Man schreit deutsh (6): Brat und Spiele

Noch ist nicht heraus, ob die deutsche oder die italienische Mannschaft das Halbfinale siegreich bewältigen wird. Sollte die Squadra azzurra heute abend wieder einmal für das Ende hiesiger Titelträume sorgen, kann das aber bestimmt nicht mit der Verpflegung an der Heimatfront zu tun haben. Denn Netto, der „Marken-Discount“, heißt in dieser Woche:

– also Nettfußball, und weiß daher, daß der echte Rums-rums-rumsdi-rumsrumsrums-„Sssieg!“-Siggi neben einer Kanne Bier auch was vom Benzol-Grill braucht, irgendwas, um in die Stimmung zu kommen, die er mir durch sein Gebrüll sofort vermiest, wenn ich in Ruhe die Spielkunst der Löw-Truppe goutieren möchte. In Mägen, die auch der Bruzzzler Einlaß gewähren, paßt praktisch alles, vermuten die Nettfußball-Marketingstrategen, und deshalb verordnen sie:

   In anderen Gegenden der Welt wird gegessen, in den zivilisierten sogar gespeist. Aber hierzulande jibbet Futter wie für die Tiere, aus denen wiederum das Futter hergestellt wird, das die angeschmierten Massen stopft. Und wie die sich darüber freuen, mit ihren schwarzrotgelben Parteiabzeichen auf den Wangen und ihren beißbereiten Mündern:

Sie freuen sich, weil Nettfußball ihnen die Verzehrware erstens „küchenfertig“ – das spart Zeit für mehr Gebrüll – und zweitens zum „Aktionspreis“ – das spart Geld für mehr Bier – liefert. Und sie freuen sich, weil sie unterm asozialen Regiment der marktkonformen Demokratin Merkel sonst gar keinen Grund haben, sich zu freuen, doch darüber denkt man in Zeiten großer Fußballturniere gar nimmer nach.

   Und was fällt gleich vom Einweggrill auf den Pappteller?

Die Kurvenfans jubeln im Chor: „Quelle surprise!“ Statt wie sonst die faden Curry-Gambas oder die prollige Damwildkeule mit acht Gewürzen gibt‘s endlich etwas Ausgefallenes – zermahlenes Schwein und, mjamm-mjamm, geraspeltes Rind:

Da läuft einem doch das Wasser … Nun, es läuft jedenfalls zusammen, was zusammengehört. Und da der Appetit beim Spachteln kommt, muß sofort nachgelegt werden, mit abgehobeltem Minutenhuhn in einer Würztunke, die auf dem heißen Rost zum Himmel zischt:


Manch einen macht schon der Anblick satt.

   Was aber steht heut‘ abend bei Sokolowskys auf dem Tisch? Bandnudeln mit Steinpilz-Pesto. Das hat allerdings mit irgendwelchen Präferenzen für den Ausgang der Partie nichts zu tun. Io giuro!

Alle Abbildungen aus dem Netto-Angebotsprospekt vom 23. Juni 2012


Donnerstag, 28. Juni 2012 14:12
Abteilung: Kaputtalismus, Man schreit deutsh

Ein Kommentar

  1. 1

    Über diesen Text mußte ich gerade so herzlich lachen, daß ich mich an meinem Kaffee verschluckt habe. Phantastisch!

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