To be or not to blog*

Vor einer Ewigkeit bzw. zehn Jahren war die „Blogosphäre“ das nächste große Ding, und nicht nur Blogger orakelten, hier würde „Öffentlichkeit“ neu definiert. Inzwischen ist man wieder unter sich beim Bloggen, und das finde ich auch gut so: lieber hundert aufmerksame Leser als hunderttausend aufmerksamkeitsgestörte „Liker“. Nischen haben mir immer gut gefallen, zumal wenn ich sie nach meiner Laune tapezieren durfte. Bei Facebook und Twitter fühle ich mich erheblich beengter, getriebener, unbeachteter, lobotomisierter als in einem intelligent gestalteten, aufmerksam moderierten Blog, obwohl (oder weil?) dort, bei den Kommerzherren, das potentielle Publikum x-fach größer ist.

Doch bevor dies hier zu einer öden blöden Kulturkritik verkommt, die vermutlich schon vor einem Jahrzehnt kein Aas interessiert hätte, komme ich besser mal zur Sache. – Zwei meiner liebsten Weblogs da draußen haben mich nämlich neulich um Gastbeiträge gebeten, und weil diese Blogs mir so wert sind, sagte ich nicht nein, obwohl mein Einsatz gratis sein sollte. Geld ist nicht alles! („Es gibt auch noch Schatzbriefe und Obligationen“, R. Gernhardt.) Und nebenbei fühlte ich mich ein bißchen gepudert, von diesen Bloggern um einen Beitrag gebeten zu werden. Es stehen, dachte ich abschließend, viel, sehr viel schlechtere Orte zur Auswahl, um sich zu veröffentlichen.

Also habe ich für die geschätzten „Prinzessinnenreporter“ einen Fragebogen ausgefüllt, in dem ich u. a. beantworten mußte, wie der Journalismus „auf keinen Fall“ gerettet werden könne („mit meinem Segen“). – Und für das äußerst rührige, zu meinem steten Ergötzen den Sumpftiefen des C- bis Z-Films verschriebene Weblog „Die Nacht der lebenden Texte“ habe ich einen ziemlich langen Artikel über das Abschiedswerk des russischen Avantgardefilmers Aleksej German angefertigt.

Man nennt solche ehrenamtlichen Einsätze in „unseren“ Bloggerkreisen gern Netzwerkerei. Was ein aufgeblasener Quatsch – ich nenn‘ es eine Ehre. Sowie ein Vergnügen!

Und wenn Sie, liebe ca. hundert Leser, nun neugierig auf die Blogs meines Vertrauens geworden sind, heiße ich Sie herzlich willkommen in der schönen, warmen Anonymität der Blogosphäre! Hier sind wir Schlauköpfe ganz unter uns … Und, mal ehrlich – möchten wir woanders sein?

* Wer weiß, wo ich diese Überschrift schon mal verwendet habe,
darf sich als mein Idealleser fühlen.


Donnerstag, 24. September 2015 23:30
Abteilung: Schwammintelligenz, Sokolowsky anderswo

Kommentare und Pings geschlossen.

2 Kommentare

  1. 1

    Ehre, wem Ehre gebührt, erwidere ich da gern. Vielen Dank für eine wunderbare Gastrezension zum einen, für diese überaus freundliche Empfehlung zum anderen und das darin enthaltene Lob zum weiteren. Aus berufenem Munde motiviert das umso mehr, mich weiterhin in die Untiefen der C- bis Z-Filme zu begeben. Wo das ist, gibt’s noch viel mehr! Ich hoffe, du verzeihst mir den einen oder anderen A-Film (auch wenn mir die anderen ebenfalls die liebsten sind).

    Ich verzeihe Dir! Heute in Geberlaune: KS

  2. 2

    Bei dieser Gelegenheit möchte ich aber auch auf die Blogkonkurrenz – ich kann nicht anders -, auf die ganz hervorragende, zum genüßlichen Zeitvertreib einladende Seite von Herrn Rattelschneck hinweisen:
    http://www.rattelschneck.de/
    Mit besten Grüßen, Daniel

    Eine Empfehlung, der ich mich gern anschließe. Und was heißt denn „Konkurrenz“? Rattelschneck ist konkurrenzlos! KS