Archiv für die Abteilung 'Man schreit deutsh'

Der Prophet im Medienbordell

Sonntag, 11. Januar 2015 12:40

Mandelbulb078a_(c)_Soler97

Bröckers-Hirn, Detailausschnitt (Symbolphoto)

Der Journalist Mathias Bröckers hat zwei Berufungen. Die eine, schon etwas ältere, gilt der Legalisierung von Hanf und dessen Nebenprodukten. Die andere hat ihn vor knapp fünf Jahren ereilt, nach den Anschlägen des 11.September: Seitdem ist Bröckers der erfolgreichste Verschwörungsphantast Deutschlands. Unermüdlich, leidenschaftlich, selbstgewiß wie nur je ein Prophet behauptet er, Al-Qaida sei eine Erfindung der amerikanischen Geheimdienste, Osama bin Laden ein Strohmann der CIA, die US-Regierung eine moderne Version der Nazidiktatur, außerdem seien die Mordpiloten bestimmt nicht die wahren Attentäter, und alle Medien, die etwas anderes erzählen, gehörten zu einem gewaltigen Manipulationskartell. Nach zwei Büchern zum Thema, die bei Zweitausendeins erschienen und einige hunderttausend Male verkauft worden sind, hat sich Bröckers im September 2004 von seinem dankbaren Verlag einen ordentlichen Batzen Serverkapazität spendieren lassen, um „die Lunte der Aufklärung“, wie er das nennt, fortan in einem „Writer’s Blog“ kokeln zu lassen.

Weiterlesen

Abteilung: Director's Cut, Man schreit deutsh, Qualitätsjournalismus, Undichte Denker | Kommentare (0) | Autor:

Der schreckliche Iwan (10): Wahnfried

Freitag, 2. Januar 2015 23:42

Spiegel online schreibt heute über einen Fackelmarsch Kiewer Nazis zum Gedenken an den Hitlerfreund und Massenmörder Stepan Bandera: „Einige Tausend Anhänger rechter Parteien hatten am Donnerstag an dem umstrittenen Fackelzug in Kiew teilgenommen. Dabei war es auch zu einem Übergriff auf Journalisten des russischen Online-Senders Lifenews gekommen.“

Solche massenhaften Nazi-Kundgebungen mit anschließenden Hexenjagden sind in der Post-Maidan-Ukraine zwar seit Februar 2014 die Regel. Aber es ist eine große Ausnahme, wenn deutsche Massenmedien davon einmal Notiz nehmen. Damit das Ausscheren aus der Einheizfront nicht auffällt, biegt der zuständige Spon-Redaktör die Sache so hin, daß wir Lesertrottel sie nicht zu sehr, das heißt, auf die Art Ernst nehmen, wie sie es seiner Meinung nach verdient hat, und untertitelt: „Rußland wähnt Ukraine ‚auf den Spuren der Nazis‘“.

Weiterlesen

Abteilung: Der schreckliche Iwan, Man schreit deutsh, Qualitätsjournalismus | Kommentare (0) | Autor:

Im Glanze dieses Glückes (25 Jahre danach)

Samstag, 8. November 2014 21:31

Einheizflagge_(c)_Kay_SokolowskyMeine Mutter, die in den 50ern aus Erfurt in den Westen türmte, hat sich über den Fall des antifaschistischen Schutzwalls sehr gefreut. Das durfte sie auch, denn sie ist meine Mutter und ihre Familie fehlte ihr sehr. Ich habe mich nicht gefreut, nicht einmal für meine Mutter, doch zum Glück hat sie das nie gemerkt. Ich habe vor meinem Fernsehkasten gehockt, zwischen den Sondersendungen von ARD und ZDF hin- und hergeschaltet und zum ersten Mal in meinem Leben – ich war 26 Jahre alt – keine Lust mehr auf die Zukunft gehabt. Denn die Zukunft, die mir bevorstand, würde gewiß nicht die sein, die ich wollte, die eines globalen Sozialismus. Der Zug war gegen die Wand gefahren, und durch das große Loch, das er beim Crash gerissen hatte, strömten Menschen, die als einzigen Begriff für ihre Stimmungslage nur das Wort „Wahnsinn“ kannten.

