My fair vanity

Mit speziellem Gruß an Bernd Ladwig


Anmerkungen zur Polemik, erster Durchgang

Das öffentliche Schreiben, egal auf welchem Niveau, besteht zu mindestens einem Viertel aus Posieren, das heißt, aus dem Ideal, das der Schreiber von sich hat, wenn er seine Mitteilungen an ein Publikum richtet. Weitere wenigstens zehn Prozent jedes von Menschen für Menschen verfaßten Schriftstücks sind Anbiederung an die jeweils als Leserschaft vorgestellte Gruppe (man kann es auch, freundlicher, den Wunsch nach mehr Gehör nennen). Und die übrigen max. 65 von 100? Die sollten aus dem Talent bestehen, Wörter gut zu behandeln und den Stil an je andere Textformen anzupassen, ohne ihn zu verlieren. Und was passiert, wenn das Posieren, sagen wir, auf 60 Prozent anschwillt und zugleich das Anbiedern auf 30? Dann haben Sie eine brauchbare Formel für Henryk M. Broder.

Wo wiederum das Bosseln an den Sätzen so maßlos wird, daß man das Massenpublikum vergrault, befindet sich der Autor auf jeden Fall in einer Gesellschaft, die ihm behagt, weil sie nicht unter seinem Niveau denkt. Deshalb kann der Prosafetischist darauf verzichten, auch bloß ein Quantum seines stilistischen Bemühens an Gefälligkeiten oder Selbstdarstellung abzugeben: Die Eigenherrlichkeit der Sätze ist die des Autors, das Pflastern der Absätze mit Anspielungen, Halbzitaten und Doppeldeutigkeiten das Beste, was er seinen Lieblingslesern an Unterhaltung anzubieten hat, und des Schreibers Passion für Form und Architektur eines Textes verhindert, daß er zuviel Passion für sich selbst entwickelt. Sie können sich denken, daß ich hier von mir rede bzw. von dem, was ich in meinen Arbeiten versuche: einen Stil, der sich aus diversen Quellen speist, doch unverkennbar meiner ist, Marotten und Manierismen inbegriffen, zum Beispiel ein fatales Vergnügen an Wortspielen und Adjektiven.

Mir scheint die Polemik unter sämtlichen avancierten Prosaformen die problematischste, das heißt, diejenige zu sein, welche vom Autor verlangt, die größten Schwierigkeiten zu lösen: Als Ankläger posieren, ohne dem Gegner offene Flanken anzubieten, Richtsprüche fällen, ohne selbst unter ihren Bann zu fallen, moralisch schreiben, ohne zu predigen. In der erzählenden Literatur, in Drama und Gedicht und selbstverständlich in sämtlichen Auswüchsen der Gebrauchsschreiberei kann einer als Meister gelten, obwohl er regelmäßig an den Tempora scheitert oder jede grad angesagte Floskel in seinen schlicht ausgestatteten Satzbaukasten übernimmt. Die Polemik hingegen rächt sich unmittelbar an denen, die sie nicht begreifen, aber probieren. Das habe ich beim größten aller Polemiker, Karl Kraus, gelernt, aus seinen millenaren Polemiken gegen die Möchtegernpolemiker Maximilian Harden und Alfed Kerr. Und so was habe ich nicht selten bei meinen eigenen Polemiken feststellen müssen –: es über den Versuch nicht hinausgebracht und mit mehr oder weniger faulen Witzen die Lahmheit überspielt – oder eine Meinung vertreten zu haben, die nicht viel richtiger war als die attackierte, jedoch mit einem Arsenal an rhetorischen Tricks und Effekten hochgestapelt.

Der Primat der Rhetorik in der Polemik zieht viele Autoren an, die sich einbilden, gut reden zu können, aber wenn ich die polemischen Texte Thomas Manns oder Goethes lesen, bin ich etwas peinlich berührt von der Gemütlichkeit dieser Piécen, ihrer Sorge, gar zu vielen auf den Schlips zu treten. Als Pamphletisten wiederum sind weder Mann noch Goethe zu verachten; einige Rundfunkansprachen Thomas Manns aus dem amerikanischen Exil zählen zum Stärksten, was die deutschsprachige Literatur in diesem Genre anzubieten hat. Doch ist das Pamphlet nicht mal eine halbe Polemik, denn es mangelt ihm prinzipiell an Selbstbeobachtung und Ironie.

