Archiv für die Abteilung 'Kaputtalismus'

Die beste aller Welten (7)

Mittwoch, 30. April 2014 0:08

Annähernd 11.000 Euro muß ein Pizzalieferant aus Eberswalde an das Jobcenter Uckermark zahlen, weil er Mitarbeiter so schlecht entlohnt hat, daß diese auf ergänzende Hilfen vom Amt angewiesen waren. Ein entsprechendes Urteil des Amtsgerichts Eberswalde (2 Ca 428/13) ist nun rechtskräftig. Der beklagte Arbeitgeber hatte Stundenlöhne zwischen 1,59 und 3,46 Euro gezahlt und darauf verwiesen, daß seine Beschäftigten ja Trinkgelder bekämen.

Hinz & Kunzt. Das Hamburger Stadtmagazin. April 2014

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Menschen nicht erwünscht

Montag, 28. April 2014 21:57

Kaputte Stadt aus der Nähe

Kaputte Stadt aus der Nähe

Eine Hommage an Alexander Mitscherlichs großes, auch nach fast 50 Jahren unverwelktes Pamphlet Die Unwirtlichkeit unserer Städte, dazu mehrere Spekulationen über die moderne Stadt, in der seit langem keine Bürger mehr wohnen und die am besten ohne Menschen auskäme, außerdem drei kleine Feuilletons, Hamburger Stadtviertel betreffend –: Das alles findet sich in einem Dreiseiter unter der Headline „Die Unwirklichkeit unserer Städte“, den Kay Sokolowsky für das Maiheft von Konkret verfaßt hat.

Dieses Aphorismen-Potpourri (für einen Essay fehlt es an vielem) ist evtl. der Anfang einer größeren, gründlicheren Beschäftigung mit einem Thema, das Sokolowsky seit Jahren umtreibt, nämlich der Abschaffung der Menschheit durch sich selbst.

Vorerst aber ist der Autor zufrieden mit dem, was gedruckt steht, und klopft sich für folgende Metapher (über die Hamburger Hafencity) selbst auf die Schulter: „Hier wächst nichts außer den Schatten“.

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Der schreckliche Iwan (6): Schwatz auf weiß

Sonntag, 27. April 2014 0:33

StadtLandRuss_Detail_(c)_FW-Bernstein_Oktober-VerlagIch könnte jetzt einiges schreiben über „OSZE-Beobachter“, die genau das nicht sind, sondern stinknormale „Kundschafter“. Oder über unsere Medien, die niemand gleichschalten muß, weil sie schon im voraus wissen, was gerade an Propaganda erwünscht ist. Tu ich aber nicht! Sondern oute mich als einer, der bereits vor einigen Jahren wußte, was für Übelfinke und Menschheitsfeinde diese Saurussen da sind.
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Die beste aller Welten (6)

Mittwoch, 23. April 2014 0:34

Aus einer Reportage – einem Meisterstück – von Christoph Hein in der FAZ:

„Das Essen war schrecklich. Jeden Tag der gleiche Brei. Oft war er verdorben“, erzählt Vasugi. „Manchmal fanden wir Kakerlaken darin. Manchmal haben die Männer ihre Zigarettenkippen hineingeworfen. Satt sind wir nie geworden.“ Vasugi war 13 Jahre alt, als ihr Vater sie einem Agenten der Textilfabrik übergab.

[…]

Die Fabrik ist von drei Meter hohen Mauern umgeben. Die Fenster zur Straße sind vergittert. Drinnen rattern unter dem fahlen Neonlicht Hunderte von Spindeln. Es ist mehr als 40 Grad heiß hier, laut. Gut 800 Menschen arbeiten in den Hallen. Vasugi wurde ihr Schlafplatz gezeigt, in einer der Baracken auf dem Hof. Zwölf Frauen in einem Raum voll Matratzen. „Im Monsun hat es hereingeregnet. Die Aufseher haben uns mit der Trillerpfeife geweckt. Für die Morgentoilette blieben uns fünf Minuten. Wir waren immer nach den Männern dran. Die haben sich einen Spaß daraus gemacht, uns beim Schlangestehen anzumachen, uns zu quälen.“

[…]

90 Prozent der Arbeiterinnen seien schon unterernährt, wenn sie kämen, sagt [der Arzt Jagadesh Kumar]. Viele hätten Tuberkulose und schon vorher Atembeschwerden, obwohl sie auf dem Land groß wurden. […] Und die Selbstmorde hinter den Fabrikmauern? „Nein, davon habe ich hier noch nichts gehört“, sagt der Arzt. Dann hat er es eilig, das Gespräch zu beenden.

