Die beste aller Welten (11): Marktwerte …

… angepaßt an den Status Quo.

1) Wer arbeitet, soll auch nicht essen. Beispiel:

Eine Woche Urlaub im Jahr, das können sich nach Angaben des Statistischen Bundesamts mehr als eine Million Erwerbstätige nicht leisten. (…)
Birgit N. zum Beispiel steht 30 Stunden die Woche an der Rezeption eines Berliner Hotels, die Frühschicht beginnt um sieben Uhr. Dabei muss sie immer top aussehen. Niemand darf bemerken, dass die Empfangsdame nur ein Paar Schuhe hat. (…)
Ihre Mutter hat sie seit mehr als vier Jahren nicht gesehen, die wohnt 600 Kilometer entfernt. Eine Fahrt – zu teuer. Doch Arbeit verweigern, weil es sich nicht mehr lohnt? „Nein, auf keinen Fall“, sagt N. Dann sei die Chance auf eine Vollzeitstelle erst recht vertan.
(Süddeutsche, 9.3.2015)

2) Bildung führt in die Armut. Beispiel:

Architekten, die für 1500 Euro brutto Vollzeit arbeiten. Grafikdesigner, die als Selbständige einen monatlichen Gewinn von 200 Euro ausweisen und deswegen aufstocken müssen. Absolventen, die in Werbeagenturen oder großen Verlagen ganze Kampagnen leiten – für ein Praktikumsgehalt von 500iEuro im Monat. (…)
„Einige meiner Kunden nehmen die Arbeitgeber auch noch in Schutz“, sagt [ein Vermittler eines Berliner Jobcenters]. „Es sei im Moment eben eine schwierige Situation, und das Renommee eines großen Namens sei doch auch viel wert, heißt es dann.“
(Süddeutsche, 9.3.2015)


Dienstag, 10. März 2015 23:59
Abteilung: Die beste aller Welten, Kaputtalismus

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