Schlecht kopiert

Eigentlich wollte ich heute abend einen ziemlich exhibitonistischen Blogpost veröffentlichen. Darin sollte es um den Sonnenuntergang gehen, um die Eisenbahn und das Kino im weitesten, im Imax-Sinn.

Doch dann grätscht mir auf Facebook ein Professor von der FU Berlin dazwischen, als er dort (und nicht etwa hier, wo‘s hingehört) meine Einlassungen zum Neofeudalen Sloterdijk bemängelt. Unsauber ist nicht nur der Ort der Kritik gewählt, sondern dito das Argument, mit dem Bernd Ladwig mich als Dilettanten markieren will:

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Warum reicht es Kritikern wie diesem, der von Sprachkritik nichts versteht, und das sind ja die meisten – warum reicht es diesen Leuten nie, jemanden als Kopisten zu schmähen? Warum muß der Kopist auch noch ein „schlechter“ sein? Weil Kritiker wie dieser Ladwig niemals Originale sein werden, immer bloß Epigonen? Der Verdacht liegt nah.

Und warum verlangen solche Stümper und Stänkerer von einem Autor, was der nie versprochen hat: ein „Florett“ zum Beispiel oder den Verzicht auf Kalauer?

Weil sie es nicht verstehen, Angelegenheiten des Stils zu verhandeln. Poetische Form und Sprache sind ihnen schlicht zu hoch; und bei seinem Doktorvater (s. u.) konnte Professor Ladwig solche Dinge garantiert nicht lernen.

Wahrscheinlich habe ich einen Fehler gemacht, als ich auf Ladwigs hochnäsiges Geschwätz reagierte. Aber ein Autor, der sich selbst kaum, jedoch seine Veröffentlichungen sehr ernst nimmt, muß keineswegs alle Blödigkeiten schlucken, die ihm aufgetischt werden. Also schrieb ich dem Ladwig auf Facebook dies:

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Dann kam erst mal nix, und nach 14 Stunden stocherte ich nach (bin ein neugieriger Typ):

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Ladwigs Antwort hätte ich nicht erbetteln sollen, ich gebe es zu. Sie ist ein Muster der Fremdscham und Selbstdemontage, das ich lieber für mich behielte, wäre der Verfasser nicht ein Kerl, der weiß, was er treibt:

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Und wieder erwiderte ich, und wieder, may be, war das unklug von mir:

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(„Äußeren“ ist ein Tippfehler.) Bis hierhin hatte ich mich – großes Indianerehrenwort! – nicht weiter darum gekümmert, wer dieser Ladwig ist in der Käseglockensphäre der akademischen Warenwelt. Aber dann wies mich eine Frau, auf deren Urteil ich wahrlich etwas gebe (bestimmt mehr als auf jedes andere), darauf hin, daß Ladwig möglicherweise kein Kritiker sine studio* ist. Ich folgte dem Hinweis, las nach, und dann plazierte ich das hier auf Facebook.

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Und falls Sie sich fragen, warum ich den unersprießlichen Vorgang hier dokumentiere … Dafür sind Notizbücher doch da! So ein Fall gehört zweifelsfrei in den „Abfall“! (Und möglicherweise lesen hier auch Studenten des Herren Prof. mit. Dann erfülle ich einen Bildungsauftrag.)

* Wenn Ladwig zu Beginn unserer Facebook-Affäre gönnerhaft einräumt, mit Sloterdijk träfe sogar ich „keinen Falschen“, läßt er den Münkler-Adepten
derart besinnungslos raushängen, daß eins den Speichelschutz aufspannen möchte.


Donnerstag, 17. März 2016 1:54
Abteilung: Selbstbespiegelung, Sokolowsky anderswo, Undichte Denker

Kommentare und Pings geschlossen.

5 Kommentare

  1. 1

    Gleichzeitig unterhaltsam und deprimierend. Daß so einer nicht willens oder in der Lage ist, zu lesen, um seine Kritik auch nur ansatzweise zu belegen – eigentlich sollte einen das erstaunen. Tuts natürlich nicht.
    Was erstaunt, ist der Rückgriff auf den völligen Nebenschauplatz Börnepreis. Es sei denn …: Wenn man sich auf Ladwigs Website umschaut, stellt man fest, daß er mindestens so gut vernetzt ist wie sein Herr Doktorvater. So kommt ein Schelm wie ich auf den Gedanken, dass der evtl. was weiß. Sollte dieses Jahr vielleicht der Münkler den Börnepreis …? *zwinkersmiley* (Nicht, daß ich das wirklich glaube; sollte es aber doch so eintreten, lache ich mir einen Ast.)

