberkeiten, statistische und übersetzerische, die insgesamt äußerst dubiose Arbeitsweise des FAZ-Mitherausgebers auseinandernimmt, ist ein Vergnügen und Labsal für jeden, der den Unterschied zwischen „Qualitätsjournalismus“ und gutem Deutsch kennt oder kennenlernen will. Alle anderen kratzen sich am Kopf bzw. Arsch und schreiben peinliche Kommentare („Oh mein Gott, ist diese Korinthenkackerei anstrengend zu lesen“). Ich aber würde Rohloff, sollten sie mich zum Papst krönen, für seine gewiß nicht ohne Schmerz und Opfer entstandene Schirrmacher-Atomisierung unverzüglich heiligsprechen. Danke, Danke, Danke, Joachim! (Und wer am Entlüften von Aufgeblasenem seine Freude hat, der lese gleich anschließend, wie Meister Rohloff den Büchner-Preisträger Martin Mosebach aufs Nagelbrett setzt.)

Photo: Wikimedia commons/Frank C. Müller

Episode 1: Verschlußsache
Episode 2: Bulletin
Episode 3: Kassiber

Episode 4: Rezept


Montag, 18. Februar 2013 15:59
Abteilung: Qualitätsjournalismus, Selbstbespiegelung

Ein Kommentar

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    Dazu ein passendes Zitat von M.Mosebach: „Es muss sich einfach eine Menge von Missverständnissen ansammeln. Das nennt man dann Erfolg.“
    Besserung Gute ich Dir wünsche!

    Danke, Meister! Die Macht war mit mir. Weiß nur noch nicht, welche Seite. (Und die Antwort auf Du-weißt-schon habe ich NICHT vergessen.) KS

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