Popanz-Trio (2): Thilos Sprachfehler

Sarrazin muß dringend zum Integrationskurs. Denn er kann kein Deutsch. Wie alle Deutsche, die sich dicke damit tun, Deutsche zu sein, kann der Sarrazin die eigene Sprache nicht. Wie alle Erzchauvinisten tut er dem Besten und Kostbarsten, was seine „Na=Zion“ (Arno Schmidt) zu bieten hat, seiner schönen Mutter Sprache, fortwährend Gewalt an. Und damit meine ich nicht Sarrazins Aussprachefehler, dieses Gefnaufe und Geknifpel, mit dem er die Wörter aus sich rausquetscht, wenn er öffentlich auftritt. Dafür kann er eventuell nichts.

Ich meine seine Mißhandlung des geschriebenen Worts. Sarrazins verfaßten Sätzen eignet der feine Takt von Marschstiefeln, der zarte Klang eines Kasernenhofappells, die süße Melodey einer Luftangriffssirene. To give an example (ein x-beliebiges, ist doch in seinem aufgeschäumten Textdreck jeglicher Satz ein Beispiel): „Durch diese Operationen sind die sichtbaren Formen der Ungleichheit zwischen begabten und weniger begabten Schülern abgeschafft worden.“ Die unsichtbaren Formen erklärt uns dieser Fiesosoph demnächst am Beispiel eines Schattens in der Dunkelheit.

Im Irrglauben befangen, ein Stilist zu sein, züchtet Sarrazin eine Stilblüte nach der anderen, so wie nur je ein teutscher Bürokrat, der sich zu Höherem berufen fühlt, obwohl sein Denken über die Decke der Kartoffelkiepe nie hinausreichen wird. Dann kratzt er, die Zunge im Lippenschraubstock, Worte aufs Papier, das es dulden muß, und hält sich dabei vermutlich für Göthes Wiedergänger: „In wachsendem Maße wird die freie Betrachtung der menschlichen Gesellschaft in vorgefaßte Raster gepreßt.“ Hier stimmt sowohl bildlich wie gedanklich gar nix. Es gibt entweder eine freie oder eine gepreßte Betrachtung und nichts dazwischen, doch was Sarrazin eigentlich sagen wollte, werde ich hier nicht verraten. Fehlte mir noch, diesen Schwätzer zu übersetzen.

Es ist jedenfalls keine Überraschung, daß Sarrazin kein Deutsch kann. Er glaubt nämlich, es zu beherrschen. So wie er überhaupt in der Herrschaft, also in der Unterdrückung der Schwachen durch die Starken die einzige Rettung sieht für sein Deutschland, dessen Sprache ihm objektiv noch fremder ist als subjektiv all diese Fremden. Die Sprache jedoch erkennt keine Tyrannen an und straft sie für die Hybris mit Mißton und bleibender Albernheit.

Ich muß Sarrazins jüngst Verdruckstes Der neue Tugendterror nicht lesen, um zu wissen, daß dies wieder mal ein Stiefel ist. Dieser Kerl kann nicht aus seiner Haut, er bildet sich viel zu viel auf sie ein. Ein einziger Satz aus der Terrorschwarte genügt als Beleg für die Aufgeblasenheit, die Hohlheit und die Nichtigkeit des Ganzen:

„Die Trümmer der historisch diskreditierten Lehren treiben nach wie vor als moralisches Strandgut auf den Meeren der Geistesgeschichte.“

Daß einer, der Metaphern weder zu schreiben noch zu verstehen vermag, zum meistdiskutierten Autor des Landes aufsteigen konnte, spricht weder fürs Land noch für die Liebe der Eingeborenen zur eigenen Sprache. Darum ist auch nicht das Geschmarre dieses viertelgebildeten Schwaflers zum Fürchten, sondern weit mehr seine gigantische Popularität beim Publikum. So einer stellt also das Beste dar, was die geifernde Mehrheit sich als Sprachrohr leisten kann? Sie würde sich morgen, wenn sie könnte, für diese selbstgewählte Schande fürchterlich an allen rächen, die ihren begrenzten Helden heute verhöhnen. Ihre Großväter haben es 1933 vorgemacht.

(Und wenn Sie, liebe Leserin, lieber Leser, den mordspeinlichen Sprachfehler im Zitat nicht bemerken, dann begeben Sie sich bitte aufs Meer, um dort einzusammeln, was am Strand liegt. Und gleich anschließend in den Integrationskurs. Das sind Sie dem Treibgut Ihrer Geistesgeschichte moralisch schuldig. Und wenn der Sarrazin neben Ihnen hocken sollte … Nun, Strafe muß sein.)

Popanz-Trio (1): Alice in chains
Popanz-Trio (3): Schmock ‚ n ‚ Schmoll


Freitag, 14. März 2014 0:12
Abteilung: Man schreit deutsh, Undichte Denker

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