Weiterlesen

Abteilung: Director's Cut, Kaputtalismus, Man schreit deutsh | Kommentare (2) | Autor:

Der schreckliche Iwan (9): Alice im Zunderland

Samstag, 25. Oktober 2014 16:52

Am 24. Oktober erklärte Alice Bota den Lesern von „Zeit online“, warum die vielen Nazis in und um Kiew halb so wild, nämlich „Patrioten“ sind und diese Lumpen, wenn ihnen doch mal der rechte Arm eregiert, sowieso auf Putins Konto gehen. Weil Dummheit und Ignoranz nie ohne stilistische Stümperei auskommen, beendet die Qualitätsjournalistin ihr Stück mit der widerlichsten Metapher, die in diesem Kontext denkbar ist:

Zeit_online_24-10-14

Brennt – wie die Menschen im Gewerkschaftshaus von Odessa und Tausende „Pro-Russen“ in der Ostukraine.

Alice Bota dürfte mit diesem Musterstück eines Dreckstextes zur Spitzenanwärterin für den Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis 2015 avancieren. Mit der Redlichkeit, Objektivität, Courage und Unbestechlichkeit der diesjährigen Preisträgerin Golineh Atai kann Bota es zweifellos aufnehmen. Jetzt muß sie bloß noch bei irgendeinem Staatssender anheuern. Aber mit diesem Empfehlungsschreiben sollte das gar kein Problem sein.

Abteilung: Der schreckliche Iwan, Man schreit deutsh, Qualitätsjournalismus | Kommentare (0) | Autor:

Der schreckliche Iwan (8): Veräppel mich!

Dienstag, 2. September 2014 23:35

Schmidt_Putin_Aepfel
Wissen Sie, wie Kriegssprech geht? Wenn nicht, dann gucken Sie mal auf der Website des Tagesspiegel vorbei.

Verweigert beispielsweise Rußland dem Obst aus der EU den Zugang, dann bedeutet dies beim Tagesspiegel: „Obst gegen Rußland“. So, genau so, mit diesem Unterstellungsvokabular beginnen die Weltkriege – und wir Deutsche hetzen wie immer vornweg.

Weil es, das Obst, die Menschheitsverbrechen, die Putin so gern begeht (wie zum Beispiel diese abscheulichen Medikamententransporte in die Ostukraine), nicht aushält, ohne zu verfaulen, gibt es bloß eine Rettung:

Schmidt_Putin_Aepfel_02
Und ich? Esse ab sofort nur noch Bananen. Die kommen nämlich bestimmt nicht aus Rußland.

Das ist meinen polnischen Verwandten aber völlig egal. Die sind nämlich – wenn die Presse nicht lügt, aber wie könnte sie – streuobstbombenmäßig eingenordet:

Schmidt_Putin_Aepfel_03

Mümmeln für den Frieden! Im Akkord auch noch! Putin ist erledigt.

Screenshots: „Der Tagesspiegel“ 

Abteilung: Der schreckliche Iwan, Kaputtalismus, Man schreit deutsh | Kommentare (1) | Autor:

Ich bekenne Farben (Epilog)

Sonntag, 13. Juli 2014 23:53

Ernst Hugo Neger gewidmet

 Wasserball_(c)_Kay_Sokolowsky


So ein Tag so heute,

So ein Tag, der freute,
Und wer? Wer wann?
Wann wiedersehn?

Weiterlesen

Abteilung: Bored beyond belief, Lieder ohne Werte, Man schreit deutsh, Selbstbespiegelung, Unerhört nichtig | Kommentare (0) | Autor:

Die beste aller Welten (8)

Freitag, 27. Juni 2014 0:15

In der Hamburger Morgenpost steht am 26. Juni dies auf Seite 8:

Emotionaler Verhandlungstag im Yagmur-Prozess. Als gestern Handy-Fotos des zu Tode geprügelten [dreijährigen; K. S.] Mädchens gezeigt wurden, weinte die angeklagte Mutter. […]

Auf den ersten Blick ganz normale Eltern mit einem ganz normalen Kind. Auf einigen Bildern aber sind dunkle Flecken in Yagmurs Gesicht und an den Beinen zu sehen. […]

Selbst eine Richterin ließen die Aufnahmen nicht kalt. Sie wirkte erschüttert, als die Bilder gezeigt wurden, und legte kurz die Hände vor das Gesicht.