Es reicht für einen Polemiker nicht, sarkastisch zu tun oder satirisch – das ist wohl eine Kunst für sich, doch von jedem talentierten Lumpen beherrschbar. Auch genügt es nicht, ein hohes ethisches Bewußtsein zu haben, denn gern schlägt Moralismus um in diesen schrecklich geschwollenen Oberlehrerton, den zumal die Deutschen an ihren Modepolemikern immer sehr geschätzt haben, dieses Wortgeknarre und Satzgepluster, diese Schwelgerei in gestelzten Sätzen, Phrasen und schiefen Bildern. Das Klassenziel verfehlen auch jene Polemiker, die das Objekt ihrer Kritik nicht ernstnehmen, die es kleiner oder dümmer reden als es ist, und die so tun, als wäre der Gegenstand es im Grunde nicht wert, von ihnen angegriffen zu werden. Das verdirbt beispielsweise so ziemlich alles, was Unscharfdenker wie Maxim Biller oder Thomas von der Osten-Sacken als Polemik auswürgen. Gleich gar nicht macht die Häufung von Schimpfwörtern und drastischen Ausdrücken den Polemiker. Eine Polemik kann den Ton der Tirade anstimmen, die Tirade jedoch nie den vollen Orchesterklang der Polemik.

Schließlich gehen Polemik und Beleidigtheit nie eine fruchtbare Verbindung ein: Nietzsche, dem der Geltungshunger die schönsten Ansätze kaputtmachte, dessen Verhöhnungen des Pöbels stets etwas Pöbelhaftes haben, hätte gewißlich auch ohne Syphilis anders geschrieben, wäre ihm nur beizeiten weltweit Verehrung gezollt worden. In seinen wüstesten Ausbrüchen gegen die Epoche steckt mehr verletzte Eitelkeit als gerechter Zorn: Das scheidet ihn von einem echten Aristokraten des Geistes und wahrhaft schöpferischen Schimpfer wie Arthur Schopenhauer. Der Polemiker stellt sich zwar so dar, als sei er erhaben über die Masse und ihre Irrtümer. Aber auf diesen reichlich dramatischen (und deshalb sehr reizvollen) Gestus darf er selbst nie hereinfallen. Er kann ja gern verlangen, daß sich die Leser zu ihm hinaufbemühen. Doch warum sollten sie sich das antun, wenn er sie sowieso für Idioten hält?

Anmerkungen zur Polemik, zweiter Durchgang

Es ist mir, seit ich polemische Texte veröffentliche, nicht oft gelungen, dem Ideal dieser literarischen Form nahezukommen. Ichischreibe sowieso nicht viel, da fallen Polemiken, mit denen ich wirklich zufrieden bin,idie zwischen Satire und Pathos, Sprachkritik und Rhetorik halbwegs ausbalanciert sind, recht selten aus.

Einer dieser raren Fälle ist mir, glaube ich, inieinem längeren Beitrag für das aktuelle Konkret-Magazin gelungen, und ich hoffe, daß Sie, liebe Leserin, lieber Leser, mich nicht für eitel erachten, weil ich den Stolz auf dieses Werkstück nicht für mich behalte. Die meisten Sachen, die ich anfertige, mag ich spätestens bei Veröffentlichung nicht mehr leiden, falls ich sie nicht am liebsten vergessen würde. Ich weiß ganz gut, wann ich den eigenen Ansprüchen nicht gerecht werde, und ich kann nur froh sein, daß hierzulande kaum jemand etwas von den Regeln einer Polemik versteht und entsprechend selten die Kritiker, die auch ich habe, die tatsächlich wunden Punkte resp. offenen Flanken meiner Stücke aufspüren. So was tut nämlich weh, alles andere nervt nur.

In „Die Alarmisten“ geht es um Pressekritik in Zeiten der „Lü-gen-pres-se!“-Schreie. Und weil ich weder die Schreihälse noch die „Pressbanditen“ (Kraus) zart anfasse, laufe ich in keinem Satz Gefahr, von einer der Parteien reklamiert zu werden. Allerdings lasse ich auch keinen Zweifel daran, an wessen Seite ich im Ernstfall stehe, wenn die Reaktionäre sich die freie Presse unterwerfen wollen. (Kai Diekmann, da bin ich sicher, muß auch dann nicht von mir verteidigt werden.)

