Archiv für die Abteilung 'Man schreit deutsh'

Derrick im Dreck

Freitag, 3. Mai 2013 12:39

Was passiert wäre, wenn Ex-SS-Mann Horst Tappert und sein Waffengenosse, der begeisterte Nazi-Propagandist sowie nachmalige „Kommissar“- und „Derrick“-Stammautor Herbert Reinecker, den inneren Schweinehund von der Kette gelassen hätten: Das hat sich Kay Sokolowsky für die „Wahrheit“-Seite der Taz ausgemalt.

Obwohl der Autor den Kauf der Print-Ausgabe dringend empfiehlt, erlaubt er ausnahmsweise den Aufruf der Online-Version. Denn was sich dort in den Leser-Kommentaren abspielt, ist an Blödheit, Ignoranz und Nazi-Sympathisantentum nicht zu überbieten. – Eine Auswahl der dumpfesten Zuschriften finden Sie hier:

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Abteilung: Man schreit deutsh, Schwammintelligenz, Sokolowsky anderswo | Kommentare (4) | Autor:

Deine Fahne stinkt

Dienstag, 30. April 2013 21:49

Warum der Nationalismus eine Eselei und der Chauvinismus zum Fürchten ist, erklärt Kay Sokolowsky im Mai-Heft von Konkret. Obwohl er sich bemüht hat, schöne Worte zu einem häßlichen Thema zu finden – nämlich dem größenwahnsinnigen Geschmarre hiesiger Journalisten und Politiker in der Euro-/Banken-/Staatsschuldenkrise (bitte den bevorzugten Euphemismus wählen) –, weiß Sokolowsky, daß der brillanteste Satz in seiner Polemik nicht von ihm, sondern von Karl Kraus stammt.

Und weil man in diesen Schreckenstagen der „eisernen Kanzlerin“ (Spiegel online) gar nicht oft genug aus Die letzten Tage der Menschheit  zitieren kann, steht das große prophetische Dichterwort jetzt auch hier: „Man sollte sich gewöhnen, das, was man britischen Neid, französische Revanchesucht und russische Raubgier nennt, als eine Aversion gegen den ehernen Tritt deutscher Schweißfüße aufzufassen.“

Abteilung: Man schreit deutsh, Sokolowsky anderswo | Kommentare (1) | Autor:

Man schreit deutsh (11): Kein Cent für Europa

Montag, 29. April 2013 23:01

Budnikowski-Kundin (Symbolbild)

29. April, kurz vor eins. Ich stehe an der Kasse einer Filiale der Drogeriekette Budnikowski im Hamburger Elbvorort Blankenese. Vor mir eine blaublonde Ureinwohnerin. Sie ist um die 60 Jahre alt, trägt Kleidung, die teurer gewesen sein dürfte, als sie auf den ersten Blick wirkt, sowie eine Frisur, die mindestens einmal pro Woche vom Coiffeur renoviert wird. An ihr Gesicht läßt diese Frau nichts heran als handgeschöpfte Seife und die Sonne über Sylt. Sie spricht mit einer Stimme, die sogar im Umgang mit Domestiken nicht laut werden muß.

VERKÄUFERIN. Das macht fünfundzwanzig Euro vier.
KUNDIN (wühlt lange im Portemonnaie). Hier. Fünfundzwanzigfünf.
(Gönnerhaft.) Den Cent können Sie behalten.
VERKÄUFERIN. Wollen Sie ihn spenden?
KUNDIN (mißtrauisch). An wen?
VERKÄUFERIN. An die Budnianer. (Zeigt auf eine Sammelbox neben der
Registrierkasse.)

KUNDIN. Was ist das?
VERKÄUFERIN. Das ist eine Hilfsorganisation für Kinder und Jugendliche.
KUNDIN. Deutsche Kinder?
VERKÄUFERIN. Äh … ja.
KUNDIN. Gut. Wenn das an ausländische gehen würde, müßten Sie mir
den Cent zurückgeben.

Und schwebt davon, dieses Prachtstück, das bestimmt ernsthaft erwägen würde, die „Alternative für Deutschland“ zu wählen, träte nur Thilo Sarrazin für die neue Partei an.

Photo: Wikimedia commons/Elbratzo

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Merkel und die Leere der Geschichte

Dienstag, 9. April 2013 21:13

Dem menschen- und menschenrechteverachtenden Umgang der deutschen Politik mit einwandernden Roma aus Osteuropa widmet sich Kay Sokolowsky im neuen Konkret. Dabei findet die unfaßbar bigotte Rede der Kanzlerin anläßlich der Einweihung des Denkmals für die 500.000 von Deutschen ermordeten Sinti und Roma besondere Berücksichtigung. Sokolowskys insgesamt eher unpatriotische Polemik läßt sich zwar online nachlesen, sollte aber besser im Ensemble der Druckausgabe wahrgenommen werden.

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Der Blogger ist blockiert (3): Kassiber

Donnerstag, 14. Februar 2013 22:02

Herr G. ist in Zimmer 8 der Chef oder hält sich jedenfalls dafür. Er will, nachdem ich an meinen Fensterplatz gerollt worden bin (kahle Äste vor Schiefer-
himmel), nicht wissen, wie‘s mir geht, sondern ob ich aus einem Zweibettzimmer hierher verlegt worden sei. „Nein, direkt vom OP-Tisch“, sage ich mit etwas Mühe. Das scheint den alten Mann zu verdrießen. Eventuell sammelt er Material für eine Verschwörungstheorie, die sich um seinen zweifellos skandalösen Fall dreht. Jedenfalls ignoriert er mich in den folgenden Stunden.

Erst als meine Frau mit der Übernachtungstasche erscheint, wird er wieder gesprächig. Wir wundern uns, daß zwischen Herrn G.s und meinem Bett so viel Raum ist. Das bleibe nicht so, der Mann komme bald wieder, rasselt Herr G. (er hat was mit der Lunge). „Ein Türke“, sagt er in einem Tonfall, der alles ausdrückt, wofür Thilo Sarrazin, die Niete, 500 Buchseiten braucht. – „Oh“, sage ich, „kein Problem, ich mag Türken.“ Schlagfertiger kann ich gerade nicht. Für Herrn G. reicht‘s als Provokation. „Na“, sagt er, „ob Sie das auch mögen, wenn hier alles voll ist mit seiner Familie … Bis zur Wand stehen die, überall.“ – „Stört mich nicht“, sage ich, „dann muß ich wenigstens mein eigenes Gejammer nicht hören.“ Martina lacht, Herr G. ist erneut verdrossen. Ich kann nicht behaupten, daß mir das leid tut.

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Abteilung: Man schreit deutsh, Selbstbespiegelung | Kommentare (3) | Autor:

Man schreit deutsh (10): Um Pimmelswillen!

Sonntag, 21. Oktober 2012 18:42

Darauf ist bei den Webportalen halbwegs seriöser Zeitungen, zumal jedoch bei Zeit online seit Monaten Verlaß: Steht dort irgendein Artikel über die Zirkumzision aus religiösen Gründen, versammeln sich binnen Stunden aberhunderte von Warnern und Mahnern, um sich für die Babys von Juden und Muslimen so heftig ins Zeug zu legen, wie sie es für deren Eltern nie und nimmer täten. Kein anderes Thema erregt und empört diese Heerschar von Heuchlern und Holzköpfen mehr – nicht das Schlachtfest in Syrien, nicht die Verelendung Griechenlands, ja, nicht einmal der Bildungsnachweis-schummel der Bundesbildungsministerin.

Wer dahinter Antisemitismus und Muslimfeindlichkeit vermutet, liegt selbstverständlich goldrichtig. Doch diese Wahnvorstellungen, ohne die jeder zweite deutsche Bürger nicht leben mag, können sich woanders ungleich ungenierter austoben: etwa anläßlich des neuesten Israelamok-gestammels von Günter Grass  oder bei dem Schnellgerichtsverfahren gegen einen geistlich reduzierten Salafisten in Köln. Hier sind trotzdem nicht halb so viele Schnappatmer in den Kommentarspalten unterwegs, um ihre Dummheit und Afterbildung zu digitalisieren, wie beim Jahrtausendthema Beschneidung.

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Abteilung: Man schreit deutsh | Kommentare (1) | Autor:

Man schreit deutsh (9): Olympisches Wortringen

Sonntag, 12. August 2012 21:44

GOLD
„Es ist schon trüb, das ist ganz klar.“
Thomas Lurz über das Wasser im Serpentine Lake
(10. August, 15.30 Uhr, ARD)

SILBER
„Positiv auch für sie? Ich mein‘ das jetzt im positiven Sinne.“
Sigi Heinrich während des Hochsprungwettbewerbs der Frauen
(11. August, 21.15 Uhr, Eurosport)

BRONZE
„Es ist eigentlich normal, daß es Enttäuschungen gibt bei Olympischen Spielen – aber auch Überraschungen.“
Oliver Frick zieht seine Olympia-Bilanz
(12. August, 18.56 Uhr, NDR Info)

BLECH
„Sein nächster Sieg muß sein, mit dieser Niederlage fertig zu werden.“
Hans-Wilhelm Gäb über Timo Boll
(zit. n. Stern.de, 31. Juli)

HOLZ
„Wenn Sie so schnell wie Yohan Blake werden wollen, essen Sie jeden Tag 16 Bananen.“
Wolf-Dieter Poschmann über das Geheimnis jamaikanischer Sprinter
(zit. n. Tagesspiegel.de, 10. August)

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Man schreit deutsh (8): Ein Volk in Zahlen

Sonntag, 8. Juli 2012 16:35

• Teilnehmer am Hamburger
„Schlager-Move 2012“: 500.000

• Verkaufte Tickets für Show-Acts
von Mario Barth: 6.000.000

• Anteil der Deutschen, die mit
Kanzlerin Merkel zufrieden sind:
66 %

• Anteil der Deutschen, die über
kein oder nur geringes Vermögen
verfügen (Schätzung): 66 %

• Gesamtbetrag der 2011
in Deutschland geleisteten
Spenden: 4,3 Mrd. Euro

• Auf schweizer Konten
gelagertes Vermögen deutscher
Steuerhinterzieher (Schätzung):
80 Mrd. Euro

• Antisemiten in Deutschland (Schätzung): 20 %
• Anteil der Deutschen, die niemals ein Buch lesen: 25 %
• Durchschnittliche Einschaltquote bei der 9. Staffel von
„Deutschland sucht den Superstar“: 26 %

• Deutsche, die stolz sind, Deutsche zu sein: 60 %

Photo: Wikimedia commons, 4028mdk09

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