Man schreit deutsh (10): Um Pimmelswillen!

Darauf ist bei den Webportalen halbwegs seriöser Zeitungen, zumal jedoch bei Zeit online seit Monaten Verlaß: Steht dort irgendein Artikel über die Zirkumzision aus religiösen Gründen, versammeln sich binnen Stunden aberhunderte von Warnern und Mahnern, um sich für die Babys von Juden und Muslimen so heftig ins Zeug zu legen, wie sie es für deren Eltern nie und nimmer täten. Kein anderes Thema erregt und empört diese Heerschar von Heuchlern und Holzköpfen mehr – nicht das Schlachtfest in Syrien, nicht die Verelendung Griechenlands, ja, nicht einmal der Bildungsnachweis-schummel der Bundesbildungsministerin.

Wer dahinter Antisemitismus und Muslimfeindlichkeit vermutet, liegt selbstverständlich goldrichtig. Doch diese Wahnvorstellungen, ohne die jeder zweite deutsche Bürger nicht leben mag, können sich woanders ungleich ungenierter austoben: etwa anläßlich des neuesten Israelamok-gestammels von Günter Grass  oder bei dem Schnellgerichtsverfahren gegen einen geistlich reduzierten Salafisten in Köln. Hier sind trotzdem nicht halb so viele Schnappatmer in den Kommentarspalten unterwegs, um ihre Dummheit und Afterbildung zu digitalisieren, wie beim Jahrtausendthema Beschneidung.

Was also motiviert das Gegreine und Geplärre über „zerstörtes Kindeswohl“, „lebenslängliche Traumatisierungen“, „Mißhandlung Schutzbefohlener“ bei Leuten, die zweifellos kein müdes Arschrunzeln übrig haben für die 14 Prozent einheimischer Eltern, die mit Kochlöffel, Gürtel und Faust erziehen, oder für die rund 1,1 Millionen Kinder in Deutschland, die in Armut leben? Ich frage mich das seit Monaten, ohne eine wirklich überzeugende Antwort gefunden zu haben.

Doch endlich ward mir Erleuchtung zuteil, und zwar durch einen besonders eifrigen Zeit online-Kommunarden namens „Chandler 81“:

Diese Drohung, so hohl wie der Kopf des Verfassers, hätte kaum lachhafter ausfallen können, wenn der Kerl, der einen großen Namen mißbraucht, weil er sich, gewiß zu Recht, für seinen eigenen schämt, „wichstigste“ geschrieben hätte. Aber neben der herzlichen Schadenfreude über seine Erzdummheit muß man dem verkappten Volksvertretungsaufrüttler vor allem für die psychologisch höchst erhellende Beschneidung des Wortes „Mitglieder“ ums Präfix sein.

Denn jetzt weiß ich, was all diese bigotten „Aufklärer“ umtreibt, wenn sie sich in Rage phantasieren und durch die Blutfluten tauchen, die ihr Wahn von den Tischen der Mohels branden sieht: Kastrationsangst. Ihnen tut ihr schwächstes, aber wichtigstes Glied schon weh, wenn sie von Beschneidung bloß lesen. Und so geht, wie immer in Deutschland, das, was sich als Aufklärung verkleidet, voll in die Hose.

 


Sonntag, 21. Oktober 2012 18:42
Abteilung: Man schreit deutsh

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Ein Kommentar

  1. 1

    …tatsächlich, die heutigen Deutschen erscheinen überwiegend hassenswert. Allein schon diese gutturale, brutale, vor Regeln triefende Sprache, die macht diese Monstren ja schon automatisch zu Herrenmenschen.
    Was kann man bloß gegen sie unternehmen? Vielleicht aus Verantwortungsgefühl einfach keine Kinder mehr bekommen?
    Auf der anderen Seite sind diese Ekel-Deutschen ja auch zu etwas gut: Wir fühlen uns besser, wenn wir auf sie herabschauen …

    Hm. Vielleicht würde es schon helfen, wenn die Deutschen ihrer schönen Mutter Sprache nicht so oft Gewalt antäten? Und wenn sie einfach mal das Maul hielten, wo sie noch die Tausendjahresschamfrist abzuleisten haben? Das würde erst recht helfen. – Und, schließlich, wie soll ich denn auf diese Deutschen herabschauen? Bin doch selber einer. Fehlte mir noch, stolz drauf zu sein! KS