Wenn mir mal wie in „Die Alarmisten“ fast alles glückt, bekomme ich Lust, mich selber zu zitieren, und zwar Perioden, in denen die Artistik sich wie von selbst einstellt, in denen Klang und Rhythmus, Metaphorik und Uneindeutigkeit so was wie eine ästhetische Abgrenzung stecken zu dem scheußlichen Zeug, mit dem man sich abgibt. Eins der, wie gesagt, seltenen Beispiele für das, was ich mir unter Eleganz in einer Polemik vorstelle, unter Fusion von Sprachanalyse und sprachlichem Spiel, steht in einer Sequenz über den tiefinneren Nihilismus der Pegidazis und ihrer Follower deutschlandweit:

Die Taubheit der Lügenpresselügner für andere Meinungen, ihr fester Wille, zu vernichten oder zumindest für nichtig zu erklären, was nicht zum brutalen Quatsch in ihren Brägen paßt, gleicht in nichts dem, was der Journalismus sich seit Jahrhunderten an Einspruch bieten lassen muß von jenen klugen Köpfen, die man eben nicht hinter einer Zeitung findet, sondern mit Abstand darüber.

Ja, ich weiß, man soll sich nicht selber auf die Schulter klopfen, denn das sieht im günstigsten Licht ungelenk aus. Aber der „Abfall“ als eine Art Notizbuch darf sich Schwachheiten erlauben. Zumal wenn sie sogleich mit einem starken Zitat wie dem folgenden wettgemacht werden, einem Satz aus „Die Alarmisten“, in dem ich die Voraussetzungen für einen Journalismus aufzähle, der nicht irgendeine Qualität, sondern echte Klasse hat, und den es da und dort durchaus gibt:

Skepsis gegen alle Verlautbarungen der herrschenden Klasse, Skepsis dito gegen den Voyeurismus des Publikums, gegen die angeblichen Themen des Tages sowie, vor allem, gegen das eigene Gewerbe und seine ökonomischen Zwänge: Das sollte den mündigen Journalisten markieren […]

Besser geht‘s nicht, bei mir. Doch selbstverständlich geht es immer besser. Vor der Selbstbesoffenheit bewahrt mich die frische Erinnerung an einen häßlichen Grammatikfehler, den die kluge Redakteurin Marit Hofmann mir in der Druckfassung der „Alarmisten“ nicht durchgehen ließ und der alles andere, egal wie wohlgeraten, verschandelt hätte. Die Fallhöhe ist gerade in Polemiken enorm, ein Stolperer deshalb immer selbstmörderisch: Auch darin kenne ich mich viel zu gut aus. Zum Glück weiß ich mittlerweile, nach einem Vierteljahrhundert des professionellen Schreibens, um meine Limits. Sie deprimieren mich gelegentlich, doch meistens sind sie ein Ansporn – so wie der Horizont für den Entdecker ein Ziel ist, das er niemals erreichen kann, und ihn dennoch von einer unerforschten Insel zur nächsten führt (diese Metapher widme ich untertänigst Master Herman Melville).

Und sollte ich sie mal kurz vergessen, die Limits, und Gefahr laufen, mich über mein Maß hinaus aufzublasen, muß ich nur lesen, was die Kollegen in das April-Konkret hineingesetzt haben, besonders Stefan Ripplinger. Eine ähnlich wohltemperierte, im besten Sinn vornehme Polemik wie die seine zum „Birkenau“-Gemälde Gerhard Richters werde ich gelernter Kleinbürger leider niemals hinbekommen. Lese ich solche Sätze, werde ich in der Tat zu dem „neidzerfressenen Autor“, als den der Pseudopolemiker Broder mich mal in strahlender Dumpfheit verunglimpfte – solche makellosen Sätze:

Eine absurde Methode, und doch muß man dem Mann dankbar für sie sein, denn daß Menschen, die in den Tod getrieben und verbrannt werden, eines Tages im Burda-Museum der Inspiration der Baden-Badener dienen könnten, ist eine höchst unangenehme Vorstellung.