Und das darf man in derselben Ausgabe auf den Seiten 6 und 7 lesen:

Anfang Mai war Gigi-Daniel Filip (26) aus Rumänien nach Neu-Wulmstorf (Landkreis Harburg) gekommen. In der Hoffnung auf ein gutes Auskommen, auf einen guten Job. Einen Job in der Fleischfabrik „Schwarz Cranz“ von „Wurstkönigin“ Kristin Schwarz. Doch nun steht Filip vor dem Nichts. Von seinem Gehalt hat er keinen Cent gesehen, wie er sagt.

„Ich kann meine Miete nicht mehr bezahlen, sollte für Mai eigentlich 700 Euro Gehalt bekommen“, sagt Filip […]. Viele Stunden habe er in der Wurstfabrik geschuftet, nun fühle er sich übers Ohr gehauen. […]

Neben Gigi-Daniel Filip fühlen sich auch andere Mitarbeiter um ihren Lohn betrogen. Und sie befürchten, daß sie von ihrem hart verdienten Geld nicht viel sehen werden. Denn gestern kam heraus: Das Subunternehmen „Birservice GmbH“ ist insolvent. […]

Gestern räumte ein Sprecher der Wurstfirma allerdings ein, daß man bereits im Oktober vergangenen Jahres über die schlechten Zustände in einer der Arbeiter-Unterkünfte von „Birservice“ informiert worden sei. Warum man die Zusammenarbeit nicht umgehend beendet hat, erklärt er so: „Frau Schwarz [die Wurstkönigin; K. S.] hat alle Unterkünfte inspiziert und diese eine schließen lassen. Sie hat sogar selbst neue Matratzen gekauft.“


Weiterlesen

Abteilung: Die beste aller Welten, Kaputtalismus, Man schreit deutsh | Kommentare (1) | Autor:

Ich bekenne Farben (3)

Samstag, 21. Juni 2014 19:14

Fan-Set_Aufmacher_03_(c)_Kay_SokolowskyIn Folge eins und zwei konnten Sie, lieber Leser, liebe Leserin, miterleben, wie ich das „Mega Familien Fan-Set“ Stück für Stück auspackte und dabei eine Kostbarkeit der anderen folgte. Sie wurden Zeugen, wie die herrlich unverkrampften, typisch spaßdeutschen Schlachtenbummler-Accessoires aus mir, einem notorischen Spielverderber, einen fröhlichen Schlandfan machten.

Nun aber ist es an der Zeit, die prächtigen Produkte auch praktisch zu erproben! Was fängt man zum Beispiel mit den drei Trillern im pfiffigen Fußball-Dessin an? Wenn ich die zu Hause benutze, riskiere ich einen ernsten Zwist mit meiner geräuschsensiblen Gattin. Draußen auf der Straße wiederum hört mich kein Mensch, selbst wenn ich in alle drei Quetschflöten gleichzeitig blase – vor dem Haus regieren nämlich Kanonenböller und Preßlufthörner.

Karton_unten_(c)_Kay_SokolowskyDie Rückseite des Fan-Set-Kartons bringt mich auf eine Idee von gewisser Brillanz. Ebenso überraschend wie geschmackvoll als Deutschlandfahne gestaltet, läßt sich die stabile Pappe zusammen mit den Trillerpfeifen auch als Schautafel benutzen. Etwa um die Abseitsregel zu erklären. Ich nehme zunächst zwei Situationen vorweg, die beim Match Deutschland gegen Ghana heute abend zu erwarten sind.

Weiterlesen

Abteilung: Bored beyond belief, Man schreit deutsh, Selbstbespiegelung, Unerhört nichtig | Kommentare (0) | Autor: