Round midnight: Cinéma vérité (1)

Star_Trek_X_(c)_Kay_SokolowskyMarginalien zu Kino & Wirklichkeit.
Heute:

Ein X für ein „Oooh …!“

Warum in phantastischen Filmen die Spezialeffekte regelmäßig besser und authentischer aussehen als die Menschen, die zwischen ihnen herumstehen, hat William Shatner aka Captain Kirk mal erläutert. Amüsiert und zart verzweifelt zugleich berichtete er viele Jahre danach über die Dreharbeiten zu „Star Trek – The Motion Picture“ (1979 – hier geht‘s zum schön zeitgenössischen Trailer):

Let me take a piece of paper … And let‘s say … (Shatner zeichnet auf einen Notizzettel ein großes X und ahmt den Regisseur nach.) Okay: here‘s the monster. Monster is right over here over your right shoulder. Now, when I snap my finger, look at it as though it‘s going to eat you. We don‘t know exactly what it looks like, or how it‘s going to eat you, or what it says, or what it does, or how it looks, nor how it blinks its eyes, nor where it moves its legs and its arms and its ears. And it really doesn‘t have ears, that much we know. So, react! That‘s acting in a science fiction film.

Gewiß, es gibt ein paar phantastische Spielfilme, in denen die Schauspieler sich gegen die visuellen Wunder behaupten können, wo sie das X nicht mehr sehen, sondern etwas zu sehen scheinen, was für sie unsichtbar ist. Aber das sind die Ausnahmen, die die Regel usw. Mir fallen nach langem Überlegen nur „2001“, „Close Encounters of the Third Kind“ und „Blade Runner“ ein. Vielleicht noch „Jurassic Park“ und „Terminator 2“, aber die eher wegen einzelner Szenen.*

The human adventure is just beginning

– verspricht die 37 Jahre alte Kinowerbung (s. o.), und obwohl der große, etwas verkannte Regisseur Robert Wise mit dem ersten Enterprise-Spielfilm keine Ausnahme, sondern eines seiner nicht so runden Stücke abgeliefert und die Verheißung der Reklame kaum zur Hälfte eingelöst hat – ich läse solche kühnen Versprechen gern wieder öfter, nicht allein auf der Leinwand.

* Welche Ausnahmen dieser Art fallen wohl Ihnen, geschätzte Leserin, werter Leser, ein? Das interessiert mich. (Zuschriften bitte auf dem bekannten Weg an den Admin richten. Eine Begründung ist nicht erforderlich, wäre freilich erfreulich.)


Mittwoch, 9. März 2016 1:38
Abteilung: Aufgelesen, Moving Movies, Round midnight

Kommentare und Pings geschlossen.

2 Kommentare

  1. 1

    Einer der besten Filme aller Zeiten: Kung Fury
    https://www.youtube.com/results?search_query=kung+fury
    Begründung:
    Alle! Szenen sind perfekt gemacht! Außerdem gefallen mir Filme gut, in denen viele Nazis getötet werden.
    Mit freundlichen Grüßen,
    Daniel Lüdke

    Kurz und bündig, wenn auch vielleicht nicht ganz beim Thema. Aber so hab ich das gern. Und „Kung Fury“ ist wirklich smart. KS

  2. 2

    Ähem (hüstel), es sei mir verziehen, wenn mein Beispiel nicht entfernt an „2001“ und „Blade Runner“ heranreicht und vielleicht gar nicht die Anforderung erfüllt, daß die Akteure mehr als das „X“ sehen, aber im Zusammenhang mit dem vorangegangenen Text mußte ich einfach sofort an „Devil – Fahrstuhl zur Hölle“ von John Erick Dowdle denken.

    Verziehen, weil es gar nicht nötig ist, in dieser Angelegenheit irgendwas zu verzeihen.- Nötig aber ist ein Dankeschön für die Empfehlung: Das nenn ich mal Alptraumfutter! (Und erinnere bei der Gelegenheit gern an Louis Malles epochales Meisterstück „Fahrstuhl zum Schafott“, nicht zuletzt wegen der Musik von Miles Davis, doch vor allem wegen Jeanne Moreau. Ah, Jeanne Moreau …) KS