    Und ich lache mit Ihnen, lieber Thomas Küster. Nachdem Herr Professor mich derart genervt hat, darf er bzw. sein Meister mich gern mal erheitern. Ich würde das sogar öffentlich loben. KS

  2. 2

    Es gibt Kalauer, die können ein Leben bereichern. Mein Favorit: „Der Junge mit dem Mund von Monica“, irgendwann einmal in der Konkret über Bill Clinton.

    „He went out and cried butterly“ – das ist der Kalauer, der mein Leben bereichert hat. Steht in dem Kalauerkatalog namens Ulysses. (James Joyce war doch auch ein Henscheid-Kopist, oder?) KS

  3. 3

    Daß jemand, der das Florettieren unter der Münklerschen Käseglocke erlernt hat, seine Magerkäsehäppchen hier lieber nicht aufgespießt sehen wollte, ist kein Wunder. Hattest du den „Abfall“ nicht neulich zu einer „der wenigen weitgehend trottelfreien Zonen im WWW“ deklariert? Auch kein Wunder, daß der Herr L. eine derart ausgewiesene Zone instinktiv gemieden hat. Er ahnte wohl, daß er sich dort nicht recht zu Hause fühlen würde.
    Abgesehen davon – Achtung, jetzt kommt ein schlecht kopiertes Philosophen-Zitat –: An die dumme Stirne gehört als Argument von Rechts wegen nicht – noch mal Achtung, ganz mieser Kalauer! – bloß ein schnöder Käs’book-Kommentar, sondern in der Tat ein hübsch geballter „Abfall“-Notizbucheintrag. Schade finde ich nur, dieserhalb nun auf Eisenbahn und Sonnenuntergang verzichten zu müssen.
    PS. Kalauer aller Länder, vereinigt euch! Und einen respektvollen Gruß an die kluge Gattin!

    Die Frau des Bloggers grüßt herzlich zurück, während ich mich bedanke für Zuspruch und Lob. – Die Eisenbahngeschichte ist übrigens nur verschoben, nicht gestrichen. Vielleicht bekomme ich die Sache heute noch fertig. Falls mir nicht wieder ein deutscher Oberlehrer reingrätscht. KS

  4. 4

    Und schon erscheint das Bild von einem in den Sonnenuntergang grätschenden deutschen Oberlehrer vor meinem inneren Auge. Im Bildhintergrund die herandonnernde Eisenbahn, im Begriff, jenen a tergo zu überrollen, angetrieben von der ehernen Sokolokomotive, hihihi … Tja, und da hat er mich erneut, der Kalauer. Oder ist mir da eben vielleicht sogar was Metaphorisches von Sloterdijkscher Sprachmächtigkeit gelungen?
    Apropos Möchtegern-Philosophen, und weil ich grad so albern bin – das passiert mir gelegentlich, wenn ich zu früh aufstehe: Verschone ich den „Abfall“ auch nicht mehr länger mit der ein wenig schiefen Gernhardt-Kopie, die ich mir vor ein paar Tagen als kleine Laudatio auf den wirrschopfigen Haupthelden von „Gaudeamus igittur“ zusammenschüttelte. Und eigentlich für mich behalten wollte, aber nun einfach nicht mehr kann (siehe auch Matthäus 12,34-35):

    Selbsttäuschung
    Das Wirre was ich bin,
    schreibt ’ne Metapher hin.
    Also ist es nicht doof,
    sondern ein Viehlosoof!

    Entschuldige, ich hör ja schon auf und mach mir ’ne Tasse Kaffee mit Nikotin. Ich hoffe, du nimmst mir den Lokomotiven-Kalauer und meine sonstigen Albernheiten nicht übel …

    Ich nehme viel weniger bzw. seltener übel, als es den Anschein hat. KS

  5. 5

    Wenn fröhlich über Philosophen gekalauert wird, poste ich jetzt doch den Youtube-Link, den ich mir die ganze Zeit verkneife, weil ich denke, das kennt hier sowieso jeder. Aber vielleicht ja auch nicht. Also: „Heidegger“ von Pigor & Eichhorn. Immer wieder schön.

    https://www.youtube.com/watch?v=7dtawhoZv1w

    Hinweise auf dieses großartige Duo sind hier ausdrücklich willkommen! Wie die meisten Chansons von Pigor und Eichhorn ist auch dieser mehr als ein Anhören wert. KS