Wenn ich es schon nicht schaffen sollte, Sie durch Eigenlob zum Kauf des neuen Konkret zu bewegen, dann tun Sie‘s eben wegen Ripplinger! (Daß es noch viele sehr gute Gründe für den Erwerb des Hefts gibt, müssen Sie mir jetzt einfach mal glauben.)

Photo: Cover Konkret 4/2016,
vom Konkret-Verlag
freundlicherweise zur Verfügung gestellt


Freitag, 25. März 2016 22:13
Abteilung: Litterarische Lustbarkeiten, Qualitätsjournalismus, Selbstbespiegelung, Sokolowsky anderswo

Kommentare und Pings geschlossen.

3 Kommentare

  1. 1

    „Die Sprache allein tut es nicht. Man muß auch was zu sagen haben“, schrieb ein Hamburger Autor vor 70 Jahren. Als er später trotzdem einen Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung erhielt, sagte Hans Erich Nossak in seiner stellenweise durchaus auch polemisch geratenen Dankrede noch dies: „Das eigentlich Revolutionäre besteht doch wohl für alle Zeiten darin, daß der Einzelne sich genau der Grenze bewußt ist, wo das Unrecht beginnt, und an dieser Grenze haltmacht und Nein sagt.“
    Die Sprache hast du, was zu sagen hast du auch. Und wo du Unrecht so nennst und dazu Nein sagst, und beides tust du hier ja nicht selten, tust du es mit einem Stil, der sicher nicht nur mir gefällt. Ich hör den strengen Soloklang deiner Polemiken jedenfalls immer wieder gern, und deshalb verzeih ich dir die kleine Eitelkeit, für dein Schreibwerk im aktuellen Konkret mit Eigenzitaten geklappert zu haben. Ich werd’s mir wie immer kaufen. Bestimmt nicht nur, aber auch deines Textes wegen.
    Und damit jetzt keiner glaubt, daß hier ein doofes Sokolowsky-Groupie herumkommentiert: Du hast einsame Größen wie Goethe, Schopenhauer, Nietzsche, Kraus und dazu einen der brillantesten deutschen Schachtelsatzdrechsler aller Zeiten erwähnt. Ich hab – ich weiß, ich fang grad an abzuschweifen – überhaupt nichts gegen schöne Schachtelsätze. Das hohle Pathos aber, mit dem Thomas Mann seinen „Zauberberg“, in dem er ja auch einige notorische Polemiker auftreten lässt, zu Ende gebracht hat, kann ich ihm bis heute nicht nachsehen, obwohl ich den Wälzer bestimmt ein gutes Dutzend Mal und mit stets neuem Vergnügen gelesen habe. Ausgenommen eben dessen schwülstiges Finale: „Wird auch aus diesem Weltfest des Todes, auch aus der schlimmen Fieberbrunst, die rings den regnerischen Abendhimmel entzündet, einmal die Liebe steigen?“ Millionenfaches Abschlachten als Fest zu deklarieren – das hätte besser zum Œuvre der Stahlgewitterziege Ernst Jünger gepaßt, bevor sie von den Marmorklippen meckerte; und daß aus einer Veranstaltung wie dem Ersten Weltkrieg kaum etwas wie Liebe rausklettern konnte, hätte ein so kluger Mann wie Thomas Mann eigentlich wissen sollen und auch, daß man in allergrößte Peinlichkeit geraten kann, wenn man sich vom eigenen Pathos überwältigen lässt. Ganz gleich, ob man einen grandiosen Tausendseiter zu Ende bringt oder bloß ein Stückchen polemische Prosa zusammenfeilt. Nimmt das Pathos überhand, dann wird’s nämlich fast immer und bestenfalls, bekanntes Zitat vom selben Mann aus einem andern Wälzer, „parfümierter Qualm, in dem es blitzt“. Als Thomas Mann später seine BBC-Ansprachen hielt, war seine Zauberberg-Abschlußfrage ja schon längst beantwortet. Und zwar nicht mit Love & Peace, sondern mit einem weiteren, äh, „Weltfest des Todes“. Da hat es der Redner aber immerhin nicht mehr so genannt.
    Ich bitte um Entschuldigung fürs Abschweifen und komm wieder zur Sache: Du hast hier sogar dem weniger brillanten WELT-Broder und dann zum größeren Übel auch dem noch nicht mal narrengoldigen BILD-Diekmann die Ehre erwiesen, ihre Namen zu nennen, und sei’s auch bloß, um unschöne Beispiele anzuführen.
    Wieso aber hast du, da du doch über Polemik schriebst, nicht den Weltbühnen-Meister Kurt Tucholsky erwähnt? Der hatte doch mehr zu sagen und mehr Sprache und Stil im kleinen Finger als die meisten anderen deutsch schreibenden Polemiker des 20. Jahrhunderts zusammengenommen in ihren Köpfen. Der hat doch Unrecht aufs Härteste kritisiert, ohne dabei jemals gallig zu werden. Und dazu gelang ihm noch so oft das seltene Kunststück, volkstümlich zu schreiben, ohne sich beim Volk anzubiedern und bei den Herrschenden schon gar nicht. Der Mann hat wirklich, um noch was Pathetisches zu zitieren, an einem Stück Prosa wie an einer Bildsäule gearbeitet.
    Also daß du in deiner jüngsten Polemik meinen Lieblingspolemiker ausgelassen hast, das versteh ich nicht recht, und ich find es, ganz unpolemisch: echt schade!