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Der schreckliche Iwan (4): Es wirkt bizarr

Donnerstag, 27. März 2014 1:29

Schwarzweißdenken im DSCHUNGEL (Sympholboto)

Nein, die folgenden Kursivsequenzen stammen nicht aus der Welt. (Die sich neulich nicht zu blöd war, das widerwärtige Mord- und Brandgeifern der sauberen Frau Timoschenko mit Hinweis auf die Verschlagenheit des Putin-Russen zu relativieren: „Das Gespräch wird jetzt ohne Zweifel von russischen Medien genutzt, um unter den Russen in der Ukraine Stimmung gegen Timoschenko und die neue Regierung in Kiew zu machen.“)

Die folgenden Zitate stehen vielmehr in einer Wochenzeitung, die sich selber eine „linke“ nennt, obwohl einigen ihrer Autoren und Redakteure dies eher peinlich sein dürfte. Kenner der Melodie werden den Verfasser schnell erraten, alle anderen dürfen sich über eine ordentliche Ladung übler Nachrede freuen, die genauso auch von Elmar Brok, Marieluise Beck oder Sigmar Gabriel stammen könnte:

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Der schrecklich kluge Iwan

Samstag, 22. März 2014 2:00

Eddie versucht vergeblich, wie Putin auszusehen (kein Symbolphoto)

Als einsame Stimme der Vernunft unter lauter Eiferern fiel Iwan Rodionow, Chefredakteur der russischen Nachrichtenagentur Ruptly, vor einigen Tagen in der Krawall-Show Hart aber fair angenehm auf. Konfrontiert mit diesem ebenso unaufgeregt wie durchdacht argumentierenden Mann, erwies Frank Plasberg sich als ein Moderator, neben dem Markus Lanz geradezu wie ein Moderater wirkt. (Das „Propagandaschau“-Blog des Freitag hat die Fisimatenten und Fiesheiten der Sendung ordentlich detailliert und außerordentlich angeekelt beschrieben.)

Plasberg jemals wieder für einen objektiven Journalisten zu halten, sollte spätestens jetzt jedenfalls nur noch anderen objektiven Journalisten gelingen. Solchen etwa wie dem Lakaien von Bild.de, der seine Sendungskritik derart überschrieb: „Russen-Journalist blamiert sich bei Plasberg“. (Rodionows „Blamage“ bestand darin, die Begeisterung der Krimbewohner für einen Anschluß an Russland mit dem Ruf der Ostdeutschen 1989 nach der Wiedervereinigung zu vergleichen. Es gehört sich natürlich nicht, slawische Untermenschen mit unsereins zu vergleichen.)

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Der schreckliche Iwan (3): Cosa nostra

Freitag, 21. März 2014 1:26

Putin zeigt sich entsetzt über den Vergleich mit Thaçi (Symbolphoto)

Gregor Gysi wird nicht müde zu bemerken – etwa in seiner Antwort auf Kanzlerin Merkels gestrige Regierungserklärung –, daß Putin sich mit der Krim einfach mal dasselbe Unrecht genehmigt wie Ende der 90er die Nato mit dem Kosovo. Dem erwiderte der bislang eher zurechnungsfähig wirkende SPD-Fraktions-
chef Thomas Oppermann, er finde es „unerträglich“, würde der russische Völkerrechtsbruch auf der Krim durch Hinweise auf „tatsächliche oder angebliche Verstöße durch andere“ relativiert. Wahrscheinlich erträgt Oppermann dies nicht, weil er schwer erklären kann, warum er einst daran mitwirkte, daß Deutsche ohne UN-Mandat (aber mit einer gigantischen Propagandalüge namens „Hufeisenplan“) gegen Jugoslawien Krieg führten und anschließend dessen territoriale Einheit zerschlugen, während er heute dagegen ist, daß die Russen die Ukraine zerstückeln. Obwohl die dafür nicht mal Bomben abwerfen, sondern bloß Reisepässe.

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Der schreckliche Iwan (2): Politik und Reales

Mittwoch, 19. März 2014 23:14

Putin begutachtet die Sanktionen (Symbolphoto)

Völkerrecht ist das eine, Geschäft das andere, und welches Ding schwerer wiegt – nun, einmal dürfen Sie raten. Die große Gelassenheit, mit der Putin und seine Mannschaft auf das Sanktionsgeplärr der EU und der USA reagieren, verdankt sich nicht autokratischer Überheblichkeit, sondern der schlichten Einsicht in die Verhältnisse der Welt. Die Maßgaben westlicher Politik werden ja nicht im EU-Parlament oder im Weißen Haus gesetzt, sondern dort, wo die dicken Parteispenden herkommen.

Mit einiger Belustigung hat der Putin sehr getreue Voice of Russia-Kolumnist Dmitry Babich aufgeschrieben, was die EU sich als Bestrafung für Russland traut, nämlich nichts:

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