Der schreckliche Iwan (18): Ein Riesenfall

Putin_Gazprom_(c)_Kay_Sokolowsky

Putin nagt an den Resten seiner Macht (Symbolphoto)

Benjamin Bidder, Rußland-Korrespondent von Spiegel online, hat es nicht leicht. Seitianderthalb Jahren versucht er, den kryptofaschistischen Putsch in der Ukraine schönzureden und simultan das Ende der Regentschaft Wladimir Putins zu beschwören. Beides gelingt ihm partout nicht. Denn inzwischen glauben nur mehr Vollidioten sowie Marieluise Beck, die Ukraine sei heute demokratischer als vor dem Euro-Maidan und eine nazifreie Zone (bis auf den Donbass). Und der Weltfeind Putin? Sitzt fester auf seinem Thron denn je.

Doch Bidder, mit 34 Jahren noch voller Saft, wenn schon nicht Klugheit, bleibt unbeirrt. Was bislang mißriet, könnte eines Tages vielleicht doch Erfolg haben: steter Tropf usw. Deshalb verbreitet er heute in seinem Premiummedium folgende Geschichte:

Russischer Konzern Gazprom: Niedergang eines Giganten

Nanu? Ist Putins Leibfirma pleite? Oder wenigstens kurz davor? Das wäre in der Tat eine Sensation, zudem weltexklusiv vermeldet von Bidder und Spon. Im Vorspann geht es derart weiter:

Gazprom wollte seinen Marktwert als erster Konzern auf mehr als eine Billion Dollar steigern. Stattdessen bricht die Förderung ein, und es mehren sich Forderungen, den Gasriesen zu zerschlagen.

Das klingt schon etwas weniger sensationell und mehr wie eine raffinierte Anspielung auf Gazprom-Buddy G. Schröders „Fördern und Fordern“. Hm. Und darunter, in Bidders Text, weht leider bloß noch heiße Luft (auch ein Gas). Denn es bricht, wie der Korrespondent selber ausführt, bei Gazprom keineswegs „die Förderung“, sondern der Absatz ein.

Aber um solche Unterschiede sollen sich die Putin-Versteher kümmern! DeriBenjamin von Spon hat für so was keine Zeit. Er hat genug damit zu tun, Leute zu finden, die „den Gasriesen“ in Stücke hauen wollen. Und tut die hier auf:

So rief die Vize-Chefin des Rivalen Rosneft die Regierung im Juli per Brief auf, Gazproms Exportmonopol aufzuheben – und den Gasriesen zu zerschlagen. (…) Langfristig führe tatsächlich kein Weg an einer Entflechtung Gazproms in mehrere Unternehmen vorbei, glaubt auch Energieexperte [Grigorij] Vygon.

Das war‘s. „So“ haben sich seit Juli „die Forderungen“ einer Gazprom-Konkurrentin um die Stimme genau eines „Energieexperten“ vermehrt. Der vermutlich für seine „Energieberatungsfirma“ Vygon Consulting etwas Reklame machen will. Und „so“ erweist sich die Geschichte vom „spektakulären Niedergang“ Gazproms als an jenen Haaren herbeigezogen, die in den besten Suppen schwimmen.

Halb so wild, möchte eins großzügig einwenden: B. Bidder ist ein junger Mann, der aus seinen Fehlern noch lernen kann, und was tut ein Qualitätsjournalist nicht alles, wenn er eine Mission hat! – Bloß komisch, daß Bidders Boß hier nicht mäßigend eingriff. Obschon er, der Chefredaktor Florian Harms, der Welt vor ein paar Monaten gelobte:

In diesem Sinne berichten wir kritisch, aber fair, leidenschaftlich und mit dem Mut zu unkonventionellen Meinungen, dabei unvoreingenommen, unabhängig und unbestechlich und wenn es das Thema zuläßt gern auch originell.

Nicht einmal „originell“ stimmt.

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Dienstag, 27. Oktober 2015 0:08
Abteilung: Der schreckliche Iwan, Qualitätsjournalismus

Ein Kommentar

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    Harro (wenn Sie so heißen) – ich kann mir die Leser meines Blogs leider nicht aussuchen. Die Kommentatoren allerdings schon. Ihr russenhassendes Gepöbel dürfen Sie jedenfalls für sich behalten und gern überall erzählen, daß im „Abfall“ zensiert wird. Das ist nämlich – anders als das Zeug, das Sie für einen Kommentar halten – die reine Wahrheit. KS

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