    Es fehlen auch andere Namen – Karl Marx (ein gewaltiger Polemiker!) zum Beispiel oder Arno Schmidt. Grandmaster Kurt habe ich bestimmt nicht aus Geringschätzung ungenannt gelassen. Aber es ging mir um die Dichter, die mich besonders beeinflußten, nicht unbedingt um eine Top Ten bzw. Top Three. Und Thomas Mann rutschte in meine Selbstbespiegelung, weil ich ihn als Beispiel für einen schlechten Polemiker brauchte. – Ich danke Dir jedenfalls für Deinen liebenswürdigen Kommentar und das großartige Nossak-Zitat; und ich hoffe, daß ich die Tucholsky-Scharte bald mal auswetzen kann. KS

  2. 2

    Ich weiß ja nicht, was Sie, lieber Herr Sokolowsky, mit „die Tucholsky-Scharte bald mal auswetzen“ können meinen, aber ich dachte eben gerade sofort: Ein Buch!
    Ein Buch von Sokolowsky über Tucholsky – ich würde mir das Geld dafür vom Munde absparen (naja, okay, vielleicht auch einfach mal ein bißchen mehr arbeiten)!

    Das ist ein Kompliment, das ich nicht verdient habe. Ich mag Ihre Idee; aber ich bin nicht der Mann für die Aufgabe. Tut mir leid. Ich schriebe viel lieber eine Monographie über die österreichischen Kleinkünstler der 1920er-Jahre -: Polgar, Friedell, Kuh etc. – Tucholsky hat seit langem gute Interpreten. KS

  3. 3

    Von Sekundärliteratur zu Tucholsky habe ich keine Ahnung.
    Aber ich erinnere mich, daß einer der beiden Helmuts (ob es Schmidt oder Kohl war, weiß ich nicht mehr) Tucholsky als „großer deutscher Satiriker“ oder so ähnlich (es ist so lange her) zu vereinnahmen suchte.
    Wie gesagt: Ich weiß nicht, wie „seit langem gute Interpreten“ mit sowas umgehen.
    Ich dachte nur, daß eine Polemik im Stile des Sokolowsky gehörig aufräumen könnte mit der Verharmlosung Tucholskys als feuilletontauglichem Schmusesatiriker, der vor allem wegen „Schloß Gripsholm“ und „Herrn Wendriner“ im zeitgenössischen Mainstream geachtet wird, als hätte er nichts anderes geschrieben.
    Aber muß ja nicht …

    Der Kanzler, der behauptete, „seinen Tucho“ stets auf dem Nachttisch liegen zu haben, hieß Kohl. Eckhard Henscheid hat sich mehrmals darüber belustigt. – Daß Sie mir zutrauen, ich könnte der Weichspülung Tucholskys eine Abfuhr erteilen, schmeichelt mir, keine Frage. Aber ich bin wirklich nicht der richtige Autor dafür. KS