Dschungelexpertise

Gar nicht leicht zu sagen, wer peinlicher und blöder ist: die Leute, die bei „Ichibin ein Star, holt mich hier raus“ mitwirken, oder ihre Zuschauer. Am peinlichsten aber, am allerblödesten und außerdem erbärmlichsten sind jene Journalisten, die täglich das Nichtgeschehen im australischen Freiluftstudio fürs stumpfe Presspublikum referieren. Dieser Show zuzusehen oder Farbe beim Trocknen, macht schon keinen großen Unterschied. Über die infantile Nullität jedoch nicht bloß zu quatschen, sondern professionell zu reden, und zwar so, als handele es sich um ein Ding von Relevanz und Witz statt von Nichtigkeit und Deppenhumor -: Das faßt das ganze Elend des Journalistenlebens, seine Verächtlichkeit und Miserabilität wie in einer Dumpfnußschale.

Es geht freilich immer noch schlimmer, und deshalb mußte ich heute nachmittag auf der Website der Hamburger Morgenpost das hier sehen:

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Mopo.de, 20.1.2015

So tief sinkt kein Schmierenschauspieler und kein Bierzeltmusiker, daß er mit dergleichen Geld verdienen möchte! Känguruhhoden zu verschlingen, mag mit der Menschenwürde nur schwer vereinbar sein. Aber solche Schmach vergeht, indes diese Selbstetikettierung bleibt, die Schande, als

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durch den Tag zu gehen und mit derlei Schwachsinn die Lebenszeit zu verschwenden:

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Rike Schulz ist übrigens nicht nur Dschungel-, sondern laut Mopo.de auch „Promi-Expertin“, und als selbsternannte Fachfrau für Menschen, die sie selbstverständlich kein Deut besser kennt als unsereins ordinäre Fernsehcouchkartoffel, erfrecht Schulz sich, über Rolf Zacher, der leider auch bei „Ich bin ein Star …“ mit- und einen altersgemäß tatterigen Eindruck macht, folgende Televisionsdiagnose zu stellen:

Wenn es keine gespielte Rolle ist, dann ist es verdammt traurig, was wir da sehen.

Sie ahnt es nicht, doch sie spricht keineswegs über Zacher, sondern beschreibt ihre eigene Schrumpfexistenz als „Dschungel-Expertin“. Dergleichen Vorgänge sehen zu müssen, ist tatsächlich verdammt traurig, und es wäre sogar zum Heulen, wäre all das nicht so zum Kotzen.


Donnerstag, 21. Januar 2016 0:36
Abteilung: Bored beyond belief, Qualitätsjournalismus, Unerhört nichtig

4 Kommentare

  1. 1

    Und? Wer wird’s gewinnen? Ich wette auf Menderez.
    Mit frdl. Grüßen, Daniel Lüdke

    Wie? Da kann man was gewinnen? Echt? KS

  2. 2

    Da baut man mit Sorgfalt eine Wahrnehmungsmauer gegen diesen Medienabort und fühlt sich einigermaßen sicher, da kommt der Sokolowsky grummelnd und polternd mit dem Haupt einer Dschungelkritikerin auf dem Tablett durch die sicher gewähnte Hintertür. Et tu, brute?

    Lieber Andreas Schmid, das mit der Wahrnehmungsmauer hab ich auch versucht. Aber kaum erwacht man für eine halbe Stunde aus dem Winterschlaf, ist die Mauer schon gefallen. Und weil dieses Blog sich dem Abfall in jeder Form widmet (s. Titel!), sind meine Leser vor keinem Dreck sicher, nicht mal vor diesem, leider. – „Medienabort“ ist übrigens ein sehr passender Ausdruck, danke dafür. KS

  3. 3

    Lieber Kay, nachdem das mit der Mauer nicht klappt (kann ich nach Selbstversuch bestätigen), bleibt zur Vermeidung des eigenen Kippens in den Medienabort eigentlich nur noch der Rückzug in die Gelassenheit des Zen-Meisters und, von dieser Position gesprochen, der eine oder andere Sinnspruch aus dem Schatzkästlein des Bildunksbirgers, sowohl klaschiss als auch bodenständig boarisch: „Suum cuique“, und/oder: „Wer’s mog..“ Ändern wern wir’s net mehr …

    Lieber Ted, wenn ich mal gelassen werde, wachsen Blumen aus mir raus. – Und ich will ja auch nicht mehr, als meine Fassungslosigkeit angesichts solcher Barbarei loswerden. Siehe Header: „Eine Art Notizbuch“. In der Hoffnung, daß der eine Leser oder die andere Leserin ihren Ärger bei mir wiederfinden, kathartischer Effekt und so. – Ich muß allerdings eine Rüge erteilen: „Suum cuique“ taugt auch in tausend Jahren nicht mehr zum Wahlspruch. Das stand (und steht) nämlich, in der verdeutschten Fassung, über dem Tor zum KZ Buchenwald. KS

  4. 4

    Sicher ist diese Veranstaltung unglaublich blöde und von kaum erträglicher Peinlichkeit. Aber ganz nichtig ist sie nicht. Offenbart doch das armselige Urwald-Panoptikum lehrbeispielhaft, wie hundserbärmlich sich menschliche Individuen verhalten, wenn sie sich unter prekären Bedingungen zur Konkurrenz zwingen lassen. Die psychischen Deformierungen, die das zur Folge hat und die da zum billigen Ergötzen des dachschadenfrohen Publikums vorgeführt werden, erleidet letzteres ja nicht eben selten selbst. Und sei es bloß bei der „Teamarbeit“ unter den Topfpalmenwedeln der Großraumbüros.
    Jedenfalls hat sich das, was sich da in den Dschungel hat karren lassen, in der Tat einen Platz in deinem Blog verdient; es handelt sich ja wirklich um eine Art Abfall aus der (Medien-)Warenwelt. Oder freundlicher ausgedrückt: um mehr oder minder verzweifelte Existenzen, die anscheinend keine größere Angst kennen als die, aus dieser Welt herauszufallen und die nun mehr oder minder verzweifelt versuchen, dem Wert ihrer Ware Arbeitskraft aufzuhelfen. Und wenn es dazu die Regeln des (Dschungel-)Marktes verlangen, dann scheißen diese armen Schweine eben auf sämtliche etwa noch vorhandenen Reste ihrer menschlichen Würde und fressen praktisch jeden Haufen Känguru- oder sonstige Scheiße, der ihnen vorgesetzt wird. Und lassen sich ganz ungeniert dabei zuschauen. Über die Menschenwürde derjenigen, die sich dadurch p…n, dass sie diesen tristen Abgrund geistigen Elends moderieren oder zum Medienereignis hochkommentieren, muss man weiter kein Wort verlieren. Diese wohlfeile Art von Medienh…chen beiderlei Geschlechts macht’s immer ohne.
    Immerhin muss man sich den Mist ja nicht anschauen. Oder man kann die Morgenpost ungelesen in Streifen schneiden und auf Klo hängen, oder man kann sich die Ohren zuhalten, wenn aus dem Supermarktlautsprecher der nächste Dschungel-Jingle quakt. Der Welt entfliehen, die so was hervorbringt, kann man so natürlich nicht. Aus der holt einen keiner raus, es sei denn, man tut es selbst. Was nicht so ganz einfach ist. Denn bekanntlich kommt in unser aller Warenwelt vor der Moral das Fressen, und das offensichtlich selbst dann noch, wenn bloß Scheiße serviert wird. KP

    Amen! (An zwei Stellen habe ich aus juristischen Gründen eingreifen müssen, bitte um Nachsicht.) KS

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